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14. April 2010 Gegen
das Vergessen – Der Historiker Roland Paul im Institut
für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern Von Stefan Gleser Die damals neunjährige Margot Wicki-Schwarzschild aus Kaiserslautern erinnert sich an den 22. Oktober 1940: “Eines sehr frühen Morgens wurden wir jäh aus dem Schlaf gerissen; Stiefelgetrampel und lautes Klopfen an der Wohnungstür. Ich sah meine Eltern erbleichen, zu Tode erschrecken… In der Tür standen Gestapo-Leute in Zivil… Ich sah meinen Vater zittern, meine Mutter weinen… So standen wir, zusammen mit unserer fast 80-jährigen Großmutter, eine Stunde später übernächtigt und blaß, bereit zum Abtransport… Wir wurden dann am späten Abend auf den Güterbahnhof getrieben, durch eine Unterführung, in der die Hitlerjugend der ganzen Stadt Spalier stand, uns verhöhnte, beschimpfte und anspuckte. Wir kamen uns wie der Abschaum der Menschheit vor.” Zum Gedenken an die vor 70 Jahren verschleppten pfälzischen Bürger jüdischer Abkunft sprach der Historiker Roland Paul im Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern am 7. April über „Gurs – End- und Zwischenstation pfälzischer Juden”. Zur Begüssung verwies Manfred Petry , der stellvertretende Vorsitzende des Bezirkstages, auf kommende Veranstaltungen und die Gedenkstättenarbeit des Bezirksverbandes. Vor zahlreichen Zuhörern begann Paul mit den Ursprüngen des rassisch begründeten Antisemitismus in der Pfalz. Hier seien die Schriften August Gottholds zu erwähnen und Mitte der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die Zeitung „Der Eisenhammer“ des nationalsozialistischen Abgeordneten Fritz Heß. Für den „Eisenhammer“ sei „Der Stürmer“ Vorbild gewesen. So sei die Atmosphäre geschaffen worden, für die nach 1933 einsetzende Entrechtung und Verfolgung der Juden. Bis 1940 hätten circa 4 000 pfälzische Juden fliehen können. Dabei hätte es sich als hilfreich erwiesen, dass im 19. Jahrhundert viele pfälzische Juden in die Vereinigten Staaten ausgewandert seien. Verwandtschaftliche Bindungen hätten so die lebenswichtige Bürgschaft, das „Affidavit“, ermöglicht. Von den zurückgebliebenen hätten sich viele Männer der Illusion hingegeben, ihre Verdienste im Ersten Weltkrieg würden sie sichern. Auch hofften manche, die Anonymität der Großstadt schütze und zogen um. Paul las aus den Briefen des Dürkheimer Rabbiners, der das Sterben seiner immer kleiner werdenden Gemeinde miterleben musste. Die Synagoge in Kaiserslautern wurde schon vor der Pogromnacht gesprengt. Nach dem 9. November wurden Lautrer Juden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Aus der Anstalt Klingenmünster wurden 30 Kranke in Tötungslager deportiert. Am 22. Oktober 1940 wurden mehr als 800 pfälzische
Bürger, vom Kleinkind bis zum Greis, aus ihren Wohnungen geholt.
Sie wurden eingesammelt und in das französische Internierungslager
Gurs, am Nordabhang der Pyrenäen, transportiert. Es war die „Wagner-Bürckel-Aktion“,
die Baden, die Pfalz und die Saar „judenfrei“ machte. Über die unmenschlichen Verhältnisse in Gurs berichteten Gefangene, die später berühmt werden sollten, wie die Filmhistorikerin Lotte Eisner und die Philosophin Hannah Arendt. Um so mehr ist Pauls Arbeit zu würdigen, auch das Andenken an Unbekannte wach zuhalten. Paul warb dafür, die Erinnerungen Carl Hausmanns zu veröffentlichen. Hausmann stammt aus der Nordpfalz, überlebte in einem französischen Kinderheim und ist heute in New Jersey ansässig. Hausmann wünscht sich, dass seine „Aussage für die jüngere Generation und die Humanität in irgendeiner Weise von Nutzen sein wird, so dass die kleine Familie von Kirchheimbolanden wie die Millionen anderer, nicht vergebens gestorben sind.“ Paul illustrierte seinen Vortrag durch Werke des in Gurs geschundenen Künstlers Leo Breuer. Als Ergänzung zu seinen eignen Forschungen empfahl Paul das Buch „Die Kinder von Izieu: eine jüdische Tragödie“ von Serge und Beate Klarsfeld. Hintergrund: – Das Camp de Gurs in der französischen
Ortschaft Gurs am Rand der Pyrenäen war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg
das größte französische Internierungslager und wurde zunächst
für politische Flüchtlinge und Spanienkämpfer genutzt.
Während der deutschen Besetzung Nordfrankreichs im Zweiten Weltkrieg
wurde es zum Internierungslager für deutsche Staatsbürger, Bürger
anderer Staaten und schließlich Juden. Formell stand das Lager in
dieser Zeit unter französischer Verwaltung. Hilfslieferungen von
Wohlfahrtsorganisationen erleichterten in geringem Maß das Überleben
im Lager. (Quelle: Wikipedia)
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