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19.3.2010
Peter Hartz als Weißwäscher in eigener
Sache
„Minipreneure“ als Wiedergutmachung,
oder die Weiterentwicklung des Hartz Problems ?
Kommentar von Claude Michael Jung
Er will es nicht gewesen sein. Sein Konzept sah völlig anders aus.
Peter
Hartz mimt jetzt den Verfolgten. Die Kritik an der Arbeit der
Hartz-Kommission ist nach seiner Meinung in weiten Teilen unberechtigt,
sagte Gerhard Schröders Vertrauter gegenüber dem Saarländischen
Rundfunk
bei der Vorstellung seines neuesten Vorhabens, dem angeblich
gemeinnützigen Projekt „Minipreneure“. Hartz täuscht
vor, das alles so
gar nicht gewollt zu haben und von den marktradikalen Giftstoffen der
verantwortlichen Allparteienkoalition nichts gewusst zu haben. Sieben
Millionen Opfer fragen sich indes, warum Hartz dann nicht sofort an die
Öffentlichkeit gegangen ist und sich von seinen Freunden distanziert
hat. Dem SR sagte Hartz: „...Aber wenn man in die Küche geht,
muss man
die Hitze ertragen.“. Richtig, der Namenspatron eines beispiellosen
Verarmungsgesetztes wird die Hitze ertragen müssen, für die
er sich
hergegeben hat.
Zu einer Entschuldigung bei seinen Opfern scheint Peter Hartz nicht in
der Lage zu sein. Diejenigen, die durch die nach ihm benannten Hartz-
IV-Gesetze in den Selbstmord, der Polizeibericht spricht von
Familiendramen, getrieben wurden, bedürfen dieser Entschuldigung
nicht
mehr, wohl aber deren Hinterbliebene. Statt um Verzeihung zu bitten,
flüchtet Hartz sich in Selbstmitleid und sieht sich als Opfer der
Geister, die er rief. Zugegeben, Vergleiche hinken, aber hier entsteht
der Eindruck, dies alles schon mal in nicht allzu ferner Vergangenheit
gehört zu haben.
Nun aber will der wegen Untreue vorbestrafte Ex- VW- Vorstand seine
Opfer mit einem weiteren Projekt erneut beglücken. „Minipreneure“,
zu
deutsch Kleinstunternehmer, soll der Ausweg aus der Arbeitslosigkeit
sein. Damit gedenkt Peter Hartz rund 7.500 Langzeitarbeitslosen die
Möglichkeit zu eröffnen, wieder Anschluss an den Arbeitsmarkt
zu finden.
Eine erste Phase soll im Saarland umgesetzt werden. Das Konzept sieht
vor, die Resignation der von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffenen
aufzulösen, so dass sie wieder Zutrauen gewinnen, ihre Talente entdecken
und ihren Lebensplan neu entwerfen. Mit Hilfe von Wirtschaftsfachleuten
wie ihm, Psychologen, Neurologen und Managern soll für jeden
Arbeitslosen ein Betätigungsfeld ermittelt werden, das deren Talenten,
geheimen Wünschen und besonderen Interessen, Kompetenzen und
Fertigkeiten entspricht. Das alles soll für die Arbeitslosen natürlich
vollkommen freiwillig sein.
Warum dann aber die verharmlosende Umschreibung Miniprenuere? Das neue
Hartz- Projekt scheint eher für die Schaffung von zahllosen
selbstständigen Kleinstunternehmern zu stehen, die ohne soziale
Absicherung täglich um ihre Existenz bangen und sich und ihre
Dienstleistungen zu immer niedrigeren Löhnen verkaufen müssen,
um zu
überleben. Miniprenuere oder Harz V. steht somit von vornherein unter
dem Stern des Marktradikalismus, etwas anderes war auch nicht zu
erwarten. Was die Freiwilligkeit anbelangt, in dieses Projekt
einzusteigen, wird spätestens dann, wenn die Fallmanager der Argen
zur
Drohkulisse des finanziellen Aushungerns greifen, klar werden. Wir
brauchen existenzsichernde Arbeitsplätze und Mindestlöhne, die
geeignet
sind, der Armutsfalle zu entgehen. Schuhputzer, Hundefriseure, Artisten,
die im fließenden Verkehr Autoscheiben putzen und Bordelltüren
öffnen,
sind nicht die Lösung, sie sind ebenso Bestandteil des Problems wie
sein
Erfinder.
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