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| 16.01.11
Arme sterben
früher
Aspekte zur sozialökonomischen und gesellschafts-politischen Beseitigung der Armen und nicht der Armut - auch in der Bundesrepublik Deutschland. Wer unter der Armutsgrenze von 60 Prozent des mittleren Einkommens lebt, stirbt in der Bundesrepublik Deutschland früher: bei Frauen sind es acht Jahre, bei Männern sind es elf Jahre. Auch in den mittleren Einkommensschichten ist die Lebenserwartung niedriger als in der Einkommensgruppe mit einem Einkommen von 150 Prozent des Durchschnitts oder mehr. * In Armutsrisikogruppen kommt es häufiger zu Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina pectoris, Hypertonie, Diabetes mellitus, chronische Bronchitis, chronische Lebererkrankungen oder Osteoporose. * Sozial schwächere Menschen sind häufiger von 'persönlichen' und psychischen Problemen sowie verminderten Kontakten zu Familienangehörigen und 'Freunden' betroffen. * Armut befördert ein ungünstiges Gesundheitsverhalten. Frauen und Männer rauchen häufiger und sie treiben seltener Sport. Frauen aus niedrigen Einkommensgruppen sind 3,3-fach häufiger adipös. Bei Männern beträgt dieses Verhältnis 1,6:1. Die Unterschiede in der Lebenserwartung und Gesundheit zwischen Arm und Reich haben sich in den letzten Jahren noch vergrößert. [1] Hohes Einkommen verlängert das Leben! Frauen mit hohem Gehalt haben im Schnitt eine deutlich höhere Lebenserwartung als Frauen mit niedrigem Einkommen. Dieses Effekt ist bei Frauen nur halb so stark wie bei Männern. Worin dieser Unterschied begründet ist, muss erst erforscht werden, heißt es im Bericht. "Frauen, die zu den oberen zehn Prozent der Verdiener gehören, leben etwa drei Jahre länger als Frauen aus den niedrigsten zehn Prozent", sagt Friedrich Breyer, Wissenschaftler am DIW Berlin. Die Wissenschaftler vermuten, dass höhere Bildung sowohl ein höheres Einkommen als auch ein ausgeprägteres Gesundheitsbewusstsein bedeuten. [2] Reich hält gesund und Armut macht krank! Männer aus der sozial-ökonomischen Unterschicht sterben zehn Jahre früher als finanziell besser gestellte Geschlechtsgenossen. Bei Frauen liegt die Differenz bei fünf Jahren. Ein reicher Mann in der Bundesrepublik Deutschland wird im Durchschnitt 82 Jahre alt, ein armer Bundesbürger aber nur 72 Jahre. Männliche Angestellte mit einem Jahres-Einkommen unter 34.000 Euro weisen eine doppelt so hohe Sterblichkeit auf wie Angestellte mit einem Bruttoeinkommen über 64.000 Euro. Wer ein geringes Einkommen und geringere Bildung hat, stirbt auch in Österreich durchschnittlich früher als diejenigen mit höherem Einkommen und höherer Bildung. Neben einer geringeren Lebenserwartung sind zusätzlich die letzten Lebensjahre der ärmeren Bevölkerung (nicht nur) in Österreich und Deutschland auch beschwerlicher. "Männer und Frauen 'unten' sind im Durchschnitt 2,2 bzw. 2,8 Jahre gesundheitlich so sehr eingeschränkt, dass sie in ihren lebensnotwendigen Tätigkeiten auf fremde Hilfe angewiesen sind, wohingegen Männer und Frauen 'oben' im Durchschnitt nur 0,8 bzw. 1,3 Jahre pflegebedürftig sind", so die Vertreter der Armutskonferenz, dem Anti-Armutsnetzwerk der österreichischen Sozialorganisationen. Von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, sind in besonderem Maße Unterschichtangehörige betroffen. Der Risikofaktor Übergewicht - für Gesundheit und Lebenserwartung - tritt in der durch Einkommen, Schulbildung und Beruf bestimmten obersten Gruppe nach bei elf Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen auf, in der untersten sozial-ökonomischen Schicht sind jedoch 25 Prozent der Männer und 32 Prozent der Frauen definitiv zu dick. "Kinder in armen Haushalten neigen zu Übergewicht: auf den Tisch kommen vorwiegend süße, sättigende Speisen und fettreiche Fertiggerichte", so die Armutskonferenz. "Ein skurriles Bild: die Armen sind fett, die Reichen sind mager. Bei Neunjährigen aus armen Familien sind durchschnittlich 5 Zähne gefault. Bei Kindern (11-13jährige) von Erwerbslosen und SozialhilfeempfängerInnen treten überproportional - asthmatische Erscheinungen und Kopfschmerzen auf." Dass arme Menschen früher sterben, liegt zum Teil
daran, dass sie häufiger ungesünder leben. Sie sind schlechter informiert
darüber, wie sie ihre Gesundheit schützen könnten. Schlecht
ausgebildete Menschen werden zudem häufiger arbeitslos, was zu einer
weiteren Verschlechterung der Lebensumstände und einer Verstärkung
gesundheitsschädlicher Verhaltens- und Lebensweisen führen kann.
Viele sozial-ökonomisch arme Menschen verharren in Passivität und
Hoffnungslosigkeit, wohl auch, weil ihnen die sprachlichen Möglichkeiten
fehlen, ihre Probleme darzustellen. Bemerkenswert: Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen vergrößern vielfach noch die sozialen Unterschiede, denn sie erreichen vorrangig interessierte, gebildete Bürger. Die durch Informationen meist schlecht erreichbaren Armen hingegen bekommen davon häufig gar nichts mit. Faktoren, die zu den Ungleichheiten von Krankheit und (für die Armen frühzeitigen) Tod führen: * die Unterschiede in den gesundheitlichen Belastungen, - die Unterschiede in den Bewältigungsressourcen und Erholungsmöglichkeiten, - die Unterschiede in der gesundheitlichen Versorgung und - die Unterschiede im Gesundheits- und Krankheitsverhalten. Stress durch finanziellen Druck und schlechte Wohnverhältnisse gehen Hand in Hand mit einem geschwächten sozial-psychologischen Krisenmanagement, verbinden sich mit mangelnder Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten und einem ungesunden Lebensstiel - und reduzieren für die Armen die Lebenserwartung (dies ist -stets uneingestanden und geleugnet- gesellschaftspolitisch in Deutschland erwünscht. / R.S.)! "Der frühere Tod Armer ist jedenfalls vermeidbar, wenn an vier Faktoren angesetzt wird", meint Martin Schenk, Diakonie Österreich: "Die Gesundheitsdienste müssen den Zugang, die Inanspruchnahme und die Qualität unabhängig von Einkommen und Herkunft gewährleisten. Die Ärmeren müssen in ihren Selbsthilfepotentialen und Ressourcen gestärkt werden, was auch Auswirkungen auf einen gesünderen Lebensstiel hat. Und sozialer Polarisierung können wir entgegentreten. Die Daten sprechen für sich: Gerechtigkeit und Fairness sind keine schlechte Medizin." (Ärztliche Praxis/Armutskonferenz) [3] Quellen: [2] *Gesundheitsportal - am 03.08.2010. Top-Gehalt verlängert das Leben. gesundesleben.at/nachrichten/2010/august/hohes-gehalt-verlaengert-das-leben [3] Fonds Gesundes Österreich. Lieber reich und
g´sund als arm und krank. gesundesleben.at/lebensraum/arbeitswelt/ Empfehlung:
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Bild: Bernd Rausch |
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