| DGB-Gedenkaufruf
zum 2. Mai 1933
Am 2. Mai 1933, vor 75 Jahren,
haben die Nazis mit der Erstürmung der Gewerkschaftshäuser die
legitime Vertretung der deutschen Arbeitnehmerschaft brutal zerschlagen.
Sie haben Gewerkschaftsfunktionäre eingekerkert, gefoltert und ermordet.
Nur drei Monate, nachdem die Macht in Deutschland an die Nationalsozialisten
ausgeliefert worden war, gehörten damit Gewerkschaften und ihre Repräsentanten
ebenso wie demokratische Parteien und Politiker zu den ersten Opfern des
Naziterrors.
Steigbügelhalter der Nazis waren Parteien, Politiker und nicht zuletzt
Wirtschaftsführer, die damit bleibende Schuld auf sich geladen haben.
Es gehört zur Tragik unserer Geschichte, dass auch Gewerkschaftsfunktionäre
anfangs geglaubt hatten, sie könnten mit den Nazis zum Wohl der Arbeiterschaft
zusammenarbeiten. Noch der 1. Mai 1933 wurde gemeinsam mit den Nazis begangen.
Am 2. Mai kam für alle das böse Erwachen mit der Erstürmung
ihrer Gewerkschaftshäuser. Zielstrebig und gründlich zerschlug
das NS-Regime die Arbeiterbewegung. Für freie, unabhängige,
der
Demokratie verpflichtete Gewerkschaften war im NS-Staat kein Platz. Mit
zynischer Konsequenz wurde dem 1. Mai seine ursprüngliche Bedeutung
als wichtigster Festtag der internationalen Arbeiterbewegung geraubt und
zum "Tag der nationalen Arbeit" deklariert. Man berief sich
auf angeblich uraltes germanisches Brauchtum und missbrauchte fortan den
gesetzlichen Staatsfeiertag als Kulisse für Massenaufmärsche
und aufwendig arrangierte Kundgebungen.
Der 2. Mai 1933 ist ein erschütternder Anlass für das Gedenken
an die
Gewerk-schafterinnen und Gewerkschafter, die der Nazi-Barbarei zum Opfer
fielen. Und er ist ein Tag der Besinnung über die Konsequenzen dieser
schmerzlichen Erfahrung.
Wir sind es den geschundenen und ermordeten Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern
schuldig, dass wir schon am 1. Mai auf allen Maikundgebungen und am 2.
Mai auf einer zentralen Veranstaltung in der Gedenkstätte Sachsenhausen
und an anderen Orten daran erinnern und darüber reden werden. Die
Erstürmung der Gewerkschaftshäuser war eine
der ersten Etappen auf dem Weg, der mit 60 Millionen Kriegstoten, über
sechs Millionen ermordeten Juden und zahlreichen weiteren Opfern in den
Konzentrationslagern endete.
Im Angesicht und Gedenken dieses Terrors können die Gewerkschaften
es nicht hinnehmen, dass alte und neue Nazis vielerorts den 1. Mai erneut
als Vorwand nutzen, um Gewerkschaften und die ganze demokratische Öffentlichkeit
mit eigenen Aufmärschen und Kundgebungen zu provozieren und die Opfer
des NS-Regimes zu verhöhnen.
Wir fordern alle Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft auf, den
Nazis von heute Einhalt zu gebieten, wenn sie ihre Hassparolen öffentlich
verkünden wollen. Gerade am 1. Mai gehören die Straßen
und Plätze der organisierten
Arbeitnehmerschaft.
Die 75. Wiederkehr des Tages, an dem die Nazis die Arbeit der Gewerkschaften
für immer zerschlagen wollten, ist für uns ein Anlass mehr,
ein Verbot aller Organisationen und Parteien zu fordern, die Nazi-Greueltaten
auch heute noch verherrlichen, deren Opfer verhöhnen, sowie Demokratie,
Freiheit und Menschenrechte beseitigen wollen.
V.i.S.d.P.: DGB Bundesvorstand, Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Berlin
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