zurück
takt@takt.de

Studie zum Berufseinstieg von Akademikern


04.05.11 "Résiste! - Aufstand der Praktikanten"

von Reinhold Schramm

Praktika nach Studienabschluss:
40 Prozent unbezahlt.

Ein allgemeiner Trend zu mehr befristeten Beschäftigungsverhältnissen und eine höhere Instabilität in vielen Arbeitsverhältnissen prägen den Berufseinstieg von Hochschulabsolventinnen und -absolventen.

Wie die Absolventen ihre Situation erleben und welche Regulierungsvorschläge sie befürworten, haben Heidemarie Hecht, Absolventenforscherin an der FU Berlin, und Dr. Boris Schmidt untersucht.

Hecht und Schmidt befragten 674 Absolventinnen und Absolventen der Universitäten Hamburg, Rostock, Köln und der FU Berlin. Die befragten Jung-Akademiker hatten ihr Studium im Jahr 2007 abgeschlossen, so dass die Untersuchung eine Berufseinstiegsphase von dreieinhalb Jahren abdeckt.

38 Prozent der Befragten berichteten, in den dreieinhalb Jahren nach Studienabschluss ein oder mehrere Praktika, eine Hospitation, ein Volontariat oder eine andere praktikumsähnliche Beschäftigungsform absolviert zu haben, 29 Prozent haben in diesem Zeitraum ein oder mehrere "echte" Praktika gemacht. Diese Werte seien gegenüber Repräsentativbefragungen erhöht, betonen die Forscher. Sie gehen von knapp 20 Prozent Praktikanten unter allen Universitätsabsolventen aus.

Unter den Befragten nannten 19 Prozent als erste Beschäftigung eine unbefristete Stelle. 27 Prozent waren zunächst befristet beschäftigt. Praktika seien nach Studienabschluss keine Randerscheinung, so die Forscher.

Ein Großteil der Absolventen ist auf Eltern, Zusatzarbeit oder Sozialleistungen angewiesen. Rund 40 Prozent dieser Praktika sind unbezahlt. Bei den bezahlten Praktika betrug der durchschnittliche Bruttolohn 3,77 Euro pro Stunde oder rund 550 Euro pro Monat.

56 Prozent der Praktikantinnen und Praktikanten mit Studienabschluss erhielten finanzielle Unterstützung von ihren Eltern, jeweils 43 Prozent brauchten Ersparnisse auf oder hatten noch eine Zusatzarbeit. 23 Prozent mussten Unterstützung ihres Partners oder ihrer Partnerin in Anspruch nehmen. 22 Prozent waren während des Praktikums nach ihrem Abschluss auf Sozialleistungen angewiesen.

Im Durchschnitt dauert ein Praktika knapp fünf Monate. 55 Prozent dauern bis zu drei Monate, weitere 32 Prozent drei bis sechs Monate. Neun Prozent der untersuchten Praktika dauern länger als neun Monate.

Überdurchschnittlich verbreitet waren Praktika unter Absolventinnen und Absolventen in geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Fächern. Von ihnen durchlaufen zwischen 36 und 43 Prozent eine Praktikums-Phase. Bei Wirtschaftswissenschaftlern und Juristen sind es 23 bzw. 34 Prozent, unter Naturwissenschaftlern 20 Prozent. Hochschul-Absolventinnen absolvieren häufiger Praktika als männliche Jung-Akademiker.

Weitere Informationen aus der Studie zum Berufseinstieg von Akademikerinnen und Akademiker:
www.boeckler.de/320_113640.html

Siehe Studie: Generation Praktikum 2011. Praktika nach Studienabschluss: Zwischen Fairness und Ausbeutung. Von Boris Schmidt und Heidemarie Hecht.
www.boeckler.de/pdf/pm_2011_05_04_praktikumreport_lang.pdf

"Résiste! - Aufstand der Praktikanten"
www.youtube.com/watch?v=fK-UEPZo-jQ


 

09.05.2011
Kanonenfutter für die NATO
Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla ­Jelpke, erklärte letzten Freitag zur Antwort der Bundesregierung auf ihre kleine Anfrage zur Polizeiausbildung in Afghanistan:

»Die Bundesregierung versucht, das Desaster bei der afghanischen Polizeiausbildung schönzuschreiben. Doch wenn nach neun Jahren internationaler Bemühungen selbst der Kommandant der NATO-Trainingsmission zugibt, daß die Polizei als »gesetzlose Bande« berüchtigt ist, dann hilft ein »Weiter so« nichts. Aus der Antwort geht hervor, daß trotz Alphabetisierungsprogrammen bei der afghanischen Polizei 89 Prozent der unteren Dienstgrade Analphabeten sind. Diese Quote liegt deutlich über der des Bevölkerungsdurchschnitts und verdeutlicht sowohl das Scheitern des Polizeiaufbaus als auch den schlechten Ruf, den die Polizei hat.

Die Bundesregierung drückt beide Augen zu, wenn es um Menschenrechtsverletzungen durch afghanische Polizisten geht. Sowohl deutsche Polizeiausbilder als auch höchste NATO-Stellen berichten immer wieder, daß Kinder rekrutiert und mißhandelt werden, daß afghanische Kommandeure ihre Untergebenen auspeitschen und die Bevölkerung die Polizei als Truppe von Wegelagerern fürchtet. Doch die Bundesregierung schwadroniert vom Aufbau einer »nach rechtsstaatlichen Grundsätzen unter Beachtung der Menschenrechte handelnden afghanischen Polizei«, ohne auch nur einmal die Frage zu stellen, warum es auf diesem Weg seit neun Jahren praktisch kein Fortkommen gibt.

Dabei liegt die Antwort auf der Hand: Die NATO-Besatzer wollen keine Polizei aufbauen, sondern sie wollen einen schnell zusammengewürfelten Haufen Bewaffneter, die sie als Kanonenfutter im Kampf gegen Aufständische verheizen können. (…) Der Polizeiaufbau ist nur die andere Seite der Kriegspolitik. Die Linke fordert deshalb, die deutschen Polizisten unverzüglich zurückzuziehen.«