Saarländer auf dem langen Marsch zu den Venusfurchen
Von Claude Michael Jung
Bliesransbach, der kleine Ortsteil der Großgemeinde Kleinblittersdorf
an
der Oberen Saar wird von vielen Einwohnern der anderen Ortsteile sehr
oft als das fünfte Rad am Wagen der Kommune empfunden und nach
maßgeblicher Meinung vieler Bürger als unnötig betrachtet.
Spott und
Hohn kommt aus Hanweiler, Auersmacher, Kleinblittersdorf und dem erst
1936 entstandenen Fleckchen Texas, von den Franzosen damals als
Hitlersdorf bezeichnet. Bliesransbach ist aber in Wirklichkeit ein Dorf
der Innovationen. Wohin auch der Blick schweift sieht man Erfinder,
Schlaumeier und Privatgelehrte. Das Gros der Einwohner besteht
allerdings aus Alleskönnern, unter Saarländern besser bekannt als
Bossler. Das Bliesransbach einmal eine entscheidende Rolle in der
bemannten Raumfahrt einnehmen würde, hätte sich bis vor wenigen
Tagen
niemand in seinen kühnsten Träumen vorstellen können. Und doch,
in einer
Bliesransbacher Scheune, tief hinter dichtem Gestrüpp, wird derzeit der
Supercomputer Igor I gebaut. Hier wird gesägt, gehämmert, gefeilt,
gedreht und gefräst bis tief in die Nacht hinein, um fristgerecht den
Auftrag des russischen Luft- und Raumfahrtkonzern RKK Wladimir Uljanow
fertig zu stellen. Die Festplatte wurde bereits beidseitig gewalzt und
plan geschliffen. Jetzt steht der gewaltige Mega-Chip kurz vor seiner
Geburt. Der örtliche Getränkehandel hat gerade die letzte Lieferung
an
Stimmulanzien für die Raschbacher Ingenieure abgeliefert. Ab sofort ist
das Betreten der Innovationsmeile bei Strafe für alle Vorwitznasen
untersagt.
Bereits am 6. Januar 2012 wollen die Experten des russischen Luft und
Raumfahrtkonzern RKK Wladimir Uljanow die ersten Planspiele auf der
Klaviatur von Igor 1 durchführen, mit dessen Hilfe die Venus und ihre
Furchen im Jahr 2015 hautnah erkundet werden soll. Auch der Raschbacher
Oberingenieur Werner und der saarländische Schriftsteller Andreas D.
werden die Russen zur Venus begleiten.
Derzeit wird hinter der Bliesransbacher Venus-Scheune noch von fleißigen
Händen an einem Anhänger für die gewaltige Rakete vom Typ
Bliesgau-Konsomolz gebosselt. Ein Saarbrücker Bildungsinstitut hat im
Auftrag des Jobcenters Halberg keine Mühen gescheut, bestens geschultes
und hochintelligentes Personal für die Raumausstattung von Rakete und
Anhänger ausfindig zu machen.
Da ist Gisela. Sie ist für den Kuschelfaktor auf dem langen Weg zur
Venus zuständig. Gisela ist für die Computersteuerung des Sofas
und der
Eckbank, nebst Tisch und Stühlen in der Schwerelosigkeit verantwortlich.
Bis auf die Sache mit den drei Rotweinflaschen, die versehentlich bei
einem Ausweichmanöver des Küchentischs, den Druckminderer für
die
Warmwasseraufbereitung unbrauchbar machten, hat Gisela die
Steuerungsmanöver der Interieurs stets fest im Griff gehabt.
Oberingenieur Werner ist derzeit dabei seine Werkzeugkästen zu
überprüfen und neu aufzufüllen. Sechs frisch gebügelte
Schaffbuxe unn
zwei Bätschkappe sind bereits verstaut und vom Computer erfasst. Kombi
und Wasserpumpenzange, sowie mehrere Zollstöcke, ein Amboss und zwei
weltraumtaugliche Kühlschränke (Für jeweils 12 Kisten Bier),
ebenfalls
aus dem Raschbacher Innovationscenter, sind bereits nach Sibirien
unterwegs und sollen in den nächsten Tagen neben dem Kommandantensitz
in
die Megarakete eingebaut werden.
Bordchronist Andreas D. hat für das große Event eigens einen zwei
Meter
langen USB-Stick im Super-Terrabyte-Bereich entwickelt, damit auch nicht
der kleinste Eindruck von der Venusexkursion verloren geht. Ob unsere
Fotografinnen Petra und Gisela die Reise zu den Furchen der Venus
mitmachen werden, ist noch offen. Petra und Gisela trainieren derzeit
aber fleißig den sicheren Umgang mit dem Betriebssystem von Igor1 und
haben bereits zahlreiche Kalt und Warmstarts, sowie Totalabstürze von
Igor1 so virtuos absolviert, dass der Bliesransbacher Großrechner nicht
einmal husten musste.
Wer wird die Frau hinter Dietmar Bartsch?
Von Yvonne Chantré
Der Ex-Vorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine, hat parteiintern
Bedingungen für einen möglichen neuen Vorsitzenden Dietmar Bartsch
fabuliert: So soll im Sinne der Quotierung dem Parteichef in spe,
Dietmar Bartsch, eine Frau aus dem Westen zur Seite gestellt werden. Das
berichtet der "Spiegel" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.
Angeblich sind die Hamburger Fraktionsvorsitzende Dora Heyenn und die
Landessprecherin Katharina Schwabedissen aus NRW bereits in der
Lostrommel. Damit wäre Gesine Loetzsch, die sich als Ostfrau erneut um
den Vorsitz bewirbt, aus dem Rennen katapultiert. Noch in der heutigen
Silvesternacht wird der Ältestenrat des roten Zentralkomitees am
saarländischen Popelsee zu einem Konklave zusammenkommen, um anhand
eines Ausverkaufskatalogs weitere Kandidatinnen auszugucken, die sich
hinter Dietmar Osterwelle in die Herzen der Parteimitglieder und der
Wähler hineinlächeln sollen. Das Geheimtreffen läuft unter
dem Decknamen
„Operation 50 plus“.
Das Geheimtreffen beginnt um 18.00 Uhr im Haus Abendrot und soll bis zum
Silvesterfeuerwerk beendet sein, berichtet Karl-Otto, der Oberkellner,
gegenüber Manne unserem unverwüstlichen Sportreporter. Rund 40 rote
Models, allesamt mit langjähriger Parteierfahrung in der SPD und bei
den
Grünen werden die Altherrenriege noch vor dem Jahreswechsel zum jauchzen
bringen. Aus Sicherheitsgründen wurden bei einigen der ollen Knacker
die
Herzschrittmacher ausgewechselt, bei anderen ein Wundermittel gegen
Demenz gespritzt. Für besonders traurige Fälle soll es eine größere
Portion Viagra in Kräuterschnaps geben, damit beim Finale wenigstens
eine Kleinigkeit aufrecht steht.
Hinter vorgehaltener Hand wird indes gemunkelt, das auch eine von Oskars
ex-Lebensgefährtinen ins Rennen um den Platz hinter Dietmar Bartsch
gehen wird. Kronprinz Dietmar wird, sollte der zum König der Roten
gewählt werden, eine erfahrene Frau aus dem Westen brauchen, um ihm
künftig die Stange zu halten. Möge das heutige Konklave am Popelsee
eine
gute Wahl treffen und die böse Hexe aus dem Zauberwald an Bartschs Seite
beordern. Er hat es sich redlich verdient. - Das war Satire