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Das
Weihnachtsgeschenk für Ihre linke Hosentasche
Der „Antifaschistische
Kalender“ stellt sich vor
Von Stefan Gleser
Der legendäre „Rote Kalender“ ist wehmütige Erinnerung
und so ragt
einsam der „Antifaschistische Kalender“ des Unrast Verlags
aus dem Sumpf
seiner verdummungswütigen Hochglanzkollegen heraus. Traditionell
bietet
der Kalender praxisorientierte Tipps für Einsteiger ins politische
Geschehen. Wie verhalte ich bei einer Demonstration, was ist ein EA
(Ermittlungsausschuss), welche Aussagen muss ich bei einer Verhaftung
machen und ab wann kann ich von meinem Verweigerungsrecht Gebrauch
machen? Wie verhindere ich, dass Hinz und Kunz an meine Daten kommen?
Dazu gibt es ein in Organisationen, Zeitungen und Archive gefächertes
Adressenverzeichnis. Dem Namen verpflichtet war das Redaktionskollegium
rastlos auf der Suche nach Themen und bewies bei zweien prophetische
Gaben: Der Islamophobie und der bewussten Stigmatisierung von Sintis und
Roma. Bevor die französische Regierung massenhaft rumänische
Bürger
auswies und die rechtsextreme Jobbik in Ungarn triumphierte,
untersuchten Bremer Bürgerrechtler eine antiziganistische Kampagne
im
Fernsehen der Hansestadt.
Die Sendung „Binnen un buten“ des Bremer Rundfunks berichtete
über ein
Mehrfamilienhaus, dessen Bewohner offenbar nicht mit der
Sperrmüllverordnung zu Recht kamen und denen einige Container fehlten.
Das war alles. Aber welch ein Aufstand, welche Verdächtigungen und
Vermutungen! Anwohner traten als selbstbewusste Bürger auf, die sich
über „Probleme“ beschwerten. Die Mieter des Hauses wurden
dagegen als
anonyme Objekte von Mutmassungen vorgeführt. Der Vermieter sah keinen
Grund, den Vertrag zu kündigen, ein Mieter verwies auf seinen
Arbeitsplatz bei einer Geflügelzucht. Das waren die sachlichen
Einsprengsel in einem Nebel der Vorurteile, der Sintis und Roma
einhüllte. Jede dritte Operette besingt ein freies und ungebundenes
Leben, das über der täglichen Lohnarbeit steht. Solch heiteres,
nur dem
Augenblick verpflichtetes Dasein wird dem Sinti unterstellt. Er ist
willkürlich ausgewählt, Abbild und Auslöser eines Traumes
zu sein, der
nie Realität wird. Deshalb hasst man ihn.
Die Linke lässt sich nicht auf den St. Nimmerleinstag vertrösten.
Wie in
der lobenswerten Sneakers-Werbung steht man Oberkirchenräten,
Ajatollahs, Druiden, Rabbinern, Bischöfen, Lamas und sonstigem
Bodenpersonal eher reserviert gegenüber. Was aber tun, wenn drei
Millionen Einwohner des Landes wegen der Zugehörigkeit zu einer Religion
als Bedrohung gedeutet werden, wie bei den Moslems? Die Islamophobie
wird dabei als eine Unterart des Fremdenhasses beschrieben. Die
Islamphobie gestattet es, den Mensch im Sinne des „Kulturalismus“
als
zugehörig zu einer höheren oder niedrigen Kultur einzustufen. Für
die
Rechte besteht also die Möglichkeit, die Menschen in eine gegebene,
nicht veränderbare Rangordnung zu pressen. Dafür, und das ist das
Neue
an der Islamophobie, werden keine „rassistische Kategorien“ benötigt.
Die Rechte kann also, ohne auf geächtete Formulierungen zurück
zugreifen, Hierarchien aufstellen und Feinde definieren. Wenn sie
rhetorisch geschickt vorgeht, erscheint die millionenfache Abwertung als
Kampf für Frauenrechte und christlich-jüdische-Wertegemeinschaft,
wohl
vergessend dass vom Grundgesetz bis zum Acht-Stunden-Tag jeder soziale
Fortschritt gegen die Hüter des Abendlandes erkämpft wurde. Den
Antisemitismus und die braune Vergangenheit mal kurz in die Ecke
stellen, dafür gegen Moslems hetzen, und schon glänzt die Rechte
modern
und schick. Dabei gleichen sich Islam und Christentum in der Hochachtung
vor der Schrift und dem Glauben an einem Gott. Dem gegenüber stellt die
Linke universelle Menschenrechte, die sich über kulturelle Eigenarten
und Traditionen erheben. Kurz wie Peter Hacks dichtete: „ Die Glocke
stört, es stört der Muezzin, / Man bringe sie zum Schweigen, die
wie
ihn.“
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Erinnerung an den G-8-Gipfel in Genua
im Jahre 2001. Die Gruppe der Acht repräsentiert die grössten
Industriestaaten. Deren Vorschläge sind nicht demokratisch legitimiert.
Die G8 verkörpern das Ungleichgewicht zwischen Reichtum und
Bevölkerungszahl und sind damit das griffigste Sinnbild weltweiter
Ungerechtigkeit. Deshalb gingen zehntausende in Genua auf die Strassen.
Die Polizei antwortete mit äusserster Brutalität wie etwa bei der
Erstürmung der Amendo-Diaz-Schule oder den Folterungen im
Bolzaneto-Gefängnis. Der Demonstrant Carlo Giuliani wurde erschossen.
Der Prozess endete in einem Gestrüpp von vertuschten Beweisen,
unterdrückten Ermittlungen und unberücksichtigen Gegengutachten
und
Zeugenaussagen. Carlo Giuliani wurde zu einem Symbol, dass
Entscheidungen, die die gesamte Menschheit betreffen, nicht von wenigen
getroffen werden sollen.
Unter den Buchempfehlungen befindet sich eine ausführliche Besprechung
der Erinnerungen des us-amerikanischen Historikers Howard Zinn. Im
Gegensatz zur gewohnten Biographie erzählt „Schweigen heisst Lügen“
nicht zeitlich sondern nach Themenbereichen. Zinn ruft noch einmal die
Proteste gegen die Rassentrennung und den Vietnamkrieg wach. Zinns
monumentales Hauptwerk „Die Geschichte des amerikanischen Volkes“
handelt von denen, die sonst nicht in den Geschichtsbüchern vorkommen,
ohne dabei in Robin-Hood-Romantik zu verfallen.
Für den Gebrauch im harten, realitätsgesättigten Einsatz sind
drei Tage
pro Seite vorgesehen. Monatsüberblicke sind der unentbehrliche Helfer
für langfristiges, strategisches Denken. Freiräume für Notizen
schaffen
Platz für Inspiration und beugen Alzheimer vor. Dank des handlichen,
kompakten Formats der unentbehrliche Begleiter für jede Demo.
Kalendergruppe (Hg.)
Antifaschistischer Taschenkalender 2011,
256 Seiten, broschiert, 7 Euro,
Unrast Verlag, Münster, 2010
ISBN: 978-3-89771-711-4
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Geraubte Kindheit
Die Erinnerungen der Ruth Fridlendere
Buchbesprechung von Stefan Gleser
Das schlimmste waren die Ratten. Sie rochen: Da lag jemand, der weder
fortlaufen noch rufen durfte. Sie huschten übers Gesicht und wagten
den
Biss. Dabei glichen sie doch den komischen Mäusen, über die
sie im Kino
oft gelacht hatte. Später sollte sie sofort die Augen schliessen,
wenn
im Fernsehen eine Ratte erschien. Und immer der Hunger, immer das
Zittern, ob die Schritte dem freundlichen Helfer oder den Deutschen
gehörten, so vergingen in einem feuchten, kalten Erdbunker die vier
Jahre bis zur Befreiung. Die lettische Jüdin Ruth Fridlendere (1933
–
2009) erzählt also aus ihrem Leben und Jens Hoffmann hört zu.
Die
Tonbandprotokolle schrieb er in die dritte Person Einzahl um und fügte
zahlreiche Erläuterungen zur Geschichte ein.
Die Fridlendere wuchs als „geliebtes und behütetes Mädchen“
in einer
kleinbürgerlichen Familie im Städtchen Ventspils auf. Arbeit,
Pünktlichkeit und Disziplin waren die Grundlagen der Erziehung. Selbst
im Versteck brachte ihr die Mutter noch Russisch bei. Der Vater war
Schuhmacher, der Mann mit den „goldenen Händen“. Er spielte
Mandoline
und Mundharmonika. Was für ihn Freizeit war, wurde für seine
Tochter
später Beruf. Schon mit fünf Jahren bekam sie ein Klavier geschenkt
und
nahm Unterricht.
Abstrakt waren die Nachrichten über die Nürnberger Rassengesetze,
die
Reichspogromnacht, der Terror in Polen. Konkret waren die Nachbarin, die
ihr deutsche Volkslieder beibrachte und deren Katze sie im Kinderwagen
spazieren fuhr, und die deutsche Musiklehrerin. Viele lettische Juden
zögerten nach dem Überfall der Wehrmacht in die noch unbesetzten
Gebiete der Sowjetunion zu fliehen. Nach kurzem Bedenken entschliesst
sich die Familie unterzutauchen. Der Vater schützt sich in der Anonymität
der Stadt. Mutter und Tochter finden Unterschlupf in einem Garten eines
älteren Pärchens. Geld und Lebensmittel belohnen die Judenjagd,
aber kein Nachbar denunziert.
Nach dem Krieg beschirmt wüster Fleiss vor der Vergangenheit. Ruth
Fridlendere konnte jahrelang keine einzige Taste berühren. Sie beginnt
sofort wieder Klavier zu üben und studiert in ihrer Heimat und in
Moskau. Danach arbeitet sie als Lehrerin an einem Konservatorium.
Hoffmann steht Fridlenderes Leidenschaften, Musik und Mode, in
wohlwollender Ahnungslosigkeit gegenüber. Die Fridlendere kommt also
erst gar nicht auf den Gedanken, darüber zu sprechen, ob man in Wagners
Partituren Antisemitismus spüre oder lange Haare, Blue jeans und
Popmusik in den siebziger Jahren die UdSSR erschütterten, da sie
annimmt, ihr Gesprächspartner würde sich langweilen oder Einzelheiten
nicht verstehen. So entstand ein Buch, dass wohltuend frei ist von
Bildungsallüren und Feuilletongeplänkel. Zudem beherrscht Hoffmann
die
Kunst des Zuhörens. Damit die Erinnerung sie nicht unerwartet anfällt,
trägt sie einen Teil stets bei sich. Da ist das Messer, das ihr im
Versteck half, und da ist die Bernsteinkette, die ihr die Mutter schenkte.
Der Bunker nahm ihr die grossen Gefühle des Kinos. Im Film rühren
sie nicht mehr die Tränen der Heldin; dafür hat die Fridlendere
zuviel geweint. Jetzt interessiert nur noch, ob die Kleider der Schauspielerin
als Vorlage für ein
Schnittmuster taugen. Die jahrelange Mängelernährung und das
armselige
Obdach halten ihren Körper gefangen. Das linke Auge erblindet; sie
wird
zwangspensioniert.
In Aizpute, einem benachbarten Örtchen, wurde jemand in dieser Welt
nicht mehr heimisch. Eine Frau lebt immer noch in der Zeit, als sie
fünfjährig in einem Keller kam, damit die Nazis sie nicht finden.
Sie
erhielt einen anderen Namen, sie lernte eine fremde Sprache. Unterdessen
wurden ihre Eltern erschossen, so erschossen wie 90 000 andere Juden
allein in Lettland. Nach fünf Jahren konnte sie ihren Schlupfwinkel
verlassen. Danach zitterte sie vor fremden Menschen und sprach nur in
Fragmenten: „Sie sagt nur ein Wort, zwei Wörter, und es geht
nicht
zusammen. Es passt nicht, verstehst du?“
Als Lehrerin formte Ruth Fridlendere den Unterricht geschmeidig an die
Fähigkeit des einzelnen Kindes an. Umso überraschender, wenn
sie
plötzlich aus dem Erzählen ins Beharren verfällt. Sie besteht
hartnäckig
darauf, dass sie in Moskau als „Guide“ und nicht als Fremdenführerin
arbeitete und ihre Eltern auf einem Schiff und ja nicht auf einem Boot
nach Schweden fliehen wollten.
Der Kapitalismus kam mit Zuckerwatte und Pizza; ihnen folgten
Alkoholismus und Wohnungsnot. Mit Markwirtschaft verband Fridlendere
Erinnerungen an ihre Kindheit, als Lettland eine wohlhabende Nation war
und Nahrungsmittel exportierte. Jetzt sagt sie mit einer leichten
Verachtung in der Stimme, dass Geld die Welt regiert. Die Nachbarin
hilft bei den Myriaden des Haushalts nur gegen Bares.
Gibt es etwas Tröstliches aus ihrem Leben, etwas Versöhnliches
für den
Kirchentag? Eigentlich nicht. „Wenn es dir schlecht geht, versuche
dich
gerade zu halten. Zeige Unglück und Schmerz nicht vor Fremden. Zeige
den
Menschen nicht deine Tränen, rechne nicht mit der Hilfe anderer,
niemand
wird dir helfen.“ Ruth Fridlendere verdiente als Musikpädagogin
gutes Geld, spricht vier Sprachen fliessend und war immer picobello gekleidet.
Diese Lebensleistung präsentiert sie in einem grossen, lakonischen
Realismus. Das Buch zeichnet sich durch einen seltenen Respekt vor dem
Alltag aus. Und so steht die Fridlendere in ihrer Küche und schneidet
mit
unerbittlicher Sorgfalt, mit präziser Hochachtung vor den kleinen
Dingen
des Lebens, den Dill. "Aber wenn ich werd' schreien, wird besser
sein?"
Die Lebensgeschichte der lettischen Jüdin Ruth Fridlendere
Aufgezeichnet von Jens Hoffmann. Mit einem Text von Mike Hartwig
Konkret Literatur Verlag, Hamburg, 2010, 191 Seiten, 18,50 Euro
ISBN: 978-3-930786-59-6
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Portugal-Generalstreik und soz.Bewegungen
sopa para tod@s
In Portugal kam es am 24.11.2010 zum größten Generalstreik
der Geschichte. Das öffentliche Leben im Land war lahmgelegt. Bis
zu 3 Millionen Menschen beteiligten sich. Einige Streikposten wurden von
der Polizei angegriffen. Premierminister Sorates zeigt sich unbeeindruckt.
Gleichzeitig erleben die parteiungebundenen anti-kapitalistischen Bewegungen
einen nie gekannten Aufschwung. Große Demonstration in Lissabon
mit anschließender Hausbesetzung.
Laut der 2 großen Gewerkschaften CGTP und UTP haben mehr als 3 Millionen
portugiesische ArbeiterInnen Mittwoch am Generalstreik teilgenommen ,
und damit das öffentliche Leben weitesgehend lahmgelegt. Über
200 Schulen blieben geschlossen, 98% aller Flüge fanden nicht statt
( die Umwelt hat's gefreut, ein paar Touristen zeigten sich solidarisch,
viele haben nicht verstanden um was es geht). Der gesamte Verkehrsektor
brach zusammen. Es fuhren keine Züge, Fähren oder U-Bahnen.
Der Müll wurde nicht abgeholt und quoll in den Ballungszentren aus
den Müllcontainern auf den Straßen. Im Krankenhaus gab es nur
eine Notversorgung. Das Militär, das gesetzeswegen nicht streiken
darf, legte einen "Reflexionstag" ein Selbst die Polizei, die
zwar an einigen Orten gewaltsam gegen Streikposten vorging, die -nach
portugiesischem Gesetz legalerweise- die Zufahrtsstrassen z.B. zur Post
versperrten, zeigten sich in der Mehrheit solidarisch und versprachen
an diesem Tag kleine Ordnungswidrigkeiten nicht aufzunehmen und zu bestrafen.
Auch an Universitäten wurde gestreikt. In der Lissabonner Universität
FCSH, an der 90% der Professoren streikten, wurde von den Streikposten
allerdings illegalerweise die Identifikation gefordert. Der Großteil
der Streikenden befindet sich im öffentlichen Dienst, aber auch Menschen
aus dem Privatsektor beteiligten sich. So musste z.B. Volkswagen mit 3000
ArbeiterInnen die Produktion einstellen und auch Intermarchefilialen wurden
bestreikt.
In einer Filiale von Intermarche nördlich von Porto fuhr der Besitzer
die Streikposten mit seinem Jeep an und verletzte damit 2 Frauen schwer.
Sie wurden ins Krankenhaus eingeliefert, er wurde festgenommen.Am Nachmittag
versammelten sich als 1500 DemonstrantInnen aus dem antikapitalistischem
Spektrum- Erwerbslose, Prekarisierte, Umweltbewegte, AnarchistInnen und
andere- in Lissabon zu einer kraftvollen Demonstration.
Am frühen Abend wurde eines der 4.600 leerstehenden Häuser
in Lissabon besetzt, die zu großen Anteilen der Stadt und einer
kirchennnahen Organisation- Santa Casa de Misericordia- gehören.Das
besetzte Haus, mehrstöckig und multifunktional sollte als "Casa
das Grevistas" (Haus der Streikenden) den Generalstreik auf unbestimmte
Zeit verlängern. Die BesetzerInnen sagten "Wie geben solange
Suppe aus, wie Menschen danach verlangen". Heute wurde am frühen
Abend das (Video)Haus von der Polizei geräumt, ämtliche Menschen,
die sich darin befanden festgenommen. Für den späteren Abend
war im Haus ein "Jantar popular", die seit 2007 wöchentlich
stattfindende und mittlerweile schon legendäre Polit-Volksküche
der Umweltorganisation GAIA geplant gewesen. Diese wurde spontan vor die
Polizeistation verlegt um später in den Räumen eines anarchistischen
Kulturzentrums ihren Abschluss zu finden.
Es war das erste Mal seit 1988, dass beide große Gewerkschaften
zusammen zu einem Streik aufgerufen haben und es war der größte
und erfolgreichste Streik in der Geschichte Portugals. 3 Millionen Menschen,
von 9,5 Millionen Menschen insgesamt im Streik, dazu noch Erwerbslose
und Menschen, die aus Alters-, Gesundheits- oder persönlichen Gründen
ebenso nicht in die Kategorie der Arbeitenden miteingerechnet werden,
aber das Anliegen teilen - das wären in Deutschland umgerechnet ca.
35 Millionen Streikende! Selbst auf den ultra-konservativen Azoren und
Madeira wurde gestreikt.
Zitat aus Indymedia Portugal (Original aus http://ingenea.gualter.net/?p=230)
"Exzellent, wie sich die verschiedenen Kämpfe ergänzen,
es ist ein Beweis mehr für die tiefe Unzufriedenheit der portugiesischen
Bevölkerung mit der neoliberalen Politik, die vom internationalen
Finanzmarkt bestimmt wird. Die Regierung gibt natürlich andere Zahlen
heraus (die Arbeitsministerin sprach von 20% Streikenden, die Gewerkschaften
von über 80% Anm.) Es gehört eben zu solchen Kämpfen dazu,
dass die Regierung sich, spezialisiert auf Propaganda, uninteressiert
zeigt.Die Regierung hat ihre Komplizen, die bürgerliche Presse, das
sollte uns daher nicht berühren(...)Die Regierung hat gezeigt, dass
sie sich vor einem sozialen Aufstand fürchtet, deutlich gemacht hat
dies eine Reihe von (illegalen) Eingriffen seitens der Polizei gegen die
Streikposten, wie Gewaltanwendung oder das Fordern von Dokumenten innerhalb
von den Universitäten (im Stile Salazars)(Salazars Regierung hielt
über 40 Jahre einen faschistischen Staat aufrecht, der erst 1974
mit der Revolution zunächst in eine revolutionär-sozialistische
Staatsform, dann mit einem Militärputsch am 25.11.1975 in die parlamentarische
Demokratie überführt wurde Anm.) Es wird noch genug Gelegenheit
geben, dass die Polizei ihre "Blindados" ( neue, schussischere,
extra für den NATO-Gipfel angeforderte Militärfahrzeuge, die
aber erst NACH dem NATO-Gipfel geliefert wurden, was den Verdacht bestätigt,
dass sich die Regierung gegen soziale Kämpfe rüstet Anm.) einsetzen
können, die vom Schweiß der ArbeiterInnen finanziert wurden.
Aber, alles in allem sind wir nicht alleine, am Rand der iberischen Halbinsel.
Heute erst wurde ein europaweiter Aufruf für den 15. Dezember gegen
die Zerstörung des Sozialstaates zugunsten des Neoliberalismus und
seiner Krise verbreitet. Und am 7. Dezember sind alle Bürger (Europas
Anm.) aufgerufen, ihr gesamtes Guthaben von den Bankkonten abzuheben,
im Rahmen einer Boykottaktion, die das Potenzial hat, das gesamte Finanzsystem
zum Kollaps zu bringen."
Für Portugals junge soziale Bewegung war die letzte Woche ein großer
Erfolg. Denn vor dem Generalstreik hatte sich die NATO ebenfalls in Lissabon
getroffen. Erstmalig seit der Revolution wurde zu Zivilem Ungehorsam dagegen
aufgerufen und die Zufahrtsstrasse zum Tagungsort wurde für 2 Stunden
von 80 DemonstrantInnen blockiert. Die Zahl erscheint angsichts Tausender
Menschen im Wendland für vernachlässigbar, im portugiesischen
Kontext betrachtet, ist es aber ein deutliches Signal. Zumal an der Grenze
etwa 300 internationale FriedensaktivistInnen zurückgewiesen wurden
und somit an den Protesten nicht teilhaben konnten (http://kjoe.at/rebellja/2010/11/18/portugal-frieden-ja-nato-nein/)
José Socrates, der als Premier einer sozialisitischen Regierung
bezeichnet wird, obwohl er eher in Toni Blair Tradition (3.Weg) denkt
und handelt, kann das neue Sparpaket jedenfalls nicht so leicht wie vermutlich
erhofft, durchbringen. Zunehmend sehen sich die Menschen als Teil einer
globalen Widerstandskultur.
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