|
29.6.2011 Griechenlands
Plünderer und Millionäre - analog Germania AG
von Reinhold Schramm
Der DGB versichert den griechischen LohnarbeiterInnen seine
verbale Solidarität anlässlich des Generalstreiks am 28. und 29.
Juni 2011.
Löhne und Sozialtransfers wurden gekürzt und öffentliche
Ausgaben massiv zurückgefahren. [1]
Die „Troika“ des europäischen und internationalen
Kapitals, aus Banken, Spekulanten und Millionäre, IWF, EZB und EU-Kommission,
schreibt Griechenland einen noch radikaleren Kurs der Umverteilung von unten
nach oben vor.
Während die griechischen Werktätigen auf die Barrikaden
gehen, tauchen die Profiteure, Spekulanten und Millionäre der ökonomischen
und sozialen Gesellschaftskrise lieber unter.
Wo sind sie geblieben, die Lieben?
»Der Athener Nobelstadtteil Kolonaki ist nicht nur bekannt
für seine erlesene Bewohnerschaft, bestehend aus Diplomaten, Ärzten
und wohlhabenden Unternehmern, sondern auch für eine erkleckliche Zahl
ausgesuchter Luxusboutiquen. Versace, Joop, Armani gehören hier zu den
Gütern des täglichen Bedarfs {...} Selbst in Kolonaki, wo Geiz lange
Zeit sehr ungeil war, hat die Krise zugeschlagen. Die Läden sind leer,
die Cafés nur mäßig besucht und protzige Auftritte mittels
Porsche, BMW oder Ferrari inzwischen verpönt. {...} In Griechenland reich
zu sein war schon einmal leichter.« [2]
„Die Herrschaften wollen sich entspannen“
»Will man die aus der Innenstadt geflüchteten Millionäre
besuchen, muss man ins Auto steigen und sich auf den Weg hoch hinauf in die
bergigen Vororte der griechischen Hauptstadt machen. Der Politia-Tennisclub
etwa, der exklusivste seiner Art im ganzen Land, ist so eine Adresse, die
man dann ansteuern sollte, ein Refugium des Geldadels, in dem ein Jahr Schlägerschwingen
fast 8.000 Euro kosten kann. Gerade 200 Familien leisten sich diesen Luxus.
{...}« [2]
Nur 5.000 Hellenen geben auf ihrer Steuererklärung ein
Einkommen von mehr als 100.000 Euro brutto pro Jahr an. In Griechenland werden
(nur) offiziell 30 Prozent der Mehrwertsteuer hinterzogen, 15 Milliarden Euro
im Jahr 2010.
„Die Reichen sind mit ihren öffentlichen Auftritten
vorsichtig geworden“, sagt Jannis Pantelakos, Mitarbeiter der griechischen
Tageszeitung Eleftherotypia. „Sie haben Angst, dass sie ebenso attackiert
werden könnten wie bereits einige Politiker.“ - „Jetzt verstecken
sie sich an gut gesicherten Orten.“ - Volle Deckung sei die Devise der
Reichen Griechenlands. [2]
Ein Leser-Kommentar von „Gero“: „schaut
auf unser Land —„: „Wer regt sich denn hier auf - schaut
auf unsere Bundestagsabgeordneten, diese erhöhen sich gerade wieder mal
die Diäten um fast 600,- €. Wie lange wollen wir uns das noch gefallen
lassen??“ (27. Juni 2011) [2]
Quellen
vgl.:
[1] DGB, 27.06.2011, Solidaritätserklärung mit Griechenland http://www.dgb.de/
[2] Spiegel-Online, t-online.de am 27.06.2011.
Spurensuche: Wo sich Griechenlands Millionäre verschanzen
http://nachrichten.t-online.de/spurensuche-wo-sich-die-griechen-millionaere-verschanzen/id_47503284/index
www.greekrichlist.com
http://usa.greekreporter.com/2009/03/11/worlds-richest-greek
www.forbes.com/lists/2009/10/billionaires-2009-richest-people_Spiro-Latsis-family_QX6W.html
|
|
|
|
|
|
|
|
|
22.6.2011
Hacker retten Griechenland – Schuldverschreibungen
durch Attacken gegen Banken gelöscht. - Jetzt droht sogar wieder Reichtum
auf dem Olymp
Bilder: Z1M3 (Gruppe Kolzo, Wenn
die Griechin baden geht ...)
Von Claude Michael Jung
Wovon niemand mehr in Griechenland zu träumen gewagt hätte, ist
jetzt
wahr geworden. Eine Gruppe Hacker, die unter dem Namen Anonymous
auftritt hat diverse Webseiten gehackt oder via DDoS lahm gelegt. Sie
verfolgen politische Ziele und richten sich primär gegen Regierungen
und
Banken. Sie unterstützen Wikileaks und haben mit den Attacken gegen die
Banken die Wikileakskonten eingeforen haben auf sich aufmerksam gemacht.
Nun haben sie sich den verarmten und betrogenen Griechen angenommen und
wollen der internationalen Raubbanken tüchtig ans Leder. Auf dem Olymp
tanz derzeit der Bär. Dort wo noch 100 Tausende protestiert und ihre
Regierung zum Teufel gewünscht haben, ist jetzt Party-Pur angesagt.
Wie aus internationalen Bankkreisen durchsickerte, ist es einer anonymen
Hackergruppe gelungen in die Computer der internationalen Raubbanken
einzudringen und haben auf den Festplatten die Schuldverschreibungen der
Griechen in Guthaben umgewandelt. Panikstimmung bei den Banken und
Partylaune in Griechenland, so kann man die derzeitige Lage betrachten.
Europas Regierungen sind zu Salzsäulen erstarrt, der Euro-Rettungschirm
und die Milliarden, die nach Athen gepumpt wurden sind futsch. Am
Wochenende werden wohl die Finanzminister der Eurozone in Athen, im
Büßergewand, zu einem Rapport antreten müssen, jubelt die
Regierung
Griechenlands.
Kampflos wurde den Gewerkschaften bereits von Ministerpräsident
Papandreu zugesagt, die 20 Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, eine
Verdoppelung der Renten und sogar die Jugendrente unverzüglich
einzuführen. Während die Griechen ihr Jubelfeiern starteten, ist
den
Euro-Geyern die Kinnlade heruntergefallen. Ihre groß angelegte
Erpressung der kleinen Leute in Griechenland ist dank dem Hackerangriff
in die Hose gegangen.
In Deutschlands Cyber-Abwehrzentrum wurde man gerade wach als der Cup
der Hacker schon abgelaufen war. Die Cyber-Cops mussten, teilweise mit
vollen Hosen, zusehen, wie die Griechen in Sekunden ihre Schulden
loswurden und zu Millionären wurden. Zum Wochenende wird ein weiterer
Angriff der Hacker erwartet. Wie eine Internetseite berichtet, seien
diesmal besonders deutsche Behörden das Ziel der Offensive. Im Fokus
der
Hacker stünden die Jobcenter, Finanzämter und Rentenversicherer.
Ihre
Kundschaft darf in den nächsten Tagen wohl mit Nachzahlungen in
sagenhafter Höhe rechnen.
Das Ende der Knechtschaft ist also nahe – Den Hackern sei dank! (Das
war
leider bloß Satire)
|
|
14.6.2011 Massenhafter Widerstand auf dem Syntagma-Platz -
Griechenland revoltiert! - Großdemonstration in Athen
Von Adreas Kloke
Der soziale Widerstand gegen die Politik des "Memorandums" in Griechenland,
das dem Land seit Beginn des letzten Jahres von der "Troika", einer
Art Komitee der herrschenden Klassen der wichtigsten Staaten der EU und der
USA, vertreten durch die Brüsseler Kommission, die EZB und den IWF, im
Zusammenwirken mit der "sozialistischen" PASOK-Regierung aufgezwungen
wurde, ist in eine neue, möglicherweise entscheidende Phase getreten.
Das Memorandum bedeutet nichts anderes als die rücksichtslose Ausplünderung
der arbeitenden Bevölkerung und ihre beispiellose Degradierung, vor allem
der jungen Menschen, der berufstätigen Frauen und aller anderen sozial
benachteiligten Schichten, zugunsten der Rettung der horrenden Profite griechischer,
deutscher, französischer etc. Banken. Es wird aber von den Regierungen
und den einschlägigen Massenmedien propagandistisch als "Rettung
Griechenlands" durch die "Gewährung großzügiger
Kredite" verkauft. Gleichzeitig ist allerdings klar geworden, dass als
Folgeerscheinung des verheerenden Bankrotts des weltweiten Banken- und Kreditsystems
2008, das von den Regierungen Nordamerikas und Westeuropas mit 15 Billionen
Dollar "gestützt" werden musste (was einer weltweiten und historisch
einmaligen Umverteilung von unten nach oben gleichkommt), bei der Staatsschuldenkrise
von Ländern der europäischen Peripherie, in Island, Irland, Portugal,
Spanien und vor allem in Griechenland die Stabilität und sogar die Existenz
des Euro und damit das Funktionieren der Finanzierungsmechanismen in der EU,
damit aber auch des Dollars, der derzeit von der Überbewertung des Euros
abhängig ist, auf dem Spiel stehen.
Es kann daher nicht verwundern, dass Präsident Obama bei seinem jüngsten
Treffen mit Frau Merkel besonders auf die drohenden Gefahren eines möglichen
griechischen "Staatsbankrotts", was bedeuten würde, dass sich
Griechenland außerstande sähe oder eventuell auch weigern (!) würde,
seine Auslandsschulden weiter abzuzahlen, hingewiesen hat. Obama bezeichnete
die Schulden Griechenlands als "schwerwiegend" und betonte, sicher
zu Recht, die besondere Rolle Deutschlands bei der europäisch-internationalen
"Hilfe zur Herausbildung eines vorwärts gerichteten Prozesses",
der es Griechenland ermöglichen soll, "ein Wachstum zu erzielen
und sein Schuldenproblem besser in den Griff zu bekommen." Das Problem
besteht aber gerade darin, dass die Gewährung der internationalen "Rettungspakete"
zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit Griechenlands in diametralem
Gegensatz zur Wahrung einer halbwegs menschenwürdigen Existenz für
die arbeitende und große Masse der griechischen Bevölkerung steht.
Anders gesagt, die Kredite der Troika sind an Bedingungen geknüpft, die
zu einem gnadenlosen Aderlass zu Lasten von rund 85% der Bevölkerung
und zu einem dramatischen Absturz der allgemeinen Lebensverhältnisse
führen und keinerlei Aussicht darauf eröffnen, dass sich die Situation
in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wieder verbessern könnte.
Z.B. wird Griechenland niemals in der Lage sein, die Zinsen und Zinseszinsen
für die erhaltenen Kredite zurückzuzahlen.
Es liegt in der Natur der Sache, dass sich diese Konstellation und alle ihre
klar absehbaren Folgen trotz aller propagandistischen Verdrehungen, Drohungen
und Einschüchterungs- und Erpressungsmanöver seitens der Herrschenden,
ihrer Regierungen und der dazugehörigen Massenmedien nicht mehr verbergen
lassen und die Zustimmung der betroffenen Menschen des Landes zu der betriebenen
Politik auf einen einmaligen und ungeahnten Tiefpunkt gesunken ist. Da nützt
es auch nichts mehr, wenn Frau Merkel für den Fall eines griechischen
Staatsbankrotts den deutschen Aufschwung gefährdet sieht und CDU-Mann
Kauder mehr Opfer von der griechischen Bevölkerung fordert (siehe Spiegel-Online
vom 11.6.).
In der Erkenntnis, dass es in Wirklichkeit kaum noch etwas oder nichts mehr
zu verlieren gibt, und inspiriert von der erfolgreichen ersten Etappe der
ägyptischen Revolution, den Ereignissen auf dem Tahrir-Platz von Kairo,
und zuletzt den Besetzungen zentraler Plätze von Madrid und Barcelona
durch revoltierende junge Leute, hat der massenhafte Widerstand in Griechenland
durch die Dauerbesetzung des Syntagma-Platzes von Athen, direkt dem Parlament
gegenüber, sowie Besetzungen von zentralen Plätzen in Saloniki und
vielen anderen griechischen Städten, eine neue Qualität erreicht.
Dies war nach vielen verschiedenen Anläufen in den vergangenen 18 Monaten,
einer Reihe von Generalstreiks und vielen hartnäckigen Streiks in vielen
betroffenen Bereichen, wie den öffentlichen Verkehrsmitteln, im vergangenen
und in diesem Jahr, die zwar das Ansehen der Regierung gegen null tendieren
ließen, aber Regierung und Troika nicht zum Rückzug zwingen konnten,
dringend erforderlich. Vorboten dieser neuen Welle von Massenradikalisierung
waren u.a. ein monatelanger regelrechter Aufstand in Keratea, einer Kleinstadt
südöstlich von Athen, gegen die Einrichtung einer Mülldeponie,
der auch vom Massenaufgebot von Polizei-Sonderkommandos und deren brutalen
Knüppeleinsätzen nicht gebrochen werden konnte, und ein erfolgreicher
Hungerstreik von 300 "illegalen" Immigranten aus Nordafrika im März
und April, der zwar marginalisiert blieb, aber dennoch zeigte, dass es auch
gegen die Diktate des Memorandums geeignete Kampfmaßnahmen gibt.
Eine neue Dimension des Widerstands
Kennzeichnend für diese neue Form des Massenwiderstands ist, dass Hunderttausende
von Menschen, die bisher nicht bereit waren, sich an Kampfaktionen zu beteiligen,
und auch von den verschiedenen Parteien oder Bündnisformationen der reformistischen
(KKE, SYN/SYRIZA) oder antikapitalistisch-revolutionären Linken (vor
allem ANTARSYA) aus verschiedenen und zumindest teilweise verständlichen
Gründen kaum zu erreichen waren und trotz allem eine eher abwartende
Haltung eingenommen hatten, nun aufgewacht sind und die Besetzungen aktiv
unterstützen und damit ihre Entschlossenheit zum Ausdruck bringen, die
Regierung und die Politik des Memorandums zu Fall zu bringen. Hauptslogans
der neuen Bewegung sind die Ersetzung der vorherrschenden Pseudo- oder betrügerischen
Demokratie durch eine wahre, direkte Demokratie, in der die betroffene Mehrheit
der Bevölkerung ihre Forderungen und Bedürfnisse vorbringen und
umsetzen kann.
Dies grenzt sich schroff vom praktizierten politischen Modell ab, wo die Macht
im Namen des Volkes, aber ohne dessen Einverständnis oder Beteiligung
ausgeübt wird - ganz abgesehen davon, dass sich die Umfragewerte für
die regierende PASOK, aber auch die rechtsbürgerliche Nea Dimokratia
(ND) immer weiter nach unten bewegen und damit eine wenigstens ansatzweise
Legitimierung der bisherigen Träger der bürgerlichen Demokratie
des Landes in sich zusammengefallen ist. Der bislang begrenzte, aber klare
und unmissverständliche Inhalt der Forderungen wird in der Formel "Wir
schulden nichts, wir verkaufen nicht, wir bezahlen nicht!" auf den Punkt
gebracht.
Die Bewegung begann mit der Besetzung des Syntagma-Platzes am 25. Mai und
erreichte am 5. Juni mit der Beteiligung von geschätzten 500.000 Protestierenden
einen ersten Höhepunkt. Aufgrund der Breite der Bewegung sind eine gewisse
Heterogenität sowie eine ideologische und politische Unbestimmtheit vorläufig
unvermeidlich. Die Teilnehmer/innen wandten sich von Beginn an gegen das Auftreten
von Parteien, politischen Organisationen und Gewerkschaften und bestanden
auf dem Prinzip, dass jede/r nur sich selbst repräsentiert. Darin kommt
ein starkes Misstrauen gegenüber den Parteiführungen auch der beiden
linken Parteien, dem immer noch vorherrschenden Sektierertum der linksradikalen
Organisationen und eine klare Ablehnung der hoffnungslosen Bürokratisierung
der meisten Gewerkschaften vor allem durch PASOK-Funktionäre zum Ausdruck.
Vereinzelt tragen Protestierende auf dem "oberen" Teil des Platzes
auch griechische Nationalfahnen, wodurch sie ihre Auffassung von nationaler
Souveränität vorzubringen versuchen. Der obere Teil ist generell
der weniger "politisierte", von der Linken am wenigsten beeinflusste,
in dem sich offenbar meist erstmals Protestierende zusammenfinden.
Der politisch "härtere Kern" der Bewegung hat sich mit Zelten
auf dem unteren Teil des Platzes dauerhaft eingerichtet und ist der eigentliche
Motor der Proteste. Jeden Abend gegen 9 finden dort "Volksversammlungen"
statt, in denen alle wichtigen Themen, Forderungen, inhaltliche und organisatorische
Vorschläge, Stellungnahmen und Aufrufe diskutiert und teilweise abgestimmt
werden. Alle Beschlüsse werden dann auf der entsprechenden Website veröffentlicht.
Zusammenfassend programmatischen Charakter hat der Beschluss vom 2. Juni.
(siehe ANHANG 1) An diesen Versammlungen nehmen rund 3000 junge Menschen teil,
die meisten von ihnen wohl Studierende. Gestützt wird diese Form der
Organisierung durch verschiedene Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen wie
Arbeitslosigkeit, Erziehung, Schulen und Kultur sowie durch Foren und öffentliche
Podiumsdiskussionen z.B. zum Thema Schuldenkrise und mögliche Auswege
aus ihr. Die jungen Teilnehmer/innen sind teilweise Mitglieder des Spektrums
fast aller linker Parteien und Organisationen mit Ausnahme der griechischen
KP, die sich grundsätzlich nur an Aktionen beteiligt, die von der Parteiführung
direkt kontrolliert werden. Die meisten jungen Protestierenden sind aber vermutlich
unorganisiert.
Einige Stellungnahmen von Kommentatoren auch aus den Reihen der antikapitalistischen
und revolutionären Linken über den Charakter der neuen Bewegung,
seine Chancen und teilweise offenkundigen Schwächen und seine Perspektiven
liegen bereits vor. Allgemein besteht Übereinstimmung darin, dass es
sich um eine historisch einmalige Gelegenheit handelt, der Politik des Memorandums,
der Regierung und dem Terror der herrschenden Klassen einen schweren, womöglich
entscheidenden Schlag zu versetzen. Einigkeit besteht auch darin, dass sich
Griechenland kurz vor einer sozialen Explosion befindet. Wenn als Kriterium
dafür gilt, was ein Revolutionär des vorigen Jahrhunderts so formuliert
hat, dass "die Herrschenden nicht mehr weiter regieren können wie
bisher, und die Beherrschten nicht mehr weiter so regiert werden wollen",
dann ist das eine zutreffende Beschreibung der in Griechenland entstandenen
Situation.
Vor entscheidenden Kraftproben
Trotzdem ist nicht zu übersehen, dass die die Bewegung noch einige Entwicklungsphasen
zu durchlaufen hat, um zu voller Wirksamkeit zu gelangen. Der Kampf muss in
alle zentralen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens getragen werden, in
die Betriebe, die Büros der öffentlichen Verwaltung, die Krankenhäuser,
Schulen und Universitäten, die von dem schändlichen "Mittelfristigen
Programm", dem Memorandum Nr. 2, das am Mittwoch, dem 15.6., im Parlament
abgesegnet werden soll, am stärksten betroffen sein werden. Der systematische
Abbau von Arbeitsplätzen, die Auflösung der Kollektivverträge,
die Annullierung der Errungenschaften eines Jahrhunderts der Kämpfe der
Arbeiter/innen-Bewegung, der Privatisierungswahn und der Ausverkauf des Staatseigentums
müssen gestoppt werden. Notwendig ist vor allem eine inhaltlich-programmatische
Präzisierung der Zielsetzung der Bewegung, was nur im Rahmen einer Übergangsprogrammatik
zur Überwindung der Herrschaft des Finanz- und Großkapitals möglich
sein wird. Hier spielt die Forderung nach entschädigungsloser Enteignung
der Banken unter Arbeiter/innen-Kontrolle eine Schlüsselrolle. All dies
wird sich nur durch eine Verbindung der neuen Bewegung mit der gewerkschaftlichen
Basisbewegung der letzten 18 Monate herauskristallisieren können. Die
Bewegung braucht eine klare antikapitalistische Perspektive und auch eine
Strategie, um siegen zu können. Auch die Machtfrage stellt sich. Wie
soll es weitergehen, sollte die Regierung tatsächlich zum Rücktritt
gezwungen werden?
In diesen Tagen steht allerdings die unmittelbare Kampfperspektive, die Verhinderung
und die Rücknahme des "Mittelfristigen Programms", im Vordergrund.
Am Mittwoch, den 15.6., ist Generalstreik und die "Volksversammlung"
des Syntagma-Platzes vom 11.6. hat dazu aufgerufen, den ganzen Tag lang die
Zufahrtswege zum Parlament zu blockieren. (siehe ANHANG 2) Man kann ohne Übertreibung
sagen, dass sich Griechenland in einer kritischen Phase des Klassenkriegs
befindet, der der arbeitenden Bevölkerung und allen Benachteiligten und
Unterdrückten letztes Jahr mit dem Memorandum Nr.1 erklärt worden
ist.
Es ist klar, dass dieser Kampf die bestmögliche Unterstützung und
Solidarität der ganzen Welt, besonders aber Europas und vor allem Deutschlands
braucht. Gerade die Herrschenden in Deutschland, ihre Regierung und die bekannten
Massenmedien haben die schlimmste und eine ausgesprochen rassistische Rolle
dabei gespielt, die griechische Bevölkerung für die Schuldenkrise,
die Krise des Euro usw. verantwortlich zu machen. Noch kürzlich meinte
sich Frau Merkel in der deutschen Provinz damit hervortun zu müssen,
von den griechischen Arbeitenden weniger Ferien und mehr Arbeitsjahre zu fordern.
Alle fortschrittlichen Menschen in Deutschland und Europa, alle, für
die Freiheit, Gleichheit, die sozialen Rechte und Solidarität keine leeren
Worthülsen darstellen, für die die Wahrung und Herstellung einer
menschenwürdigen Existenz für alle Menschen in ganz Europa und letztlich
weltweit eine notwendige Zielsetzung darstellen, die Gewerkschaften und ihre
Grundeinheiten, die Parteien, Organisationen und Kollektive, die sich nicht
mit der schrankenlosen Herrschaft einer verantwortungslosen Finanzoligarchie,
der Großbourgeoisie und der Regierungen abfinden wollen, sind aufgerufen,
den Kampf der griechischen Bevölkerung, der Organisationen der Arbeitenden,
den Generalstreik vom 15.6., die Bewegung der Besetzung des Syntagma-Platzes
und der anderen Plätze in griechischen Städten solidarisch zu unterstützen.
Unser Kampf hier in Griechenland ist ein Kampf auch für die sozialen
Rechte, Gleichheit, Gerechtigkeit und wahre Demokratie in ganz Europa und
auch in Deutschland!
*******************
ANHANG 1 :
JETZT SPRECHEN WIR!
Aufruf zu einer europaweiten Erhebung am 5. Juni
Seit dem 25. Mai sind wir, Tausende von Bürgerinnen und Bürgern,
zur Besetzung von Plätzen des ganzen Landes übergegangen und beanspruchen,
unser Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Wir haben unterschiedliche
ideologische Auffassungen, aber uns einen der Zorn darüber, was vor sich
geht, und unser tiefes Bedürfnis nach Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschenwürde.
Wir sind verschieden, sind und bleiben aber alle geeint! Zur gleichen Zeit
wird überall in Europa mobilisiert. Am Sonntag, dem 5. Juni, koordinieren
wir europaweit unser Vorgehen und versammeln uns um 6 Uhr auf dem Syntagma-Platz
und allen Plätzen des Landes und überall in Europa. Überall
muss unsere Stimme laut und deutlich gehört werden:
- Weil es nicht zugelassen werden kann, dass ganze Völker geopfert werden,
um die Gläubiger zu entschädigen - die Schulden sind nicht unsere
und wir werden sie nicht bezahlen.
- Weil das bestehende politische System, das die Armen ärmer und die
Reichen reicher macht, nicht mehr ohne uns entscheiden kann und gestürzt
werden muss.
- Weil wir in Würde von unserer Arbeit ohne den ständigen Terror
der Arbeitslosigkeit leben wollen.
- Weil diejenigen, die den öffentlichen Reichtum ausgeplündert haben,
bestraft werden müssen.
- Weil das öffentliche und kostenfreie Gesundheits- und Erziehungswesen
das unverzichtbare Recht aller darstellen.
- Weil das Mittelfristige Programm nicht durchkommen darf.
Die organisierte Desinformation kann uns nicht einschüchtern. Wir werden
auf den Plätzen bleiben, bis alle, die für die derzeitige Sackgasse
verantwortlich sind, verschwinden und nicht mit anderem Personal zurückkehren:
IWF, Memoranden, Troika, Regierungen, Banken sowie alle unsere Ausbeuter.
Wir werden unsere Demonstrationen geeint und geschlossen fortsetzen, bis "Unruhe
in der Unterwelt ausbricht und der Boden unter dem ungeheuren Druck der Sonne
zurückweicht." [wie es in AXION ESTI heißt, A.d.Ü.]
Direkte Demokratie jetzt!
Die Volksversammlung des Syntagma-Platzes - 2. Juni 2011 (www.real-democracy.gr)
****************************************
ANHANG 2
24 STUNDEN AUF DIE STRASSE!
Wir geben unsere ANTWORT auf das MITTELFRISTIGE PROGRAMM:
Am 15. Juni kreisen wir das Parlament ein.
In diesen Tagen, in denen die Regierung versucht, das Mittelfristige Programm
durchzubringen, kreisen wir das Parlament ein, versammeln uns und bleiben
auf dem Syntagma-Platz.
Alle zusammen setzen wir die am 25. Mai begonnenen Mobilisierungen noch entschlossener
fort. Am 15. Juni legen wir die Arbeit nieder. Wir beteiligen uns mit allen
Protestierenden, die ihre Ablehnung des Mittelfristigen Programms zum Ausdruck
bringen wollen, mit den Streikenden und ihren Gewerkschaften, an den Volksversammlungen,
an den Aktionen und an den Besetzungen im ganzen Land. Wir rufen die Künstler
und Künstlerinnen auf, die Aktionen zu begleiten, ihren Beitrag dazu
zu leisten und mit uns auf die Straße zu gehen. Es gibt drei Treffpunkte:
Am Mittwoch, den 15.Juni, am Morgen um 7 Uhr: 1. Vor dem Parlament. 2. An
der U-Bahnstation Evangelismos. 3. Am Panathinaikos - Stadion. (...)
Unsere Stimme muss noch stärker gehört werden:
Das Mittelfristige Programm darf nicht durchkommen!
Die Volksversammlung des Syntagma-Platzes, 11.6.2011
**********
ANHANG 3
Auf Flugzetteln von OKDE - Spartakos, der griechischen Sektion der 4. Internationale,
am Syntagma-Platz verbreitete Losungen:
- Wir werden ihre Schulden nicht bezahlen! Zahlungsstopp für Banken und
Zinswucherer - nicht für Renten, Löhne und Sozialleistungen!
- Entlassungen im öffentlichen Dienst bedeuten mehr Arbeitslosigkeit
in der Privatwirtschaft. Für die Senkung der Arbeitszeit, damit alle
Erwerbslosen Arbeit finden! Für Lohnerhöhungen, damit die Arbeitenden
ein menschenwürdiges Leben führen können!
- Warum sollen wir 110 Mrd. Euro an Banken und Zinswucherer zahlen, statt
sie für Löhne, Renten, Schulen und Krankenhäuser zu verwenden?
- Für die Streichung der Schulden! Für die entschädigungslose
Nationalisierung der Banken unter Kontrolle der Arbeitenden!
- Man kürzt dir den Lohn, die Rente, die Arbeit: Kannst du erhöhte
Strom-, Wasser- und Telefonpreise bezahlen? Nein zur Privatisierung der gemeinnützigen
Unternehmen!
- Sie haben uns den Krieg erklärt und verlangen von uns, Frieden zu halten.
Nein zum Konsens! Nieder mit der Regierung des Memorandums!
- Der nationale Konsens ist Betrug! Das Vaterland der Kapitalisten ist nicht
unseres! Keine Opfer für ihre Profite!
- Kein Immigrant, keine Immigrantin hat uns die Arbeit
weggenommen. Die Kapitalisten stehlen unsere Arbeitsplätze! Kämpf
gegen die Bosse und nicht gegen die, die noch übler dran sind als du
selbst! (www.okde.org)
(Berichterstatter und Übersetzer: Andreas Kloke, Athen) |
|