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27.6.2011 Zoff um Straßenkreuzung in Großhumpendorf


Nadelöhr der Christenheit soll nach Verkehrsunfall entschärft werden

Von Claude Michel Jung


Bereits zur Römerzeit passierte eine Straße von Rom ausgehend hinauf in
den hohen Norden über Trier und Köln bis zur Reeperbahn auf Sankt Pauli
die herrliche Gemeinde Großhumpendorf an der oberen Saar. Ännchens
Kneipe am Dorfbrunnen war damals noch eine römische Taverne und wie aus der Gemeindechronik zu entnehmen ist, eine Goldgrube. Der römische
Feldherr Publius Quinctilius Varus rastete hier einige Wochen, bevor er
sich mit einem gewissen Arminius im Teutoburger Wald zur Schlacht traf.
Die Humpenbürger winkten Varus und seinen Soldaten hinterher und
warteten lange vergebens auf deren Rückkehr. Später rastete auch Pontius
Pilatus auf dem Weg zu seinem Altersruhesitz im saarländischen Pachten
hier in Ännchens Taverne. Sechs Wochen dauerte die Rast des Pilatus an
der langen Theke, und Pilatus hatte die Rente seines Kaisers komplett
versoffen. So musste er sein teuerstes Stück, einen goldenen Nachttopf,
den er v om Kaiser für seine Verdienste in Palästina erhalten hatte, als
Pfand zurücklassen. Heute dient der Nachttopf einem Asparagus als
Behausung. Im Mittelalter erhielt die alte Römerstraße dann Gesellschaft
von einer modernen Fernstraße, die von Mainz nach Santiago de
Compostella, zum Grab des Apostels Jakobus führte. Unterhalb der
Humpenburg, direkt an der Venusfurche, kreuzten sich die beiden
Fernstraßen, und aus dem verträumten Humpendorf wurde die stolze
Marktgemeine Großhumpendorf.


Mit der Eröffnung der Via del Jacobus im frühen Mittelalter durch
Tempelritter Schlendrian erblühte das Dorf. Der Mammon rollte, denn hier
trafen die Kreuzritter auf dem Weg zur Befreiung Jerusalems mit den
sündigen Pilgern auf dem Marsch ins spanische Santiago de Compostella
zusammen. Gehandelt wurde mit allem, was Ritter und Pilger für ihre
weite Reise benötigten. Sogar ein Freudenhaus wurde sehr zum Unwillen
des Klerus ebenso wie ein Spielsalon errichtet. Beim Würfelspiel verlor
so mancher edle Ritter sein Hab und Gut, und auch ein reicher Kaufmann
aus Mainz musste seine schöne Tochter auf der Humpenburg abliefern. Denn damals würfelte man mit einer Weltneuheit, mit unauffällig gezinkten
Würfeln aus der Dorfschreinerei.


Gleichzeitig mit dem frühmittelalterlichen Wirtschaftsboom an der oberen
Saar stieg auch der Huddel und Zores. Es kam zu Massenorgien nach Sitte
der Templer. Schlimme Zustände herrschten. Ritter Schlendrian und seine
Gesellen hatte alle Mühe, die Gebote Gottes aufrecht zu erhalten. Ein
irischer Mönch glaubte, in Sodom oder Gomorra gelandet zu sein, und
ertränkte sich in der Saar. Ein durchreisender Bischof glaubte, gar auf
einer Facebook-Party zu sein und rief den Erzengel Michael zu Hilfe,
damit dieser die Sünder aus dem Paradies vertreiben solle.
Großhumpendorf wurde zum Nadelöhr der gesamten Christenheit, der Bau
einer Umgehungsstraße wurde jedoch nicht erwogen, stattdessen platzten
die Verliese der Humpenburg aus allen Nähten. Sündenbeladene Pilger, für
die niemand ein Lösegeld zahlen wollte, wurden an den Sklavenhändler El
Kebir verkauft, der wegen der guten Geschäfte sogar eigens eine
Niederlassung an der oberen Saar gründete.


Jetzt gibt es erneut Zores um die Straßenkreuzung an der
Großhumpendorfer Venusfurche. Beatrice Décolleté, engste Vertraute von
Bürgermeister Edgar Lump,ist mit ihrem italienischen Sportwagen mitten
auf dem Nadelöhr der Christenheit gegen den Dienstwagen von Dechant
Friedensreich Selighauer gedonnert. An beiden Fahrzeugen entstand
Totalschaden. Die schöne Beatrice kam mit dem Schrecken davon und
Dechant Selighauer mit einem blauen Auge. Zudem lief ein Kanister
Weihwasser aus, den der Seelenhirte unsachgemäß auf dem Rücksitz mit
sich führte. Die Unfallursache ist ungeklärt, da die Vorfahrtsregelung
hier seit dem Mittelalter ungeklärt ist. Bürgermeister Lump lehnt schon
aus ideologischen Gründen die Standardregel rechts vor links kategorisch
ab. Ein Stoppschild gibt es ebenfalls nicht, und eine Verkehrsampel hat
der Gemeinderat stets als Verschwendung von Steuergeldern abgelehnt. Nun ist gut er Rat teuer, und der Gemeinderat musste sich erneut dem Problem stellen.


Hoch her ging es vergangene Woche in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen. Der Zapfhahn am langen Tresen lieferte ununterbrochen neuen Zündstoff für
die Gemeinderatssitzung, deren einziger Tagesordnungspunkt die prekäre
Verkehrssituation an der Kreuzung der Christenheit war. Gegen
Mitternacht stellte „La Rabiata“, Bürgermeister Lumps liebende Gattin
Elfriede,zum dritten Mal den Antrag, die Sitzung zu vertagen, bis die
Unfallursache geklärt sei. Dechant Friedensreich Selighauer beschuldigt
immer noch den gelben Minirock von Beatrice Décolleté, den Crash
verursacht zu haben, da dieser ihn vom Verkehrsgeschehen abgelenkt habe.
Bürgermeister Lump hielt dagegen und riet dem Go ttesmann, lieber die
fetten Putten in der Kirche zu betrachten als die Oberschenkel seiner
engsten Vertrauten und Beraterin. Die Nacht schien unheilgeschwängert
und einen bösen Ausgang zu nehmen. Etwa gegen 2.30 Uhr ergriff der
Gemeindechronist Studienrat Ernst Nonsens nach dem vierten oder fünften
Joint das Wort. Studienrat Nonsens schlug vor, einen kostenneutralen
Verkehrskreisel zu bauen und dafür die Gießkannen der EU, des Bundes und des Landes in Anspruch zu nehmen. Wie Studienrat Nonsens ausführte,
stünden auch kräftige Finanzspritzen aus dem Umweltministerium bereit,
falls man erwäge, den Kreisel mit Solarzellen und Energiesparlampen zu
illuminieren.


Pünktlich um 3.00 Uhr wurde der Vorschlag von Studienrat Nonsens
einstimmig angenommen. Über die Ausgestaltung des Verkehrskreisels der
Christenheit, etwa mit einem Kreuzritterdenkmal, wie es Dechant
Selighauer vorschlug, oder gar einem Triumphbogen mit aufgesetzter
Quadriga und einer Statue von Beatrice Décolleté als Wagenlenkerin wird
die für kommende Woche anberaumte Gemeinderatssitzung entscheiden. Wie die Pressestelle der Templerkommune bekanntgab, wird die mit
Hochspannung erwartete Ratssitzung von mehreren privaten TV- Anstalten
live übertagen. Wann es zu Friedensverhandlungen zwischen Bürgemeister
Edgar Lump und Dechant Selighauer kommt, ist indes noch vollkommen
offen.

27.6.2011Wer Brennholz klaut, sündigt nicht. Gesetz zum Schutz der Wälder an der oberen Saar

Von Claude Michael Jung

Bereits im Mittelalter war die Gemeinde Großhumpendorf an der oberen
Saar ein Leuchtturm in Sachen Umweltschutz. Um seine Wälder zu schonen, in denen herrliche Trüffel heranwuchsen, erließ Tempelritter Schlendrian der Mächtige, damals uneingeschränkter Regent des oberen Saartals, ein Gesetz, das den Holzeinschlag in den Wäldern rund um die Humpenburg streng unter Strafe stellte. Schlendrian der Mächtige empfahl den Humpenbürgern, ihren Brennholzvorrat auf der Gemarkung der seit der Kreidezeit mit dem Humpendorf verfeindeten Nachbargemeinde Schlemmerbach oder sonstwo zu schlagen. Das Brennholzgesetz des Templers wurde sogar von der katholischen Kirche anerkannt und nicht im Sündenregister eingetragen. Dies bestätigte jetzt Dechant Friedensreich Selighauer auf Nachfrage des Dorfchronisten Studienrat Ernst Nonsens. Zu Beginn des Industriezeitalters wurde das Gesetz auch auf den Kohle-Klau erweitert und im Kirchenbuch der Pfarrei Sankt Donner und Doria als sogenannte Nichtsünde offiziell anerkannt. Pénichen, welche auf der Saar Holz oder Kohle durch das Gemeindegebiet transportierten, wurden gestoppt und mussten den zehnten Teil ihrer Ladung als Abgabe an die kommunale Energiebehörde abliefern. Dabei kam es am 11. November 1803 zu einem ernsten Zwischenfall.


Die Besatzung der mit Grubenholz beladenen Péniche Walpurgis verweigerte die Herausgabe des Zehnten und wurde von Gustav Adolf, einer schwedischen Kanone aus dem Dreißigjährigen Krieg, unter Feuer genommen und nahe dem alten Angelsteg von Tempelritter Schlendrian dem Mächtigen versenkt. Ladung und Besatzung wurden gerettet, der Kapitän, ein Halunke aus der Pfalz, wurde im Verlies der Humpenburg bei von den Wänden fließendem kalten Wasser untergebracht. Der Saarländi sche Satiregerichtshof, die höchste Instanz des lieblichen Landes, erkannte die Versenkung der Walpurgis als rechtmäßig an und empfahl, den Kapitän nach der Verabreichung von 30 kräftigen Hieben auf den Arsch aus der Haft zu entlassen.


Als die Obere Saartalbahn zwischen Saarbrücken und Saargemünd im Jahre 1869 fertiggestellt war, verzeichnete das Preußische Eisenbahnamt einen enormen Schwellenverbrauch im Bereich der Gemeinde Großhumpendorf. Preußens Korintenkacker hielten fest, dass auf der rund sieben Kilometer langen Strecke mehr Schwellen verbraucht wurden als beim gesamten Bau der Eisenbahn zwischen Trier und Saarbrücken verlegt wurden. Sämtliche Untersuchungen liefen ins Leere. In Berlin begann man allerdings auf höchster Ebene an der Staatstreue der Humpenbürger zu zweif eln.


Seit 1997 wird die Strecke zwischen Saarbrücken und Saargemünd von der
Saarbahn befahren sowie von Regionalexpress-Zügen, die zwischen
Saarbrücken und Straßburg verkehren. Um einen reibungslosen
Schienenverkehr zu gewährleisten, verlegte man sicherheitshalber
Schwellen aus Beton. Das Gesetz zum Schutz der Wälder an der oberen Saar hat bis heute seine Gültigkeit nicht verloren. Besucher der Gemeinde
Großhumpendorf können sich bei einem Spaziergang durch den einzigen
Märchenwald des Saarlandes davon überzeugen. Ein reich bebildertes
Verzeichnis der Wanderwege gibt es beim Tourismusamt der uralten
Tempelrittergemeinde oder im Internet unter: http
://www.grosshumpendorf.de/ -