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"Nach der Lektüre 'Die Jamaika - Clique' frage ich mich: Sitzen in der Lerch nicht die falschen Leute ein?" |
Wilfried Voigt untersucht, wie das Saarland eine Jamaika-Koalition erhielt Jamaika Clique - Conte Verlag Buchvorstellung von Stefan Gleser Oskar Lafontaine bezeichnete die frisch gewählte Landesregierung als „zusammengekauft“ und „nicht auf demokratisch legitimierte Weise zustande gekommen.“ Zahlreiche Belege, die diese Annahme stützen, finden sich in Wilfried Voigts Buch „Die Jamaika Clique“. Wilfried Voigt entwirft ein wunderbares Sittengemälde. Manche Puzzles waren noch bekannt, andere schon aus dem Gedächtnis verschwunden, viele hat der Verfasser entdeckt. Es ist ein heimatverbundenes Gesamtkunstwerk aus Korruption, Mauschelei und Vetternwirtschaft. Es ist alles vorhanden, was man sich nur wünscht. Fussmatten, CTT, Berliner Bankenskandal, think & solve, Lohnsteuerrückstände in Höhe von 17 Millionen Euro, ein Sumpf der in vielen Farben des Parteienspektrums aufleuchtet, Spenden, Karteileichen, ein Pöstchen hier und ein Pöstchen da, oder die wundersame Niederschlagung von Steuern. Anton Kuh hat recht. Die Weltgeschichte läuft genau so ab, wie es sich der kleine Moritz vorstellt. Das Wahlrecht im Saarland sollte an die Lektüre dieses Buches geknüpft werden. Hehre Lichtgestalten, die sich in den Vordergrund drängen, die aus der sich um die Futternäpfe balgenden Schar herausheben, sind Hubert Ulrich und Hartmut Ostermann. Der Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit über seinen Parteifreund Ulrich in ergreifender Schlichtheit: „Er ist ein Mafioso.“ Beim politischen Landschaftspfleger Hartmut Ostermann, der wegen des Verdachts auf gewerbsmässigem Steuerbetrugs schon mal ins Kittchen wanderte, fällt der Verzicht auf den diskreten Charme der Bourgeoisie auf. Ostermann scheut nicht die Öffentlichkeit, war Präsident des 1. FC Saarbrücken und ist noch Kreisvorsitzender der Saarbrücker FDP. Bei den Koalitionsverhandlungen sass er seinem ehemaligem Arbeitnehmer Hubert Ulrich direkt gegenüber. Kurz darauf kurz darauf erklärten sich die grünen Saarländer zu Modernisierer, die jenseits verkrusteter Denktabus, die sozialökologische Erneuerung vorantreiben und wählten Peter Müller zum Ministerpräsidenten. Im Wahlkampf hatten sie dessen Abwahl versprochen. „Die Jamaika-Clique“ vereint in sich zwei Zäsuren der Bundesrepublik. Voigts arbeitete Jahrzehnte für den „Spiegel“ und die „Frankfurter Rundschau“. Vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren wäre ein solches Buch mit solch aufklärerischem Furor bei Rowohlt Aktuell oder dem Spiegel verlegt worden. Jetzt hat es der kleine Conte-Verlag herausgebracht. „Die Jamaika-Clique“ erscheint und eine nennenswerte, linksliberale, kritische Öffentlichkeit verschwindet. Zum anderen wird in Zeiten von Hartz IV, angesichts der Not und der Verzweiflung, Korruption nicht mehr als Zeichen von gewitzter Lebenstüchtigkeit, als menschlich-allzumenschlich, als umtriebiger Geschäftssinn gewertet, sondern hinterlässt nur noch Wut, Verachtung und Apathie. Das Lachen bleibt einem im Halse stecken. Also nichts mehr mit der kabarettistischen Aufarbeitung, die zugleich ins anheimelnd-vertraute spielt, das sei halt die Dibbelappes-Connection, verfilzt ist die Saar, verfilzt immer dar, sei die neue Hymne und Saarlouis, das bekanntlich mehr grüne Parteimitglieder habe als Einwohner, sei wie Palermo, nur ohne Sonne. Es sollte keinesfalls vergessen werden, dass die drei Hanseln von den Grünen im Landtag gegen den Mindestlohn stimmten. Irgendwann will man ja Ergebnisse sehen. Würde es ein Arbeitssuchender wagen, seine Anträge so auszufüllen, wie andere ihre Steuererklärungen, ihm würden am nächsten Tag Nahrung, Medikamente und Wohnung entzogen. Voigt beschränkt sich nicht auf das zutiefst merkwürdige Zustandekommen der Jamaika-Koalition. Nach seinen Ermittlungen umschwärmten Politiker aus CDU und FDP die schlagende Verbindung Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken. Deren Wurzeln wuchern im völkischen Überlegenheitswahn gegenüber Juden und Tschechen. Ihr Arierparagraph nahm schon 1920 die Nürnberger Rassengesetze vorweg. Letzter Akt im Trauerspiel. Der Kreisvorsitzende der Neunkirchner Grünen, Bernd Thul, verlässt das sinkende Schiff. Es ginge nur noch um das „Erlangen persönlicher Vorteile“. Man sollte endlich einen Vorschlag des früheren SPD-Politikers Rudolf
Schöfberger verwirklichen. Die Volksvertreter tragen Leibchen, auf
denen klar und deutlich die Namen der Firmen prangen, die sie vertreten.
Das ist bürgernah und transparent. Das erspart Recherchen und Untersuchungsausschüsse.
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