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Die Tücke der ’Verwiegung’ im neuen Abfallgebührensystem in Saarbrücken


1.1.2010
von Dr. Nikolaus Götz

Nachdem der Stadtrat von Saarbrücken nach Jahrzehnten der Diskussion endlich einen Entschluss gefasst hat, wird jetzt zum 1. 1. 2011 das neue Verwiege-system für den Müll in Saarbrücken eingeführt.
Hurra, brüllen alle die „grünen“ Stadträte, die diesen Vogel abgeschossen haben und freuen sich, da ja die „Restabfall-Last im Schnitt deutlich reduziert“ (Werbebroschüre des Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetriebes) wird. Doch wir Bürger müssen jetzt mit der Praxis dieser Neuregelung klarkommen.

Für die Hausbesitzer, besonders die eines Mehretagenhauses mit Müllschlucker auf jeder Etage, ist das neue System jedoch kein Fortschritt, sondern bedeutet den vorprogrammierten Streit zwischen dem Vermieter und den einzelnen Mietparteien. Obliegt es doch den Hausbesitzern als direkter Ansprechpartner des ZKE, die Jahresmüllabrechnung zu erstellen. Schön, glatt und werbegerecht liest sich die diesbezügliche Frage-Antwort-Formulierung: „F.: Wie wird die Müllgebühr in einem Mehrfamilienhaus berechnet? A: Die Aufteilung ist Sache des Eigentümers.“ Ob das jedoch in der Praxis so einfach ohne Rechtanwalt laufen wird?

Wie soll beispielsweise zukünftig der Hausbesitzer den individuellen Müll erfassen, den jede Mietpartei unterschiedlich produziert und der bislang einfach in die graue Restmülltonne kam? Sollen die Mieter zur täglichen, wöchentlichen oder nur monatlichen Müllerfassung wegen der genauen Daten für die exakte Jahresabrechnung gebeten werden? Denn keiner will und wird den vielen Müll der Mitbewohner zahlen. Immer einzeln die Müllbeutel wiegen – oder jedem Mieter seine eigene graue Tonne hinstellen? Ja, das ist die zündende Idee, sie ist zwar platzintensiv, aber zeitsparend und optimal, da sie das Entsorgungssystem verteuert, was auch vom ZKE so erkannt wird. Aber - keine Panik auf der Titanic! Zur Zeit werden die Abfallgebührkosten erst mal evaluiert.

Zurecht kritisieren die Fraktionen auf der politisch linken Seite, dass das System unsozial sei, da eine Mehrkopffamilie automatisch mehr Müll produziert als ein Einzelhaushalt. Wieder mal sind Kinder im System unerwünscht! Außerdem ist das System unökologisch, denn es wird nicht wirklich „reduziert“, sondern nur „verlagert“. Zudem wer jetzt „sparen“ will, der wird seinen Müll wild entsorgen, ihn beispielsweise durch die Toilette spülen, in die öffentlichen Abfallbehälter werfen oder in die Nachbartonne oder noch einfacher „in die Saar“!

Da hilft auch keine rührig forschende Saarbrücker Müllpolizei, die das Straßenbild der Stadt noch nie verbessert hat. Eher verhilft das neue Verwiegesystem einem alten Berufstand zur Wiedergeburt: die Müllkehrer oder Straßenfeger mit ihren Besen und Karren werden wieder gebraucht werden!