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takt@takt.de
Ministerpräsident Peter Müller auf Abschiedstour an der oberen Saar  

Großer Bahnhof in Großhumpendorf endet im Chaos


Von Claude Michael Jung


Seit über einem Jahrzehnt war Edgar Lump, regierender Bürgermeister der
freien Tempelrittergemeinde Großhumpendorf an der oberen Saar, stets ein
guter Freund und Ratgeber in allen Lebenslagen für den scheidenden
Ministerpräsidenten des Saarlandes. Bei niemanden war für den
Saarfürsten die Beichte so angenehm wie bei Dechant Friedensreich
Selighauer, Seelenhirte der Pfarrei Sankt Donner und Doria zu
Großhumpendorf. Auch die promillegeschwängerten Kamingespräche im Hause
des Dorfchronisten, Studienrat Ernst Nonsens, werden Peter Müller stets
in guter Erinnerung bleiben. An der langen Theke in Ännchens Kneipe am
Dorfbrunnen wurde gemeinsam so manche politische Entscheidung gefällt,
die den Sozis im Lande noch heute schwer auf dem Magen liegen.
Bürgermeister Edgar Lump war es, der Peter Müller letztendlich den Rat
zum Einstieg in die Jamaika-Koalition gab. Für den fulminanten Tritt in
die Eier der Sozis und Linken gab es von Dechant Selighauer noch
zusätzlich als Bonus einen vollkommenen Ablass für den schwarzen Peter,
sowie eine Kiste Großhumpendorfer Himmelreich, einen süffigen und
herrliche Halluzinogene erzeugenden Rotwein vom Südhang der
Kuckuckshöhe.


Pünktlich um 14.30 Uhr fuhr die schwarze Limousine des größten
Saarländers aller Zeiten, nach Bürgermeister Lump, vor dem Rathaus der
uralten Tempelrittegemeinde vor. Von den Türmen von Sankt Donner und
Doria herunter dröhnten die Glocken und das Blasorchester „Volles Rohr
Großhumpendorf“ intonierte unter der Leitung seines Dirigenten, dem
Arzt, Schauspieler und Bergsteiger Dr. Hubert Engerling, den
Tempelrittermarsch aus der romantischen Oper „Der fliegende Saarländer“
von Alexander Humbug. Beim anschließenden Empfang im Rathaus wurde Peter
Müller zunächst mit einer, von La Rabiata, Bürgermeister Lumps liebender
Gemahlin Elfriede, selbst gebackenen Sahnetorte verwöhnt. Mehrere, im
exakten Abkippwinkel hinter die Binde gegossenen Kräuterliköre ergänzten
den Tortengenuss und wirkten beruhigen auf Darm und Magen des
Ministerpräsidenten. In seiner Begrüßungsansprache sagte Bürgermeister
Lump, er sehe in Saarfürst Müller einen Fachmann, der es während seiner
gesamten Amtszeit wie kein anderer fertiggebracht hat, Steuergelder mit
immer höherer Effizienz aus dem Fenster zu werfen. Schließlich sei
Müller in der Vergangenheit nicht umsonst zum Bierbotschafter
Deutschlands ernannt und in den Jahren 2003 und 2006 sogar zum
"Ministerpräsidenten des Jahres" in der Bundesrepublik Deutschland
gewählt worden. Als Gastgeschenk wurde Müller ein reich verzierter, aus
feinem Porzellan gefertigter Fettnapf überreicht, in den der scheidende
Ministerpräsident auch gleich hineintrat, als er sagte, unter seiner
Führung sei das Saarland zum Aufsteiger und Schlaraffenland geworden, in
dem es den Menschen besser gehe als je zuvor.


Der anschließende, gesellige Abend fand am großen Stammtisch in Ännchens
Kneipe am Dorfbrunnen statt. Bei heißen saarländischen Rhythmen und
frischem Fassbier aus der kommunalen Humpenbrauerei plauderte der
scheidende Landesfürst über seine Zukunftspläne, die ihn nach eigener
Aussage, in den Schoß der katholischen Kirche führen werden. Bereits im
kommenden Jahr wird Staatsschauspieler Peter Müller im Trierer Petersdom
den Heiligen Rock, vor zehntausenden gläubigen Wallfahrern, auf dem
Laufsteg vorführen. Die Frage von Studienrat Ernst Nonsens. ob Peter
Müller, gemeinsam mit seinem treuen Knappen Karl Rauber, sich auch in
Zukunft eine Rolle als Hauptkommissare beim Tatort des saarländischen
Rundfunks vorstellen könne, beantwortete der Noch-Landesfürst mit einem
klaren „Jawolll!“.


Ein erstes Malheur ereignete sich als Peter Müller die große Polonaise
durch Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen anführen durfte. Der schwarze Herr
der Saar bog an der Theke statt nach links nach rechts ab und landete,
unter orgiastischem Beifall des Gemeinderats, im Eiersalat des kalten
Büffets. Ein Mitglied von Müllers Begleitkommando vermutete hinter dem
Lapsus seines Dienstherrn sogleich einen Anschlag der Saarländischen
Volksbefreiungsfront und warf sich tapfer über dessen geschundenen
Nadelstreifenanzug. Beide landeten unter einer großen Schüssel
Gurkensalat, worauf sich der Eimer mit Majonaise rücksichtslos über die
beiden ergoss. Unter der schweren Last der saarländischen Obrigkeit
krachte der Tisch mit den gesamten Köstlichkeiten schließlich zusammen
und begrub das unglückliche Duo unter sich. Unter Alee Hopp-Rufen und
weiteren lautstarken Anfeuerungen durch die zahlreichen Gästen gelang es
schließlich Trollo, dem etwas zu groß geratenen Mischlingshund von
Dechant Friedensreich Selighauer, die ersten Rettungsmaßnahmen
einzuleiten. Tapfer fraß sich der gute Hund durch das kalte Büfett und
barg nach rund dreißigminütigem Einsatz die beiden Unglücklichen
unverletzt, aber mit gestopfter Schniss.


Während Peter Müllers Held vom Begleitkommando durch Brandmeister
Rohrbruch und einigen seiner Feuerwehrmännern und Frauen im
nahegelegenen Humpenbach einer Intensivreinigung unterzogen wurde, war
es Landeschef Müller vergönnt eine Dusche im Pfarrhaus zu nehmen. Mit
einem Dienstanzug von Dechant Seligheuer neu ausstaffiert trat Müller
anschließend den Rückzug in seinen Heimatort Eppelborn an, wo ihn ein
weiteres Malheur ereilte. Wer dem fremden Priester im ehelischen
Schlafgemach das Nudelolz über die Rübe gezogen hat, ist bis dato
unbekannt und Gegenstand zahlreicher, wilder Spekulationen. Über das
Malheur am kalten Büffet in Großhumpendorf wurde von allen Seiten
Stillschweigen gegenüber den Medien vereinbart. - Das war Saartire.

26.6.2011 Auf den Spuren saarländischer Tempelritter in Akkon


Archäologen graben mittelalterliche Hafenstadt aus – Schwenker aus Bronze und alte Kiste aus Akazienholz entdeckt


Von Claude Michael Jung


Immer noch vermisst das Volk Israel die Bundeslade. Als die Truppen des babylonischen Königs Nebukadnezar II im Jahr 587/586 v. Chr. Jerusalem eroberten und die Stadt samt Einwohner plünderten, fiel ihnen auch eine
reich vergoldete Akazienholzkiste in die Hände. Nebukadnezar II. ärgerte
sich gewaltig, die erhoffte Beute war mehr als mager, und so
verschleppte er das gesamte Volk der Israeliten nach Babylon. Ein Trupp
babylonischer Transportarbeiter erhielt den Auftrag, die vergoldete
Kiste gut zu bewachen und ebenfalls nach Babylon zu schleppen. Ihr Weg
führte sie durch das heutige Syrien, wo es in einer Herberge vor
Damaskus zu Unmut über die schlechten Arbeitsbedingungen kam. Das Fass
lief über, als die Transportarbeiter die Kiste öffneten und darin nichts
weiter als zwei Steintafeln mit unleserlichen Schriftzeilen vorfanden.
Für diese Art der Arbeit forderten sie von Nebukadnezar II. eine
kräftige Lohnerhöhung und eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeiten.
Der König verweigerte das Begehren seiner Transportarbeiter, und so kam
es zum ersten dokumentierten Streik der Weltgeschichte.
Gewerkschaftsbonzen, die faule Kompromisse aushandeln und sogenannte
Schlichter wie Heiner Geißler, gab es zum Glück noch nicht. Als
Nebukadnezar den Streik leid war, forderte er seine Arbeiter auf, ihn
mal kräftig am Arsche zu lecken, und zog mit seinen Truppen samt der
restlichen Beute weiter. Die Transportarbeiter gründeten ein eigenes
Unternehmen und betätigten sich erfolgreich als Wegelagerer. Die
Steintafeln aus der Kiste warfen sie einen Abhang hinunter, und die
Kiste diente fortan als Schatztruhe für die dynamischen
Jungunternehmer.


Als die Römer das Heilige Land samt den Gegenden drum herum besetzten,
kam die alte Kiste zu neuen Ehren. Der römische Centurio Claudius
Strunzus fand sie in einem Keller nahe der Hafenstadt Akkon, wo sie
einem alten Weib als Kleiderkiste, respektive Mottenfutter diente. In
Akkon selbst wechselte die Kiste erneut den Besitzer. Claudius Strunzus
konnte seine Zeche in einer Hafentaverne nicht bezahlen, und der
freundliche Wirt, ein Nachfahre des legendären Ben Hur, nahm die Kiste
in Zahlung. In Hurs Kneipe diente das Prachtstück mit den beiden
Cherubimen auf dem Deckel fortan als Aufbewahrungsort edler,
ungepanschter Weine.


Als ein Kreuzfahrer-Heer im Jahre 1104 die Stadt Akkon eroberte, fiel
auch Hurs Hafenkneipe in christliche Hand. Der fromme Aloysius, ein
Tempelritter aus dem Geschlecht der Schlendriane von der Humpenburg an
der oberen Saar, übernahm die Kneipe und verschaffte ihr in nur wenigen
Jahren Weltgeltung. Hier wurden typisch saarländische Feste gefeiert.
Zum Altstadtfest sowie zum Hafenspektakel kamen Touristen aus
Griechenland, Ägypten, Libyen, und sogar die Königin von Saba sündigte
hier die lauen Nächte durch. Ritter Aloysius und seine Nachfahren wurden
schwer reich. Im Jahre 1187 jedoch war es aus mit dem Geldscheffeln. Die
Muslime unter Sultan Saladin standen vor den Toren Akkons und forderten
die Köpfe der Christen. Ingobertus. der edle Erbe Aloysius des Frommen,
scheute den bewaffneten Disput mit den Muslimen und nahm samt Familie
und Schatzkiste die erste Galeere nach Marseille. Die Bundeslade war in
Europa angelangt. Drei volle Monate dauerte die Reise der Heimkehrer.
Dann endlich in einer Vollmondnacht im August anno 1188 war die
Humpenburg an der oberen Saar erreicht, und die Bundeslade wanderte in
die Schatzkammer der Humpenburg, wo auch die übrigen Schätze der
Tempelritter verwahrt wurden, bevor fast der gesamte Schatz von Ritter
Schlendrian dem Mächtigen und seinen Gesellen verprasst wurde.


Erst in jüngster Vergangenheit wurde die Kiste aller Kisten
wiederentdeckt. Der Großhumpendorfer Chronist, Studienrat Ernst Nonsens,
entdeckte sie während einer Inventur der Rumpelkammer im roten Turm der
Humpenburg. Gerade noch zur rechten Zeit, denn ein hungriger Trupp
Holzwürmer hatte sich bereits im Deckel angesiedelt und ein erstes fünf
Gänge-Menü abgehalten. Einer der zwei Cherubime, die auf dem Deckel
thronten, war verschwunden und dem Zweiten fehlte ein Auge. Mit einem
Hochdruckreiniger und einem starken Haushaltsreiniger stellte Studienrat
Ernst Nonsens den alten Glanz der von Moses selbst gezimmerten Kiste
schließlich wieder her.


Nach nächtelangen Beratungen in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen gemeinsam mit Dechant Friedensreich Selighauer, Bürgermeister Edgar Lump und Rachildis Freifrau von Droste-Wütherich, der Kulturbeauftragten der unabhängigen Saargemeinde Großhumpendorf, kamen die Weisen der oberen Saar zu einer bahnbrechenden Entscheidung. In einem Schreiben an den Israelischen Botschafter in Berlin forderten die Dorfoberen die Rückgabe der unlängst bei Ausgrabungen in Akkon gefundenen Utensilien aus dem Saarland. Darunter ein Holzkohlegrill (Schwenker) aus reiner Bronze,
zwei Saarlandwappen aus dem Mittelalter sowie fast drei Dutzend
wertvolle Bierkrüge, die beweisen, dass bereits im Mittelalter immer
dann, wenn mehr als ein Dutzend Saarländer aufeinander trafen, eine
Brauerei zum Wohl der Menschheit gegründet wurde.


Für eine Rückkehr der Bundeslade nach Israel verlangen die
Großhumpendorfer den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem sowie die unverzügliche Anerkennung eines unabhängigen Palästinenserstaates in den Grenzen von 1949. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu war entsetzt über die Forderung der Templergemeinde von der oberen Saar und soll mehrmals mit dem Kopf gegen seine Bürowand gedotzt sein. Wie inzwischen gut unterrichtete Kreise einigen Zeitungen gesteckt haben, ist der gesamte Großhumpendorfer Gemeinderat heißer Aspirant auf den nächsten Friedensnobelpreis. Wie aus dem Mund von Bürgermeister Edgar Lump zu entnehmen war, will man sogar neue Steintafeln mit den zehn Geboten Gottes aus Kalkstein von der Saar herstellen. Wie Lump verlautbaren ließ, sollen die zehn Gebote nach der „Pax Lump“ reformiert den Israelis schon vorab übergeben werden.


Sollte der nächste Friedensnobelpreis an den Hohen Rat der Gemeinde
Großhumpendorf gehen, wollen die Ausgezeichneten samt Gefolge die
gesamte Preissumme in der nördlichsten Brauerei der Welt, der Macks
Ølbryggeri in Tromsö, verjubeln.