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14.6.2011 Deutschlands Überfall auf die UdSSR 1941


UDSSR - Verbrannte Erde -Massenmord, Bild: Bernd Rausch

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

70 Jahre vor dem „Sieg“ der „Sozialen Marktwirtschaft“ des deutschen Imperialismus in Europa 2011.

Die Existenz der UdSSR war für den deutschen Imperialismus das Haupthindernis auf dem Weg zur Errichtung der Weltherrschaft. Dabei strebte die deutsche Bourgeoisie und ihre ökonomische und gesellschaftspolitische Administration nicht nur die Eroberung sowjetischer Gebiete an, sondern auch die Vernichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung. Darin unterschieden sich die Ziele des Krieges des imperialistischen Deutschlands gegen die Sowjetunion grundlegend von denen, die es in den Kriegen gegen die kapitalistischen Länder verfolgte.

Mit der Vernichtung des ersten sozialistischen Staates der Welt wollten die deutsche Bourgeoisie und ihre Administration der internationalen Arbeiterbewegung und der nationalen Befreiungsbewegung den Todesstoß versetzen und die progressive Entwicklung und Emanzipation der Menschheit rückgängig machen.
Noch vor Tagesanbruch am 22. Juni 1941 zogen Geschwader deutscher Flugzeuge nach Osten und bombardierten Flugplätze, Eisenbahnknotenpunkte und Konzentrationsräume sowjetischer Truppen.

Massierte Luftangriffe verübten die Faschisten auf Kaunas, Minsk, Kiew, Odessa, Sewastopol und andere Städte. Zehntausende ihrer Geschütze und Granatwerfer überschütteten die Grenzbefestigungen, die Standorte der vordersten sowjetischen Truppenteile und die Grenzwachen mit einem Feuerschlag. Starke Stoßgruppierungen des imperialistischen Heeres gingen in breiter Front von der Ostsee bis zu den Karpaten zum Angriff vor. Gleichzeitig begannen südlich der Karpaten entlang der sowjetisch-rumänischen Grenze bis zum Schwarzen Meer Kämpfe. Zusammen mit dem imperialistischen Deutschland traten Italien und Rumänien, einige Tage darauf Ungarn, Finnland und die Slowakei in den Krieg gegen die UdSSR ein.

Unwiderlegbaren Fakten und Dokumenten zum Trotz wird im Westen auch heute noch die durch den imperialistischen Apparat in die Welt gesetzte Mär vom »Präventivkrieg« Deutschlands gegen die UdSSR verbreitet.
Die Version vom »Präventivkrieg« gegen die UdSSR wurde beim »Nürnberger Prozess«* gegen die so genannten »Hauptkriegsverbrecher« entlarvt.
*Anmerkung: Ein historisch folgenschwerer Mangel des Nürnberger Prozesses war die weitgehende Nichteinbeziehung der imperialistischen deutschen Bourgeoisie und ökonomischen Administrationen, - der Banken und Konzerne, - der Monopolverbände der Industrien, - der ideologisch und kulturellen Administrationen und bildungs- und gesellschaftspolitischen Beamtenschaft Deutschlands, - nicht zuletzt der Großgrundbesitzer und des historischen Adels etc.

Im Urteil des Nürnberger Gerichtshofes heißt es, dass Deutschland nach einem vorher ausgearbeiteten Plan in das sowjetische Territorium einfiel. Dieser sah vor, die UdSSR als politische und militärische Macht zu vernichten, um den Weg für die Ostexpansion freizumachen. Diese Aggression Deutschlands war ein nichtprovozierter, vorausgeplanter und sorgfältig vorbereiteter Akt.

Der Anschlag des imperialistischen Deutschlands richtete sich gegen die Freiheit und Unabhängigkeit der Völker der UdSSR und bedrohte ihre sozialen Errungenschaften. Daher war der Kampf der Sowjetunion gegen die faschistischen Aggressoren ein gerechter Krieg zur Verteidigung der Errungenschaften in der Periode des Aufbaus der Grundlagen des Sozialismus, der Weltzivilisation und des sozialen Fortschritts. Der Kampf der werktätigen Völker der Sowjetunion war der entscheidende Faktor für die grundlegende Änderung des politischen Inhalts des zweiten Weltkrieges, seiner Umwandlung zu einem gerechten Befreiungskrieg von Seiten der antifaschistischen Koalition.

Die herrschenden Kreise der führenden kapitalistischen und imperialistischen Staaten, die dem militaristischen und faschistischen imperialistischen Block gegenüberstanden, konnten die reale Kraft, die die vereinten werktätigen Völker der Sowjetunion im Kampf gegen die faschistische Aggression darstellte, nicht ignorieren. Die USA und Großbritannien wurden unter dem Einfluss der zunehmenden Bedrohung ihrer Länder durch das faschistische Deutschland und seine Verbündeten gezwungen, ihre Kräfte mit der Sowjetunion zunehmend zusammenzuschließen, um dem Aggressor entgegenzutreten.

Schließlich sprachen sich die Regierungen Großbritanniens und der USA unter dem antiimperialistischen Druck aller progressiven Menschen Europas, Amerikas, Afrikas, Asiens und Australiens für die Unterstützung der UdSSR aus, was bewies, dass die Spekulationen der imperialistischen deutschen Führung auf eine internationale Isolation der Sowjetunion gescheitert waren.

Mit ihrem Überraschungsangriff auf die UdSSR verschaffte sich die deutsche Armee erhebliche Vorteile gegenüber den sowjetischen Truppen. Ihre Luftwaffe fügte den sowjetischen Luftstreitkräften beträchtliche Verluste zu und errang die Luftherrschaft. Die gleichzeitige Offensive starker Heeresverbände an einer breiten Front brachte die sowjetischen Armeen der westlichen Grenzmilitärbezirke in eine schwierige Lage.
Die sowjetischen Sicherungstruppen gerieten zu einem beträchtlichen Teil unter die Schläge der Heereskräfte und der Luftwaffe des imperialistischen Aggressors. Sie konnten die Verteidigungslinien nicht mehr erreichen und waren gezwungen, als einzelne Einheiten aus der Bewegung Begegnungskämpfe aufzunehmen oder in unvorbereiteten Stellungen Verteidigungsgefechte zu führen. -

In dieser dramatischen Situation kam es an der über 3.500 Kilometer langen Front zu militärischen Schlachten, an denen auf der Seite des imperialistischen Aggressors 5,5 Millionen Mann, über 47.000 Geschütze und Granatwerfer, rund 4.300 Panzer und Sturmgeschütze und bis zu 5.000 Kampfflugzeuge teilnahmen. ­

Ihnen standen die Kräfte der sowjetischen westlichen Grenzmilitärbezirke und von drei Flotten gegenüber: 2,9 Millionen Mann, 37.500 Geschütze und Granatwerfer, 1.475 neue Panzer, 1.540 Kampfflugzeuge neuer Typen und 182 Kampfschiffe der Grundklassen. - Mit Kriegsbeginn wurden auf der Basis der westlichen Grenzmilitärbezirke die Nord-, die Nordwest-, die West-, die Südwest- und die Südfront gebildet.
Vom 22. Juni bis Mitte Juli 1941 führten die Truppen der ersten strategischen Staffel der sowjetischen Streitkräfte angespannte Verteidigungsgefechte gegen die angreifenden deutschen, rumänischen, ungarischen, slowakischen und finnischen Armeen. - Der härteste Kampf entbrannte in dieser Zeit zwischen der Ostsee und den Karpaten, wo die Hauptkräfte der faschistischen Wehrmacht angriffen.

Die faschistischen deutschen Truppen stießen zu Lande, auf See und in der Luft auf hartnäckigen Widerstand. Der Chef des Generalstabs des Heeres, Generaloberst Franz Halder, schrieb am 24. Juni 1941, dem dritten Kriegstag, in sein Tagebuch: »Beachtlich ist die Zähigkeit einzelner russischer Verbände im Kampf. Es ist vorgekommen, dass Bunkerbesatzungen sich mit ihrem Bunker in die Luft sprengten, um sich nicht ergeben zu müssen.« In einer Eintragung vom 29. Juni wird betont: »Nachrichten aus der Front bestätigen überall, dass der Russe bis zum letzten Mann kämpft.«

Der imperialistische Aggressor errang die strategische Initiative und drang bis zum Abend des 22. Juni mit starken Panzerverbänden in den Hauptstoßrichtungen 20 bis 35 Kilometer und stellenweise 50 Kilometer vor.
Fast alle Schützen- und mechanisierten Korps, die für die sowjetischen Gegenschläge herangezogen werden sollten, standen in schweren Grenzschlachten und hatten große Verluste erlitten. Einige befanden sich vom Kampfplatz weit entfernt und brauchten Zeit für den Anmarsch.
Unter derart schwierigen Bedingungen führten die Nordwest-, West- und Südwestfront bis Ende Juni mehrere Gegenschläge.

Am erbittertsten wurde bei Šiauliai, im Raum Grodno und an anderen Abschnitten gekämpft. Die Gegenstöße der mechanisierten Korps der Südwestfront richteten sich gegen die Verbände der deutschen Panzergruppe 1 und entwickelten sich zu einer großen Panzerbegegnungsschlacht im Raum Luzk-Dubno-Brody-Rowno.
Der Angriff der deutschen Heeresgruppe Süd in Richtung Kiew wurde verlangsamt. Dazu trug Halder am 29. Juni 1941 in sein Kriegstagebuch ein: »An der rechten Schulter der Panzergr. 1 hinter der 11. Pz.Div. ist ein tiefer Einbruch des russischen VIII. Pz.-Korps erfolgt, der anscheinend im Bereich zwischen Brody und Dubno erhebliche Verwirrung angerichtet hat und Dubno vorübergehend von See her gefährdet.«

Der Befehlshaber der deutschen Panzergruppe 3, General Hermann Hoth, schrieb: »Besonders schwer hatte es, wie erwartet, die Heeresgruppe Süd. Der grenznahe Feind wurde am Nordflügelzwar geworfen, erholte sich aber schnell von der Überraschung und brachte durch Gegenangriffe seiner Reserven und rückwärtigen Panzerverbände das deutsche Vorgehen immer wieder zum Stehen. Zu einem operativen Durchbruch der Pz.Gr. 1, die der 6. Armee unterstellt war, kam es bis zum 28. Juni nicht ... Auch bei der Heeresgruppe Nord war es bisher nicht zu dem erwünschten Abdrängen der westlich der Düna befindlichen Feindgruppe ... gekommen ... Eine Entscheidung war bisher nicht gefallen.«

Vom ersten Kriegstage an verliefen auch die Luftkämpfe äußerst erbittert. Die sowjetischen Flieger waren bestrebt, dem Angreifer möglichst hohe Verluste beizubringen. Flugzeugbesatzungen sprangen nicht aus getroffenen Flugzeugen mit dem Fallschirm ab, sondern lenkten die brennenden Bomber mitten in eine Ansammlung deutscher Soldaten. Die sowjetischen Jagdflieger M. P. Shukow, S. I. Sdorowzew und P. T. Charitonow rammten in den Junitagen 1941 bei der Verteidigung Leningrads mehrere deutsche Flugzeuge.
Die sowjetischen Truppen und Luftstreitkräfte an der riesigen Front konnten zu jener Zeit den Gesamtverlauf des bewaffneten Kampfes nicht zugunsten der Sowjetarmee wenden. Die imperialistischen Stoßgruppierungen drangen in den strategischen Hauptrichtungen weiter vor.

Zu erbitterten Schlachten kam es an der Westlichen Dwina, im Raum Minsk und in der Kiewer Richtung. Am Nordflügel der sowjettisch-deutschen Front gingen finnische Truppen und die deutsche Armee »Norwegen« zu aktiven Kampfhandlungen über. Im Süden wurde der Angriffsstreifen der deutschen und rumänischen Truppen verbreitert. Anfang Juli 1941 erreichte die Gesamtfront gegen die UdSSR eine Ausdehnung von 4.000 Kilometern.
Bei der Analyse der militärischen Lage, die Ende Juni/Anfang Juli 1941 an den Fronten entstanden war, schätzte das sowjetische Oberkommando die Ergebnisse des Vordringens der faschistischen deutschen Truppen und die schweren Folgen des für die Sowjetarmee ungünstigen Ausgangs der Grenzschlachten ungeschminkt und objektiv ein. In der klaren Erkenntnis, dass die Initiative dem imperialistischen Aggressor in der nächsten Zeit nicht zu entreißen war, fasste das Hauptquartier des Oberkommandos den Entschluss, an der gesamten sowjetisch-deutschen Front zur strategischen Verteidigung überzugehen. Den Truppen der handelnden Fronten und den an die Front herangezogenen Armeen der zweiten strategischen Staffel wurde die Aufgabe gestellt, ein System gestaffelter Verteidigungsstreifen und -linien vorzubereiten, auf die gestützt die Angriffswucht des imperialistischen Aggressors geschwächt und zum Stehen gebracht sowie Zeit für die Vorbereitung einer Gegenoffensive gewonnen werden sollte.

Anfang Juli 1941 gingen die Schlachten an der gesamten Front mit unverminderter Härte weiter. Bis Mitte Juli 1941 gelang es den sowjetischen Truppen, die Offensive der faschistischen Stoßgruppierungen im Baltikum, in der Leningrader und der Kiewer Richtung zu verlangsamen und ihren Vormarsch an einzelnen Abschnitten zum Stehen zu bringen. In der Richtung Smolensk-Moskau konnte dem faschistischen Angreifer eine hinhaltende Schlacht aufgezwungen werden. Die imperialistischen Pläne des faschistischen Oberkommandos, ungehindert und rasch bis Moskau, Leningrad und in das Donezbecken vorzudringen, waren gescheitert. An der Nordflanke der Front konnten die deutschen und die finnischen Truppen 15 bis 30 Kilometer von der Grenze aus vorankommen. An der Südfront rückten die rumänischen und die deutschen Verbände nur unwesentlich vor.

Dennoch hatte der imperialistische Aggressor in den ersten Kriegswochen bedeutsame Ergebnisse erreicht. Mit Unterstützung der Luftwaffe hatte das faschistische Heer den sowjetischen Verbänden eine schwere Niederlage zugefügt und war in nordwestlicher, westlicher und südwestlicher Richtung 300 bis 600 Kilometer in die Tiefe vorgerückt. Bis Mitte Juli 1941 hatten die Imperialisten Lettland und Litauen, einen beträchtlichen Teil Estlands, Belorusslands und der Ukraine besetzt. Sie waren in die Westgebiete der Russischen Föderation eingedrungen, hatten die fernen Zugänge nach Leningrad erreicht und bedrohten Smolensk und Kiew. Die sowjetischen Truppen mussten schwere Verluste hinnehmen. Von den 170 sowjetischen Divisionen, die den Krieg aufgenommen hatten, fielen 28 gänzlich aus, und mehr als 70 büßten die Hälfte an Menschen und Material ein. Dadurch veränderte sich das Kräfteverhältnis noch mehr zugunsten der faschistischen deutschen Armee.

Die rasche Entwicklung der Offensive der deutschen Heeresgruppe erklärt sich aus den wesentlichen Vorteilen, die sie durch die Militarisierung Deutschlands, die Ausnutzung der Ressourcen aller besetzten und abhängigen Länder Europas und die lange Vorbereitung der Aggression gegen die UdSSR besassen. Die deutschen Truppen hatten Erfahrungen in der Führung eines modernen Krieges aus den Feldzügen in Europa, sie waren voll mobilisiert, mit neuer Kriegstechnik gut ausgerüstet sowie in ihrer Beweglichkeit und Manövrierfähigkeit überlegen. Ein großer Teil der faschistischen Wehrmacht war frühzeitig an den sowjetischen Grenzen konzentriert worden und überraschend in das Sowjetland eingefallen.

Auf der sowjetischen Seite wirkten sich schwere Versäumnisse bei der Vorbereitung zur Abwehr der Aggression aus. Die Modernisierung der Kriegstechnik und die Reorganisation der wichtigsten Waffengattungen der sowjetischen Streitkräfte waren nicht abgeschlossen. Eine Reihe alter Waffenmodelle waren aus der Produktion genommen worden, aber von den neuen gab es in den Truppen noch zu wenig. Die Bedienung der vervollkommneten Typen der Kampftechnik, die an die Armee geliefert worden war, hatten die sowjetischen Truppen noch nicht gemeistert. Ihre nicht abgeschlossene Entfaltung an der Staatsgrenze war eine der Ursachen dafür, dass die Verbände der Grenzmilitärbezirke nicht rechtzeitig das Gefecht aufnehmen und dem imperialistischen Aggressor organisierten militärischen Widerstand entgegensetzen konnten.

Aufgrund des hohen Motorisierungsgrades der deutschen Armee konnten ihre Stoßgruppierungen die Offensive schnell entwickeln, Wasserhindernisse aus der Bewegung überwinden, die sowjetischen Verbände an den Flanken umgehen und Gegenschläge sowjetischer Truppen vereiteln oder abschwächen. Die tiefen Durchbrüche der beweglichen Truppen der Faschisten zwangen das sowjetische Hauptquartier, Reservearmeen von Fall zu Fall in die militärischen Schlachten zu werfen, ohne eine vollständige Konzentration abwarten zu können. Ungünstig wirkten sich auch die mangelnden Kampferfahrungen eines großen Teils der Kommandeure und Politoffiziere der Sowjetarmee aus.
Trotz der Misserfolge, die die sowjetischen Streitkräfte zu Beginn des Krieges ereilten, zeichnete sich schon damals ab, dass die Pläne des imperialistischen Deutschlands, die UdSSR blitzartig niederzuwerfen, irreal waren. Der imperialistische Aggressor, der auf aktiven Widerstand stieß, erlitt bereits in den ersten Schlachten bedeutende Verluste an Menschen und Material.
Bis Mitte Juli 1941 beliefen sich die Verluste allein bei den Heereskräften auf über 92.000 Mann und rund die Hälfte der bei der Offensive eingesetzten Panzer. Bis zum 19. Juli 1941 hatte die deutsche Luftwaffe etwa 1.300 Flugzeuge verloren. Bis Ende Juli 1941 betrugen die Gesamtverluste der Bodentruppen der faschistischen Wehrmacht an Toten, Verwundeten und Vermissten bereits über 213.000 Mann.

Angesichts der dem Lande drohenden Gefahr schlossen sich die werktätigen Völker der Sowjetunion noch enger zusammen und konzentrierten ihre Anstrengungen darauf, die Eroberungspläne des imperialistischen deutschen Aggressors zu durchkreuzen. Es wurde offensichtlich, dass weder der überraschende Überfall noch die wuchtigen militärischen Schläge des faschistischen Angreifers imstande waren, den Widerstandswillen des werktätigen Volkes und seiner Armee zu brechen und seine politisch-moralische Einheit zu untergraben.

 

Quelle: Der zweite Weltkrieg 1939-1945. Kurze Geschichte. Dietz Verlag Berlin 1985. Vgl. Kapitel 5: Der Beginn des Großen Vaterländischen Krieges des Sowjetvolkes. Der wortbrüchige Überfall des faschistischen Aggressors auf die UdSSR.

Siehe auch bei scharf-links am 09.06.2011:
Imperialismus 1941-2011 - Aufklärung gegen Geschichtsrevisionismus. 70 Jahre vor dem „Sieg“ der „Sozialen Marktwirtschaft“, des ideologischen und gesellschaftspolitischen Antikommunismus, des Kapitalismus und Imperialismus in Europa 2011 - Die Vorbereitung des faschistischen Überfalls auf die UdSSR 1941.
http://www.scharf-links.de/43.0.html?&tx_ttnews[swords]=Imperialismus%201941-2011%20&tx_ttnews[tt_news]=16869&tx_ttnews
[backPid]=65&cHash=16bf480414

Nachtrag:
Im zweiten Weltkrieg standen 110 Millionen Menschen unter Waffen. Er raffte über 55 Millionen Menschen dahin, darunter mehr als 20 Millionen Sowjetbürger, 6,5 Millionen Deutsche, 6 Millionen Polen, über 5 Millionen Chinesen, 2,5 Millionen Japaner, 1,7 Millionen Jugoslawen sowie 635.000 Franzosen, 500.000 Italiener, 368.000 Briten und 273.000 USA-Bürger. Etwa 11 Millionen Menschen wurden in deutschen Zuchthäusern, Konzentrationslagern und anderen Vernichtungslagern umgebracht.
Die Geschichte des Imperialismus und des zweiten Weltkrieges lehrt, dass es notwendig ist, für antiimperialistische Solidarität vor Ausbruch des Krieges zu kämpfen. Es darf nicht zugelassen werden, dass die Menschheit in eine neue, nukleare Kriegskatastrophe gestürzt wird.

14.06.2011 Imperialismus 1941-2011

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

70 Jahre vor dem „Sieg“ der „Sozialen Marktwirtschaft“ der Bourgeoisie und Administration in Europa 2011 - Die Planung der Ausbeutung der zu erobernden sowjetischen Gebiete 1941.

In der spätbürgerlichen Bewusstseinsindustrie der deutschen Bourgeoisie und Aktionäre, im System von privaten und staatlichen, ideologischen und gesellschaftspolitischen Verbildungseinrichtungen, Schulen und Medien wird das Hungersterben von mehr als zwei Millionen sowjetischer Kriegsgefangener in den ersten zwölf Monaten des Krieges meist auf „schlechte Organisation des Kriegsgefangenenwesens“, auf die Unmöglichkeit, solche Gefangenenmassen zu versorgen und auf die Rückwirkungen einer Nachschubkrise an der russischen Front im Herbst 1941 zurückgeführt. (1)

Welche wirtschaftlichen Planungen bestanden für die zu erobernden Ostgebiete und wie wollte die deutsche Bourgeoisie und ihre faschistische Administration die Versorgung der zu erwartenden Kriegsgefangenen lösen?

Im Herbst 1940 wurde Göring von Hitler mit den Vorbereitungen für die wirtschaftliche Ausbeutung der sowjetischen Gebiete beauftragt. Im November 1940 erteilte er dem Chef des Wirtschafts- und Rüstungsamtes im OKW (OKW/WiRü), Gen. d. Inf. Georg Thomas, den Auftrag, eine Studie über die wehrwirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegszuges auszuarbeiten. Thomas hatte schon seit August 1940 in eigener Initiative „Rußlandspezialisten“ zusammenziehen lassen, aus denen er Anfang Januar 1941 einen „Arbeitsstab Rußland“ zusammenstellte. (2) Leiter dieses Stabes, dem von Anfang an Fachleute der Privatwirtschaft angehörten, war der Luftwaffengeneral Dr. Wilhelm Schubert, der später Leiter des Wirtschaftsstabes Ost, der Ausbeutungsorganisation im Osten, wurde.(3). Dieser „Arbeitsstab Rußland“ erarbeitete für Thomas die Unterlagen zu einer umfangreichen Studie, die dieser am 13. Februar Göring vorlegte. (4) Ihr erster Teil enthielt eine Beurteilung der möglichen landwirtschaftlichen Beute: Die Überschüsse des europäischen Teils der Sowjetunion wurden auf 2,5-3 Mio. t Getreide geschätzt, die zentralen Lagerbestände zum Ausgleich von Missernten auf 4,2 Mio. t, zuzüglich der Reserven der einzelnen Kolchosen.

Gen. Georg Thomas kam zu dem Ergebnis:
»Wenn es auch ungewiss erscheint, ob es gelingt, M.T.S. [Maschinentraktorenstationen] und Vorräte in großem Umfange vor der Vernichtung zu bewahren, wenn außerdem infolge der Einwirkungen eines Krieges im Höchstfalle eine 70%ige Ernte erwartet werden kann, so muss man doch berücksichtigen, dass der Russe gewöhnt ist, seinen Verbrauch schlechten Ernten anzupassen, und dass bei einer Bevölkerung von 160 Mill. auch eine kleine Senkung erhebliche Getreidemengen freimacht. Unter diesen Voraussetzungen könnte es möglich sein, den deutschen Zuschussbedarf für 1941 zu decken.« (5)

General Thomas meinte, man könne „dem Russen“ bei einer um 30 Prozent niedrigeren Ernte und der Zerstörung eines wesentlichen Teils der Vorräte eine weitere „kleine Senkung“ der Zuteilungen für die Ernährung der sowjetischen Bevölkerung zumuten. (6/8)

Im Ergebnis dieser Studie beauftragte Göring am 26. Februar 1941 Thomas, einen Entwurf für die Organisation der wirtschaftlichen Ausbeutung der zu erobernden sowjetischen Gebiete vorzulegen. Dies führte zur Bildung des „Wirtschaftsstabes z.b.V. Oldenburg“ - des späteren „Wirtschaftsstabes Ost“ - am 29. April 1941. (7/9)

Am 2. Mai 1941 hatte der Leiter des Wirtschaftsstabes Oldenburg, General Dr. Schubert, mit Staatssekretären verschiedener Ministerien eine Besprechung über die in den sowjetischen Gebieten zu verfolgenden Ziele. Als Ergebnis der Besprechung wurde festgehalten:

»1. Der Krieg ist nur weiter zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr [d.h. 1941/42] aus Russland ernährt wird.
2. Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.
3. Am wichtigsten ist die Bergung und der Abtransport der Ölsaaten, Ölkuchen (8/10), dann erst Getreide. Das vorhandene Fett und Fleisch wird voraussichtlich die Truppe verbrauchen.« (9/11)

Diesen Grundüberlegungen folgend legte die Gruppe Landwirtschaft des Wirtschaftsstabes Ost am 23. Mai 1941 „Wirtschaftspolitische Richtlinien für die Wirtschaftsorganisation Ost, Gruppe Landwirtschaft“ vor. (10/12) Dabei handelt es sich um ein Produkt eines Stabes von Ministerialbeamten und faschistischen, wie aber auch „unpolitischen“, Landwirtschaftsexperten. Diese, wie auch die am 2. Mai 1941 aufgestellten Richtlinien, ergänzten die auf der Rassenideologie basierenden Pläne von wirtschaftlichen Überlegungen.

War in der Staatssekretärsbesprechung am 2. Mai 1941 noch die Versorgung der gesamten Wehrmacht aus den sowjetischen Gebieten als Ziel genannt worden, so war nun daraus ein „Minimalziel“ geworden. (11/14) Es sollten mindestens 1 Mio. t Brotgetreide, 1,1-1,5 Mio. t Hafer und 475.000 t Fleisch, sowie 100.000 t Fette requiriert werden:

»Außerdem wird es notwendig sein, auf den drei entscheidenden Lebensmittelgebieten - Ölsaaten, Getreide und Fleisch - Zufuhren in einem größtmöglichen Umfang für Deutschland freizumachen.« (12 /15)

„Schlüsselpunkt“ der Überlegungen der hohen Staatsbeamten und „unpolitischen“ Landwirtschaftsexperten war die Herabsetzung der Rationen der sowjetischen Bevölkerung von 250 auf 220 kg Getreide pro Kopf und Jahr - ein rechnerischer Durchschnittswert für das gesamte zu erobernde Gebiet, der in großen Teilen unterboten werden sollte. (13/16) Gleichzeitig sollten die Futtergetreiderationen für Pferde um 25 Prozent gesenkt werden, damit zu den bis dahin von der UdSSR gelieferten Getreidemengen zusätzlich 8,7 Mill. Tonnen gewonnen würden. Für die faschistischen und „unpolitischen“ Experten war die Herabsetzung des Konsums in den sowjetischen Gebieten aufgrund der räumlichen Trennung von Überschuss- und Zuschussgebieten möglich:

»Die Konsequenz ist die Nichtbelieferung des gesamten Waldzone einschließlich der wesentlichen Industriezentren Moskau und Petersburg.« (14/17)

Nach den Vorstellungen der „unpolitischen“ und faschistischen Experten und Beamten erforderte dies, die Verstädterung und Industrialisierung rückgängig zu machen:

»M[it]a[nderen]W[orten]: Es gilt, die Struktur von 1909/13 oder sogar diejenige von 1900/1902 wiederherzustellen. (15/18) [...]
Aus dieser Lage, die die Billigung der höchsten Stellen erfahren hat, da sie auch im Einklang mit den politischen Tendenzen steht (Erhaltung des Kleinrussentums, Erhaltung des Kaukasus, der baltischen Provinzen, Weißrusslands auf Kosten der Zurückdrängung des Großrussentums), ergeben sich folgende Konsequenzen:
Ein deutsches Interesse an der Erhaltung der Erzeugungskraft dieser Gebiete [d. h. der Waldzone] ist, außer hinsichtlich der Versorgung der dort stehenden Truppen, nicht vorhanden.
Die Bevölkerung dieser Gebiete, insbesondere die Bevölkerung der Städte, wird größter Hungersnot entgegensehen müssen. Es wird darauf ankommen, die Bevölkerung in die sibirischen Räume abzulenken. Da Eisenbahntransport nicht in Frage kommt, wird auch dieses Problem ein äußerst schwieriges sein.« (16/19)

Auch die Viehbestände müßten für Deutschland erfasst werden, bevor die Bevölkerung in den besetzten Gebieten die Gelegenheit habe, sie selbst abzuschlachten. Hitler habe gefordert, die Fleischrationen bis Herbst (1941) wieder anzuheben, was „nur durch stärkste Eingriffe in den Viehbestand Russlands“ möglich sei. (17/20)

Die mörderischen Konsequenzen dieses Planes wurden auch von den „unpolitischen“ deutschen Beamten und Experten klar gesehen:

»Viele 10 Millionen Menschen werden in diesem Gebiet [d. h. der Waldzone und den Industriestädten im Norden] überflüssig und werden sterben oder nach Sibirien auswandern müssen. Versuche, die Bevölkerung dort vor dem Hungertode dadurch zu retten, dass man aus der Schwarzerdezone Überschüsse heranzieht, können nur auf Kosten der Versorgung Europas gehen. Sie unterbinden die Durchhaltemöglichkeit Deutschlands im Kriege, sie unterbinden die Blockadefestigkeit Deutschlands und Europas. Darüber muss absolute Klarheit herrschen.«

Für die deutschen Beamten und/bzw. Administration stelle sich die Aufgabe, „Russland wieder arbeitsteilig in Europa einzubeziehen.“ (18/21)

Die Betonung „Europa“ sprach die bürgerlich-konservativen Erwartungen an, die von einem Europa unter der Hegemonie Deutschlands die Rettung des Abendlandes vor „Bolschewismus“ und „asiatischer Flut“ erhofften. [1941-2011]

Der am machtpolitischen Kalkül orientierten Gedanken, Weißrussen und Litauer gegen Großrussen auszuspielen und sie deswegen „pfleglich zu behandeln“, war mit dem faschistischen Rassendogma nicht vereinbar. (19/22) Entscheidend ist, dass auch diese Planer, unter anderem auch die „unpolitischen“ Beamten und Experten, die Konsequenz, „viele 10 Millionen Menschen“ verhungern zu lassen, akzeptierten.

Die in diesen Richtlinien ausgedrückten Gedanken - der Beamten und Experten - flossen ein in die so genannte „Grüne Mappe“, in die „Richtlinien für die Wirtschaft in den neubesetzten Ostgebieten“, die in hoher Auflage vom 1. Juni 1941 an bis zu den Feldkommandanturen und Divisionen verteilt wurden. (20/23) Den offensten und brutalsten Ausdruck fanden diese Gedanken und „Richtlinien“ in den vom Staatssekretär im REM, Backe, herausgegebenen „12 Geboten [für das Ver]halten der Deutschen im Osten und die Behandlung [der russischen Bevölkerung]“, die die Richtlinien für die (zukünftig zuständigen) Kreislandwirtschaftsführer bildeten. Das „11. Gebot“ lautete:

»Armut, Hunger und Genügsamkeit erträgt der russische Mensch schon seit Jahrhunderten. Sein Magen ist dehnbar, daher kein falsches Mitleid. Versucht nicht, den deutschen Lebensstandard als Maßstab anzulegen und die russische Lebensweise zu ändern.« (21/24)

Eine wichtige Rolle in der „Neugestaltung“ der sowjetischen Gebiete war auch dem „Russlandexperten“ Alfred Rosenberg zugedacht. In einer Rede vor seinen engsten Mitarbeitern fasste er - zwei Tage vor dem Angriff auf die UdSSR - die Grundlinien der zu verfolgenden Politik zusammen: (22/29) „Im Westen ist Deutschland ungefährdet und der Osten frei für alles und jedes, was der Führer wünscht.“ Die Sowjetunion sei nicht mehr Subjekt der europäischen Politik, sondern „angesichts der Kraft der deutschen Wehrmacht [...] Objekt der deutschen Weltpolitik geworden.“ Daher sei es möglich, „die Entscheidungen aus dem Grundsätzlichen zu fällen“:

»Die deutsche Volksernährung steht in diesen Jahren zweifellos an der Spitze der deutschen Forderungen im Osten, und hier werden die Südgebiete und Nordkaukasien einen Ausgleich für die deutsche Volksernährung zu schaffen haben. Wir sehen durchaus nicht die Verpflichtung ein, aus diesen Überschussgebieten das russische Volk mit zu ernähren. Wir wissen, dass das eine harte Notwendigkeit ist. Die außerhalb jeden Gefühls steht. Zweifellos wird eine sehr umfangreiche Evakuierung notwendig sein und dem Russentum werden sicher sehr schwere Jahre bevorstehen.« (23/30)

Auch das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) und Oberkommando des Heeres (OKH) gaben in Analogie zu den Richtlinien des Wirtschaftstabes Ost nach Besprechungen mit General Thomas Richtlinien heraus, die die Versogung der deutschen Truppen ausschließlich aus den sowjetischen Gebieten und die weitere Ausbeutung des eroberten Landes zur Verbesserung der deutschen Ernährungssituation forderten. (24/31) Die langfristige Zielsetzung kommt in einer Studie der Generalquartiermeisterabteilung des OKH zum Ausdruck, in der sie den Oberquatiermeistern der Armeen im Osten Richtlinien für die Versorgung aus den besetzten Gebieten gab. (25/32) Zur Entlastung des deutschen Nachschubs seien „bei Fortführung der Operationen die wirtschaftlichen Kraftquellen des Landes so schnell als möglich planmäßig nutzbar“ zu machen. Notwendig sei die Bestimmung von „Großversorgungsbereichen“, wo „auf breitester Basis unter Ausnutzung der Einrichtungen, Vorräte und Arbeitskräfte des Landes“ Nahrungsmittel, Ersatz für Kleidung und andere Materialien bis hin zu Beutewaffen und Munition sicherzustellen seien. Grundsatz müsse dabei sein:

»Nährung der Operationen unter rücksichtsloser Ausnutzung des Landes, Schonung der Landesbestände nur, so weit möglich und nötig, für die spätere wirtschaftliche Ausnutzung (z. B. Saatgetreide, Traktoren, Jungvieh).«

Dabei sollten die „Groß-Versorgungsbereiche“, die bereits schon vor dem Überfall auf die UdSSR für Räume um Groznyj und Baku im Süden sowie um Gorkij und Tambov ostwärts Moskau (26/33) geplant wurden, nicht nur für die Fortführung der militärischen Operationen - mit dem Ziel, die sowjetischen Industriegebiete ostwärts dieser Räume zu zerstören - „entscheidende Bedeutung“ haben, sondern „im späteren Verlauf die wesentlichen Quellen für die Versorgung der Heimat bilden“.

Die Möglichkeit des Hungersterbens der sowjetischen Bevölkerung war in den „Richtlinien“ eine feststehende Konsequenz geworden, die aus machtpolitischen Gründen zu akzeptieren war. In der deutschen Wirtschaft und ihrer Nazi-Führung sah man darin eine willkommene Chance, der aus rassischen und machtpolitischen Erwägungen für wünschenswert gehaltenen Dezimierung der sowjetischen Bevölkerung um einige Dutzend Millionen - „um das deutsche Volk für kommende Jahrhunderte von dem ungeheuren Druck von 180 Millionen zu befreien“ (27/34) - näherzukommen.

Die Frage nach den Ursachen des Massensterbens der sowjetischen Kriegsgefangenen (auch) in den ersten zwölf Monaten nach Angriffsbeginn auf die UdSSR kann auch unter Berücksichtigung der Ausbeutungspläne und ihrer vorhergesehenen Konsequenzen beantwortet werden.

(Ein modifizierter Auszug.)
Anmerkungen

1 Vgl. etwa Görlitz, Keitel, S. 286; differenzierter Dallin, Deutsche Herrschaft, S. 422-24; Jacobsen, „Kommissarbefehl“, S. 163 f.; Kurt W. Böhme, Absicht oder Notstand?, Bonn 1963.

2 Dietrich Eichholtz, Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft, Berlin, 2. Aufl. 1971, (Zit. Eichholtz, Geschichte), S. 231 f. Vgl. Thomas, a.a.O., S. 261 f, 266 ff.

3 Auch Schubert war Russlandexperte; von 1914-17 war er Leiter der Russlandgruppe der Abt. Fremde Heere des OHL, dann, 1918, Militärbevollmächtigter der OHL und Militärattaché bei der deutschen Gesandtschaft in Moskau: Winfried Baumgart, Deutsche Ostpolitik 1918, München 1966, S. 454.

4 WiRüAmt, Nr. 10/41 gKdos. Chefs. v. 13.2.41, gedruckt: Thomas, a.a.O., S. 514-32; vgl. S. 267.

5 A.a.O., S. 517, Hv. i. Orig.

6 (Quelle, Anmerkungen, Punkt 8:) Welche Folgerungen in der Nazi-Spitze aus solchen „vorsichtigen“ Schätzungen gezogen wurden, kann analog aus dem Protokoll einer Sitzung Görings mit dem Reichskommissaren bzw. Wehrmachtbefehlshabern der besetzten Gebiete am 6.8.42 geschlossen werden, bei der die Ausbeutungsquoten für 1943 festgesetzt wurden. Ein Dialog zwischen Göring und dem Chef der Gruppe Landwirtschaft des Wirtschaftsstabes Ost, Rieke, verlief wie folgt:
„Göring: Nun wollen wir sehen, was Russland liefern kann. Ich glaube es muss erreichtwerden, Riecke, aus dem gesamten Raum 2 Millionen t Brot- und Futtergetreide herauszuholen.
Riecke: Die kommen heraus.
G.: Dann also 3 Millionen müssen wir herausbekommen, außer der Wehrmacht.
R.: Nein, was vorn ist, geht nur an die Wehrmacht.
G.: Dann bringen Sie zwei Millionen [nach Deutschland].
R.: Nein.
G.: Dann 1½ Millionen.
R.: Ja.
G.: Gut!“ IMG, XXXIX, S. 406, 170-USSR.

7 (9:) Dem Wirtschaftsstab Ost war der Wirtschaftsführungsstab Ost vorgeschaltet, dessen nominelle Führung bei Göring lag. Als sein ständiger Vertreter fungierte StS. imVJPl, Paul Körner; der VJPl Görings hatte also in diesem Organ ein eindeutiges Übergewicht. Weiter waren die Staatssekretäre Herbert Backe (REM), Friedrich Syrup (RAM), Gen v. Hanneken (RwiM) und Friedrich Alpers (Reichsforstamt) vertreten. Die einzelnen Gruppen des Wirtschaftsstabes Ost wurden von Ministerialbeamten der einzelnen Ressorts geleitet: Chefgruppe Führung KV-Chef Dr. Musset, der zugleich Vertreter Schuberts war; Chefgruppe Landwirtschaft: KV-Chef Min.-Direktor Hans-Joachim Riecke (REM); Chefgruppe Gewerbliche Wirtschaft: KV-Chef Min.-Dirigent Gustav Schlotterer (RwiM); Chefgruppe Arbeit: KV-Chef. Min.-Dirigent Dr. Rachner (RAM); Chefgruppe Forstwirtschaft: KV-Chef Barth (Reichsforstamt). (Nach Eichholtz, Geschichte, S. 234 f., ergänzt auf der Grundlage von Aktenstücken aus BA R 41/136; -/147; -/247.) Die bisher wohl ausführlichste darstellung der Entstehung des Wirtschaftsstabes Ost bei Eichholtz, a.a.O., S. 213-46. Eine Untersuchung der Arbeit des Wirtschaftsstabes Ost und der Ausbeutung der besetzten sowjetischen Gebiete ist noch Desideratum. (Anm.: Quelle von 1978.)

8 (10:) Wegen der kritischen Versorgungslage bei Speise- und technischen fetten.
9 (11:) IMG, XXXI, S. 84, 2718-PS. - Die Aktennotiz stammt aus den Akten von General Thomas (Eichholtz, a.a.O., S. 239, Anm. 150), der mit großer Sicherheit bei den Besprechungen anwesend war. Ebenso waren mit Sicherheit die im Wirtschaftsführungsstab vertretenen Staatssekretäre Körner, backe, von Hanneken, sowie der Leiter des WiStabes Ost, Schubert, anwesend.

10 (12:) Wirtschaftsstab ost, Gruppe La v. 23.5.41, IMG XXXVI, S. 135-57, 126-EC. Wer an der Ausarbeitung dieser Richtlinien beteiligt war, ließ sich nicht feststellen. An manchen Stellen scheint die Handschrift von StS Backe erkennbar zu sein, der „einer der entschiedensten Vorkämpfer des Autarkiegedankens“ war (Dieter Petzina, Autarkiepolitik, Stuttgart 1968, S. 61), doch ist es unwahrscheinlich, dass er der Verf. war. Wahrscheinlicher ist, dass die Richtlinien das Ergebnis der Arbeit von Landwirtschaftsexperten unter der Leitung von Min.-Dir. Riecke sind, wobei natürlich Gedanken von Rieckes Chef Backe einflossen.

11 (14:) 126-EC, S. 148.

12 (15:) A.a.O., S. 148 f., Hv. i. Orig.

13 (16:) Zu beachten ist dabei auch, dass Getreideprodukte (Brot, Grütze, etc.) für die sowjetische Bevölkerung als Grundnahrungsmittel eine wesentlich größere Bedeutung haben als für die deutsche Bevölkerung.

14 (17:) 126-EC, S. 138. Hv. I. Orig.

15 (18:) Hv. Im Orig. - Nebenbei sei bemerkt, dass diese Zielsetzung natürlich in einem Widerspruch zu der Planung für den industriellen Sektor stand, insbesondere auch zu Planung der Nutzung der industriellen Kapazitäten durch interessierte Unternehmen der Privatindustrie.

16 (19:) A.a.O., S. 140 f. - Der Gedanke, die Bevölkerung der großrussischen Gebiete zu dezimieren bzw. „nach Sibirien abzulenken“, taucht in der Planung der Nazi-Führung immer wieder auf. Vgl. die von Robert M. W. Kempner in der Frankfurter Rundschau, Nr. 140 v. 22.6.71 veröffentlichten Aufz. Rosenbergs, hier die vom 1.6.41. Weiter den „Generalplan Ost“, VfZ 6 (1958) und die Planung der Vernichtung Leningrads im Herbst 1941, vgl. unten Anm. VII/200. (Siehe Quelle.)

17 (20:) Vgl. Die Ns. Über die 11. Sitzung des Generalrats am 24.6.41, V.P. Nr. 10103/41 g. Rs., BA/MA Wi.IF/5.1189, wo Sts. Backe gleiche Forderungen vertrat.

18 (21:) 126-EC, S. 144 f., 155, Hv. i. Orig.

19 (22:) A.a.O., S. 143. - Allenfalls bei Rosenberg war dieses Kalkül ansatzweise vorhanden (vgl. seine Rede vor engsten Mitarbeitern v. 20.6.41, IMG XXVI, S. 610-27, bes. 616 = 1058-PS), doch war dies kein Glaubenssatz, an dem er hartnäckig festgehalten hätte. Bereits einen knappen Monat später machten ihm Hitler und Göring klar, dass erbarmungslose Ausbeutung und Terrorherrschaft absolute Priorität hatten, ohne dass Rosenberg widersprochen hätte. Vgl. Die bereits erwähnte Niederschrift Bormann über die Besprechungen am 16.7.41 bei Hitler, IMG XXXVIII, bes. S. 89-91 = 221-L.

20 (23:) BA/MA W 08-1/3, auszugsweise gedr. IMG XXVIII, S. 3/15, 1743-PS. Wegen des großen Empfängerkreises waren diese Richtlinien nicht ganz so drastisch formuliert, die zu erwartenden Konsequenzen wurden nicht ausgesprochen. Freilich konnten die Empfänger über die Konsequenzen kaum im Zweifel bleiben. - Die Notwendigkeit, für die Ernährung der Kriegsgefangenen Sorge zu tragen, war mit keinem Wort erwähnt.

21 (24:) IMG XXXIX, S. 366-71, 089-USSR, Zitat S. 371.

22 (29:) Rede v. 20.6.41, 1058-PS, Zitate S. 625, 612 f., Hv. i. Orig.

23 (30:) A.a.O., S. 622.

24 (31:) OKW /WFSt/Abt. L (IV/Qu.), Nr. 44 560/41 gKdos.Chefs. v. 19.5.41, auszugsweise gedruckt T rials, X, S. 991. OKH/GenQu. Nr. 050/41 gKdos., Anlg. 6, „Anordnungen für die Versorgung“, BA/MA RH 22/v. 11 (dort nur Teil C vorhanden). Vgl. „Auszüge aus der Besprechung bei GenQu am 15.5.1941", a.a.O., (Niederschrift aus dem Stabe des Befehlshabers Rückw. Hgeb. Süd). - Zu den Besprechungen der Heeresseite mit Thomas vgl. KTB Halder, II, S. 328 (31.3.).

25 (32:) OKH/GenQu./Abt. Heeresversorgung, Nr. I/ 4385/41 geh.Kdos. v. 6.7.41, „Gedanken über die Versorgung bei Fortsetzung der Operationen mit weitem Ziel“, BA/MA AOK 17/14311/2 Diese Studie geht vermutlich auf Generalquartiersmeister Wagner zurück, der über dieses Thema am 3.7.41 bei Generalstabschef Halder vortrug: KTB Halder, III, S. 39, 3.7.41.

26 (33:) D. h. 1000-1500 km Luftlinie von den damals erreichten Stellungen entfernt. Halder hielt an diesem 3. Juli 1941 den Krieg bereits für gewonnen und erwartete die baldige Einnahme Moskaus: a.a.O., S. 38 f. (3.7.41).

27 (34:) Rosenberg in seiner Aufzeichnung v. 1.6.41, vgl Anm. 16 (Quelle: 19).

Quelle: Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945. Von Christian Streit. 1978 Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart. / - Vgl.: Die Planung der Ausbeutung der zu erobernden Gebiete, S. 62-66. Anmerkungen, S. 325-27.