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8.6.2011 K(l)assenharmonie ist Trumpf - Die »Friede Springer Stiftung«

von Reinhold Schramm

„Der Staat kann nicht alles“ - „Das Kapital der Stiftung stammt allein aus meinem Vermögen.“
(Friede Springer)

»Sie verfolgt philanthropische Ziele und wird die Allgemeinheit auf materiellem, geistigen und kulturellem Gebiet fördern.« [1] (*)

Die Stiftung bekennt sich unter anderem zur »Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika« und zur »Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft«. [1]

Die Stifterin Friede Springer sagte im Interview mit der »Welt am Sonntag«, 23.01.2011, unter anderem: „Der Staat kann nicht alles“.

Friede Springer: „Schon vor vielen, vielen Jahren hatte ich die Idee und den Wunsch, etwas für die Allgemeinheit, für die ganze Gesellschaft zu tun. Ich glaube, eine Stiftung ist ein guter, vielleicht sogar der beste Weg, das zu erreichen.“

Friede Springer: „{...} Es wird die 716. Berliner Stiftung sein, die größte Einzelstiftung und die größte von einer einzelnen Person betriebene Stiftung. Sie wird nur ihren Sitz in Berlin haben, inhaltlich wird sie deutschlandweit und international angelegt sein.“

Friede Springer: „Es gibt ein Kuratorium, dem sechs Persönlichkeiten angehören: Marianne Birthler, der Mediziner Manfred Gahr aus Dresden, der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, Christoph Markschies, Joachim Sauer und Eric Schweitzer vom Vorstand der ALBA Group. Sie sehen: ein breites Spektrum, ein wirklich hochkompetentes Kuratorium. Es wird die Anträge beraten. Die letzte Entscheidungsmacht behalte aber ich mir vor, das Kuratorium hat eine beratende Funktion. Die Stiftung wird ganz klar vom Verlag getrennt sein, sie wird keine Unternehmensstiftung sein. Sie ist allein mein persönliches Projekt und völlig unabhängig vom Verlag. Das Kapital der Stiftung stammt allein aus meinem Vermögen.“ [2]

WamS: Wie hoch ist das Startkapital Ihrer Stiftung?

Friede Springer: „Es beträgt 80 Millionen Euro. Da Stiftungen ja nur mit den Erträgen operieren dürfen, werden jährlich vermutlich zwei Millionen Euro zur Vergabe zur Verfügung stehen.“ [2]

Friede Springer: „Gewiss, Neid gibt es. Aber ich glaube, dass nur eine sehr kleine Minderheit neidisch auf die Wohlhabenden blickt. Ich finde den Vorwurf absurd. Wenn Reiche mit ihrem Geld Gutes tun, Wissenschaft fördern, Talente fördern - dann ist das doch gut. Es kommt ja der Allgemeinheit zugute. Damit wird der Staat etwas entlastet. Der Staat kann gar nicht alles schaffen.“

WamS: Also auch das Prinzip Sozialbindung des Eigentums?

Friede Springer: „Ein bisschen schon.“ [2]

(Bitte stets den gesamten Quellentext lesen. R.S.)

Bei der »Axel Springer AG heißt es auch: »Die Axel Springer AG ist ein in Europa führendes multimedial integriertes Medienunternehmen mit einer Vielzahl an gedruckten und digitalen Angeboten«. [3] - Und: »„Unsere Strategie: Ausbau der führenden Marktstellung im deutschsprachigen Kerngeschäft, Internationalisierung und Digitalisierung.“ [4]

Der Vorstand der »Axel Springer AG:
Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender, Vorstand Abonnementszeitungen un Internationales -
Rudolf Knepper, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender, Vorstand Technik, Logistik und Personal -
Lothar Lanz, Vorstand Finanzen und Dienstleistungen -
Dr. Andreas Wiele, Vorstand BILD-Gruppe und Zeitschriften -
[5]

Der Aufsichtsrat:
»Der Aufsichtsrat der Axel Springer AG besteht aus neun Mitgliedern, die durch die Hauptversammlung gewählt werden. Die Amtsperiode des Aufsichtsrats beträgt fünf Jahre; eine Wiederwahl ist zulässig. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats wird aus der Mitte des Aufsichtsrats gewählt.«

Die Mitglieder des Aufsichtsrats:
Dr. Giuseppe Vita, Vorsitzender
Dr. h. c. Friede Springer, Stellvertretende Vorsitzende
Dr. Gerhard Cromme, Vorsitzender des Aufsichtsrats der ThyssenKrupp AG
Oliver Heine, Rechtsanwalt und Partner in der Kanzlei Oliver Heine & Partner
Klaus Krone, Mitglied des Aufsichtsrats der Axel Springer AG
Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Trumpf GmbH + Co. KG
Prof. Dr. Wolf Lepenies, Hochschullehrer (em.) FU Berlin; Permanent Fellow (em.) Des Wissenschaftskollegs zu Berlin
Michael Lewis, Investment Manager
Dr. Michael Otto, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Otto GmbH & Co. KG

Zur Tätigkeit des Aufsichtsrats gehört u.a.: »{...} Er überwacht und berät den Vorstand bei der Führung der Geschäfte. Wesentliche Vorstandsentscheidungen bedürfen der Zustimmung des Aufsichtsrats.« - »Der Aufsichtsrat stellt den Jahresabschluss der Axel Springer AG fest; er billigt darüber hinaus den Konzernabschluss. {...}« [6]

Im Geschäftsjahr »2010 erwirtschafteten über 11.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Gesamtumsatz von 2.893,9 Mio. Euro und ein Ergebnis (EBITDA) von 510,6 Mio. Euro.« [7]

Auch »Die Axel Springer Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Ziele. {...}« [8] - »Zu den von der Stiftung geförderten Institutionen gehört such die American Academy in Berlin« [9]

Ein Nachtrag zu Friede Springer:
»Friede Springer besitzt 7 % der Aktien der Axel Springer AG, vor allem jedoch 90 % der Gesellschaftsanteile der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co., welche wiederum mit 51,5 % an der Axel Springer AG beteiligt ist. Sie fungiert als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des nach der Bertelsmann AG zweitgrößten Medienkonzerns. {...} Friede Springer ist neben der Friede Springer Stiftung Vorstandsvorsitzende der Axel Springer Stiftung und der Stifterin und Alleinvorstand der Friede Springer Herz Stiftung. Laut Forbes Magazine besitzt sie ein geschätztes Privatvermögen von umgerechnet 3,2 Milliarden US-$ und landet damit 2007 auf Platz 26 der reichsten Menschen Deutschlands.« (Privatvermögen in Euro: 2,174 Milliarden; Werte mit Stand von: 31.12.2007) [10]

Bei »Wikipedia« heißt es u.a. zu »Friede Springer«: »Sie ist nicht nur eine Freundin von Angela Merkel, sondern auch Mitglied der CDU.« [10]

Weitere »Informationen zur Vorstandsvorsitzenden der Friede Springer Stiftung«: [11]
»Anteilseigner« der »Axel Springer AG: [12]

»AUTO BILD« = Ideologie und Ökonomie der ‘Harmonie’ der (deutschen) Antikommunisten auch in China. (*)
Ein Nachtrag zur »Axel Springer AG und zum ‘Sozialismus’ nationaler ‘Prägung’ in China:
»Die erste Ausgabe von AUTO BILD China ist anlässlich der internationalen Automobilmesse in Shanghai bereits erschienen. {...}« [13] - »Die Axel Springer AG überführt die Aktivitäten ihrer Marke AUTO BILD in China {...} und bringt künftig zudem eine monatliche Ausgabe des weltweit größten Automagazins AUTO BILD heraus.« - www.autobild.com.cn - (*)

Quelle vgl.:
[1] Friede Springer Stiftung
www.friedespringerstiftung.de
[2] Welt am Sonntag, 23.01.2011: Friede Springer - „Der Staat kann nicht alles“.
www.friedespringerstiftung.de/WamS%20-%20Friede%20Springer.pdf
[3] Axel Springer AG: www.axelspringer.de
[4] www.axelspringer.de/Unternehmen_39232.html
[5] www.axelspringer.de/Unternehmen-Vorstand_37604.html
[6] www.axelspringer.de/artikel/Aufsichtsrat_85414.html
[7] Unternehmensporträt:
www.axelspringer.de/artikel/Unternehmensporttraet_40170.html
[8] Axel Springer Stiftung - Stiftungszwecke:
www.axelspringerstiftung.de/stiftungszw.htm
[9] Fördertätigkeit: www.axelspringerstiftung.de/foerdertaetigkeit.htm
[10] Friede Springer: de.wikipedia.org/wiki/Friede_Springer
[11] www.friedespringerstiftung.de/Vita.pdf
[12] Axel Springer AG (u.a. Anteilseigner):
de.wikipedia.org/wiki/axel_Springer_AG
[13] Axel Springer überführt China-Aktivitäten in Lizenzmodell mit Titan Media Group:
www.axelspringer.de/presse/Axel-Springer-ueberfuehrt-China-Aktivitäten-in-lizenzmodell-mit-Titan-Media-Group_1875026.html

*) »Die Bourgeoisie stellt sich die Welt, worin sie herrscht, natürlich als die beste Welt vor. Der Bourgeoissozialismus arbeitet diese tröstliche Vorstellung zu einem halben oder ganzen System aus. Wenn er das Proletariat auffordert, seine Systeme zu verwirklichen und in das neue Jerusalem einzugehn, so verlangt er im Grunde nur, dass es in der jetzigen Gesellschaft stehenbleibe, aber seine gehässigen Vorstellungen von derselben abstreife.« (Karl Marx und Friedrich Engels, Manifest)** -

Vgl.: Karl Marx und Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. Dietz Verlag Berlin 1970.**
Das „Manifest“ war schon 1890 „das weitest verbreitete, das internationalste Produkt der gesamten sozialistischen Literatur“ (Friedrich Engels). Das „Manifest der Kommunistischen Partei“ verfassten Karl Marx und Friedrich Engels im Dezember 1847 und Januar 1848. Im Februar 1848 wurde es erstmalig in London in deutscher Sprache gedruckt. Bereits um 1970 dürfte es in mehr als tausend Ausgaben vorliegen und in nahezu hundert Sprachen der Welt übersetzt sein. Den vorläufigen und weltweiten ökonomisch-militärischen und ideologisch-psychologischen Sieg des Kapitalismus und Imperialismus in den Köpfen konnte es auch nicht aufhalten.


15.05.2011 Vertuschung von Gefahrenpotential
Neun Friedens- und Umweltgruppen haben am Donnerstag eine »Resolution zur Gefahr für Mensch, Umwelt und Frieden durch US-Kriegsflughäfen wie Spangdahlem und Ramstein« verbreitet:

Immer noch bestehen begründete Zweifel, daß keine gesundheitsschädliche DU-Munition an Bord des Kampfflugzeuges A 10 war, das am 1. April 2011 300 Meter neben dem Eifeldorf Laufeld zerschellte. Die Untersuchungen und Probennahme auf deutschem Territorium waren nicht unabhängig, sondern stammen vom US-Militär, das sich damit selbst kontrolliert hat. Bundestagsanfragen und Aussagen des US-Militärs ergaben, daß die Kampfflugzeuge im Ernstfall DU-Munition an Bord haben (wie die derzeit von Spangdahlem in Libyen eingesetzten A10) – es seien »1150 Schuß Übungsmunition« an Bord gewesen – Übungsmunition die noch niemand gesehen hat oder kennt. Zudem wird bestätigt, daß das Flugzeug mit 1800 Litern des hochgiftigen NATO-Treibstoff JP-8 flog. Es fehlen Aussagen und Untersuchungen zu weiteren Gefahren. (…)

– Wir kritisieren, daß die deutschen Behörden keine eigenen und unabhängigen Untersuchungen durchführten bzw. veröffentlichen und dem US-Militär das deutsche Territorium überließen, dabei wurde fahrlässig die Vertuschung von Gefahrenpotential und Schäden für Mensch und Umwelt in Kauf genommen.

– Wir kritisieren, daß Landesregierung und zuständige Stellen bei Feuerwehr, Polizei, Katastrophenschutz, Bürgermeister und Politiker sich nicht für den Schutz der Bevölkerung und Umwelt einsetzen.

– Wir kritisieren, daß die Politik die Kriegsflughäfen und ihre Funktion in weltweiten völkerrechtlich fragwürdigen Kriegen um Ressourcen, Märkte und Macht toleriert und auch aktiv politisch sowie praktisch durch Infrastruktur und Subventionen unterstützt. Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen, dabei werden Kriege im Irak, in Afghanistan und jetzt in Libyen mit Kampffliegern wie der A10 und Kriegsflughäfen wie Spangdahlem protegiert. Der Kriegsflughafen in der Eifel macht deutlich, wie viel Zerstörungsenergie hier von Landes- und Bundesregierung mit Millionen Euro unterstützt wird. Gefahr für Mensch und Umwelt wird heruntergespielt und die politische Bedeutung und Funktion von Kampfflugzeugen und Kriegsflughäfen weiterhin verschwiegen. Für uns gehören auch die militärische Nutzung der Flughäfen Hahn und Bitburg, die Atomwaffen in Büchel sowie die weiteren militärischen Einrichtungen der Region auf den Prüfstand. (…)

– Wir fordern aufklären statt abwiegeln – die selbstherrliche und unglaubwürdige Militär-Selbstkontrolle muß beendet werden, statt dessen sind unabhängige Messungen und Untersuchungen des Flugzeugabsturzes in Laufeld notwendig. Daraus gilt es dann Konsequenzen zu ziehen.

– Wir fordern eine Einstellung des militärischen Flugbetriebes bis zur Klärung über Ursache und Folgen des Absturzes. Wir fordern zudem die Rücknahme der pauschalen Überfluggenehmigung für US-amerikanische oder andere NATO-Streitkräfte.

– Wir fordern Abrüstung und eine zivile Konversion der Kriegsflughafen z.B. für erneuerbare Energien, Tourismus und Renaturierung (siehe Vorschläge Konversionskonferenz Burg Dudeldorf 2005).

Das Kapital gewährt seine »Freizügigkeit« seit dem 1.5.2011
von Reinhold Schramm

Mini-Mindestlöhne und europäische Altersarmut
Oder: Der EU-Imperialismus und seine »Arbeitnehmerfreizügigkeit«

Für die Administration des deutschen und (west-)europäischen Kapitals ist die »Arbeitnehmerfreizügigkeit ein überfälliger Schritt« und »Deutschland braucht eine „Willkommenskultur“ für hochqualifizierte Fachkräfte«, so die »Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände« (BDA) 1]

»Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft - der Industrie, des Mittelstands und des Handwerks - hängt entscheidend von gut qualifizierten Arbeitnehmern ab. Sehr deutlich zeigt sich der Mangel bei Mathematikern, Naturwissenschaftlern, Informatikern und Technikern, dem sog. MINT-Bereich.« (BDA) -

»Aber auch in anderen Branchen, wie beispielsweise bei qualitativer Versorgung, Betreuung und Pflege älterer Menschen oder in den Metall- und Elektroberufen, sind Fachkräfteengpässe bereits heute unverkennbar. Allein in der Altenpflege fehlen schon heute 20.000 Pflegefachkräfte.« (BDA) [2]

Die »Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände« - der deutschen Finanz-, Monopol- und Groß- Bourgeoisie und Groß- Aktionäre - erklärt in ihrem »Geschäftsbericht 2010«: »Die deutsche Wirtschaft hat beeindruckend robust auf den dramatischsten Wirtschaftseinbruch seit 1945 reagiert und im Jahr 2010 in diesem Ausmaß für alle überraschend zugelegt. Bei aller berechtigten Freude darüber dürfen wir jedoch nicht übersehen: Wir sind keineswegs wieder bei der Wirtschaftsleistung des Jahres 2008 angelangt. {...}« [3]

Der BDA-Kapitalverband erklärt (- stets bewährt und demagogisch -) im Vorfeld zur »Arbeitnehmerfreizügigkeit«, der [Mini-] »Mindestlohn gefährdet Arbeitsplätze«: »Die Arbeitgeber sind gegen jede Form gesetzlicher Mindestlöhne und gegen staatliche Tarifzensur.«

Merke: Für die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Gutgläubigen, mit und ohne Doktortitel, suggeriert der BDA die Trennung von Staat und Kapital, - die es in der realen Welt des Kapitals nicht gibt. -

Weiterhin der BDA: »Jeder staatliche Eingriff in die Lohngestaltung beeinträchtigt die Tarifautonomie und setzt das bewährte System der Lohnfindung aufs Spiel. {...}«
Merke: Das BDA- »bewährte System der Lohnfindung« -

So behauptet der BDA-Kapital- und Interessenverband - um die Gewinne, Profite und Dividenden seiner differenzierten Rentiers, Bourgeoisie und Aktionäre zu schonen und zu vermehren: »Bei dem von den Gewerkschaften geforderten allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 € wären {...} Arbeitsplätze in Deutschland bedroht.« [4]

Anmerkung zum Mindestlohn:

»In den westeuropäischen Ländern reicht die Spanne der untersten gesetzlich erlaubten Stundenlöhne von 7,65 Euro brutto in Irland (bis zum 31. Januar 2011 waren es noch: 8,65 Euro) über 8,58 Euro in Belgien und 8,74 Euro in den Niederlanden bis zu neun Euro in Frankreich. Luxemburg hat mit 10,16 Euro den höchsten Mindestlohn in Europa.« [5]

Vermeidung von Altersarmut:

»Der als großer Erfolg gefeierte Abbau der Arbeitslosigkeit führte hauptsächlich zur Ausweitung des Niedriglohnsektors und nur zu einem geringen Teil zu fair bezahlten Jobs am 1. Arbeitsmarkt. {...} Auch wenn die Zahl der [offiziellen] Arbeitslosen auf über 3. Mio. Gesunken ist, bleiben ca. 3,5 Mio. [- offizielle] Geringverdiener, die auf Hilfe zum Lebensunterhalt angewiesen sind. Eine Verminderung der Gefahr von Altersarmut ist nicht bewirkt. {...} Altersarmut bedeutet nach heutiger Rechtslage bei Inanspruchnahme der Grundsicherung eine bedingungslose Verarmung auf 12 T Euro Restvermögen. Eigene Beitragsanteile in die GRV oder eine Riesterrente verbessern die Alterssicherung in keiner Weise.« [6]

Lohnverzicht reduziert die Altersrente:

»Verzicht auf Arbeitslohn und Lohnkampf reduziert die Altersrente und erhöht die Kapitalvermögen {...} Die Entwicklung der Arbeitslöhne bildet über das Umlageverfahren die Grundlage zur Finanzierung der aktuellen Renten und durch die individuelle Lohnhöhe entsprechend dem Äquivalenzprinzip von Beiträgen und Leistung wird der spätere individuelle Rentenanspruch festgelegt. Dass nur ein „guter Lohn“ im Kapitalismus auch zu einer „guten Rente“ führt, sollte vor diesem Hintergrund eine Binsenweisheit sein. So muss eine entsprechende Lohnsumme vorhanden sein, um die laufenden Renten bezahlen zu können und den Rentenbeitrag auf einem ‘akzeptablen’ Niveau zu halten, und der ‘individuelle’ und/oder kollektive Arbeitslohn sollte eine bestimmte Höhe erreichen, um im Alter eine auskömmliche Rente sicherzustellen.« -

»Deutschland befindet sich in Europa auf einer lohnpolitischen Schlusslichtposition (Sozial- und Spezialdemokratie, Sozialpartnerschaft und reale Klassenversöhnungs- und Gesellschaftspolitik).« -

»Die zunehmende Ausbreitung der altersarmut durch eine wachsende Anzahl von Geringverdienern kann nur durch eine gesellschaftspolitische Begrenzung des Niedriglohnsektors bekämpft werden. - Ein gesetzlicher/staatlicher Mindestlohn im Kapitalismus allein kann die Probleme nicht lösen. - Notwendig ist ein umfassendes (auch gewerkschaftliches) Kampfprogramm und „Reformprogramm“ zur „Ent-Prekarisierung“ und „Re-Stabilisierung“ von Arbeits- und Beschäftigungsverhältnissen. - Es steht nach wie vor eine offensive Wende in der Lohnpolitik und Gesellschaftspolitik auf der Tagesordnung.« [7]

Eine notwendige Anmerkung zu den sozial- und gesellschaftspolitischen DGB-Kuschelbärchen der deutschen Wirtschafts-Administration für Zeitarbeit und Leiharbeit, Armutslöhne und Altersarmut:

»Die „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) hat bereits 2007 vor einem starken Anstieg der Altersarmut in Deutschland gewarnt. Sie gelangt zu dem Ergebnis, dass Niedriglohnempfänger in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen OECD-Staaten die geringsten gesetzlichen Rentenansprüche haben. {...}« -

»Bereits im Jahr 2005 lag der Anteil der Niedriglohnempfänger in der Bundesrepublik Deutschland bei 22 Prozent (1995 noch bei 15 Prozent). Auch in weiterer Folge der Sozialpartnerschaft zwischen Arbeit und Kapital, dem freiwilligen Lohnverzicht, nicht nur in der Finanz- und Wirtschaftskrise des Kapitals, hat sich der Anteil der Menschen im Niedriglohnbereich deutlich über die offiziellen Angaben hinaus erhöht.« -

»Die WSI-Studie (Disk.papier Nr. 164) kommt zum Ergebnis: Bei einem Brutto-Stundenlohn von 9,47 Euro (- hieraus ein Brutto-Monatslohn von 1.581,49 Euro) beträgt nach 45 Beitragsjahren* die Netto-Rente pro Monat: 676,21 Euro. Die geringe Grundsicherung im Alter beträgt (noch) nach SGB XII-Gesamtbedarf pro Monat: 676,00 Euro.« -

»Der 19. DGB-Bundeskongress beschließt 8,50 Euro Mindestlohn: Hieraus ergibt sich ein Rentenanspruch weit unterhalb der Grundsicherung - und eine SGB-Altersrente von (noch) max. 676 Euro pro Monat.« [8]

Nochmals: Bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro-Std.-brutto, auch nach mehr als 45-Vollzeit-Arbeitsjahren, liegt die Armutsrente unterhalb der gesetzlichen Grundsicherung bzw. max. der gesetzlichen Regelleistung im aktuellen (noch) offenen Hartz-IV-Vollzug.

Neuberechnung des überfälligen »Mindestlohn« in der Deutschland AG:

Der DGB berichtet bereits zum Armutsbericht am 19.05.2008:

»Die Dimension des Armutsproblems wird umso deutlicher, wenn man berücksichtigt, dass die Armutsschwelle trotz der hohen Inflation von 2003 bis heute (von 938 auf 781 Euro) abgesenkt wurde.« (DGB) -

Berücksichtigen wir die Differenz von 2003 zu 2008 bei der Neubewertung, so lag die Armutsschwelle im Mai 2008 bereits bei 1035,63 Euro. -

Für die »Bestimmung des Mindestlohnes berechnen wir auf der Grundlage des Nettolohnes in Höhe von 1035,63 einen Zuschlag für Steuer und Sozialabgaben (Krankenversicherung, Rentenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung) {...} Bei einer seit vielen Jahren überfälligen 35 Stunden-Woche {...} ergibt sich eine Forderungshöhe für den untersten Bereich der Mindestlohnes in Höhe von 9,77 Euro. {...}« (Mai 2008) -

»Die sozialen Bewegungen in Deutschland erheben seit Jahren die Forderung für einen Mindestlohn in Höhe von 10.00 Euro. Diese Forderung ist seit Jahren ebenso überfällig wie die vorsätzlich falschen und geringen Forderungen {...}« (Mai 2008) -

Richtig wäre die aktuelle Forderung und flächendeckende Durchsetzung nach einem Brutto-Mindestlohn von 13,00 Euro-Std. in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2011! [9]

Quellen vgl.:
[1] BDA: »Arbeitnehmerfreizügigkeit ein überfälliger Schritt«:
http://www.bda-online.de/www/arbeitgeber.nsf/ID/home
[2] BDA - »Positionspapier zum Zuwanderungsrecht«, Dezember 2010:
http://www.bda-online.de/www/arbeitgeber.nsf/res/Popa-Zuwanderungsrecht.pdf
[3] BDA - »Geschäftsbericht 2010«:
www.bda-online.de/www.arbeitgeber.nsf/
res/DC868F5644599511C1257800005A0E8D/
$file/BDA_GB_2010.pdf
[4] BDA - kompakt - »Mindeslohn«. Siehe hier unter anderem: »Mindestlohn gefährdet Arbeitsplätze«, »Arbeitslosengeld II gewährt Mindesteunkommen«, »Tarifautonomie wahren - gegen staatliche Tarifzensur«, »Arbeitnehmer-Entsendegesetz« etc. etc.:
www.bda-online.de/www/arbeitgeber.nsf
/res/
D30A18B6D88FA88FA66FC12574EB004C2A79/$
file/kompakt_mindestlohn.pdf
[5] Gesetzliche Mindestlöhne:
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/
realpolitik/kombilohn/euml_rs.pdf
[6] Vermeidung von Altersarmut:
http://www.labournet.de/diskussion/
wipo/rente/bauer2.pdf
[7] Lohnverzicht reduziert Altersrente:
http://www.labournet.de/
diskussion/wipo/rente/verzicht.pdf
[8] DGB-Kuschelbärchen für Armutslöhne, Zeitarbeit und Altersarmut:
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/
realpolitik/psa/igz_schramm2010.pdf
[9] Der Armutsbericht der Bundesregierung
ist ein Schwindel nach unten! -
Neuberechnung des Mindestlohnes!
(Bereits vom 20. Mai 2008):
http://www.labournet.de/
diskussion/arbeit/realpolitik/
allg/schramm.pdf

Empfehlungen der sozialdemokratischen DGB-IGM-Sozialpartner und SozialarbeiterInnen des deutschen Monopol- und Konzernkapitals, des BDI-BDA-Banken-DIHK-Kapitals:

A) DGB: »Dossier Arbeitnehmerfreizügigkeit«:
DGB, 28.04.2011: »Arbeitnehmerfreizügigkeit sozial, gerecht und aktiv gestalten«
http://www.dgb.de/themen/++co++c0ccf580-6a96-11e0-5188-00188b4dc422
B) IG Metall, 29.04.2011: »Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 1. Mai 2011«
»Einheimische und Zuwanderer vor Lohndumping schützen«
www.igmetall.de/cps/rde/xchg/SID-C7FE3628-A8A67200/internet/style.xsl/
arbeitnehmerfreizuegigkeit-ab-1-mai-2011-europa-waechst-ein-7548.htm