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4.2.2010 Perfides Prämiensystem der Arbeiterwohlfahrt Halle–Merseburg – AWO kauft Arbeitnehmern Rechte ab

Bei Erkrankung zieht die AWO 60,00 Euro pro Tag ab – Wohlfahrtsorganisation bleibt Antwort schuldig

Halle – MitarbeiterInnen, die sich nicht krank melden, erhalten seit 2003 vom AWO Regionalverband Halle – Merseburg und seinen angeschlossenen Gesellschaften eine „Anwesenheitsprämie“ von 900 Euro im halben Jahr. Mitglieder der Geschäftsführung sollen in besonderer Wertschätzung ihrer Anwesenheit in den Jahren 2008 und 2009 eine doppelt so hohe Prämie erhalten haben – 3.600,00 Euro im Jahr. In den entsprechenden Grundsätzen wird die Prämie mit dem „Grundgedanken“ begründet, dass „MitarbeiterInnen, die mehr als andere im Betrieb anwesend sind, auch entsprechend mehr zum betrieblichen Erfolg beitragen.“ Letztlich würde eine maximale Anwesenheit Lohnfortzahlungskosten sparen, die „Beständigkeit der Ablaufprozesse“ fördern und „Qualität“ und „Kontinuität“ sichern. Anwesenheit diene auch der „Vermeidung zusätzlicher Belastungen der anwesenden MitarbeiterInnen“.

In Folge gehen die MitarbeiterInnen oftmals auch erkrankt zur Arbeit, schließlich „wolle man die Prämie nicht verlieren“ – je Tag der Erkrankung zieht die AWO 60,00 Euro von der Prämie ab. Viele MitarbeiterÎnnen haben nicht wirklich die Wahl, auf die Prämie zu verzichten. Gemeinhin gilt die AWO, insbesondere in den neuen Bundesländern, als Arbeitgeber mit sehr niedrigem Lohnniveau. Zudem erfolgte bei der AWO in Halle-Merseburg seit 2003 keine Anhebung der Tarifgehälter. Recherchen von Forum SOZIAL ergaben, dass in Folge dieser Gehaltssituation die Prämie von vielen MitarbeiterInnen als Gehaltsbestandteil gesehen wird.

Gabriele Stark-Angermeier, 2. Vorsitzende des „Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit“ (DBSH): „Es ist unglaublich, dass sich ausgerechnet ein Träger der freien Wohlfahrtspflege an der Aushöhlung von Errungenschaften des Sozialstaates und von Arbeitnehmerrechten beteiligt.“

Keine Antwort von der AWO

Wir wollten daher von der Geschäftsführung des AWO Regionalverband Halle – Merseburg wissen, wie sich eine solche Praxis mit den Grundsätzen eines sozialdemokratisch orientierten Wohlfahrtsverbandes vereinbaren lässt. So wird in den „Eckpunkten und Grundsätzen zur Verbandsentwicklung“ aus dem Jahr 2007 auf die Arbeiterbewegung und die damit verbundenen Werte der Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit verwiesen, während in den „Grundsätzen“ zur Prämie die Erkrankung von MitarbeiterInnen als „zusätzliche Belastung der anwesenden MitarbeiterInnen“ bewertet wird. Auch fragten wir nach dem Verständnis des Regionalverbandes von Prävention und Gesundheitsschutz. Offensichtlich waren der Geschäftsführung unsere Fragen peinlich – wir erhielten keine Antwort.

 

Hartz IV-Macher haben SPD im Griff

Die neoliberalen SPD Hartz IV- Macher bieten der Regierung unterwürfigst ihre Hilfe an.

Arbeitslose nieder zu machen, da kennt die SPD sich aus. Mehr Hartz IV-Jobcenter in kommunaler Hand sollen mit Unterstützung der SPD geschaffen werden. Dadurch kann die Union ihr Vorhaben der weiteren Verschärfung der Hartzgesetzgebung reibungsloser durchziehen. SPD Hartz-IV Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck ließen in einem gemeinsamen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Bereitschaft erkennen, mehr Kommunen die Betreuung der Hartz IV-Bezieher in Alleinregie zu überlassen.



 

 

Regie: Michael Haneke
Drehbuch: Michael Haneke