Hartz IV = Modifizierter Kapitalfaschismus
und freiheitlich christlich-liberal-sozialdemokratischer Sozialdarwinismus
in der Krise des Kapitals.
14.01.10
Von Reinhold Schramm
Zur kapital- und sozialfaschistischen -demokratischen
"Ausmerze" der Leistungsunwilligen in Zeiten von "Hartz
IV".
Unvollständige Anmerkungen zum historischen Erbe der "Hartz"-Gesetzgebung
und zu einer 'freiheitlich-demokratischen' Fernsehsendung im Januar
2010.
Ausgehend von Auffassungen, die den Menschen nach seinen Nutzen für
die Gesamtheit bewerteten und den Schwachen, Untüchtigen als Bedrohung
dieser Gesamtheit darstellten, lagen die Aufgaben der von der Führung
geforderten Medizin bei einer durch Maßnahmen geförderten
Leistungssteigerung der Werktätigen und reichten bis zur Beihilfe
bei der "Ausmerze" der Leistungsunfähigen, Unbrauchbaren.
Der einzelne hatte sich nur noch als "dienendes Glied im Rahmen
des Volksganzen" zu verstehen; für ihn gab es kein Recht mehr
auf den eigenen Körper oder auf Kranksein. Selbst das "vorzeitige
Sterben" wurde nur als Verlust an Volksvermögen kalkuliert.
Eine vom Staat übernommene möglichst totale Prävention
beinhaltete arbeits- und betriebsmedizinische Maßnahmen, Gesundheitsvorsorge
in Familie und Freizeit zur Förderung des sich "... im Vollbesitz
seiner erb- und rassebiologisch überhaupt erreichbaren Gesundheit
und Leistungsfähigkeit ..." Befindlichen.
Die biologische Utopie eines Züchtungsstaates war eine der ideologischen
Grundlagen für alle rassenbiologischen Eingriffe, die - stets vom
ökonomischen Kalkül ausgehend - von dem "Gesetz zur Verhütung
erbkranken Nachwuchses" (14.07.1933) über die "Ausmerze"
schwer psychisch und physisch Geschädigter sowie Arbeitsunfähiger
bis zur Vernichtung durch Arbeit und zum Holocaust reichte.
Kötschau formulierte das gesundheitspolitische Anliegen in einem
Buch mit dem programmatischen Titel "Kämpferische Vorsorge
statt karitative Fürsorge" folgendermaßen: "Die
Sorge des neuen Staates gilt erstens der Erbgesundheit, zweitens der
Hochleistungsfähigkeit des Volkes." Gesundheit wurde zum Synonym
für Leistungsfähigkeit, Krankheit hatte einen wesentlichen
Grund in mangelnder Leistungsbereitschaft. Ausgehend von der Bewertung
des Menschen nach seiner Leistung, welche tradierte ethische Normen
verdrängte, und begleitet von einer Vielzahl propagandistischer
Aktionen [aktuelle Medienlandschaft, einschließlich ARD-ZDF-Privat-Fernsehen,
heute], sozialer Kontrolltätigkeiten [beauftragter Sozial-Schnüffler]
und ärztlicher Programme [zur Überprüfung der psychischen
und physischen Verwertbarkeit], die alle Lebensbereiche durchdrangen,
sollten alle [nicht nur] medizinischen Fachdisziplinen einen entsprechenden
Beitrag leisten zur Steigerung der Leistungs- und Wehrfähigkeit,
zur Erkennung leistungsmindernder Ursachen, zur Wiederherstellung beeinträchtigter
Leistung oder Aussonderung bei Leistungsunfähigkeit. In diesem
Zusammenhang entstand eine spezielle Leistungsmedizin, deren Ziel die
"... Steigerung der Leistungsfähigkeit jeder Art bis zur äußersten
erreichbaren Höhe ..." sein und die sowohl die wissenschaftlichen
Grundlagen erarbeiten als auch die unmittelbar sich ergebenden leistungsfördernden
Maßnahmen am Individuum ausführen sollte.
Die deutschen Arbeitsphysiologen hatten bereits vor 1933 bei ihren
Untersuchungen zur Leistungsverbesserung - aufbauend auf der Kraepelinschen
Arbeitskurve - herausgefunden, dass der Leistungssteigerung im Arbeitsprozess
generell Grenzen gesetzt waren.
Daraufhin wurde der Versuch unternommen, den im Bereich des 40. Lebensjahres
liegenden "Knick im Arbeitsschicksal" so weit wie nur irgend
möglich hinauszuschieben [aktuelle Anm.: Rente mit 67/70 - für
die LohnarbeiterInnen], wobei im Idealfall erreicht werden sollte, dass
"... der Zeitpunkt des allmählichen Kräfteschwundes kurz
vor dem Zeitpunkt des physiologischen Todes liegt und der endgültige
Kräfteverfall mit ihm zusammenfällt ..." [Tod bei Renteneintritt
der LohnarbeiterInnen und damit Entlastung der Sozialkassen - zugunsten
der privaten Kapitalsanierung und Profitmaximierung].
Die Gesamtheit aller Vorhaben und Maßnahmen, mit denen zugleich
eine Sorge um den "deutschen Menschen" vorgespiegelt wurde,
benannten die Kapital- und Sozialfaschisten, die (kapital- und sozialfaschistischen)
Gesundheitspolitiker mit "Gesundheitsführung des deutschen
Volkes" (aktuell modifiziert, stets geleugnet und noch uneingestanden).
Vgl.: Medizin unterm Hakenkreuz. Der Missbrauch des Leistungsgedankens
in der Medizin unter der faschistischen Diktatur und die Folgen für
die Gesundheits- und Sozialpolitik. Die zentrale Stellung des Leistungsbegriffes
in der Medizin der Jahre 1933-1945. (VEB 1989) - Ein aktualisierter
Auszug.