takt@takt.de http://www.takt.de/index.html
zurück

4.2.2010
Durst löst russisch-japanischen Grenzkonflikt aus. Wie 24 Dosen Bier den pazifischen Raum erschütterten


Sachalin – Durst ist grenzenlos, und wer würde nicht mitten in der Wüste fast jeden
Preis für ein kühles Bier bezahlen. Einen hohen Preis für zwei Dutzend Dosen
japanisches Reisbier hat jetzt der russische Seemann Alexej Waschkewitsch bezahlen
müssen. Fast wäre er sogar dafür im Kittchen gelandet. Wie die „Moskauer Deutsche
Zeitung“ berichtet, wollte der durstige Seemann im April 2007 die zur Neige
gegangenen Alkoholvorräte seines Schiffes auffüllen und hat deshalb mit einem
Motorboot das nächstgelegene Ufer angesteuert. Was Waschkewitsch nicht wissen
konnte, er hatte mit seiner Landung unbeabsichtigt japanisches Hoheitsgebiet
betreten und war vom japanischen Grenzschutz als Invasor behandelt worden. Auf dem
Rückzug zu seinem Schiff wurde der Eindringling samt Biervorräten gefangen genommen
und zunächst für eine Woche inhaftiert.

Damit aber nicht genug. Die japanischen Amtsschimmel lieferten Waschkewitsch an die
russischen Behörden in Juschno-Sachalinsk aus, die ihrerseits mit der vollen Härte
der Paragraphen über den armen Fischer herfielen. Waschkewitsch sollte, ohne Bier,
in Untersuchungshaft genommen werden. Doch die Verhaftung schlug fehl, sein Zimmer
im Kittchen blieb leer. Als der Haftbefehl vollstreckt werden sollte, befand sich
der wackere Seemann bereits wieder auf hoher See, diesmal gleich für 15 Monate
und,so darf vermutet werden, mit ausreichenden Biervorräten.

Bei seiner Rückkehr warteten jedoch die Mühlen der russischen Justiz erneut auf den
Matrosen. Ins Kittchen musste er jedoch nicht. Ein verständnisvoller Richte, dem
Alexej Waschkewitsch reuevoll versprach, seinen Alkoholkonsum im Dienst zu zügeln
und vor allem keinen Nachschub für sich und seine Kameraden mehr im Ausland zu
beschaffen, verdonnerte Waschkewitsch lediglich zu einer Bewährungsstrafe. Wer die
zwei Dutzend Bierdosen, die im Verlauf der Invasion Japans durch den russischen
Matrosen beschafft wurden, letztendlich geleert hat, ist unbekannt. Ein
Auslieferungsersuchen für die Krawallbrause liegt den japanischen Behörden
jedenfalls nicht vor, noch nicht.

 



 

Regie: Michael Haneke
Drehbuch: Michael Haneke