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Griechenland - Die wahren Hintergründe einer Staatspleite - Antike Ruinen und Mönche vom Berg Athos sollen die Rettung bringen


Glosse von Gisbert Spränzer

Schon der griechische Tavernenphilosoph Promillaos von Apameia hat es im 12.
Jahrhundert vor Christus kommen sehen. Ein Krieg zur Befreiung der schönen Helena,
Gattin ihres Königs Menelaos, die Paris, Sohn des trojanischen Königs Priamos, aus
purer Lust nach Troja entführt hatte, würde Griechenland in die Staatspleite
treiben. Promillaos von Apameia hat recht behalten. Nach rund 10 Jahren Krieg war
von der Schönheit Helenas nichts mehr übrig, sie war zur alten Schrulle geworden.
Selbst der Bau des hölzernen Gauls, mit dessen Hilfe die tapfersten Krieger in die
Stadt geschleust wurden, erwies sich als finanzielles Desaster. Die Kosten waren
höher als die Beute, die den Eroberern in den Trümmern der brennenden Stadt in die
Hände fiel. Promillaos von Apameia bemerkte: „Außer Spesen nichts gewesen“ und fügte
an: „Der zerrüttete Hormonhaushalt des Paris hat auch den Staatshaushalt zerrüttet!.

Es kam wie es kommen musste. Der Gyros, in der Antike die stabilste Währung zwischen
den Schluchten des Balkans und den Tälern des Nils, musste abgewertet werden.
Vollends ruiniert war Hellas nach dem großen Ärger mit den Persern und dem Knatsch
mit den Römern. Bauruinen schossen wie Pilze aus dem Erdboden, Heldenstatuen ohne
Köpfe und Arme wurden überall als Zeichen der Pleite aufgestellt. Selbst die
Olympischen Spiele mussten wegen fehlender Finanzmittel eingestellt werden, und auch
die Götter des Olymp verzogen sich nach und nach auf Nimmerwiedersehen. Das Orakel
von Delphi musste wegen der gewaltigen Umsatzeinbrüche Insolvenz anmelden. Seine
Manager und Aufsichtsräte zerstreuten sich über die ganze Welt. Selbst ein Held wie
Herkules musste im hohen Alter noch Ziegen melken und Schweine hüten, um über die
Runden zu kommen. Einzig und alleine das Defizit überlebte die Jahrtausende, jagt
aber den Griechen bis heute keinen großen Schrecken ein.

Finanzexperten sehen im Zusammenhang mit der aktuellen griechischen Staatspleite
mittlerweile sogar eine Gefahr für den Euro. Um nicht auch noch von den europäischen
Währungshütern, den Teuromanen, aus dem edlen Kreis der Euro-Jongleure gefeuert zu
werden, setzt Griechenland jetzt auf einen Abbau des Haushaltsdefizits. Zur
Sanierung der maroden Staatsfinanzen wollen die regierenden Sozialisten jetzt
sparen, bis das Volk quietscht, und schrecken selbst vor der Privatisierung ihrer
nationalen Heiligtümer nicht mehr zurück, war in einer Hafentaverne in Piräus zu
erfahren. Die Sozis von Hellas sollen im Spareifer sogar darüber nachgedacht haben,
auf die Teilnahme ihrer Fussballnationalmannschaft bei der kommenden WM in Südafrika
zu verzichten, befürchteten aber einen Aufstand der Fans und vor allem die Rache von
Otto Rehakles, der vom Olymp herab damit gedroht haben soll, seinen Trainerposten
aufzugeben.

Mit Einsparungen und einem stärkeren Vorgehen gegen Steuersünder, wie sich die
Regierung dies vorgestellt hat, wird das Staatsdefizit allerdings nicht in den Griff
zu kriegen sein. Auch tiefgreifende Reformen wie etwa umfassende Gehaltskürzungen im
Öffentlichen Dienst – man glaubt man sei in Deutschland – werden nicht ausreichen,
die Haushaltslöcher zu stopfen. Griechenlands Sozialisten wollen nach einem Bericht
des internationalen Finanzmagazins „Mammon“ zusätzlich noch eine radikale
Marktoffensive starten, um der Staatspleite noch in letzter Sekunde zu entgehen.

Die Ruinen Griechenlands sollen zu sprudelnden Steuerquellen für das Land werden.
Geheime Regierungspläne sehen angeblich vor, die Akropolis über der Hauptstadt Athen
in einen Konsumtempel umzubauen. Ein schwedisches Möbelhaus, eine
Elektronikwarenhauskette und ein US-amerikanischer Frikadellenkonzern könnten schon
bald dort einziehen, berichtet ein gut informierter Taxifahrer. Wegen der niedrigen
Löhne in Griechenland wollte, so der Taxifahrer, auch die Drogeriemarktkette
Schlecker dort einen XL- Markt eröffnen, zog sich aber abrupt zurück, als bekannt
wurde, dass mit den griechischen Gewerkschaften anders als in Deutschland nicht gut
Kirschen essen ist.

Derweil kommt frenetischer Beifall für Griechenlands Regierung von internationalen
Frauenverbänden und der Tourismusindustrie. Die autonome Mönchsrepublik Athos soll
per Gesetz auch für Frauen zugänglich gemacht werden. Derzeit leben schätzungsweise
nur 2.260 männliche Einwohner in der Mönchsrepublik. Frauen ist der Zugang zum
Heiligen Berg bisher streng verboten. Das Verbot gilt sogar für weibliche Tiere, wie
nicht nur streitbare Hauskatzen und frei lebende Hündinnen aus Erfahrung immer
wieder berichten. Allein das Halten von Hühnern zum Eierlegen ist den Mönchen
gestattet. Eine komplette Einverleibung der Mönchsrepublik Athos würde Griechenlands
Tourismusindustrie um rund 336 Quadratkilometer anwachsen lassen und den Fiskus des
gebeutelten Landes hoch erfreuen. Internationale Frauenrechtlerinnen wollen
angeblich den Mönchen der Republik Athos beim Einmarsch weiße Rosen aus Athen als
Zeichen der schwesterlichen Liebe verehren, so eine streitbare Amazone.
Internationale Finanzkreise erwarten derweil, dass der griechische Finanzminister
Georgios Papakonstantinou unter EU- Flagge und auf einem hölzernen Gaul in Kürze
schon an der Spitze eines Heeres an den Fuß des Berges Athos ziehen und die Mönche
zur Übergabe ihres Refugiums auffordern wird.

Aktuell pocht die EU auf Einhaltung des europäischen Stabilitätspaktes und stellt
das Land quasi unter Vormundschaft. Die Europumpe wird abgedreht, ansonsten drohen
saftige Geldstrafen. Wie die Sparkommissare Europas allerdings einem nackten
Herkules oder Dionysos in die Tasche greifen wollen, steht auf einem anderen Blatt.
EU-Währungskommissar Almunia wird wohl noch so manchen Gyros schlucken müssen, bis
die Griechen sich die finanzielle Zwangsjacke überziehen lassen.

 

05.02.2010
»Kriminell-groteske Züge«
Thomas Fricke schreibt in der Financial Deutschland, das »Geschimpfe auf die Griechen« nehme »kriminell-groteske Züge« an:

Es ist keine drei Jahre her, da schwärmten OECD-Ökonomen, Griechenland habe »die zweitbeste Performance aller Industrieländer«. (...) Und bei der EU-Kommission kann man seitenlang nachlesen, was Athen alles entbürokratisiert oder wie es etwa Elektrizitätswerke und Telekommunikationsbetriebe privatisiert hat. (...) Gemessen am Bruttoinlandsprodukt gaben griechische Staatseinrichtungen bis zum Eintreffen der Finanzschockwellen 2007 weniger Geld aus als die deutschen. Die Staatsquote war niedriger, nicht höher. Sie ist im vergangenen Jahrzehnt sogar gefallen.

Wenn das Staatsdefizit dennoch hoch blieb, lag das eher daran, daß zugleich die Einnahmenquote des Staates sank – ein Befund, der es in sich hat. Immerhin hat ja jene EU-Kommission, die sich jetzt über hohe Defizite so entrüstet, jahrelang auch auf sinkende Steuern gedrungen. (…) Zu einem negativen Saldo gehören auch immer zwei Seiten: zum Beispiel eine deutsche, deren Protagonisten jahrelang alles darangesetzt haben, die eigene Wirtschaft durch Reform und Verzicht wettbewerbsfähiger als andere zu machen – und die sich jetzt wundern, daß die anderen nicht mehr wettbewerbsfähig sind und dann in Krisen stürzen.