EU gibt offiziellen Startschuss für
das Jahr der großen Lippenbekenntnisse
Europäisches
Jahr der Armut und sozialen Ausgrenzung
Kommentar von Charles Duremont
Heute fand in Madrid die Auftaktveranstaltung zum Europäischen
Jahr gegen Armut und
soziale Ausgrenzung statt. Laut Statistik leben 16 Prozent der Europäer
unterhalb
der Armutsgrenze. Die Dunkelziffer dürfte jedoch deutlich darüber
liegen. In
Deutschland ist Hartz IV zum Synonym für Armut geworden. Bundesarbeits-
und
Sozialministerin Ursula von der Leyen ließ schon mal durchblicken,
dass sie nicht
gewillt ist, die Regelsätze für Hartz IV-Betroffene zu erhöhen.
Hier wird wohl erst
das Bundesverfassungericht der Ministerin eine Nachhilfestunde zum derzeit
drängendsten gesellschaftlichen Problem erteilen müssen.
Von der Leyens Kampfhund Roland Koch hat indes bereits deutlich gemacht,
wie er das
Europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung begehen will.
Der
CDU-Rechtsausleger plädiert für einen Arbeitsdienst nach braunem
Vorbild und macht
deutlich, dass er am liebsten die Armen statt die Armut bekämpfen
will. Weitere
Kampagnen dieser Art werden mit Sicherheit folgen.
Wenn Europa am Ende des Jahres die Bilanz zum Jahr gegen Armut und
Ausgrenzung
zieht, wird sich herausstellen, dass außer Lippenbekenntnissen
und ein paar
Galadiners mit Schampus auf höchster Ebene nichts herausgekommen
sein wird. Es wird
mehr Armut in Europa geben, denn die EU wird ihre Klientelpolitik zu
Gunsten der
Interessen von Banken und Konzernen nicht ändern. Arbeitnehmerrechte
werden weiter
beschnitten,und die sozialen Sicherungssysteme werden weiter gegen die
Wand gefahren
werden.
Gangbare Lösungen zur Armutsbekämpfung, wie etwa die Umverteilung
von unten nach
oben zu stoppen und umzukehren, oder die Besteuerung großer Vermögen
wird es im
Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung nicht geben.
Eher geht das
berühmte Kamel durchs Nadelöhr, als dass Europa auch nur einen
Deut sozialer wird.
Armut ist kein Schicksal, sie ist das Ergebnis einer neoliberalen Politik.
Armut ist
gewollt, auf ihr beruht der Reichtum weniger. Geben wir uns also keinen
Illusionen
hin, das 2010 wird den Armen in Europa keine Verbesserung ihrer Lage
bringen. Die
Hoffnung stirbt aber bekanntlich zuletzt. Also dann bis zu nächsten
Europäischen
Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung im Jahr 2110.