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23. Februar 2010
Bevölkerung im Saarland schrumpft um ein Drittel
Neueste Daten vom Statistischen Amt

Wanderungen in andere Bundesländer wird zum Bevölkerungsrückgang beitragen

Saarbrücken – Bis zum Jahr 2030 sinkt die Zahl der Einwohner im Saarland voraussichtlich um 140 000 Personen auf 890 000 und wird dann weiter schrumpfen. Wie das Statistische Amt im Rahmen der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung errechnete, könnte die Bevölkerungszahl bis 2060 im Vergleich zu heute um rund ein Drittel auf unter 700 000 Personen zurückgehen. Damit einher geht ein erheblicher Alterungsprozess. So wird bereits 2030 nahezu jeder Dritte das 65. Lebensjahr durchlebt haben.

Anfang Januar 2010 veröffentlicheten wir diesen Beitrag
2010 - Saarländer zwischen Auswandern und Generalstreik Saarländer und Saarländerinnen wandert aus, laßt euch nicht von den politischen Stämmen (nichts anderes sind die fünf Parteien im kleinsten Flächenbundesland) abwracken. Macht was aus Eurem Leben.

Von Gudrun Müller

Wer seine Sinne beisammen hat und keinen intensiven Kontakt zu einer der Parteienseilschaften pflegt oder einer angehört wird im Saarland keinen Blumentopf gewinnen. Vor der letzten Landtagswahl im August 2009 hatte die CDU-Müller-Regierung ihr politisches Personal noch einmal in höhere Gehaltsgruppen gehievt. Nach der Wahl wurden ein zusätzliches Ministerium geschaffen und etliche neue Staatssekretärsposten ausgelobt um das vorhandene Seilschaftspersonal unterzubringen. Jede Partei hat ihre Pfründe an der Saar und einige von den Parteien werden indirekt noch von der einzigen Tageszeitung im Saarland finanziert. Da gibt es Kammern die Zwangseinnahmen von Arbeitnehmern und Unternehmern eintreiben um Jobs für ihre Klientel zu schaffen. All diese Transfers spielen sich jenseits von Qualifizierung oder einer anderen Begabung ab. Einzig entscheidend ist die Zugehörigkeit zu einem der Parteistämme.

Kein Großprojekt, ob Saarbahn, Autobahn-Leitsystem, Eurobahnhof, wird im vereinbarten Zeitraum in die Praxis umgesetzt. In aller Regel wird noch Jahre länger an diesen Großprojekten herumgewuselt als zuvor vereingbart wurde. Vor ein paar Monaten waren Ministeriumsverantwortliche gar zu blöde einen Antrag auszufüllen, um Gelder für ihr Lieblingsprojekt "Stadt am Fluß" bei der EU zu beantragen.

Und so, wie sie sich selbst bedienen, so lassen sie andere für nix arbeiten. Die Müller Regierung nahm in der letzten Legislaturperiode einen Spitzenplatz ein, als es darum ging, Menschen für 1 Euro, ohne Renten- und Arbeitslosenver-
sicherung, arbeiten zu lassen.

Mit Reggae-Musik, karibischen Gefühlen und guter Laune jedenfalls hat das schwarz-gelb-grüne Projekt an der Saar nichts gemein. Die einzige Gemeinsamkeit mit Jamaika ist die desaströse Haushaltslage. Die Neuverschuldung steigt 2010 auf einen neuen Rekord. Da zuerst das eigene Klientel ausreichend versorgt werden musste, ist der Haushalt für die Restsaarländer nach der Landtagswahl im August nicht einmal beraten. Zur Wirtschaftskrise sagt Ministerpräsident Müller in seiner Neujahrsansprache: "Viele Folgen werden uns erst 2010 in aller Härte treffen". Wenn Müller „uns“ sagt, meint er nicht die Seilschaften der CDU, der Grünen oder der FDP, er meint mit „uns“ all jene, die nicht zu den im Landtag vertretenen Cliquen gehören. Müller und seine Mannen handeln nicht verantwortungsbewußt. Müller sagt: "Der Wiederaufstieg wird lange dauern ... Die Zahl der Arbeitslosen könnte 2010 auf mehr als 50.000 steigen. ... Ich bin aber fest davon überzeugt: Wenn alle Beteiligten sich ihrer Verantwortung stellen, kann diese Zahl deutlich unterschritten werden".

Wenn Müller Verantwortungsbewußtsein von den SaarländerInnen erwartet, sollten wir ihn nicht enttäuschen. Wir von der Anti-Hartz-Plattform-Saar können uns gut vorstellen, dass das, was sich Jamaika-Koalitition nennt, in einer Generalstreikaktion hinweg gepustet wird. Dann wäre das schwere Jahr, das Müller androht, schon etwas leichter. Verantwortungsbewußtes Handeln 2010 bedeutet für SaarländerInnen zweierlei: Auswandern für die einen und Generalstreik für die anderen

 

30.3.10
Saarland kackt ab -
Bruttoinlandsprodukt des Saarlandes 2009 real um 7,9 Prozent gesunken 

Saarbrücken – Die saarländische Wirtschaft bekam die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr deutlich zu spüren. Nach aktuellen Berechnungen wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Saarlandes 2009 auf 28,9 Milliarden Euro veranschlagt. Wie das Statistische Amt mitteilt, waren dies nominal 7,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Preisbereinigt ergab sich eine reale Wirtschaftsentwicklung von minus 7,9 Prozent. Damit verlief die Konjunktur im Saarland sowohl nominal als auch real wesentlich ungünstiger als im übrigen Bundesgebiet. Für Deutschland insgesamt wurde der Wirtschaftsabschwung nominal auf minus 3,5 Prozent beziffert, real auf minus 5,0 Prozent.

Dies sind erste vorläufige Ergebnisse nach Auswertung der aktuellen Wirtschaftsstatistiken durch den Arbeitskreis “Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder”, dem alle Statistischen Landesämter angehören. Für solche kurzfristigen Berechnungen ist die Datenbasis jedoch sehr begrenzt, weshalb die Aussagekraft der Zahlen noch stark eingeschränkt ist.

Ausgelöst durch die internationale Finanzkrise brachen im Herbst 2008 die Volkswirtschaften rund um den Erdball schlagartig zusammen und stürzten die Weltwirtschaft in ihre größte Krise seit Jahrzehnten. Bundesweit wie auch im Saarland führten drastische Einbrüche bei Auftragseingängen, Produktion und Umsatz dazu, dass im Jahr 2009 die Konjunkturindikatoren fast aller wichtigen Industriebranchen um 20 bis über 30 Prozent absackten. Für die saarländische Wirtschaft ging eine mehrjährige Aufschwungphase abrupt zu Ende, und das Bruttoinlandsprodukt brach im ersten Halbjahr 2009 real um 10,1 Prozent massiv ein.

Die Hauptstützen der Saarwirtschaft, nämlich die Metallindustrie, die Fahrzeugproduktion und der Maschinenbau, mussten dann auch die schlimmsten Rückschläge einstecken, die das Saarland in seiner über fünfzigjährigen Geschichte als deutsches Bundesland zu verkraften hatte. Noch 2008 glänzten diese Schlüsselbranchen mit zweistelligen Zuwachsraten, danach kämpften sie auf den Feldern der Auftragslage, der Güterproduktion und des Warenabsatzes gegen Verluste, die im existenzbedrohenden Minusbereich von 20 bis zu über 40 Prozent liegen. Diese Extremausschläge bei den Veränderungsraten resultierten zum Teil aber auch aus dem Basiseffekt aufgrund der positiven Entwicklung im Jahr zuvor. Bezeichnend für die internationale Dimension der Krise ist, dass die Nachfrage aus dem Ausland in allen wesentlichen Bereichen ebenso stark abstürzte wie die inländische Wirtschaftstätigkeit. In Anbetracht der hohen Exportabhängigkeit der Saarindustrie von fast 50 Prozent wurde die heimische Wirtschaft damit umso heftiger getroffen.

Im bundesweiten Vergleich zeigt sich, dass das Saarland die Krise auch deshalb deutlicher zu spüren bekam, weil die Industrie hierzulande überdurchschnittlich stark vertreten ist: An der gesamten Bruttowertschöpfung hat das Verarbeitende Gewerbe im Saarland einen Anteil von 30 Prozent, in Deutschland jedoch nur von 23 Prozent. Aber auch bundesweit haben sich die genannten Bereiche ebenfalls sehr ungünstig entwickelt und beklagen Nachfrage-, Produktions- und Umsatzeinbrüche in ähnlicher Größenordnung. Die jüngsten Konjunkturdaten der letzten Monate geben jedoch Anlass zur Hoffnung, dass sich die Industrie allmählich wieder erholt.

Einer gezielten Konjunktur- und Arbeitsmarktpolitik ist es wohl zu verdanken, dass die Zahl der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe des Saarlandes im Jahr 2009 lediglich um 4,1 Prozent zurückgegangen ist. Vor allem das Instrument der Kurzarbeit und die Abwrackprämie für Altautos konnten kurzfristig eine schlimmere Entwicklung verhindern.

Außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes verlief das Wirtschaftsgeschehen bei weitem nicht so dramatisch wie in der Industrie. Energie und Baugewerbe, Handel und Gastgewerbe, Finanzierungs- und Immobiliensektor, staatliche und private Dienstleister konnten sich dem Abwärtstrend zwar auch nicht entziehen, ihre Verluste hielten sich jedoch durchweg in Grenzen.

Die folgende Tabelle zeigt die neu abgestimmten Ergebnisse zum Bruttoinlandsprodukt aufgrund aktualisierter Berechnungen auf Bundes- und Länderebene.

Weitere und detailliertere Daten zur konjunkturellen Entwicklung im Saarland finden sich im Internetangebot des Statistischen Amtes unter statistik.saarland.de.