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Prima Klima

Fidel Castro veröffentlichte am 20.12.09 eine »Reflexion« unter dem Titel »Was wirklich auf dem Gipfel geschah«:

(…) Wenn in der dänischen Hauptstadt etwas Wichtiges erreicht wurde, dann die Tatsache, daß die Weltöffentlichkeit über die Massenmedien das politische Chaos und die demütigende Behandlung gegenüber Staats- und Regierungschefs, Ministern und Tausenden Vertretern der sozialen Bewegungen und Einrichtungen beobachten konnte, die voller Illusionen und Hoffnungen zum Austragungsort des Gipfels nach Kopenhagen gefahren waren. Die brutale Repression gegen friedliche Demonstranten seitens der Polizei erinnerte an das Verhalten der Sturmtrupps der Nazis, die das benachbarte Dänemark im April 1940 besetzten. Was niemand ahnen konnte, war, daß der Gipfel an seinem letzten Tag, dem 18. Dezember 2009, von der dänischen Regierung – NATO-Verbündete und Teilnehmerin an dem Gemetzel von Afghanistan – unterbrochen werden würde, um den Hauptkonferenzsaal Präsident Obama zu übergeben, wo ausschließlich dieser und eine Gruppe von ausgewählten Gästen, insgesamt 16, das Rederecht haben sollten. (…) Schließlich geschah etwas Unerhörtes: im Morgengrauen des 19. Dezember, um drei Uhr, rief der dänische Premierminister zu einer Schlußsitzung des Gipfels. Als Vertreter der Länder waren nur noch Minister, Beamte, Botschafter und Fachleute anwesend. (...)

Der Außenminister Kubas hat eine energische Rede von circa eintausend Worten gehalten, aus der ich einige Abschnitte ausgewählt habe, die ich in dieser Reflexion aufführen möchte: »Das Dokument, von dem Sie, Herr Präsident, mehrfach behauptet haben, daß es nicht existent sei, taucht jetzt auf. (…) Wir haben Versionen gesehen, die heimlich in Umlauf sind und die in geheimen Versammlungen in kleinem Rahmen diskutiert werden…« »Ich bedauere zutiefst die Art und Weise, in der Sie diese Konferenz geführt haben.« »Kuba sieht den Text jenes vermeintlichen Entwurfs als äußerst unzureichend und unzumutbar an. Zwei Grad Celsius ist als Zielstellung vollkommen inakzeptabel und würde unberechenbar katastrophale Folgen nach sich ziehen…« »Das Dokument, welches Sie bedauerlicherweise vorlegen, enthält keinerlei Verpflichtung zur Verminderung der Treibhausgase.« »Jeder Vorschlag zur Fortsetzung der Verhandlungen mit dem Ziel, in Zukunft Übereinkommen zur Reduktion der Emissionen zu erreichen, muß unweigerlich das Konzept der Gültigkeit des Kyoto-Protokolls mit einschließen (…). Ihr Schriftstück, Herr Präsident, ist die Sterbeurkunde für das Kyoto-Protokoll, die meine Delegation nicht akzeptiert.« »Die kubanische Delegation möchte mit Nachdruck auf den Vorrang des Prinzips der ›gemeinsamen aber differenzierten Verantwortlichkeiten‹ als zentrales Konzept des zukünftigen Verhandlungsprozesses verweisen. Ihr Schriftstück läßt kein Wort davon verlauten.« »Die entwickelten Länder, die ihre Interessen mittels Ihres Dokuments mit Gewalt durchsetzen, Herr Präsident, umgehen jegliche konkrete Verpflichtung.« »Das, was Sie, Herr Präsident, als ›eine Gruppe von repräsentativen führenden Persönlichkeiten‹ bezeichnen, ist für mich eine plumpe Verletzung des Prinzip der souveränen Gleichheit, das in der UN-Charta verankert ist…« »Herr Präsident, ich beantrage förmlich, daß diese Erklärung in den Abschlußbericht über die auf dieser jämmerlichen und beschämenden 15. Konferenz der Teilnehmerseiten geleistete Arbeit aufgenommen wird.«

20.12.09

„LASST UNS DAS SYSTEM VERÄNDERN UND SO DEN PLANETEN RETTEN“ Rede von Hugo Chávez, Venezuela, in Kopenhagen

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Exzellenzen! Freundinnen und Freunde!

Ich verspreche Ihnen, dass ich nicht mehr von dem weiter reden werde, von dem ich an diesem Nachmittag hier gesprochen habe. Gestatten Sie mir eine einleitende Bemerkung, die ich gerne als Teil des vorangegangenen Punktes gemacht hätte, der von der Delegation aus Brasilien, aus China, aus Indien, Bolivien ausgeführt wurde. Wir waren gerade dabei gewesen, um das Wort zu bitten, aber es war nicht möglich, das Wort zu ergreifen. Die Vertreterin Boliviens sprach meinen Gruß ganz richtig an den Genossen Präsidenten Evo Morales aus, der dort drüben ist, der Präsident der Republik Bolivien.

(Beifall der Anwesenden)

Sie sagte unter anderem folgendes. Nehmen Sie es hiermit zur Kenntnis. Sie sagte: Der vorgelegte Text ist nicht demokratisch, er bezieht uns nicht ein.

Ich war kaum angekommen, und wir saßen da, als wir die Vorsitzende der vorangegangenen Sitzung sagen hörten, dass ein Dokument kommen würde, welches jedoch niemand kennt. Ich habe nach dem Dokument gefragt. Wir haben es noch nicht. Ich glaube, dass niemand von diesem top secret - Dokument weiß.

Jetzt hat die bolivianische Genossin es richtig ausgesprochen. Es ist nicht demokratisch, es bezieht uns nicht ein. Jetzt, meine Damen, meine Herren!

Ist nicht vielleicht dies genau die Wirklichkeit auf dieser Welt?

Sind wir vielleicht in einer demokratischen Welt? Ist das Weltsystem vielleicht uns einbeziehend?

Können wir etwas Demokratisches, uns Einbeziehendes vom gegenwärtigen Weltsystem erwarten?

Wir erleben auf diesem Planeten eine imperiale Diktatur. Und von hier aus prangern wir sie weiterhin an. Nieder mit der imperialen Diktatur! Und auf dass die Völker und die Demokratie und die Gleichheit auf diesem Planeten hochleben!

(Beifall der Anwesenden)

Und was wir hier sehen ist die Widerspiegelung davon: Ausschluss.

Es gibt eine Gruppe von Ländern, die sich gegenüber uns aus dem Süden, uns aus der dritten Welt für überlegen halten. Uns, den Unterentwickelten, oder wie es der großartige Freund Eduardo Galeano sagt: Uns, den niedergewalzten Ländern, wie durch einen Zug, der uns in der Geschichte überrollt hat.

Daher befremdet uns dies nicht. Wir sind nicht befremdet. Es gibt keine Demokratie in der Welt. Und hier stehen wir ein weiteres Mal einem mächtigen Zeugnis der weltweiten imperialen Diktatur gegenüber. Dann standen dort zwei junge Leute auf. Zum Glück sind die Ordnungshüter verhältnismäßig gewesen. Irgendein Stoß dort entlang, und sie machten mit. Nein? Dort draußen sind viele Leute. Wissen Sie das? Natürlich passen sie nicht in diesen Salon, es sind viele Leute. Ich habe in der Presse gelesen, dass es einige Festnahmen gegeben hat, einige große Proteste. Hier in den Straßen von Kopenhagen. Und ich möchte all diese Menschen grüßen, die da draußen sind. In der Mehrheit sind es Jugendliche.

(Beifall der Anwesenden)

Natürlich sind das besorgte Jugendliche. Ich glaube, dass sie mit Grund viel mehr als wir um die Zukunft der Welt besorgt sind. Wir hier in der hier versammelten Mehrzahl haben schon die Sonne im Rücken. Sie haben die Sonne vor sich und sind sehr besorgt.

Man könnte sagen: Herr Vorsitzender, ein Gespenst geht um in Kopenhagen. In Anlehnung an Karl Marx, den großartigen Karl Marx. Ein Gespenst geht um in den Straßen von Kopenhagen. Und ich glaube, dass dieses Gespenst ruhig durch diesen Saal wandert, unter uns. Es wandelt durch die Gänge, geht hinaus nach unten, kommt herauf. Dieses Gespenst ist ein grauenhaftes Gespenst. Beinahe niemand will es benennen: Der Kapitalismus ist das Gespenst. Beinahe niemand will es benennen.

(Beifall der Anwesenden)

Das ist der Kapitalismus. Es brüllen die Völker. Da draußen hört man sie.

Ich las einige in den Straßen gemalte Parolen. Und ich glaube, dass diese Parolen dieser Jugendlichen, einige davon hörte ich, als der junge Mann dort raus ging und die junge Frau da entlang. Das sind zwei, von denen ich Kenntnis nahm. Man hört unter anderen zwei starken Losungen. Eine: Verändert nicht das Klima, verändert das System.

(Beifall der Anwesenden)

Und ich greife sie auf für uns.

Verändern wir nicht das Klima. Verändern wir das System!

Und als Ergebnis werden wir beginnen, den Planeten zu retten. Der Kapitalismus, das zerstörerische Entwicklungsmodell, macht Schluss mit dem Leben. Er droht, endgültig der Gattung Mensch ein Ende zu bereiten.

Und die andere Losung ruft zum Nachdenken auf. Sehr passend zur Bankenkrise, die die Welt ereilte und noch auf sie einschlägt. Und zur Form, wie die Länder des reichen Nordens den Bankiers und den Großbanken halfen. Allein für die USA, gut, ist die Zahl verloren gegangen, denn sie ist astronomisch. Um Banken zu retten. Sie sagen in den Straßen das Folgende: Wenn das Klima eine Bank wäre, hätten sie es schon gerettet.

(Beifall der Anwesenden)

Und ich glaube, dass das wahr ist. Wenn das Klima eine kapitalistische Bank von den größten Banken wäre, dann hätten die reichen Regierungen es schon gerettet.

Ich glaube, dass Obama nicht angekommen ist. Er erhielt den Friedensnobelpreis beinahe am gleichen Tage, an dem er 30.000 Soldaten mehr zum Töten Unschuldiger nach Afghanistan schickte. Und jetzt kommt er, sich hier mit dem Friedensnobelpreis vorzustellen. Der Präsident der USA.

Aber die USA haben das Maschinchen, Scheine zu drucken, Dollars herzustellen. Und sie haben gerettet … gut, sie glauben, die Banken und das kapitalistische System gerettet zu haben.

Gut, dies als Bemerkung am Rande, die ich machen wollte. Wir haben gerade die Hand gehoben, um Brasilien, Indien, Bolivien, China in ihrer interessanten Position zu begleiten, welche Venezuela und die Länder des Bolivarischen Bündnisses teilen, und zwar nachdrücklich. Aber gut, sie gaben uns nicht das Wort, so dass man mir diese Minuten bitte nicht anrechnen möge, Vorsitzende.

(Beifall der Anwesenden)

Passen Sie da mal auf. Ich kannte und hatte das Vergnügen, diesen französischen Schriftsteller Hervé Kempf zu kennen. Ich empfehle dieses Buch. Ich empfehle es. Das gibt es in spanischer Sprache. Hier ist Hervé, auch in französischer, sicherlich in englischer Sprache. Wie die Reichen den Planet zerstören. Hervé Kempf: Wie die Reichen den Planet zerstören. Darum sagte Christus: Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in das Himmelreich. Dies sagte Christus, unser Herr.

(Beifall der Anwesenden)

Die Reichen sind dabei, den Planeten zu zerstören.

Werden sie daran denken, nach einem anderen Planeten zu gehen, wenn sie diesen zerstören?

Werden sie Pläne haben, zu einem anderen Planeten zu gelangen?

Bis jetzt sieht man keinen am Horizont der Galaxis.

Gerade ist dieses Buch bei mir angekommen. Mir hat es Ignacio Ramonet geschenkt, der auch hier in diesem Saal ist. Und am Ende des Vorwortes oder der Einleitung steht eine sehr wichtige Aussage. Kempf sagt folgendes. Ich lese: „Wir werden den materiellen Verbrauch auf Weltniveau nicht vermindern können, wenn wir es nicht schaffen, dass die Mächtigen ein paar Stufen herunterkommen, und wenn wir die Ungleichheit nicht bekämpfen. Es ist notwendig, dass wir dem so nützlichen ökologistischen Grundsatzes Global Denken und Lokal Handeln in der Stunde der Bewusstwerdung den Grundsatz hinzufügen, welchen die Lage erfordert: weniger verbrauchen und mehr teilen“.

Ich glaube, dass ist ein guter Rat, den uns dieser französische Schriftsteller Hervé Kempf gibt.

(Beifall der Anwesenden)

Jetzt ist gut, Herr Vorsitzender, der Klimawechsel ist zweifellos das verheerendste Umweltproblem des gegenwärtigen Jahrhunderts. Überschwemmungen, Dürren, schwere Unwetter, Hurrikane, Gletscherschmelzungen, Erhöhungen des Meeresspiegels, Versäuerung der Ozeane und Hitzewellen. All dies verschlimmert das Ausmaß der weltweiten Krisen, die uns geißeln.

Das gegenwärtige Handeln der Menschheit überschreitet die Schwellen des Haltbaren und bringt das Leben auf dem Planeten in Gefahr, aber auch in dieser Hinsicht sind wir sehr ungleich.

Ich möchte erinnern: Die 500 Millionen reichsten Menschen, 500 Millionen, - das ist 7%, 7%, 7% der Weltbevölkerung. Diese 7% sind verantwortlich. Diese 500 Millionen reichsten Menschen sind verantwortlich für 50% der Schadstoff-Emissionen. Demgegenüber sind die 50% der ärmsten Menschen nur für 7% der Schadstoff-Emissionen verantwortlich. Darum ruft es in mir Beachtung hervor und ist ein wenig merkwürdig, hier die USA und China auf gleicher Ebene zu nennen. Die USA haben vielleicht mal gerade 300 Millionen Einwohner.

China hat fast 5-mal mehr Bevölkerung als die USA.

Die USA verbrauchen mehr als 20 Millionen Barrel täglich an Erdöl. China kommt nur auf 5,6 Millionen Barrel täglich beim Verbrauch von Erdöl. Man kann nicht dasselbe von den USA und China fordern.

Es gibt hier Themen, die diskutiert werden müssen. Hoffentlich können wir Chefs von Staaten und Regierungen uns zusammensetzen und mit der Wahrheit diskutieren, mit der Wahrheit über diese Themen.

Des Weiteren, Herr Vorsitzender, sind 60% der Ökosysteme des Planeten beschädigt, 20% der Erdoberfläche ist in Mitleidenschaft gezogen. Wir sind unwiderlegbare Zeugen der Waldvernichtung, der Umwandlung ganzer Landstriche, der Versteppung, der Veränderungen des Süßwassersystems, der Überausbeutung der Meeresressourcen, der Verschmutzung und des Verlustes der biologischen Vielfalt geworden.

Die überzogene Bewirtschaftung des Erdbodens übersteigt um 30% die Fähigkeit, ihn zu regenerieren. Der Planet verliert derzeit, was die Techniker die Fähigkeit zur Selbstregulierung nennen. Dies verliert der Planet gerade. An jedem Tag kommt es zu weiteren Abraumhalden aus dem, was sich verarbeiten lässt. Das Überleben unserer Gattung hämmert im Bewusstsein der Menschheit. Trotz der Dringlichkeit sind zwei Jahre voller Verhandlungen vergangen, um eine zweite Periode der Kompromisse unter dem Kyoto-Protokoll abzuschließen. Und wir nehmen an diesem Termin ohne wirkliche und bedeutende Übereinkunft teil.

Und richtig, zum Text der Erklärung, die da aus dem nichts kommt, wie einige es nennen, sagt der chinesische Vertreter und sagt Venezuela und sagen die Länder der ALBA, des Bolivarischen Bündnisses, - wir sagen und sagten bereits, dass wir keinem anderen Erklärungswortlaut zustimmen werden als dem, der von den Arbeitsgruppen des Kyoto-Protokolls und der Konvention kommt. Dies sind die rechtmäßigen Textwortlaute, die mit so viel Intensität in diesen Jahren ausdiskutiert worden sind.

(Beifall der Anwesenden)

Und in diesen letzten Stunden glaube ich, dass sie nicht geschlafen haben, außer nicht zu Mittag gegessen zu haben. Mir erscheint es nicht logisch, dass jetzt ein Dokument aus dem Nichts kommt, wie sie sagen.

Das wissenschaftlich gestützte Ziel der Verminderung des Ausstoßes der Treibhausgase und Erzielung einer Übereinkunft zur langfristigen Zusammenarbeit bei vollem Lichte erscheint heute zu dieser Stunde jetzt gescheitert zu sein.

Der Grund, welcher ist es? Wir haben keinen Zweifel.

Der Grund ist die verantwortungslose Haltung und das Ausbleiben politischen Willens bei den mächtigsten Ländern des Planeten. Niemand fühle sich angegriffen. Ich greife auf den großartigen José Gervasio Artigas zurück, der sagte: „Mit der Wahrheit greife ich weder an, noch fürchte ich.“ Aber in Wahrheit ist es eine verantwortungslose Haltung aus Aufgeboten, aus Gegenaufgeboten, aus Ausschluss, aus elitärem Führen bei einem Problem, welches alle betrifft, und welches wir nur alle werden lösen können.

Der politische Extremkonservatismus und der Egoismus der Großverbraucher, der reichsten Länder, deuten hin auf eine hohe Unsensibilität und das Ausbleiben von Solidarität mit den Ärmsten, mit den Hungernden, mit den Schwächsten, mit den Krankheiten, mit den Naturkatastrophen. Herr Präsident, unentbehrlich ist ein neues und einheitliches Abkommen, welches anwendbar ist auf absolut ungleiche Partner im Umfang ihrer Beiträge und wirtschaftlichen, finanziellen und technologischen Fähigkeiten. Und welches auf die uneingeschränkte Beachtung der in der Konvention enthaltenen Grundsätze gegründet ist.

Die entwickelten Länder müssen engverknüpfte, klare und konkrete Vereinbarungen zur wesentlichen Verringerung ihrer Emissionen eingehen und Verpflichtungen zur finanziellen und technologischen Hilfe für die armen Länder übernehmen, um den zerstörerischen Gefahren aus dem Klimawechsel zu begegnen. In dieser Hinsicht muss die Besonderheit der Inselstaaten und der wenig entwickelten Länder voll anerkannt werden.

Herr Vorsitzender, der Klimawechsel ist nicht das einzige Problem, welches heute die Menschheit in Mitleidenschaft zieht. Andere Übel und Ungerechtigkeiten geißeln uns. Die Kluft, welche die reichen und armen Länder trennt, hat nicht zu wachsen aufgehört, trotz aller Ziele des Jahrtausends. Der Finanzgipfel von Monterrey, alle diese Finanzgipfel, wie es der Präsident von Senegal beim Anprangern einer großen Wahrheit voller Versprechen und unerfüllter Versprechen sagte, setzen ihren zerstörerischen Marsch fort.

Das Gesamteinkommen der 500 reichsten Menschen der Welt ist höher als das Einkommen der 416 Millionen ärmsten Menschen, der 2,8 Milliarden Menschen, die in Armut leben, mit weniger als zwei Dollar pro Tag, und die 40% der Erdbevölkerung mit nur 5% des weltweiten Einkommens vertreten.

Heute sterben jährlich ca. 9,2 Millionen Kinder vor dem 5. Lebensjahr. Und 99% dieser Todesfälle ereignen sich in den ärmsten Ländern.

Die Kindersterblichkeit beträgt 47 Tote auf 1000 Lebendgeborene. Aber sie liegt bei nur 5 pro Tausend in den reichen Ländern. Die Lebenserwartung auf dem Planeten beträgt 67 Jahre. In den reichen Ländern sind es 79 Jahre, in einigen armen Ländern lediglich 40 Jahre.

Außerdem gibt es 1,1 Milliarden Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser. Es gibt 2,6 Milliarden Menschen ohne gesundheitliche Betreuung. Über 800 Millionen Menschen sind Analphabeten. Und 1,2 Milliarden Menschen hungern. Das ist der Zustand der Welt.

Jetzt zur Ursache, - welches ist die Ursache?

Sprechen wir von der Ursache. Umgehen wir nicht die Verantwortlichkeiten. Lassen wir nicht die Tiefe dieses Problems außer acht. Die Ursache ist ohne Zweifel, und ich komme auf das Thema all dieses katastrophalen Panoramas zurück, das zerstörerische Stoffwechselsystem des Kapitals und sein fleischgewordenes Modell: der Kapitalismus.

Hierzu gibt es ein Zitat. Und ich möchte es Ihnen kurz vorlesen, von diesem großartigen Befreiungstheologen Leonardo Boff, der wie wir wissen, Brasilianer ist, aus unserem Amerika. Leonardo Boff sagt über dieses Thema:

„Welches ist die Ursache? Ah, die Ursache ist der Traum, die Freude über die materielle Anhäufung und den Fortschritt ohne Ende zu suchen, dafür die Wissenschaft und die Technik zu benutzen, mit denen man unbegrenzt alle Ressourcen der Erde ausbeuten kann.“ Und er zitiert hier Charles Darwin und seine „Natürliche Auslese“ mit dem Überleben der Stärksten. Aber wir wissen, dass die Stärksten auf der Asche der Schwächsten überleben.

Jean Jacques Rousseau muss man stets in Erinnerung haben. Er sagte jenes: „Zwischen dem Starken und dem Schwachen unterdrückt die Freiheit.“ Darum spricht das Imperium von Freiheit. Das ist die Freiheit zur Unterdrückung. Um einzumarschieren, um zu morden, um niederzumachen, um auszubeuten. Dies ist seine Freiheit. Und Rousseau fügt den errettenden Satz hinzu: „Nur das Gesetz erlöst.“

Es gibt einige Länder, die vorspielen, dass es hier kein Dokument gibt. Weil sie konkret kein Gesetz wollen. Sie wollen keine Norm. Denn das Nichtvorhandensein dieser Norm ermöglicht ihnen, ihre ausbeuterische Freiheit auszuspielen, ihre niederwalzende Freiheit auszuspielen.

Lasst uns eine Anstrengung machen! Lasst uns Druck machen! Hier und auf den Straßen! Damit hier ein Kompromiss rauskommt, ein Dokument rauskommt, welches die reichsten Länder der Erde in die Pflicht nimmt.

(Beifall der Anwesenden)

Gut, man fragt, Herr Vorsitzender, wegen Leonardo Boff. Haben Sie Leonardo Boff kennengelernt? Ich weiß nicht, ob Leonardo herkommen konnte. Ich habe ihn vor kurzem in Paraguay kennengelernt. Wir haben ihn immer gelesen.

Kann eine endliche Erde ein unendliches Vorhaben tragen? Der Leitgedanke des Kapitalismus, das unbegrenzte Wachstum, ist ein zerstörerisches Modell. Lasst uns dies akzeptieren.

Nachher fragt uns Boff: „Was sollen wir von Kopenhagen erwarten können?“ Allein dieses schlichte Eingeständnis: So, wie wir sind, können wir nicht weitermachen. Und eine einfache Absicht: Wir werden die Richtung ändern. Lasst uns das machen! Aber ohne Zynismus, ohne Lüge, ohne doppelte Tagesordnungen, ohne aus dem Nichts rauskommend Dokumente, mit der Wahrheit ganz vorne.

Wie lange, so fragen wir uns von Venezuela aus, Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren, wie lange werden wir diese Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten zulassen? Wie lange werden wir die derzeitige Weltwirtschaftsordnung und die geltenden Marktmechanismen tolerieren? Wie lange werden wir zulassen, dass große Epidemien wie HIV-AIDS ganze Bevölkerungen auslöschen? Wie lange werden wir zulassen, dass die Hungernden sich nicht ernähren können, nicht mal ihre eigenen Kinder ernähren können? Wie lange werden wir zulassen, dass weiterhin Millionen Kinder an heilbaren Krankheiten sterben? Wie lange werden wir bewaffnete Auseinandersetzungen zulassen, die Millionen unschuldiger Menschen morden, nur damit sich die Mächtigen der Bodenschätze anderer Völker bemächtigen?

Lasst uns Schluss machen mit den Aggressionen und den Kriegen! Lasst uns Völker der Welt die Imperien bitten und jene bitten, die weiterhin die Welt beherrschen und uns unterwerfen wollen!

Keine weiteren imperialen Militärstützpunkte! Keine Staatsstreiche! Lasst uns eine gerechtere und gleich behandelnde wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung aufbauen! Lasst uns die Armut abschaffen! Lasst uns unverzüglich die hohen Emissionswerte stoppen! Lasst uns die Umweltschädigung bremsen und die große Katastrophe des Klimawechsels vermeiden! Schließen wir uns zusammen im würdigen Ziel, alle freier und solidarischer zu sein!

Herr Vorsitzender, vor fast zwei Jahrhunderten hinterließ ein weltweit bedeutender Venezolaner, ein Befreier der Nationen und Vorläufer von Denkrichtungen der Nachwelt einen denkwürdigen Spruch voller Willenskraft: „Wenn sich die Natur widersetzt, werden wir gegen sie kämpfen und sie zu unserer Obhut machen…“ Das war Simon Bolívar, der Befreier.

Vom Bolivarischen Venezuela aus, wo an einem Tag wie heute ganz sicher vor 10 Jahren, genau 10 Jahren, wir die größte Klimatragödie unserer Geschichte erlebten. Die von Vargas so genannte Tragödie, von diesem Venezuela aus, dessen Revolution vorhat, die Gerechtigkeit für Venezuelas Volk herzustellen.

Dies ist nur möglich auf dem Weg des Sozialismus. Der Sozialismus, das andere Gespenst, von dem Karl Marx sprach. Dies läuft hier auch herum, aber es ist wie ein Gegengespenst. Der Sozialismus, das ist die Richtung, dies ist die Richtung für die Errettung des Planeten. Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran. Und der Kapitalismus ist der Weg der Hölle, zur Zerstörung der Welt. Der Sozialismus, von diesem Venezuela aus, welches wegen dem Sozialismus den Bedrohungen des US-Imperiums gegenübersteht.

Von den Ländern aus, die wir die ALBA bilden, als Bolivarisches Bündnis fordern wir, und das will ich mit Respekt, aber von meiner Seele im Namen vieler auf diesem Planeten fordern, - wir fordern von den Regierungen und den Völkern des Planeten, den Worten von Simon Bolívar, dem Befreier, zu folgen: Wenn die zerstörerische Natur des Kapitalismus sich widersetzt, dann lasst uns gegen diese Natur kämpfen und sie zu unserer Obhut werden lassen! Warten wir nicht mit den Händen im Schoße den Tod der Menschheit ab!

Die Geschichte ruft uns auf zum Zusammenschluss und zum Kampf.

Wenn der Kapitalismus sich widersetzt, dann sind wir verpflichtet, die Schlacht zu schlagen gegen den Kapitalismus und die Wege zur Errettung der Gattung Mensch aufzutun. Es ist an uns. Erheben wir die Fahnen von Christus, von Madoma, von der Gleichheit, der Liebe, der Gerechtigkeit, des Humanismus, des wahren und tiefsten Humanismus! Wenn wir das nicht tun, dann wird die schönste weltweite Schöpfung, das menschliche Wesen, verschwinden.

Dieser Planet ist Milliarden Jahre alt. Und dieser Planet lebte Milliarden Jahre ohne uns, die Gattung Mensch. Das heißt, wir fehlen nicht, damit er existiert. Jetzt aber leben wir nicht ohne die Erde. Und wir zerstören derzeit die Pachamama, wie Evo sagt, wie unsere eingeborenen Brüder Südamerikas es sagen.

Zum Schluss, Herr Vorsitzender, um zum Ende zu kommen, lasst uns Fidel Castro zuhören, welcher sagte: „Eine Gattung ist in der Gefahr der Vernichtung, der Mensch.“

Lasst uns Rosa Luxemburg zuhören, welche sagte: „Sozialismus oder Barbarei.“

Lasst uns Christus, dem Erretter, zuhören, welcher sagte: „Selig seien die Armen, denn ihres wird sein das Himmelreich.“

Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren, lassen Sie uns imstande sein, aus dieser Erde nicht das Grab der Menschheit zu machen, aus dieser Erde einen Himmel zu machen! Einen Himmel des Lebens, des Friedens, und des Friedens aus Brüderlichkeit für die ganze Menschheit, für die Gattung Mensch!

Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren, recht vielen Dank und guten Appetit.

(Beifall der Anwesenden)


Quelle: http://www.pcv-venezuela.org/index.php?option=com_content&task=view&id=6154&Itemid=1