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27.11.09
Machtkämpfe, diese Schlacht hat Lafontaine gewonnen, gewinnt er auch den Kampf um das Ganze ? Hans Peter Schütz berichtete 25.1109 im Onlinemagazin stern.de über die sog. Nachfolgedebatte in der Partei, die sich Die Linke nennt:

Viel gewagt, fast alles verloren: Der innerparteiliche Machtkampf bei der Linkspartei ist beendet. Der souveräne Sieger heißt Oskar Lafontaine, der eindeutige Verlierer Dietmar Bartsch.

Am Ende der jüngsten Sitzung der Bundestags-Linksfraktion machte Gregor Gysi unmißverständlich klar, wie die künftige Machtbalance in der Linken aussieht. Lafontaine sei und bleibe Parteivorsitzender, er Vorsitzender der Bundestagsfraktion. Darüber werde überhaupt nicht diskutiert. Und drohend setzte er, wie mehrere Fraktionsmitglieder bestätigen, den Satz hinterher: »Wer das ins Wanken bringt, schießt auch gegen mich.« Rundum hätten alle zustimmend genickt. Sogar Dietmar Bartsch, der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei. Dabei hätte der keinerlei Anlaß gehabt, war er doch zuvor vom wütenden Gysi öffentlich abgewatscht worden: Wegen Beteiligung am »Privatkrieg« des Nachrichtenmagazins Der Spiegel gegen Lafontaine. (…) Gysi zog damit einen eindeutigen Schlußstrich unter den innerparteilichen Machtkampf der Linkspartei, der mit emsig kolportierten Gerüchten – vor allem aus dem Büro von Bartsch – über eine Liaison Lafontaines mit der linken Bundestagsabgeordneten Sahra Wagenknecht eröffnet worden war. Und in dem sich Lafontaine schließlich mit der Mitteilung wehren mußte, daß er an Prostatakrebs erkrankt ist. Nun seien die Machtverhältnisse in der Linkspartei geklärt. »Wir sind uns völlig einig, daß Lafontaine für die Linkspartei unverzichtbar ist«, räumen jetzt auch Kritiker des Parteichefs ein.

(…) In der Berliner Parteizentrale wurde im Nachklapp zu der Diskussion über Lafontaines künftige Rolle ein bemerkenswerter Zustrom neuer Parteimitglieder notiert. Viele hätten ihren Beitritt nachdrücklich mit Respekt vor Lafontaine begründet. (…) Die Position von Bartsch, der sich gerne als neuen Parteichef und Nachfolger von Lafontaine ins Spiel bringen läßt, gilt als angeschlagen. Der Bundesgeschäftsführer redet seit Jahren abträglich über Lafontaine, weil der einmal zu ihm gesagt hat: »Ich dachte, du bist der Bodyguard vom Gregor!« Parteifreunden aus der früheren PDS wirft er vor, sie hätten sich bei der Fusion mit der WASG »Oskar auf den Knien genähert.« Oder er sagt: »Der hört auf mich null. Oder höchstens 0,1.« Immerhin habe es »der Oskar« geschafft, daß die Linkspartei eine gesamtdeutsche Partei geworden sei. Allerdings warnt Bartsch auch: »Die Linke wird nicht POL werden – die Partei Oskar Lafontaines.«

Andere Kritiker des innerparteilichen Geschehens sagen, bei Bartsch liege das Problem »unter den Jungchen, die er großgezogen hat und die er auch deckt«. Die hätten mit den Spiegel-Redakteuren seit längerem schon zusammengespielt. »Die Kettenhunde, die in seinem Büro verkehren, durften jetzt zubeißen.« Vielleicht sei Bartsch sogar mittlerweile zu schwach, um sie zurückzuhalten. Die hätten unbedingt einen Feldzug gegen Lafontaine führen wollen. An erster Stelle wird hier von Insidern die linke Bundestagsabgeordnete Halina Wawzyniak genannt, zeitweilig Justiziarin der Bundestagsfraktion. Als hoch aktiv an der Anti-Lafo-Front über den Spiegel gilt auch der Bundestagsabgeordnete Jan Korte, geboren in Osnabrück, noch 32 Jahre jung. Den Weg zur Linkspartei fand er über die Grünen, die er nach dem Kosovo-Krieg verließ und zur Linkspartei wechselte. (…)