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Sehr geehrte Damen und Herren, nachstehend erhalten Sie die heutige Pressemitteilung der Studierenden, die den Musiksaal der Universität des Saarlandes besetzt halten. Mit freundlichen Grüßen,Daniel Werner, AStA-Vorsitz, Kontakt: freiebildungsaar@gmx.de

Reaktion der Studierenden, die seit Dienstag Nacht den Musiksaal der
Universität des Saarlandes besetzt halten, auf die Stellungnahme
Linnewebers.

Forderungen der Besetzer

Die Studierenden, die den Musiksaal besetzen, begrüßen die
Sympathiebekundungen von Universitätspräsident Professor Linneweber. Seine
Äußerungen bezüglich der Beweggründe der Besetzer weisen sie aber
entschieden zurück.
? Wir protestieren nicht bloß aus Solidarität mit anderen Unis, denn auch an
den saarländischen Hochschulen gibt es genügend Missstände. Man muss sich
nur mal unter den Studenten umhören; die allermeisten sind alles andere als
zufrieden mit den Studienbedingungen?, sagt Mirka Borchardt, eine der
besetzenden Studierenden.
Die Studenten beklagen unter anderem, dass sich die Bedingungen durch die
Einführung von Bachelor/Master enorm verschlechtert hätten. ?Die
Studiendauer ist verkürzt worden, die Stoffmenge ist aber dieselbe
geblieben. Das bedeutet einen erhöhten Leistungs- und Anpassungsdruck.
Bachelor- und Masterstudenten sind absolut überbelastet. Das zeigt auch eine
neue GEW-Studie. Studierende leiden seit der Umstellung überproportional
unter psychischen Erkrankungen, der Ansturm auf die psychologischen
Beratungsstellen der Universitäten ist enorm. Linneweber verstärkt den Druck
noch, weil er trotz schon beschlossener Abschaffung weiterhin
Studiengebühren fordert, um die Studenten zu einem schnellen
Studienabschluss zu zwingen?, erklärt Sebastian Rau.
Gerade die Äußerung Linnewebers, im Saarland seien die Studenten in den
Umsetzungsprozess des Bachelor /Master Systems stärker als an anderen
Hochschulen mit eingebunden, ruft Empörung unter den Studierenden hervor.
?Die Behauptung ist blanke Ironie?, sagt Student Sebastian Schmidt. ?Die
Studenten sind in keinem Gremium gleichberechtigt. Und das behauptete
Mitbestimmungsrecht ist eine Farce; man muss sich nur einmal in Erinnerung
rufen, wie die Entscheidung zur Aufstockung des Gebäudes C 5 2 ablief.
Linneweber hat sie absolut undemokratisch gegen die Mehrheit der Studenten
durchgesetzt.?
Mit der Besetzung beabsichtigen die Studierenden, durch Diskussionen und in
Informationsveranstaltungen gemeinsam konkrete Forderungen an die
Universitätsleitung und die Politik zu formulieren, die die
Studienbedingungen im Saarland verbessern sollen.

Forderungen:
1.Wir fordern die Grundsanierung des Bachelor- und Mastersystems!
2.Keine Akzeptanz gegenüber dem derzeitigen Schulsystem und G8!
3.Wir sind gegen die Ökonomisierung der Bildung!
4.Wir fordern die Demokratisierung des Bildungssystems!
5.Transparenz der Finanzen!
6.Wir fordern die Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren!
7.Wir zeigen uns solidarisch mit allen Mitstreitern, die sich konstruktiv
gegen das derzeitige Bildungssystem auflehnen und verurteilen Repression!
8.Wir fordern die soziale Öffnung des Bildungssystems!

Die Besetzerinnen und Besetzer des Musiksaales der UdS, Saarbrücken,
19.11.2009


Bundesweiter Bildungsstreik auch im SaarlandIn Saarbrücken fanden mehrere Kundgebungen statt

Saarbrücken – Am 17.11.09 haben rund 350 Studierende verschiedener Saarbrücker Hochschulen im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks an einer Demonstration teilgenommen. Zu den Hauptforderungen „Abschaffung jedweder Studiengebühren, stärkere Durchlässigkeit des Bildungssektors, Stop der Ökonomisierung von Bildung und Überarbeitung des nur unter Zeit- und Prüfungsdruck studierbaren Bachelor- und Mastersystems wurden mehrere Kundgebungen durchgeführt.

Die Demonstration wurde von Einzelpersonen organisiert und vom Allgemeinen Studierendenausschuss der Universität lediglich unterstützt. Attac, die GEW und ver.di erklärten sich mit den Studierenden solidarisch, Universitätspräsident Linneweber drückte sein Verständnis für die Forderung nach Überarbeitung der Bachelor- und Masterstudiengänge aus.

Die Studenten wehren sich zu Recht gegen eine Bildungspolitik, die ihnen die Zukunft systematisch verbaut. Gute Bildung kann sich nur noch leisten, wer einen entsprechend dicken Geldbeutel hat.

 

25.11.2009
»Die Bologna-Blase ist geplatzt«
Unter dem Titel »Die Bologna-Blase ist geplatzt« kommentierte Heike Schmoll in der FAZ am 24.11.09

Es hat sich eine hohle Inszenierung von Wissenschaft entwickelt, in der Leerformeln, Verfahrenslegitimitäten und Machtinteressen die wissenschaftliche Auseinandersetzung verdrängt haben.

Mittlerweile wird nicht geforscht, weil eine Frage Antwort erheischt, sondern weil Fördermittel verbucht werden sollen. Der Gegenstand wird im Zweifel nachgeliefert. Schlimmer noch: An die Stelle der Argumentationskultur ist eine Antragskultur getreten. Fehler oder Schwierigkeiten dürfen nicht mehr zugegeben, Zweifel bei Strafe der Nichtförderung nicht mehr geäußert werden. An die Stelle des Geschichtsbewußtseins ist die Zukunftsoffenheit getreten, an die Stelle der Deutungsfähigkeit Ergebnisvermutungen, an die Stelle der reflexiven Distanz Scheingewißheiten. Sind Universitäten denn Legebatte-rien für Anträge, sind sie Brutstätten für potentielle Studienabbrecher oder studierunfähige, zuweilen auch studierunwillige Abiturienten geworden, die der OECD-Verheißung folgen, daß ein Akademiker erheblich bessere Verdienstchancen hat? (...)

Die Studenten spüren, daß über sie entschieden wird, aber nicht mit ihnen, und sie ahnen zumindest, daß dieses Studium, das Fähigkeiten und Fertigkeiten, nicht aber in erster Linie mündige, kritische und selbst denkende Persönlichkeiten entwickeln soll, alles andere als individuell ist. (...)

AStA: Studiengebühren führen nicht zur Verkürzung der Studiendauer!

Der Präsident der Universität des Saarlandes, Linneweber, hatte
gegenüber dem SR erklärt, dass die Abschaffung der Studiengebühren zu
längeren Studienzeiten führen wird. Ebenso fürchtete er höhere
Abbrecherquoten.

Genau das Gegenteil wird sich einstellen. "Die meisten Studierenden arbeiten verstärkt neben dem Studium, um die Studiengebühren
aufbringen zu können", so Daniel Koster, Referent für Studienfinanzierung im AStA. "Das zeigt sich vor allem darin, dass nur
ein verschwindend geringer Teil an Studierenden das Studiengebührendarlehen in Anspruch nimmt. Die Bereitschaft sich
während des Studiums zu verschulden ist gering."

Mit dem Wegfall der Gebühren werden zukünftig viele Studierende eben nicht mehr zusätzlich arbeiten gehen müssen und haben folglich mehr Zeit, sich gezielt auf ihr Studium zu konzentrieren. Das wird sich positiv auf die Studiendauer auswirken.

"Durch die Umstellung auf Bachelor/Master wird es sowieso keine Langzeitstudierenden mehr geben", erklärte Daniel Werner,
AStA-Vorsitzender, weiter. "Wer in einem Bachelor-Studium nicht Kulanzzeit seinen Prüfungsanspruch." Der klassische Langzeitstudent ist somit Geschichte, dementsprechend werden auch die angedachten Langzeitgebühren ins Leere führen.

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Daniel Werner
Konrad Hilsenbeck
Vorsitzende des AStA der Universität des Saarlandes
Referat für Hochschulpolitik und Öffentlichkeit
Campus A5.2
66123 Saarbrücken

Tel.: 0681 302 4321
Fax : 0681 302 4323