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Erklärung der Antikapitalistischen
Linken in NRW nach den Wahlen
Von
Ulla Jelpke, MdB / Inge Höger, MdB / Thies Gleiss, Mitglied des Parteivorstandes
DIE LINKE / Jürgen Aust, AKL-Sprecher NRW
Den wahlpolitischen Erfolg in reale Kraft verwandeln
1.
Das „Superwahljahr“ in Zeiten der „Superkrise“
geht zu Ende. Zeit also für eine nüchterne und gelassene Bewertung
der Ergebnisse, denn so spektakulär war das alles nicht – eher
eine Fortschreibung dessen, was kluge linke BeobachterInnen seit langem
analysieren. Die parlamentarische und ideologische Hegemonie der Parteien
des Kapitals ist ungebrochen und ungefährdet. Fünf von zweiundsechzig
Millionen der WählerInnen haben sich für die LINKE und damit
für eine bei Wählenden und Gewählten mal mehr, mal weniger
bewusst wahrgenommene Alternative zum Kapitalismus entschieden. Wir freuen
uns über dieses Ergebnis sehr, weil wir, das sei schon mal vorweggenommen,
die Einschätzung vieler „Wahlforscher“ teilen, bei denen
nicht so sehr persönliches oder auftragsmäßig vorgegebenes
Wunschdenken die Analyse bestimmen, dass die LINKE ein erstaunlich festes
Wählerpotenzial hat und kaum aus Protest gewählt wird. Die LINKE
wird im erfreulich hohen Maß als Linke gewählt – im Westen
noch oft nur als Hoffnungsträgerin, im Osten bereits als echte Stütze
im Alltag. Wir freuen uns in diesem Zusammenhang besonders über 16
Direktmandate, was einzig wirklich das Etikett „spektakulär“
verdient. Also Glückwunsch und Dank an alle, die das möglich
gemacht haben.
Aber diese Ergebnisse sind in parlamentarischen Prozenten knapp zwölf,
in der aussagekräftigeren Verhältniszahl Gesamtwahlberechtigte
zu Stimmenzahl noch neun Prozent. Fünf Millionen politische UnterstützerInnen
und Zustimmung bei einem Zehntel der aktiven Bevölkerung –
das sind für eine Partei, die Grundlegendes an dieser Wirtschafts-
und Gesellschaftsordnung ändern will, hervorragende Werte, aber natürlich
noch meilenweit davon entfernt, eine reale Machtperspektive zu entwickeln.
Die LINKE ist den letzten vier Jahren deutlich stärker geworden –
bisher mit wenigen Ausnahmen ohne existenzielle politische Zugeständnisse
und programmatische Aufweichungen (obwohl viele von Außen und wichtige
Leute auch von Innen das von der Partei verlangt haben und immer noch
verlangen). Aber die Aufgabe Nummer Eins bleibt: Mehr werden, sich besser
organisieren, das Verhältnis „WählerInnenschaft zu Mitgliedschaft“
deutlich verbessern.
2.
Das war im Gegensatz zum Wunsch Vieler keine „Lagerwahl“.
Die atmosphärische Diagnose, es sei Wahlkampf der puren Langeweile,
trifft zu und findet in der Rekordhöhe der Nichtteilnahme ihren Ausdruck.
18 Millionen WählerInnen, gut vier Millionen mehr als beim letzten
Mal, sind zuhause geblieben. Ein Blick auf die Karte der Wahlkreisverteilung
der NichtwählerInnen zeigt eine frappierende Ähnlichkeit mit
dem in den letzten Monaten veröffentlichen Armutsatlas. Und er zeigt
im Vorfeld der Zwanzigjahrfeiern der deutschen Einheit die Fortexistenz
der deutschen Teilung. Es gibt, so die zynische Bilanz der Forschungsgruppe
Wahlen, ganze „partizipationsfreie Zonen“ in den Regionen,
wo sich die Folgen der kapitalistischen Krise konzentrieren. Der Anteil
junger Menschen bei den NichtwählerInnen ist hoch. Niemand sollte
diese politische Wahlverweigerung als bewussten Bruch mit den herrschenden
Verhältnissen und per se fortschrittliches Verhalten erklären.
Aber Fakt ist, dass keine Partei bei diesen Stimmlosen mehr Vertrauen
erntet und dass es die LINKE ist, die als neue Partei, als Partei der
sozialen Gerechtigkeit und der politischen Alternative in diesem Milieu
als erstes wieder Einfluss gewinnen könnte und vor allem müsste.
Aber auch der LINKEN gelingt dies nicht. So bleibt als Resultat eine weitere
Zunahme der Legitimationsdefizite der etablierten Parteien, des parlamentarischen
Systems und auch der „Partei“ als Form politischer Betätigung.
Die Losungen der LINKEN, sie wolle eine „andere Partei als die anderen
sein“, sie wolle die Aushebelung der Macht des Parlaments durch
die Exekutive umkehren und sie wolle die Einbeziehung von Millionen individualisierter
wenn nicht atomisierter Menschen in direkte kollektive politische Aktivitäten
vorantreiben – all das muss noch erheblich konkretisiert und praktisch
umgesetzt werden.
3.
Statt polarisierender Lagerwahl gibt es Verluste der CDU/CSU an die FDP
und der SPD an die LINKE und beider vor allem an die NichtwählerInnen.
Die Grünen schmarotzen ein wenig von allen. Der Wahlkampf um die
angeblich entscheidende „Mitte“ hat nur zu einer Verringerung
und Umschichtung der Stimmen geführt.
Die neue Regierungsmehrheit aus Union und FDP wird ein Minderheitsregime
sein, das Verhältnissen in Staaten gleicht, in denen das schon lange
für die Herrschaft des Kapitals prägend ist. Im Verhältnis
zur GesamtwählerInnenzahl haben gerade mal 35 Prozent die Parteien
dieser kommenden Regierung gewählt. Die FDP hat erfolgreich die positiven
Hoffnungen an den Fortbestand der kapitalistischen Wirtschaftsordnung
und auch die Ängste des Kleinbürgertums abzustürzen für
sich mobilisieren können. Ihre zynische Haltung, die Besserverdienenden
und Gewinner des realen Kapitalismus zu bedienen, wird in den angelsächsischen
Ländern schon lange mit T-Shirttexten wie „Eure Armut kotzt
uns an“ dokumentiert. Und das fast „präfaschistische“
Motto „Arbeit muss sich wieder lohnen“, das ihre Plakate dominierte,
hat in seiner Doppeldeutigkeit sowohl das die Arbeit(skraft) ausbeutende
Kapital ermutigt als auch den sozialdarwinistischen und egoistischen Instinkt
der Arbeit(skraft)-VerkäuferInnen aufgestachelt, kollektive soziale
Sicherungen seien schlecht, Hauptsache „das persönliche Netto“
stimme. Die FDP gewinnt damit auch bei jungen Menschen, denen der Kapitalismus
jede Perspektive verweigert, aber dessen Geldfetisch sie dennoch anbeten.
Der Erfolg der FDP ist allerdings ein schlichter ideologischer Stimmenraubzug
auf Kosten der CDU. Strukturelle Interessenskonflikte unterschiedlicher
Fraktionen der herrschenden Klasse, die sich in unterschiedlichen Parteien
ausdrücken, sind gegenüber früheren Jahren eher zurückgegangen.
Die FDP wird daher mit dem Bewusstsein in die Regierung gehen, dass sie
vielleicht nur vier Jahre Zeit hat, sich inhaltlich und materiell in Szene
zu setzen – bei der nächsten Wahl kann es mit dem Wahlerfolg
schon wieder vorbei sein.
Eine ungeduldige FDP zusammen mit einer geschwächten und entsprechend
zerstrittenen CDU/CSU lassen eher ein schwierigeres Regierungsgeschäft
erwarten, als einen rasanten Durchmarsch, aber gleichzeitig auch eine
stete öffentliche Präsentation des Widerspruchs zwischen Wollen
und Können der Regierenden. Das wird durch eine dreigeteilte Opposition,
die einen internen Überbietungswettkampf bestreitet, in vielfältiger
Hinsicht noch zu erschweren sein.
Hier ergibt sich für LINKE und die außer- und innerparlamentarische
Opposition eine erfüllbare erste Aufgabe: Der neuen Regierung kann
und muss in wenigstens einem großen politischen Thema und noch im
ersten Regierungsjahr eine politische Niederlage beigebracht werden. Mindestlohn,
Rente ab 67, weg mit Hartz IV und Rückzug der deutschen Truppen aus
Afghanistan, aber auch der von den Kraftwerks- und Stromkonzernen gewünschte
Wiedereinstieg in die Atomtechnologie können dabei die entscheidenden
Themen sein.
Das Hauptgeschäft der neuen Regierung ist durch äußere
Zwänge bereits festgelegt: die Eindämmung und Rückführung
der öffentlichen Verschuldung. Das wird – weit wichtiger als
irgendwelche Symbolschlachten um Kündigungsschutz und Steuersenkungen
– die zentrale Zielsetzung von Merkel und Westerwelle ausmachen.
Doch das wird nicht allein durch Ausgabensenkungen, sondern auch mit Einnahmesteigerungen
umgesetzt werden können. Mehrwertsteuererhöhung, Erhöhung
anderer indirekter Steuern, Beitragssteigerung für Arbeitslosen-
und Pflegeversicherung oder eine „Reform“ des Gesundheitsfonds,
bei der die Masse der Menschen deutlich mehr Geld einbringen muss –
all das wird Raubbau am glorreichen Credo der FDP betreiben.
4.
Die SPD hat erwartungsgemäß das Wahljahr mit einer tief greifenden
Niederlage abgeschlossen. Sechs Millionen Wählerstimmen weniger,
eine Halbierung der Wähler- und Mitgliederbasis innerhalb eines Jahrzehnts
sprechen für sich. Das Bedürfnis, die maßgeblichen Verantwortlichen
für die Politik der Umverteilung von unten nach oben, für die
Zerstörung des Rentensystems, für Studiengebühren, Privatisierung
öffentlicher Besitztümer und Krieg abzustrafen war zu Recht
durch nichts zu übertünchen. Im Gegenteil die kosmetischen Korrekturen
in Programm und Auftreten der SPD-Führungsriege hat die Unglaubwürdigkeit
nur noch drastisch illustriert, dass fast gespottet werden kann, die SPD
wollte nicht gewinnen. Wir erleben zeitgleich ähnliche Entwicklungen
bei fast allen Großparteien der europäischen Sozialdemokratie.
Die Sozialdemokratie hat die Drecksarbeit verrichtet, die Regierungspolitik
in der EU an die militanten Forderungen der herrschenden Klassen nach
Umverteilung, aggressivem Auftreten im weltweiten Konkurrenzkampf und
Klassenkampf von oben anzupassen, hat die von ihr stark beeinflussten
Gewerkschaften desorientiert und geschwächt und nun – mission
completed – erhält sie den verdienten Tritt von oben und unten,
wie schon mehrfach in ihrer Parteigeschichte.
Die sich selbst so nennende „Linke“ in der SPD ist schon lange
weggetreten. Zu keinem einzigen Thema hat sie auch nur versucht, eine
parteiinterne oder gar öffentliche Kampagne gegen die Regierungspolitik
und die Fortsetzung der Agenda-2010-Politik zu eröffnen. Hat zunächst
die Basta-Politik und brachiale Parteiformierung zur Ja-Sager-Kulisse
der Schröderianer diese „Linke“ ausgeblutet und versenkt,
so wurde seit Existenz der LINKEN auch jeder Versuch einer Neusammlung
und der Aufbau von glaubwürdigen personellen Alternativen zur Steinmeier-Steinbrück-Müntefering-Clique
im Keim erstickt. Ja, die LINKE hat einen großen Anteil an dieser
konkreten Form des Niedergangs der SPD. Erstaunt das irgend jemanden?
War das nicht der Sinn der Neugründung einer linken Partei?
Die Ereignisse in Hessen zum Jahresanfang und die Entscheidung der SPD
in Thüringen, sich in eine Koalition mit der CDU zu begeben, sind
der augenfälligste Beweis dafür, dass es auch auf Länderebene
keine andere SPD und keine anderen Sozialdemokraten gibt als auf Bundesebene.
Wie viele Landesparteitage sind seit 2003 ins Land gegangen, auf denen
eine Landes-SPD sich von den Schröderianern hätte abgrenzen
können? Wie viele Wahlprogramme wurden geschrieben, in denen andere
Töne hätten angeschlagen werden können? Es gibt deshalb
nur bescheidene punktuelle Gemeinsamkeiten zwischen SPD und LINKE –
in Fragen der Bildungspolitik, der Energiepolitik solange nicht gerade
örtliche Kohlegiganten das Sagen haben und weniges mehr. Diese punktuellen
Gemeinsamkeiten stehen einerseits im Kontrast zu gewaltigen Meinungsverschiedenheiten
und andererseits schmelzen sie schnell dahin, wenn sie nicht nur als Einzelpunkte,
sondern als Teil einer echten politischen Strategie und Richtungsänderung
betrachtet werden. Den Rest wird die „Schuldenbremse“ erledigen...
Die SPD ist nach diesem Wahljahr nicht am Ende, aber sie lebt nur noch
von ihrer in Jahrzehnten aufgebauten Substanz an parlamentarischem Einfluss,
an ihrer Verquickung mit öffentlichen und staatlichen Strukturen
und an ihrem strukturellen Einfluss in der Großorganisation DGB
und den Einzelgewerkschaften. Andere sozialdemokratische Parteien haben
schon gezeigt, dass eine solche Substanz endlich ist und nicht linear,
sondern auch mal sprunghaft verschlissen wird. Fakt ist allerdings, dass
in jedem Moment dieses Prozesses der weiteren Entwicklung der SPD eine
scharfe Konkurrenzsituation zur LINKEN besteht, die sich fast auf den
banalen Gegensatz „Die oder wir“ reduziert. So wird die SPD
fortan zwar ein wenig mehr mit dem Mantel der Opposition wedeln und links
blinken – aber für viel mehr als eine kurze und inhaltlich
äußerst karge Berauschung wird es nicht reichen.
Wer heute von der Notwendigkeit oder Möglichkeit einer „Resozialdemokratisierung“
der SPD spricht, verkennt komplett die Ausgangsbedingungen innerhalb der
Sozialdemokratie und redet bei genauerer Betrachtung einer Schwächung
der LINKEN das Wort. Die LINKE ist heute einerseits die Resozialdemokratisierung
der SPD – das heißt, jeder und jede, die sich noch als „links“
betrachtet, sollte unverzüglich die SPD verlassen und zu uns kommen.
Andererseits ist die LINKE Ausdruck des objektiven, historischen Scheiterns
des politischen Ansatzes der SPD in der neoliberalen Ära des Kapitalismus,
in der nichts mehr ohne Kampf neu verteilt wird und Konflikt bereite Politik
angesagt ist. Sie ist also „Resozialdemokratisierung plus etwas
mehr“. Nur um dieses „Mehr“ lohnt eine konstruktive
Debatte und findet ja faktisch zwischen den verschiedenen Strömungen
der LINKEN auch statt. Gehts nach der AKL muss dieses „Mehr“
einen klaren Bruch mit der kapitalistischen Logik und eine Kampfstrategie
gegen die politischen Agenturen des Kapitals bedeuten.
5.
Die LINKE hat das gesamte „Superwahljahr“ als Siegerin absolviert.
Nicht immer – wie bei der Europawahl – im Rahmen der eigenen
Erwartungen, aber immer im Verhältnis zu den anderen politischen
Kräften und in der öffentlichen Wahrnehmung. Der Mitgliederzustrom
hält an und die LINKE ist in wesentlichen Fragen des öffentlichen
Diskurses Stichwortgeberin, wenn nicht gar Meinungsführerin. Eine
Erfolgsgeschichte also.
Die Wahlkämpfe der LINKEN und ihre öffentliches Auftreten waren
darauf ausgelegt, einen Wettstreit mit anderen parlamentarischen Kräften,
allen voran die SPD, zu bestreiten. Wir haben das immer als nicht ausreichend
kritisiert. Aber der Wettstreit wurde immerhin einigermaßen bestritten
und gewonnen. Wir haben manchmal Zweifel geäußert, dass selbst
dies gefährdet ist. Darin haben wir uns erfreulicherweise geirrt.
Die LINKE attackiert die parlamentarischen Bastionen der SPD – wir
haben nichts dagegen und freuen uns über 76 Abgeordnete, über
neue Landtagsfraktionen und alles, was dazukommt.
Aber die Mobilisierung neuer WählerInnen über das Milieu des
„aufgeklärten Wählers“ hinaus, ist der LINKEN nicht
gelungen. Eine Verzahnung des Wahlkampfes mit der sozialen, kleinräumigen
und lebensnahen Verankerung in den Stadtteilen und Betrieben, die Organisierung
und Aktivierung der gesamten Anhängerschaft, die Auslösung und
Unterstützung realer Interessenskämpfe fanden nicht statt. Die
politische Mobilisierung bei Jung- und ErstwählerInnen, bei Frauen
und MigrantInnen erreichte nicht annähernd die selbst gesteckten
Ziele.
Die LINKE steht deshalb vor wichtigen Herausforderungen.
Auf parlamentarischer Ebene wird sich bereits in den ersten Monaten eine
kleine Machtprobe entscheiden: Wer ist in der internen und noch mehr öffentlichen
Wahrnehmung die „führende Oppositionskraft“? Die LINKE
muss diese Machtprobe gewinnen. Wir sind davon überzeugt, dass dies
nicht mit Warten auf eine „Resozialdemokratisierung“ funktionieren
wird. Es wird vielmehr um eine scharfe Differenzierung und strategische
Zuspitzung der Oppositions-Positionen gehen, bei der die LINKE ihr Profil
schärfen und zeigen muss. Eine „Koalition in der Opposition“
wird es nicht geben.
Nicht im Widerspruch dazu, sondern notwendige Ergänzung sind konkrete
Einheitsinitiativen der LINKEN an SPD und Grüne, um die Regierung
unter Druck zu setzen. Mindestlohn, Rente ab 67, Vermögenssteuer,
Afghanistanrückzug, Atomausstieg, Weg mit Hartz IV und vieles mehr
sind dafür die Stichworte.
Die nächste Zeit, vor allem die Monate bis zur NRW-Wahl, wird für
die LINKE von der leidigen „Regierungsfrage“ bestimmt werden.
Wir erwarten eine politische Positionierung, die eindeutig formuliert:
Die LINKE kann und will regieren. Solange sie allerdings nur eine Minderheitspartei
ist, wird dies nicht gehen. Die Gemeinsamkeiten mit SPD und Grünen
reichen für eine Regierungsallianz nicht aus, dies werden uns wahrscheinlich
SPD und Grüne auch ihrerseits und mit ihrer Tollpatschigkeit mitteilen.
Einen Blankoscheck bei der Wahl eines sozialdemokratischen Ministerpräsidenten
wird es von der LINKEN nicht geben. Ein Wandel wird an uns aber nicht
scheitern, denn wir sind bereit, eine SPD-Grüne Regierungen gegen
Schwarz-Gelb zu tolerieren – aber es muss eine Tolerierung der Vernunft
und nicht des Zwanges sein. Deshalb wird es keine Tolerierungsverhandlungen
oder –abkommen geben. Wir werden die richtigen Regierungsmaßnahmen
stützen, andere ablehnen. Das wird in Richtung Minderheitsregierungen
laufen, vielleicht auch in Richtung schwacher Regierungen – aber
das ist gut und der notwendige Prozess zur Herausbildung wirklich neuer
gesellschaftlicher Mehrheiten.
Die LINKE verlangt von SPD und Grünen statt abstrakter Koalitionsdiskurse
die sofortige gemeinsame Anstrengung in außerparlamentarischen Mobilisierungen
für den Mindestlohn, gegen die Leiharbeit und Hartz IV, für
die Gemeinschaftsschule und weiteres.
6.
Für die LINKE selbst werden die nächsten Monate wichtige Weichenstellungen
erfordern. Das Gewicht der Parlamentsfraktionen und ihrer Apparate hat
sprunghaft zugenommen. Neue Mitglieder mit unterschiedlichsten Erfahrungen
und Erwartungen stoßen zu uns. Seit Gründung der LINKEN fordert
die AKL eine massive Stärkung der Parteistrukturen gegenüber
den Fraktionen. Die materielle Ausstattung muss verbessert werden, eine
kleinräumige Organisierung und der Aufbau von Betriebsgruppen und
anderen Aktivenstrukturen muss angegangen werden. Bei Wahlen müssen
die breite Streuung der Ämter und die Einhaltung der Regeln zur Trennung
von Amt und Mandat und Geschlechterquotierung beachtet werden.
Wir können zum Abschluss des „Superwahljahrs“ feststellen,
dass das Konzept einer pluralen linken Partei, mit unterschiedlichen Strömungen
und Positionen nicht das Ergebnis, sondern die Voraussetzung der Erfolgsgeschichte
DIE LINKE gewesen ist und weiterhin bleibt. Dieses Konzept ist aber kein
Selbstläufer. Es muss gepflegt und vor den regelmäßigen
Angriffen von außen und innen geschützt werden. Dann wird links
weiterhin wirken.
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