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Unser
Allergoldischster
Der Schriftsteller Max Goldt hat zwei neue Bücher
herausgegeben
Eine Glosse von Moritz Silber
Max Goldt schreibt in seinem Buch "Atlas van de nieuwe Nederlandse
vleermuizen"
"Sollte es wahr sein, dass der CDU-Politiker Roland Koch zu den
Liebhabern und
gelegentlichen Zubereitern einer klassischen Knochenbrühe zählt,
ist es durchaus
möglich, dass er eines Tages beim Abschmecken ein missbilligendes
Gesicht
geschnitten und zu seiner auf dem Küchensofa hingestreckten Ehefrau
gesagt hat:
,Anke, ich fürchte, meine Knochenbrühe ist zu dünn', und
die Angesprochene darauf
erwiderte: Ach, dann koch doch noch'n Knochen, Koch!"
Ist das nicht allzu konstruiert für einen Witz? Lässt sich
so was nachmachen? Mal
ausprobieren:
Herbert Frahm hielt schon Brandreden, als er noch gar nicht Willy Brandt
hiess.
Helmut Kohl schob Kohldampf vor Kohlsuppe. Schröder schredderte die
SPD. Sollte es
wahr sein, dass der CDU-Politiker Christoph Wulff zu den Liebhabern und
gelegentlichen Akteuren klassischer Kinderspiele zählt, ist es durchaus
möglich,
dass er eines Tages beim Spielen mit seinen Kindern einen Wauwau mit den
Worten
„Wuff, Wuff“ nachahmte, worauf seine auf dem Kinderzimmersofa
hingestreckte Ehefrau
ein missbilligendes Gesicht schnitt und dazu sagte: „Wuffe nicht,
Wulff!“ Die
Variante mit dem CDU-Politiker Bernhard Vogel und der auf dem Sofa hingestreckten
Dame erzählt euch Onkel Moritz die nächste Woche. Dann wird
ein Kritiker
feinstziselierte Perlen aus der Sprachartistenmanufaktur oder so ähnliches
dazu
sagen
Viel Wissenswertes über Max Goldt schrieb Wolfgang Höbel schon
im „Spiegel“ Nr. 7 /
1995. Höbel gab mir Kraft und Selbstvertrauen, um während des
Goldtrausches nüchtern
zu bleiben. Höbel ist nicht genug zu danken für: „Goldts
Methode ist immer die
gleiche: Die verschraubt anachronistische Sprache verstellt die Borniertheit,
die
hier Einverständnis fordert.“
Max Goldt war nicht im Haus des Schriftstellers Kempowski. Er war „im
Hause“. Bei
Max Goldt „harren“ Eltern statt zu warten. Bei Max Goldt schmeckt
Kuchen „alles
andere als übelst“. Ein aufgeräumtes Wohnzimmer nennt
sich „gastlich präparierter
Wohnbereich“. Goldt schürft verdächtig oft nach edelst
verquasten Formulierungen.
Ein Medienkultursoziologe müsste mir erklären, wieso einem Menschen,
zu dessen Beruf
es gehört, in der Öffentlichkeit aufzutreten, seit Jahren kein
böses Wort
widerfährt. Ich möchte nicht, dass Goldt ein böses Wort
widerfährt. Gott schütze Max
Goldt. Gott schütze auch Goldts „submongoloide Sprachqualität“,
womit er, Goldt
nicht Gott, wahrscheinlich schlechtes Deutsch meint. Wems nicht
zu Goldt drängt,
ist einsamer noch als ein Eremit. Ich möchte den Umstand erläutert
haben.
Wolfgang Höbel vermutete: „Goldt, und das ist das wunderliche
Grundprinzip seines
Erfolgs, riskiert nichts.“
In einer Dankesrede zum Kleistpreis fällt einem „Flaneur mit
Wachhundblick“ (Neue
Zürcher Zeitung) zu Agnes Miegel ein: „Sie war die Lieblingslyrikerin
der
Schwiegermutter der Schwester meiner Mutter, und wenn grüne und blaue
Liköre
gereicht wurden, gab sie gern einige ostpreußische Verse von Agnes
Miegel zum
besten.“ So gings mir mit Goldt. Bei uns zu Hause wurden in
nussgeselliger Runde
rote und weisse Weine gereicht. Die Linkspartei servierte ihren Obststreuselkuchen
dazu. Jemand gab schelmisch-versonnene Sprachkritik von Onkel Max zum
besten. Dann
gürtete ein Schmunzeln die Lippen der Anwesenden. Das alles putzte
ungemein. Man
weiss bei Goldt, der nie aneckt und immer nüchtern bleibt, genau,
dass er es beim
„launigen Tabubruch“ (Höbel) belässt.
Manchmal habe ich die dunkle Empfindung, dass Max Goldt anonyme Helfer
hat.
Vielleicht arbeitet er mit der hessischen Landesregierung zusammen, um
die brutalst
mögliche Form der Possierlichkeit an der Bevölkerung zu testen.
Oder er kennt meine
alte Benimmlehrerin, die sich seit Jahren ziert, mit mir aus einem Flachmann
zu
saufen.
Max Goldt wirkt allmählich alltagsvergällend auf mich. Im Supermarkt
kann ich nicht
an einer Flasche Karottensaft vorbeigehen, ohne mir zu überlegen,
ob Goldt es
schafft, Karottensaft als Mümmelmanntrunk zu bezeichnen und sich
zu fragen, ob
Feministinnen dann nicht auf Mümmelfrautrunk pochen müssten.
Herr Höbel, bitte helfen Sie mir!
MAX GOLDT: Ein Buch namens Zimbo. Texte 2007-2008, einer von 2006, vier
von 2009.
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2009, 198 Seiten, 17,90 Euro. ISBN-10 3871346659,
ISBN-13 9783871346651
Max Goldt: Atlas van de nieuwe Nederlandse vleermuizen. Landt Verlag,
Berlin 2008.
32 S., br., 38,- [Euro]. ISBN Nummer, ISBN-10 3938844442 und ISBN-13 9783938844441
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