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17. Nov. 2009 Lafontaine weist „Spiegel“-Bericht
zurück Vorwurf der „Wählertäuschung“ sei „absurd“ Von Beate Marcks (Berliner Umschau) Der Vorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine, hat Berichte unter anderem des „Spiegel“ - als „absurd“ eingestuft. Das Hamburger Nachrichtenmagazin hatte ihm vorgeworfen, seine Wähler getäuscht zu haben, als wiederum als Zugpferd für den Bundestag kandidierte. In Wirklichkeit habe er seit Anfang des Jahres vorgehabt, sich nach den Wahlen vom Fraktionsvorsitz zurückzuziehen und damit allmählich auch aus der Politik. Tatsächlich war der Umstand, daß Lafontaine, der Parteivorsitzender war (und ist), dazu Fraktionsvorsitzender und jetzt außerdem noch im saarländischen Landtag, schon mit Verwunderung aufgenommen worden, da es sich um etwas viele Aufgaben für einen Mann seines Alters handelt. Zuletzt war über die Medien ein in der internen Kreisen (gestreutes?) Gerücht aufgetaucht, Oskar Lafontaine habe auch ein privates Verhältnis zu seiner neuen Bundestagsfraktionskollegin Sahra Wagenknecht. Dies wurde von Sahra Wagenknecht dementiert. Oskar Lafonatine hat angekündigt, „in den nächsten Tagen“ eine persönliche Erklärung abzugeben. Zuvor will er im saarländischen Landtag auf die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten Peter Müller abgeben. Darin soll bereits die Antwort auf die Frage enthalten sein, ob und wie lange Lafontaine im Saarland bleibt.
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17.11.2009 aus taz - Lafontaines Privatsphäre Heute Mittag stand er noch bei den Aufmachern auf SPIEGEL-online: ein Artikel aus dem aktuellen SPIEGEL über Oskar Lafontaine, (da noch) unter dem Titel „Oskars großer Bluff“, der, kurz zusammengefasst, den Verzicht von Lafontaine auf den Fraktionsvorsitz der Linken im Bundestag als eine Art Wahlbetrug ausdeutet, um unter diesem Deckmäntelchen dann das zu tun, was zumindest im seriöseren deutschen Journalismus lange Zeit als Tabu galt, nämlich über das vermutete Sexualleben von Politikern zu berichten. Ein bisschen winden sich die Autoren Stefan Berg und Markus Deggerich noch: „Es ist eine Geschichte, in der es um die Privatsphäre von drei Politikern geht, und die ist normalerweise für die Öffentlichkeit tabu. Doch in diesem Fall muss sie erzählt werden, weil hier das Private höchst politische Folgen hat.“ Zunächst könnte man einwenden, dass hier ja gar nicht „das Private höchst politische Folgen hat“, sondern eher der ganz öffentliche Rückzug vom Fraktionsamt. Aber nein, nach dieser verdrucksten Rechtfertigung wird völlig ungehemmt drauflos spekuliert: Eine Liaison von Oskar mit Sahra Wagenknecht sei der wahre Grund, die habe Oskars Ehefrau nicht gefallen, worauf sie ihn halt ins Saarland zurückberief. Gestützt wird diese Bettwäschenhypothese, indem die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zitiert wird, die schließlich auch darüber berichtet habe, und auffälligerweise sei der Bericht nicht dementiert worden. Schaut man sich den FAS-Artikel allerdings an, müsste man – wollte man die Sache eben nicht an die große Glocke hängen – schon reichlich bekloppt sein, würde man ihn dementieren, denn der macht sich letztlich nur über die „Bunte“ lustig, die in halbseidenen Andeutungen die Geschichte schon mal publik gemacht hatte (was übrigens von Frau Wagenknecht sehr wohl dementiert wurde). Wie dem auch sei, heute Nachmittag dann berichtet SPIEGEL-online als Aufmacher von einer Krebserkrankung Lafontaines, die offenbar bereits vor seinem Rückzug von der Fraktionsspitze diagnostiziert war und nun operativ behandelt werden soll. Für mich zumindest klingt das nach einem ganz guten Grund, den Fraktionsvorsitz nicht zu übernehmen. Und prompt ist die Geschichte über „Oskars großen Bluff“ plötzlich von der Startseite verschwunden. Vielleicht hätte sie eben doch nicht erzählt werden müssen. Vielleicht hätte sie auch einfach nicht erzählt werden sollen. |
Spiegel zum miesen Boulevard-Blatt verkommen Zu den neuesten Veröffentlichungen über Oskar Lafontaines Privatleben im Nachrichtenmagazin Der Spiegel erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag Ulrich Maurer: Mit diesem Artikel hat der Spiegel die Grenzen des journalistischen Anstands endgültig überschritten. Das ehemalige Nachrichtenmagazin ist zum Boulevard-Blatt verkommen. Mit dem Machwerk über Oskar Lafontaines Privatleben unterbietet der Spiegel ganz locker das Niveau der Bild-Zeitung. Die Augstein-Nachfolger sollten sich überlegen, ob sie bei einer so großen publizistischen Kongruenz nicht gleich mit Springer fusionieren sollten. Denn mit seriösem Journalismus hat die seit einiger Zeit betriebene Haßkampagne gegen Lafontaine nichts zu tun. Schade um die Bäume, die dafür ihr Leben lassen mußten.
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