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Saarland einst Kleinod der Götter

Saar-Jamaikaner planen Zuckerrohranbau und Einstieg in den Zitronenhandel zum Trost für das neu verordnete karibische Klima

Von Claude Michael Jung

In jenen Tagen, als die Erde noch eine Scheibe war und am Nordpol die Orangenbäume
blühten, schufen die Götter das Saarland. Dicht am Steißbein Europas gelegen
entwickelte sich das Ländchen zum Kleinod der Götter. Der große Saar-Dichter des
Mittelalters, Emilianus von Kaltnaggisch, beschrieb gar die lieblichen Täler und
Auen der Saar als den Lustgarten Aphrodites. Zeus persönlich schickte seinen
Genossen Dionysos, den Gott des Weines und der Vegetation, als Verwalter der
Glückseligkeit an den großen Strom der Saarländer. Dionysos bescherte seinem Volk
drei Weinernten im Jahr, und nicht nur der weite Horizont über der Saar und ihren
Nebenflüssen war stets blau.

Mit Beginn des Industriezeitalters begannen die Saarländer, tief im Bauch der Erde
nach dem schwarzen Gold zu buddeln. Die Weinberge wurden vernachlässigt, und statt
Riesling gab es jetzt Krawallbrause, genannt Bier. Dionysos, der seinem Volk auch
die mystischen Regeln der Demokratie beigebracht hatte, wandte sich mit Grausen vom
Saarvolk ab. Nach Rache sinnend verfluchte er seine Landeskinder. Auf immer und ewig
sollten sie fortan bei Wahlen nur noch krottenschlechte Voten abgeben. So geschah es
auch.

Bei der Saarabstimmung 1935 sorgte der Fluch des Weingottes dafür, dass die Saar
Großdeutsch wurde. Zur Belohnung für die fatale Wahlentscheidung durften viele
Saarländer mit der Flinte in der Hand nach Rußland ziehen. Wenig gesellig sollen die
Abende in den Kriegsgefangenenlager gewesen sein, in denen sich die Saarländer, wenn
sie Glück hatten, wiedertrafen. 20 Jahre später (1955) führte der rachsüchtige
Dionysos erneut Regie bei einer Saarabstimmung. Immer noch hatte sein Volk die
Schnauze von Deutschland nicht voll. Freiwillig wurde man nun Kolonie der
rheinischen Adenauerrepublik, genannt Bundesrepublik Deutschland. Das Saarland wurde
zum Billiglohnland und ist es bis heute geblieben. Am 30 August 2009 holte die Rache
des zornigen Weingottes die Saarländer erneut ein. Mit 5,9 Prozent, einige Promille
zuviel, wählten sich die Saarländer die längst welk gewordenen Grünen und damit
weitere böse Schicksalsschläge in ihr Parlament. Noch bevor die Klimakatastrophe das
Saarland erreicht hat, werden die Saarländer sich auf das karibische Klima
einstellen müssen.

Schon in wenigen Tagen werden sich die Häuptlinge der CDU und FDP mit dem Obergrünen
Hubert Ulrich an der Spitze zur Erkundungsfahrt in den Sonnenuntergang aufmachen.
Hubert Ulrich – wie gemunkelt wird, wollte er einmal Dichter werden, ganz dicht ist
er bis heute anscheinend noch nicht geworden - wird das Boot rudern, der
kanariengelbe Vormann Christoph Hartmann steuern und Saarfürst Peter Müller die
Überfahrt über den großen Teich von seiner Hängematte hoch im Mastkorb aus
verfolgen. Dionysos aber wird sich vor Lachen kringeln. Jamaikanische Verhältnisse
an der Saar, das bedeutet Armut, Korruption, Handel mit Zitronen und weiterer
Niedergang. Der große Saar-Dichter des Mittelalters, Emilianus von Kaltnaggisch,
würde heute die Saar nicht mehr als den Lustgarten Aphrodites beschreiben, sondern
eher als Bananenrepublik oder Narrenschiff auf Schlingerkurs bezeichnen. Doch es
gibt auch Trost. Spätestens, wenn an der Saar nach jamaikanischem Vorbild Zuckerrohr
angebaut wird, können die Saarländer ihren Frust im Rum ertränken. Ob das den
Weingott Dionysos erfreuen wird, werden die nächsten Wahlen im Jahr 2014 zeigen. Bis
dahin wird noch viel Wasser die Saar hinab fließen und den Obergrünen Wahlbetrüger
Hubert Ulrich hoffentlich mit fortspülen.