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Bischof Ackermann von Trier outet sich als Spekulant – Eine neue Versuchung des
Teufels

Luzifer: „Eminenz seit willkommen im Club der Kapitalisten“

Glosse von Gisbert Spränzer

Trier – Mit dem Kauf einer Aktie hat sich der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann
an einem Projekt des Wirtschaftsgymnasiums seiner Residenzstadt beteiligt. Am 30.
November überreichten zwei Schüler dem Bischof das Papier im Wert von zehn Euro.
Damit ist Bischof Ackermann einer von 90 Aktionären der von elf Schülerinnen und
Schülern gegründeten Firma „Arivo 11“. Mit diesem Projekt nehmen die 17 bis 18 Jahre
alten Jugendlichen an der Aktion „Juniorprojekt“ des „Instituts der deutschen
Wirtschaft“ (IW) teil. Soweit die offizielle Meldung, die allerdings bei den
Vorgesetzten des Bischofs und den Gewerkschaften harsche Kritik, Empörung und ein
heiliges Donnerwetter hervorgerufen hat.


Es dauerte nur wenige Minuten, bis die Kunde aus Trier, Bischof Ackermann beginne an
der Börse zu zocken, auf dem Schreibtisch von Kardinal Michelangelo Despoti im Oval
Office des Vatikans anlangte. Kardinal Despoti eilte zu Papst Benedikt XVI., riss
seine Heiligkeit aus dem Schlaf der Seligen, und beide berieten stundenlang bei
Pizza und bayrischem Bier über die Lage. Die Erleuchtung kam im Morgengrauen, wie
die Presseagentur Hosianna (PH) aus Rom per Eilmeldung verkündete. Darin heißt es,
der Papst habe Bischof Ackermann angewiesen, unverzüglich weitere Aktien der Trierer
Aktion „Juniorprojekt“ zu erwerben. Die Gewinne seien alledings mit dem Vatikan in
gerechtem Verhältnis 70 zu 30 zu teilen. Gleichzeitig soll Kardinal Despoti laut
Presseagentur Hosianna Bischof Ackermann mit ein paar netten Worten klargemacht
haben, ginge die tolle Kollekte schief. lande der Bischof für die kommenden
Ewigkeiten als Kaplan in einem als heidnisch verschrienen Dorf in der Wildnis
Ostdeutschlands.

Derzeit dringen jedoch immer mehr Gerüchte auf die Erde, das Politbüro der
katholischen Christenheit hoch über den Wolken zeige sich verstimmt über das
Finanzgebaren seines Bodenpersonals. Der Heilige Spekulatius, Staatssekretär im
Ministerium für Sterntaler, soll gar in heiliger Empörung mit der Faust auf den
Tisch gehauen haben. Es sei dabei sogar eine Flut klassischer Flüche aus dem Mund
des himmlichen Finanzstaatssekretärs entwichen, wird berichtet. Bei einer
Pokerpartie im Abendrot sei Petrus auf die Zocker in Trier und Rom aufmerksam
gemacht worden, wobei dem ehemaligen Fischer zwei Asse aus dem linken Ärmel seines
Gewandes gefallen sein sollen. Selbst der Boss habe die Nase gerümpft und seine
Stirn in Falten gelegt, steckte ein Apostel der himmlichen Presse.

Inzwischen hat die Gewerkschaft der Engel (GdE) eine besonders scharf formulierte
Protestnote am Seitenaltar des Trierer Petersdoms hinterlegt. Darin werden die
frommen Zocker diesseits und jenseites der Alpen aufgefordert, ihre
Casinotätigkeiten sofort einzustellen und die erzielten Gewinne ohne weiteres
Lamento an die besonders gebeutelten Armen im Saarland zu verteilen. Eine GdE-
Sprecherin rügte Bischof Ackermann für seine Tat und warf ihm vor, er habe sich mit
dem Erwerb der Aktie an die Seite des erzkapitalistischen luxemburgischen
„Großherzogs“ Jean-Claude Juncker gestellt, der ebenfalls Spekulant des Trierer
Frischlingskonzerns „Arivo 11“ ist.

Unterdessen ziehen erste dunkle Wolken am Firmament über der alten Römerstadt Trier
auf. Ohne das Ergebnis eines Untersuchungsausschusses des himmlichen Parlaments
abzuwarten (dauert meist ein paar Ewigkeiten – die Red), soll der Erzengel Michael
bereits in Rage auf dem Weg an die Mosel sein. Ein erster Plan des Erzengels, die
Mosel über die Ufer treten zu lasssen und die gesamte Stadt in einer Sintflut zu
vesenken, sei indes wegen der vielen Unschuldigen fallen gelassen worden, heißt es
in einer Meldung der Zeitung „ Der Regenbogen“. Weiter berichtet das Blatt, der
erzürnte Erzengel werde in den kommenden Tage ein Tribunal an der Porta Nigra
einberufen, um die Sünder gehörig abzustrafen. Fromme Justizkreise gehen von einem
drakonischen Urteil aus. Es wird erwartet, dass das Tribunal Sankt Michaels eine
Kollektivstrafe verhängt und die noch jugendlichen Spekulanten samt Bischof dazu
vedonnert, sechs Wochen lang täglich das Karl Marx Haus in der Domstadt vom Keller
bis zu Speicher zu putzen.