takt@takt.de
zurück

Im Saarland ist man leidensfähig
Jamaika oder Saarmaika, die Saarländer werden es überleben

Glosse von Claude Michael Jung

Die Saarländer haben schon viele fremde Herren kennengelernt. Die Römerzeit soll noch die beste gewesen sein. Der Hunnenkönig Attila soll hier gerastet haben, bevor er weiterzog, um die Seinestadt Orleans zu plündern. Danach kamen und gingen Franzosen, Preußen und Bayern. Mit den Nazis nisteten sich die „Pälzer“ an der Saar und ihren Nebenflüssen ein. Voller Lob über die Besatzer war man lediglich in Ensheim und einigen Dörfern in der Umgebung. Im Jahr 1813 während der Befreiungskriege der Alliierten gegen Napoleon lagen hier russische Truppen. Diese haben bei der Bevölkerung einen wahrhaft nachhaltigen Eindruck hinterlassen, vor allem beim weiblichen Teil. Nach dem Abzug der Russen wurde hier so manche wohlproportionierte Balalaikaspielerin und so mancher stramme Kosakenjunge geboren. Ensheim erlangte den Ruf eines sündigen Dorfes, lebt aber bis heute ganz gut damit.

Die kommenden fünf Jahre dürfte das kleine Saarland nun aber unter jamaikanischer Fuchtel stehen. Den karibischen Traum oder Alptraum, je nach Betrachtungsweise, haben sich die Saarländer im Zuge der letzten Landtagswahl Ende August selbst eingebrockt, indem sie die Partei „Bündnis90/Die Grünen” mit 5,9 Prozent in den Landtag geschubst haben. Somit bleibt an der Saar fast alles beim alten. Lediglich ein paar neue Gesichter dienen CDU-Saarfürst Peter Müller künftig als Ministranten.

Viel umzugewöhnen brauchen sich die Saarländerinnen und Saarländer somit nicht. Soziale und wirtschaftliche Probleme sind auf der Karibikinsel genau so bekannt wie an Saar und Blies. Niemand der Saar-Jamaikaner will die saarländische Landeshauptstadt Saarbrücken bis jetzt wenigsten in Kingston umbenennen, Rastalocken werden in Zukunft auch nur die Grünen tragen, und der Jamaika-Dollar wird kaum den Euro hierzulande ablösen.

Was das Thema Emigration anbelangt, so verdünnisieren sich Jamaikaner und Saarländer auf der Suche nach Arbeit und besserer Lebensqualität ebenfalls im gleichen Maße aus ihren angestammten Gebieten. Die Staatsverschuldung ist hier wie da fast gleich. Auch bei der Bildung sind die Standards auf fast gleichem niedrigen Niveau. Hier kann das Saarland allerdings noch aufholen. So kann auf Jamaika die Grundschule kostenlos besucht werden, für eine weitere Ausbildung muss jedoch ein Schulgeld entrichtet werden. Darüber sollte der designierte Bildungsminister Klaus Kessler, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im DGB - Landesverband Saarland und Mitglied der Grünen, allerdings mal nachdenken.

Was die Futterrage anbelangt, so dürfte es für keinen saarländischen Gaumen schwer werden, sich ein wenig umzustellen. Die jamaikanische Küche ist sehr vielfältig und sowohl von afrikanischen als auch europäischen und asiatischen Einflüssen geprägt. Sie ist bekannt für ihre scharfen Saucen und würzigen Speisen. Etwas mehr Maggi in die Grumbeersupp, und schon stimmt die Richtung. Das gilt auch für den Dibbelabbes. Zum Ausgleich hinterher wird empfohlen, die ein oder andere Flasche Bier mehr zu trinken.

Jamaika oder Saarmaika, die Saarländer werden es überleben. Soviel Freude wie die Ensheimer mit ihren Russen hatten wird bei der politischen Impotenz der karibischen Koalition allerdings nicht zu erwarten sein.