John Demjanjuk, einer der Massenmörder im deutschen Vernichtungslager Sobibor
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Die Täter und die deutschen Gerichte

Als Kommandant des Lagers wurde im April 1942 SS-Obersturmbannführer Franz Stangl eingesetzt. Er unterstand Christian Wirth und Odilo Globocnik.

Zusammen mit Stangl kamen etwa 20 bis 30 SS-Angehörige nach Sobibor, die zuvor an der Aktion T4 mit der Ermordung von Behinderten beteiligt waren. Unterstützt wurden sie von ungefähr 90 bis 120 „Hilfswilligen“.

Nur ein kleiner Teil der Täter wurde vor deutschen Gerichten angeklagt. Wirth war in Italien von Partisanen getötet worden. Globocnik hatte 1945 Selbstmord begangen. Stangl, der erst 1967 in Brasilien entdeckt worden war, wurde 1970 in Düsseldorf zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt. Auch sein Stellvertreter, Gustav Wagner, wurde in Brasilien aufgespürt; er nahm sich vor der Auslieferung 1980 das Leben.

Der SS-Mann Erich Hermann Bauer wurde 1947 von einem Überlebenden auf der Straße erkannt. Bauer wurde 1950 verurteilt und starb 1980 in der Haft. Am 25. August 1950 wurde der SS-Mann Hubert Gomerski vom Strafgericht Frankfurt zu lebenslanger Haft verurteilt, der mitangeklagte Johann Klier wurde freigesprochen. 1965 standen zwölf Angehörige des Lagerpersonals vor einem Gericht in Hagen. Fünf der Angeklagten wurden freigesprochen, der Angeklagte Kurt Bolender beging vor der Urteilsverkündung Selbstmord, Kurt Frenzel wurde zu einer lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt. In Kiew wurden in den 1960er Jahren in zwei Prozessen ukrainische Wachmänner angeklagt, dabei wurden dreizehn Todesurteile und eine lebenslange Zuchthausstrafe verhängt.

Der Ukrainer John Demjanjuk wird verdächtigt, als so genannter Trawniki von März bis September 1943 im Lager Sobibor eingesetzt worden zu sein. Seit Mai 2009 befindet er sich in der Justizvollzugsanstalt München in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm Beihilfe zum Mord von mindestens 27.900 Juden vor.

 

Sobibor - 250.000 ermordet
Das Vernichtungslager Sobibor war ein deutsches Vernichtungslager in der Nähe des heute 550 Einwohner zählenden Dorfs Sobibór, Ortsteil der Stadt Wlodawa, im südöstlichen Polen in der Nähe von Lublin und dem heutigen Dreiländereck Polen–Weißrussland–Ukraine

Das KZ Sobibor war ein Vernichtungslager, das von den Nationalsozialisten ausschließlich zur Ermordung von Juden bestimmt war. Den etwa 400 mal 600 Meter großen Komplex errichteten sie 1942 im Bezirk Lublin im besetzten Polen. Insgesamt starben dort bis zu 250.000 Menschen. Im Rahmen der "Aktion Reinhardt" wurden zunächst vor allem polnische Juden in den Gaskammern von Sobibor ermordet, später auch Juden aus Deutschland, Frankreich, Tschechien, der Slowakei und den Niederlanden.

Zum Lagerpersonal gehörten etwa 30 SS-Männer. Als Wach- und Sicherheitspersonal wurden auch 90 bis 120 "Trawniki" eingesetzt. Zu diesen meist osteuropäischen "Hilfswilligen" soll auch der Ukrainer John Demjanjuk gehört haben. Bei einem Häftlingsaufstand im Oktober 1943 konnten rund 300 Gefangene in umliegende Wälder fliehen. Die meisten wurden später getötet, nur 64 überlebten Krieg und Holocaust. Nach der Niederschlagung des Aufstandes ermordeten die Nazis die verbliebenen Häftlinge und zerstörten bis Ende 1943 das Lager. Heute erinnern in Sobibor ein Museum und eine Gedenkstätte an das Grauen.

Der Plan des Lagers an der heutigen Gedenkstätte.

Elf SS-Männer aus Sobibor standen von September 1965 bis Dezember 1966 in Hagen (Westfalen) vor Gericht. Ein Angeklagter beging Selbstmord, einer wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, fünf bekamen Strafen von drei bis acht Jahren und vier wurden freigesprochen. Außerdem wurde Lagerkommandant Franz Stangl 1970 zu lebenslanger Haft verurteilt. Er starb im Gefängnis.

 

1997 veröffentlichteBlatt seine Autobiografie, die 2000 in der BRD unter dem Titel «Nur die Schatten bleiben - Der Aufstand im Vernichtungslager Sobibor»

Thomas Blatt entkam als 15-Jähriger aus dem NS-Vernichtungslager. «Wenn ich träume, leide ich immer noch sehr real», sagt der heute 82-jährige.

Thomas Blatt hat als einer von wenigen Sobibor überlebt. Anders als seine Eltern und sein sechs Jahre jüngerer Bruder. "Wenn meine Mutter, mein Vater oder mein Bruder einen Tag vor dem Transport nach Sobibor ums Leben gekommen wären - warum auch immer - dann wäre das eine Tragödie für mich gewesen und ich hätte mich zu Tode geweint", sagt Blatt. In Sobibor habe er "innerhalb von einer Minute meine ganze Familie verloren, und ich habe nicht geweint".
Trawniki-Männer hätten die Gefangenen mit Schlägen und Bajonettstichen in die Gaskammern getrieben, erinnert sich Tomasz Blatt, der eigens für den Demjanjuk-Prozess aus seiner Wahlheimat Kalifornien nach München gereist ist. Trawniki, so wurden die Kriegsgefangenen aus Russland und der Ukraine genannt, die von der SS im gleichnamigen Dorf bei Lublin zu Wächtern für die Vernichtungslager ausgebildet wurden.

"Ja, sie waren Täter", sagt Marcin Urynowicz, doch zugleich seien sie als Gefangene auch Opfer der Deutschen gewesen. "Sie waren nur Werkzeuge in den Händen der Deutschen", so Urynowicz. "Sie hatten keine Möglichkeit, die Befehle zu verweigern. Denn dann wären sie selbst erschossen worden. Andererseits wurden sie nicht wie Häftlinge behandelt. Sie gehörten zur Belegschaft, sie besaßen sogar Waffen."

John Demjanjuk ist nach Auffassung der Ankläger ein Trawniki-Mann gewesen. Es sei richtig und wichtig, dass ihm auch nach so vielen Jahren noch der Prozess gemacht wird, sagt Marek Bem, der Direktor des Sobibor-Museums, das nicht nur die Erinnerung an die Opfer wach hält, sondern auch wissenschaftliche Forschungsarbeit leistet.

"Die Grausamkeiten, die sich hier abgespielt haben, dürfen nicht anonym bleiben", fordert Bem. Deshalb sei "es gut, dass über Sobibor immer noch gesprochen wird. Im Fall Demjanjuk ist es ein Gerichtsprozess und es steht nicht in meiner Macht, ihn für schuldig oder unschuldig zu erklären. Ich kann nur die Tatsachen beisteuern. Und alles deutet darauf hin, dass es hier einen Mann namens Demjanjuk gegeben hat", sagt der Direktor. Aus den Dokumenten gehe "sogar eindeutig hervor, dass hier ein Ivan Demjanjuk der SS als Wachmann und Helfer gedient hat".

Demjanjuk müsse vor Gericht die Wahrheit sagen, sagt Tomasz Blatt. Es geht dem Sobibor-Überlebenden dabei weniger um eine Verurteilung des 89-jährigen Angeklagten, sondern darum, die Holocaust-Leugner zum Schweigen zu bringen. Blatt, der im Lager ein halbes Jahr lang zur Arbeit gezwungen wurde, kann über Demjanjuk konkret nichts sagen. Er sei ihm bewusst nie begegnet. Aber dass er ein Trawniki gewesen sei, sage genug über ihn aus, so der Zeitzeuge. In seiner Erinnerung waren sie alle brutal und skrupellos. Vielleicht war unsere Arbeit nicht besonders hart, aber der Terror war unvorstellbar", berichtet Blatt. Für alles wurde man bestraft. Wenn du vor denen die Mütze nicht gezogen hast, dann wurdest du sofort erschossen.

Aufstand von Sobibor

Am 14. Oktober 1943 kam es in Sobibor zu einem Aufstand mit anschließender Massenflucht. Planung und Durchführung der Revolte gingen mehrheitlich zurück auf sowjetische Kriegsgefangene jüdischer Herkunft aus Weißrussland unter Führung des Rotarmisten Alexander Petscherski und des Zivilgefangenen Leon Feldhendler. Die Aufständischen töteten zwölf SS-Angehörige, darunter Josef Vallaster, und zwei Trawniki-Wachmänner. Viele Gefangene starben im Kugelhagel der Wachleute oder im Minenfeld außerhalb der Stacheldrahtumzäunung. 365 Gefangene konnten zunächst fliehen. Nur wenige von ihnen konnten bis zum Rückzug der Deutschen untertauchen oder sich Partisanengruppen anschließen.