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Persönlicher Brief des saarländischen Thekenphilosophen Max Flabbes an die hoch verehrte Bundeskanzlerin


Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, beste Angela


Von Claude Michael Jung

Düstere Stimmung herrsche derzeit in der Saarbrücker Kneipe „Zum letzten Hemd“,
berichtet Erich der Wirt. Die in Kürze anstehende Geburtstagsfeier des
saarländischen Thekenphilosophen Max Flabbes, seines besten Stammgastes, sei in eine
schwere wirtschaftliche Krise geraten und drohe in diesem Jahr auszufallen. Nach
Angaben von Erich habe Max Flabbes wie in den vergangenen Jahren geplant, rund 30
Freunde und Freundinnen aus Deutschland und der Welt einzuladen, um mit ihnen die
Sause des Jahres zu veranstalten.

Wie Erich dem Kneipenmagazin „Voll im Trend“ kundtat, setze er auf die
sprichwörtliche Bürgernähe der Kanzlerin und gehe fest davon aus, dass die beste
Bundeskanzlerin der Welt ähnlich wie im Fall von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann
handele und Max Flabbes zur Sause des Jahres ins Bundeskanzleramt einlade. Man habe
am gestrigen Abend – bis in die frühen Morgenstunden hinein – gemeinsam einen
persönlichen Brief an das Kanzleramt verfasst und darin die wirtschaftlich prekäre
Lage des saarländischen Thekenphilosophen offen gelegt. Auch eine Gästeliste sei der
Kanzlerin bereits übermittelt worden, sowie eine ausführliche Aufstellung der
Getränkewünsche. Man erwarte stündlich eine positive Reaktion aus der Residenz der
Kanzlerin, so Erich.

Derweil äußerte sich der Thekenphilosoph persönlich zu seiner wirtschaftlichen Krise
und seinen Geburtstagswünschen. Wie Flabbes sagte, habe er in der Vergangenheit viel
Geld beim Börsenroulette verloren. Insbesondere die hohe Wette auf afghanische
Brauereiaktien und Immobilienanlagen am Hindukusch sei voll in die Hose gegangen, so
der leicht depressiv wirkende Thekenphilosoph von der Saar. Weiter sagte Flabbes,
die Steuergelder für seine Geburtstagsfete seien ebenso gut angelegt wie für die
Party des Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann im Kanzleramt. Allerdings betonte
Flabbes, werde der Finanzminister diesmal nicht ganz so tief ins Steuersäckel langen
müssen, da seine Gäste meist auf heimische Krawallbrause und Riesling aus dem Elsass
stünden. Auch werde man sich mit Schnittchen und Salzstangen zufrieden geben und auf
Exotisches jeder Art verzichten. Trotzdem käme die Bundeskanzlerin voll auf ihre
Kosten, was das Amüsement beträfe, versicherte der Thekenphilosoph.

In dem Brief an die beliebteste Bundeskanzlerin aller Zeiten versichert Max Flabbes,
dass alle seine Geburtstagsgäste keine Radaubrüder seien, mit gewaschenem Hals und
gepflegter Frisur sowie in bester Garderobe zur Audienz erscheinen werden. Auch
werde man die Klos der Kanzlerin, sowie die Teppiche und Pflanzkübel der deutschen
Akropolis nicht zur Entleerung des Mageninhalts missbrauchen, keine Kippen auf den
Boden werfen und ebenso wenig die Beflaggung der Merkelburg missbrauchen. Auch seien
keine Busen- und Pograbscher unter seinen Gästen, versicherte Flabbes der hoch
verehrten Kanzlerin in seinem Schreiben, dem auch eine notariell beglaubigte Urkunde
beiliegt, die den saarländischen Thekenphilosophen als „Stütze der Gesellschaft“ und
„Großmeister der Geselligkeit“ ausweist.

Unterdessen soll ein hochrangiger Krisenausschuss im Bundeskanzleramt seine Arbeit
aufgenommen haben, um die Wirtschaftsdelegation aus dem Saarland abzuwimmeln. Zwar
könne man die Kosten für Vertreter der Saar- Wirtschaft als Arbeitsgelage der
Kanzlerin deklarieren, allerdings finde der Geburtstag von Max Flabbes erst im
November statt. Zu diesem Zeitpunkt sei die Kanzlerin mit der weiteren Filetierung
des Sozialstaats beschäftigt und könne somit niemand gebrauchen, der ihr bei der
Verwurstung der restlichen sozialen Errungenschaften über die Schulter schaut, oder
ihr gar das Metzgermesser aus der Hand nimmt, soll inzwischen aus einer gewöhnlich
undichten Stelle aus dem Kanzleramt durchgesickert sein.

Weiter ließ die undichte Stelle verlautbaren, man wolle Max Flabbes zu seinem
Geburtstag trotz der angespannten Wirtschaftslage ordentlich und praktisch
beschenken. Wie eine Kassiererin in einem Berliner Baumarkt berichtet, habe das
Kanzleramt bereits eine Lochzange erworben, damit auch der saarländischen
Thekenphilosoph ein weiters Loch in seinen Hosengürtel fabrizieren könne. Denn eines
stehe schon länger fest, nach der Wahl wird Deutschlands Mode von der Wespentaille
dominiert werden, so die freundliche Baumarkt-Kassiererin.