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Nabucco-Pipeline: Europa könnte
in die Röhre schauen
Notfalls wird heiße Luft durch die
Röhre gepumpt
Von Charles Duremont
Mit dem gestern in Ankara unterzeichneten Nabucco-Pipeline-Vertrag
wird zwar ein
anderer Weg von den Gasfeldern Mittelasiens nach Europa, an Russland vorbei,
geöffnet werden. Jedoch wird die Gasversorgung Europas dadurch nicht
sicherer
werden, wohl aber teurer. Das Abkommen für das 3.300 km lange Pipelineprojekt
wird
bisher mit knapp acht Milliarden Euro beziffert. Die Türkei hat dabei
durchgesetzt,
rund 15 Prozent der durchfließenden Gasmenge für den eigenen
Bedarf zu Sonderpreisen
für sich zu reservieren.
Unterzeichnet wurde das Abkommen in Anwesenheit
von EU-Kommissar José Manuel Barosso
von den Regierungschefs der Transitländer Türkei, Österreich,
Ungarn, Bulgarien und
Rumänien, sowie Vertretern aus zwanzig Ländern, darunter auch
der Premierminister
des Iraks, sowie der Präsident Georgiens. Ebenfalls anwesend war
der
US-Sondergesandte für Energiefragen Richard Morningstar. Die USA
haben sowohl ein
politisches als auch ein geostrategisches Interesse am Bau der Pipeline.
Die Mammut-Pipeline soll ab 2014 Gas vom Kaspischen
Meer bis nach Mitteleuropa
transportieren. Fraglich ist allerdings, ob überhaupt in Mittelasien
genügend freie
Gaskapazitäten zur Verfügung stehen, um die Milliarden teure
Röhre auszulasten. Auch
China hat inzwischen Interesse nach Gaslieferungen aus der Region gezeigt
und der
Iran ist wegen des Atomstreits als Zulieferer ausgeschlossen. Zwar hatte
der
türkische Regierungschef Erdogan vorgeschlagen, die Pipeline mit
iranischem Erdgas
auszulasten, dies wurde jedoch vehement vom US Vertreter Richard Morningstar
abgelehnt, dessen Forderung die Vertragspartner auch geflissentlich nachkamen.
Somit
steht das Nabucco-Projekt auf tönernen Füßen.
Hinzu kommt, dass Aserbeidschan, Turkmenistan und
Kasachstan ihr Gas bisher an den
russischen Energieriesen Gazprom verkauft haben und durch langfristige
Lieferverträge auch weiterhin an den Konzern gebunden sind. Zudem
kommen völlig
ungeklärte Rechtsverhältnisse beim Transit durch das Kaspische
Meer hinzu. Hier ist
die Frage der Hoheitsgewässer noch völlig ungeklärt.
Zu den weiteren Unwägbarkeiten des Nabucco
Pipelinebau gehört auch der Baubeginn im
Jahr 2011. Die ersten Gaslieferungen könnten somit frühestens
2014 nach Europa
fließen. Bis dahin wird allerdings bereits durch die russische Ostsee-Pipeline
Northstream Gas nach Europa strömen. Das Mammutprojekt-Nabucco könnte
sich für die
Beteiligten somit zum Milliardengrab entwickeln.
An Nabucco beteiligt sind zu je einem Sechstel
die deutsche RWE (beraten vom
ehemaligen Aussenmimister Deutschlands Joschka Fischer), der östereichische
Versorger OMV, der ungarische Energiekonzern MOL, Bulgargaz aus Bulgarien,
der
türkische Botas-Konzern, sowie der rumänische Versorger Transgaz.
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