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Dienstwagen von Ulla Schmidt in Spanien geklaut - Wo ist Ulla Schmidts roter Bikini?

Guardia Civil und deutsche Geheimdienste tappen völlig im Dunkeln - Ermittler stolpern in alle Richtungen

Von Miguel de San Serveza

Madrid/Los Lupos/Berlin (soz) – Mit großen Entsetzen musste Deutschlands Sommerloch am vergangenen Samstag zur Kenntnis nehmen, dass selbst in einem so katholischen Land wie Spanien immer noch Autos geklaut werden. Nur wenige Minuten nachdem die brisante Eilmeldung, dass die Dienstlimousine von Bundeskrankheitsministerin Ulla Schmidt einem dreisten Car-Napping zum Opfer gefallen war, über die Ticker der Welt
gegangen war, kam es in der Berliner Friedrichstraße, dem Sitz des Bundesministerium für Gesundheit (BMG), zu spektakulären Szenen. Türen wurden aufgerissen und wieder zugeschlagen. Kaffeemaschinen liefen an. Der Inhalt von Bier, Wein, Likör und Schnapsflaschen wanderte hinter die Binde aufgescheuchter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ministeriellen Propagandaabteilung. Der Nation musste in windeseile klipp und klar gemacht werden, dass die Ministerin ihren Dienstwagen lediglich zu Besuchen bei deutschen Rentnern in Seniorenheimen und Krankenhäusern vor Ort nutze und keineswegs damit Badestrände und andere Vergnügungsorte an ihrem Urlaubsort Los Lupos in der spanischen Provinz Alicante heimgesucht hätte.

Derweil gab die Guardia Civil in Los Lupos bekannt, unheimliche Gestalten seien in die Unterkunft von Schmidts Fahrer eingebrochen und hätten dem Schlafenden den
Autoschlüssel entwendet. Ministerin Schmidt, als auch ihr Chauffeur hätten im Tiefschlaf gelegen, nachdem beide zuvor ein Medikament gegen die Schweinegrippe ausgiebig getestet hätten. Die hohe Dosis des Tamiflu-Ergänzungsmittels „Vino Tinto
Desperado“ hätte der gesamten Urlaubstruppe der Ministerin in einem virenfreien Gesundheitsschlaf gelegt und niemand hätte das eindringen der Autodiebe bemerkt. Man habe die üblichen Verdächtigen bereits im Auge, sagte ein Sprecher der Guardia Civil in einer Tapas-Bar gegenüber unserem Korrespondenten. So sei die Villa des örtlichen Mafia Chefs in Augenschein genommen worden, ebenso ein Jugendzentrum, mehrere Schrottplätze und der gesamte Hafen von Alicante, bisher jedoch ohne Erfolg.

Inzwischen füllen sich die Strände und Kneipen an der Costa Blanca immer mehr mit Deutschen Stroh und Schlapphüten. Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesnachrichtendienst (BND), sowie etliche andere Geheimdienste, sollen ihre Schnüffler auf den Teutonengrill entsandt haben, um nach der gekidnappten Dienstlimousine von Ulla Schmidt zu fahnden. Im Kofferraum der gepanzerten Mercedes S Klasse-Kutsche befinden sich angeblich brisante Unterlagen über die, nach der Bundestagswahl geplanten Kürzungsorgien im Gesundheitswesen. Die Fahnder bitten inzwischen den ehrlichen Finder des schwarzen Aktenkoffers diesen unverzüglich zu verbrennen und keinesfalls an die Presse zu verscherbeln. Gesucht wird ebenfalls der rote Bikini der Gesundheitsministerin. Das gesuchte Textil könnte sich noch im Handschuhfach der geklauten Limousine befinden. Augenfälligstes Merkmal sei ein aufgesticktes SPD Logo auf der linken Hinterseite des Bikiniunterteils, berichten spanische Medien.

Unterdessen droht der Gesundheitsministerin an der Heimatfront erheblicher Zoff und Zores. Der Bund der Steuerzahler will wissen, was Ullas Dienstlimousine an der Costa Blanca zu suchen hatte. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP),
will die Ministerin gar vor den Ausschuss laden. "Ich möchte wissen, für welche Termine Frau Schmidt Dienstwagen und Fahrer in Alicante benötigt hat und warum es nicht möglich war, dass ihr die Botschaft Transportmöglichkeiten zur Verfügung gestellt hat. Dazu muss Frau Schmidt Auskunft im Ausschuss geben", sagte Fricke der "Bild am Sonntag".

Während Ulla Schmidt noch an ihrem Urlaubsort darüber brütet, wie sie sich am besten aus der Predouille zieht, will eine Hellseherin aus dem nahegelegenen Badeort Benidorm, zumindest Teile von Schmidts Dienstkarosse im Hinterland der Costa Blanca
entdeckt haben. Wie Señorita Irma de la blanca Impertinenta in ihrem Etablissement einem deutschen Krimiautor steckte, sei die komplette Bereifung, die Hupe, die Musikanlage, sowie etliche andere Teile des Interieurs von Schmidts Karosse bereits
auf einem Flohmarkt verhökert worden. Darunter auch der Dienstbikini der Ministerin. Die restlichen Ersatzteile des Wagens werden wohl in den nächsten Tagen entweder an
die Schwarzmeerküste oder nach Westafrika zur weiteren Verwertung gebracht, so die Hellseherin. Von dieser These geht mittlerweile nicht nur die Guardia Civil aus. Wie ein Sonderermittler unter dem Siegel der Verschwiegenheit einem Journalisten anvertraute, sei es besser die Dienstkarre der Ministerin bleibe samt Bikini und den brisanten Unterlagen zumindest bis zum Wahltag verschwunden. Danach kämen den
Deutschen sowieso die Tränen, nicht nur wegen des geklauten Dienstautos der
Ministerin.

 

Eine Waffe für die Nazis

Patrick Gensing liefert gute Gründe für ein NPD-Verbot

Von Stefan Gleser

Zu den verdienstvollsten Seiten im Internet über ,oder besser gegen die Rechten
zählt der NPD-info.blog mit der charmanten Unterzeile „Über die NPD und
menschenfeindlichen Einstellungen“.

Ihr Betreiber Patrick Gensing bündelt seine aktuellen Erfahrungen mit den Rechten im seinem Buch „Angriff von Rechts“. Er startet mit einem Rückblick auf über 40 Jahre NPD. Von der Gründung über den Einzug in zahlreiche westdeutsche Landtage, das knappe Scheiter bei den Bundestagswahlen 1969 und der darauffolgende Abstieg zu einem betulich-nostalgischen Altherrenverein. Bis sie unter Udo Voigt zu der im wahrsten Sinne des Wortes schlagkräftigsten Organisation der Rechten und zum Werkzeug militanter Neonazis wurde. Im Kapitel „Rechtsextreme Strategien“ führt uns Gensing Braun in vielen Farben vor. Da gibt es welche, die schauen neidvoll zu ihren Klassenkameraden ins Ausland, die bei den Futternäpfen angekommen sind. Italien lockt. Das ist der „sächsische Weg“ mit prononciert honorigen Kandidaten, die in Vereine und Kommunalparlamente einsickern. Für die anderen ist das „Verbonzung“ oder „Verrepsung“.

Sie trösten sich mit der Reinheit und Lauterkeit des Strassenkämpfers, formieren
sich als „Autonome Nationalisten“ . Die Parteiführung braucht beide Flügel und
laviert.

Die NPD bastelt sich ungestört ihr eignes Universum mit Firmen, Arbeitsplätzen,
Internet-Seiten, Konzerten und Versandhäuser. Als Brücke zur Aussenwelt dienen dabei Frauen und Tarnlisten.

Almuth Knigge steuert einen realitätssatten, genau beobachten Bericht aus
Mecklenburg-Vorpommern bei. Die ausgeleierten Vokabeln vom „Aufbau
zivilgesellschaftlicher Strukturen“ perlen an den Alltagsproblemen schlicht ab. Fürs Kabarett sorgt die SPD. In einem Gebiet, wo jeder fünfte Arbeit sucht, plakatierte sie den Spruch „Den Erfolg fortsetzen“.

Gensing hat sehr viele Gespräche geführt. Seien es die rechte Szene beobachtende Wissenschaftler und Kollegen; seien es Vertreter der Rechten selbst. Leider bringt er nur kurze Zitate, Hinweise und Danksagungen.

Autoritäre Massnahmen wie die Verfassungstreue von Kandidaten zu überprüfen oder in öffentliche Einrichtungen Internetzugänge zu sperren, lehnt Gensing ab. Gesetze seien genug vorhanden; sie würden nur lasch angewendet. Er fordert vehement den Abzug von V-Leuten aus der NPD. Schlapphüte arbeiteten ineffizient.

Der Journalist Jörg Fischer machte die Probe aufs Exempel und verkaufte dem
Verfassungsschutz öffentlich zugängliche Informationen über die NPD als
„Exclusivmaterial“. Zum Schluss fragte er sich: „Wie dumm sind die wirklich?“
Der Verfassungsschutz habe keine Gewalttat verhindert. Das die NPD völkisch wabert und für sie allgemeine Menschenrechte Fremdwörter sind, kann man an jedem Zeitungskiosk erfahren. Der CDU-Innenminister von Baden-Württemberg, Heribert Rech über die V-Leute: „Wenn ich alle meine verdeckten Ermittler aus den NPD-Gremien abziehen würde, dann würde die NPD in sich zusammenfallen.“ Ohne V-Leute hätte ein Verbotsantrag gegen die NPD vor dem Bundesverfassungsgericht Chancen. „Ein Verbot der NPD ist nicht alles, aber ohne ein Verbot ist alles nichts“, wie die VVN-BdA argumentiert. Die NPD griff allein im Jahr 2006 fast 1,5 Millionen Euro Staatsknete ab. Damit wäre bei einem Verbot Schluss.

Warum gelingt es der NPD, sich in manchen Regionen als bürgernahe, besorgte
Volkspartei aufzuspielen? Gensing führt die sozialblinde Verachtung der SPD
gegenüber denen, die sie einst gross machte, an. Und zitiert einen Kommentar aus
einem Elternforum: „Typisch für die aktuelle Politikergeneration ist nun einmal
Beratungsresistenz, Unfähigkeit in der Realität zu leben und die Vorliebe Schwächere zu quälen und zu beleidigen.“

Ein Buch über die NPD, das viel vom Versagen der Demokraten erzählt.

Patrick Gensing
Angriff von rechts: Die Strategien der Neonazis - und was man dagegen tun kann
München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2009
281 Seiten, 12,90 Euro
ISBN-10 3423345519
ISBN-13 9783423345514