takt@takt.de
zurück

Im Gasgroßkraftwerk bei Saargemünd soll die Saar schon bald verdampft werden

Das Saarland versteppt, wird zur Wüste und verliert seine Identität


Von Claude Michael Jung

Geht es nach dem Willen der profitorientierten Energiewirtschaft Frankreichs, wird
die Saar in absehbarer Zeit das Schicksal des einstmals stolzesten Flusses im
Südwesten der USA, des Colorado River, teilen. Genau wie der Colorado River wird die
Saar zunächst in Pfützen und Rinnsalen dahinsiechen, und noch bevor der romantische
Fluss die Grenze nach Deutschland erreicht, wird er sang- und klanglos vom Erdboden
verschwinden. Das in direkter Grenznähe zu den Behausungen und Kultplätzen der
Saarländer geplante französische Gasgroßkraftwerk im lothringischen Hambach wird die
Saar zur Kühlung um derartige Wassermengen berauben,dass der große Strom der
Saarländer die Grenze zum Saarland erst gar nicht mehr erreichen wird. Das Saarvolk
wird seiner Identität beraubt, verliert seine Angelparadiese, seine Grillplätze und
zuletzt sogar seine lauschigen Paarungsgebiete, an denen nicht nur die Vögel ihre
Lebenslust austoben. Nicht einmal die saarländische Landeshauptstadt Saarbrücken
wird mehr ein ordentliches Hochwassser auf der Stadtautobahn und dem Sankt Johanner
Markt erleben.

Wird das Gasgroßkraftwerk mit einer Leistung von rund 900 MW wirklich gebaut, so
werden stündlich mehr als 1100 Kubikmeter Wasser aus der Saar in die Kühltürme nach Hambach
gepumpt. Die Saar wird dort, ähnlich wie in einem Schnellkochtopf, einfach in die
Atmosphäre verdampft. Nachfolgende Generationen werden das Flussbett nur noch als
Wadi, einen ausgetrockneten Flusslauf ähnlich wie in den Wüstengebieten Nordafrikas,
Vorderasiens und teilweise Spaniens kennen lernen. Vorbei ist es mit der
Flussromantik, von der bereits in der Antike der römische Statthalter von
Saarlandum, Pontius Optimus, seinem Kaiser in Rom vorschwärmte. Die lieblichen Täler
und Auen der Saar werden sich in Wüsten verwandeln und die Anwohner als Beduinen von
Brunnen zu Brunnen ziehen und doch nicht das Brauwasser finden, das sie zu ihrem
Lebensglück benötigen. Das Ende einer jahrtausendealten Hochkultur aus Grillern und
Schwenkern, aus Bosslern und Schwaduddlern, wird von der Raffgier eines
Energiekonzerns schamlos eingeläutet.

An der Saarschleife, heute Touristenmagnet und bereits von der UNESCO als künftiges
Weltkulturerbe beäugt, werden Skorpione und Panzerameisen sich ausbreiten. Das
Wasser wird nicht einmal mehr ausreichen, um den Liebling des Saarvolkes, den
heiligen Lyonerwurstring, zu produzieren. Stattdessen müssen die Saarländer selbst
mit den dritten Zähnen künftig mit steinharter Kamelsalami vorlieb nehmen. Experten
sprechen bereits von einer vorgezogenen Klimakatastrophe, andere wiederum sehen im
Bau des Hambacher Großkraftwerkes eine späte Rache der Franzosen für die Annektion
Elsass-Lothringens durch das Deutsche Kaiserreich im Jahr 1871.

Indes ist die saarländische Politik gelähmt. Die Parteien sitzen in den
Schützengräben und kommen nur aus der Deckung, um sich gegenseitig im ausgebrochenen
Wahlkampf mit Schlamm und Dreck zu bewerfen. Die CDU- Landesregierung müsste zwar
schnell bei den französischen Behörden gegen weitere Umweltbelastungen in der Region
intervenieren. jedoch es hat den Anschein, als wäre Saarfürst Peter Müller das
Schicksal seines Landes wie immer völlig egal. Wie aus CDU- Parteikreisen in Müllers
Heimatort Eppelborn durchsickerte, soll sich Saarfürst Peter Müller bereits einen
Turban und eine Kamelherde zugelegt haben, um im Falle seiner Wiederwahl als
schwarzer Sultan sein Unwesen in der Saarwüste zu treiben.

Die Umweltkatastrophe vor Augen, wiegelt auch die SPD ab. Die Sozis spekulieren
darauf, dass sich unter der entstehenden Saarhara große Erdölvorkommen befinden
könnten und sehen das Saarland schon als Wirtschaftswunderland und führenden
Erdölexporteur, noch vor Saudi Arabien und den übrigen Staaten am persischen Golf.
Selbst Die Linke kann der bevorstehenden Wüstenbildung positive Seiten abgewinnen.
Landeschef Rolf Linsler sieht die Gefahr, dass das herrliche Saarland bei einer der
nächsten Reformen der Bundesländer unter das grausame Joch der Pfälzer Erbfeinde
geraten könnte, als endgültig gebannt an. „Wer okkupiert schon eine Wüste, in der
nichts zu holen ist“, soll Linsler einem Vertrauten nach sieben Pils verbal
untergejubelt haben, berichtet die Wirtin seiner Stammkneipe. Der rote Wüstenfuchs
prophezeite an Hand eines meteorologischen Gutachtens der Universität in Saabrigge
sogar, dass die schweren Dampfwolken aus dem Hambacher Gasgroßkraftwerk bei der
vorherrschenden Südwestströmung ins SPD- regierte Rheinland Pfalz ziehen und das
dunkle Reich der Pfälzer in einer Saarwasser-Sintflut absaufen lassen werden.

Im Angesicht der bevorstehenden langen Dürre hat der Saarbrücker Thekenphilosoph Max
Flabbes eine kleine Schar zu allem entschlossener internationaler Saar-Patrioten um
sich versammelt. Gemeinsam mit seinem lothringischen Kumpel Hercule Bonbière will
Flabbes die ökologische Widerstandsbewegung gegen das Hambacher Megakraftwerk
anführen und die Angelstege, Nistplätze der Vögel und für das Sexualleben der
Saarländer und Lothringer unabdingbaren Paarungsplätze entlang der Saarufer
dauerhaft retten. Die deutsch-französische Saar-Résistance fordert ein Einlenken der
Energiepolitik Frankreichs. Max Flabbes und Hercule Bonbière sehen sich in der
Überzeugung gestärkt, dass die in Hambach produzierten Volt und Ampère regional gar
nicht zu vermarkten sind. Laut Flabbes müssen die Kraftwerksbetreiber zuerst Erdgas
aus Russland importieren und danach den daraus erzeugten Strom wieder nach Russland
zurück exportieren. Man wolle den Europäischen Gerichtshof für Satire (EGS) in
Strasbourg anrufen, damit dieser den heiligen Strom der Saarländer vor dem großen
Malheur bewahren werde, so ein Sprecher der internationalen Résistance de la Sarre
zum aktuellen Stand der Dinge.

Bis die hohen Richter am EGS in Strasbourg jedoch zu einem Urteilsspruch kommen,
wird es nach Auffassung des ehrenwerten Gerichtspräsidenten Michel Saarkozzy noch
einige Jahre dauern. Unterdessen können die Saarbrücker Planer des gelebten
Wahnsinns allerdings noch ihr gewaltiges Prestigeprojekt „Stadtmitte am Fluss“
weiterspinnen und den Abriss der Innenstadt vorantreiben. Wie die
parteiübergreifende Betonfraktion im Saarbrücker Rathaus derweil durchsickern ließ,
soll das Prestigeprojekt mit oder ohne die Saar in jedem Fall vorangetrieben werden.
Notfalls müsse das Millionengrab auch ohne das dahinplätschernde Wasser der Saar
auskommen, war aus einem offen stehen Rathausfenster in der saarländischen
Landeshauptstadt zu hören. Dem folgte nur noch ein laut gerülpstes: „Hauptsach gudd
gess“.