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Vom Goldrausch bis zu den Methoden des Herrn Tricatel

Eine kulinarische Zeitreise

Von Claude Michael Jung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts trieb der Heißhunger einen einsamen Tramp in Alaska
dazu, seine Schuhsohlen kulinarisch aufzubereiten und diese wie ein Festmenü mit
tadellosen Tischmanieren zu verspeisen. Die Szene ist bekannt. Sie stammt aus dem
Film „Goldrausch“, der hungrige Tramp war Charlie Chaplin. In „Brust oder Keule“,
einer französischen Filmkomödie aus dem Jahre 1976 legt sich Charles Duchemin (Louis
de Funes) mit seinem Erzfeind Tricatel an, der eine Kette von Fastfood-Restaurants
betreibt, deren künstlich hergestellte Gerichte den Gourmet Duchemin in Harnisch
bringen. Beide Filme rissen das Publikum zu Lachsalven hin.

Im Goldrausch des 21. Jahrhunderts scheint man in den Chefetagen einiger
Lebensmittelkonzerne von der Idee Charlie Chaplins hellauf begeistert zu sein. So
wurde zunächst Gammelfleisch aufgefrischt und zum Wohl der Unternehmer vergoldet.
Dem Verbraucher-Publikum verging angesichts dieser Praxis gehörig das Lachen. Jetzt
scheinen sich die Lebensmittelkonzerne die Methoden des Monsieur Tricatel zu eigen
gemacht zu haben. Lebensmittelprüfer zogen durch die Lande und entdeckten, ohne
dabei die Komik des Louis de Funes an den Tag zu legen, dass im Käse gar kein Käse
mehr enthalten ist, Schinken aus allerlei anderen Schweinereien, als aus wirklichen
Schweinen besteht, Krebse keine Krebse mehr sind usw.

Essen und trinken hält Leib und Seele zusammen, sagt man. Allerdings hat es den
Anschein, dass nur wer am Hungertuch nagt, heutzutage noch gesund lebt. Geht's nach
den Lebensmittelfälschern wird unser Magen zur Sondermüllkippe und mit Müll lässt
sich ja bekanntlich auch Millionen machen. Die Politik verspricht, es ist ja gerade
mal wieder Wahlkrampf, flott Abhilfe zu schaffen und den Etikettenschwindel
schonungslos aufzuklären. Von einfachen Etikettenschwindel kann bei der Sauerei
jedoch keine Rede sein. Das ist glatter Betrug, ein Fall für den Staatsanwalt!

Ein Schelm aber, der jetzt dabei denkt, dass die Bosse der Lebensmittelmafia hinter
Gittern landen und dabei Zeit haben, die angerichteten Menüs auch noch selbst zu
verzehren. Am Ende wird das strafrechtliche Dessert mal wieder aus der Portokasse
gezahlt werden und die nächste Hors d'oeuvre (Vorspeise) kann gemixt werden.