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25.07.10 Die Relativierung der
Armut liegt im BDI-BDA-Kapitalinteresse.
Wenn Arbeitslose und Hartz-V-Menschen
nur noch Müll sind fürs Kapital und seine Lobby-Regierung.
Die Hartz-V-Repression und weitere Zurichtung und Flexibilisierung der
Lohnarbeit für den Weltmarkt.
Von Reinhold Schramm
Nach der Lobby-Bundesregierung und Parlamentsmehrheit sollen künftig
regionale Grenzwerte oder Pauschalen für Unterkunfts- und Heizkosten
von Hartz-V-Beziehern festgelegt werden können. [1] Diese Maßnahmen
zwingen die Arbeitslosen und Überflüssigen der Kapitalverwertung
in billige und kleinere Unterkünfte oder in die flexibilisierte
Lohnarbeit für jeden Preis. Anderenfalls reduziert sich die Hartz-V-Regelleistung
um die Differenz zu den Miet- und Heizkosten.
Ein Regelungsvorschlag aus dem Ministerium für Sozialdarwinismus
der Millionärin Ursula von der Leyen (CDU) sieht vor, dass Städte
und Kreise per Satzung bestimmen, "welche Wohnfläche entsprechend
der Struktur des örtlichen Wohnungsmarktes als angemessen anerkannt
wird und in welcher Höhe Aufwendungen für die Unterkunft als
angemessen anerkannt werden". Dabei sollen sich die Kommunen am
"unteren Standard" des örtlichen Wohnungsmarktes orientieren.
Sonderregelungen für Behinderte sind vorgesehen, "soweit diese
angemessen sind". [1]
Die Axel Springer AG "Welt-Online" berichtet am 23. Juli
2010: "Deutsche Wirtschaft kann vor Kraft kaum laufen" und
"Der Ifo.Index steigt so stark an wie noch nie seit der Wiedervereinigung.
Deutsche Unternehmen strotzen regelrecht vor Optimismus." Und am
gleichen Tag erklärt FDP-Lindner per "Welt-Online" die
FDP-Werte: "Fair und solidarisch". Seine Partei habe ihre
Werte nicht richtig kommuniziert, meint der FDP-Generalsekretär,
und setzt zu seiner Aufklärung an.
Meinhard Miegel betreibt am 24. Juli 2010 die Destruktion seiner "Welt"-Leser
dahingehend, man müsse die "Armut neu denken": Die wirtschaftlich
Schwächsten in Deutschland, die Hartz-IV- und Sozialgeldempfänger,
haben einen materiellen Lebensstandard, der sogar viel höher ist
als der Lebensstandard von drei Vierteln der heutigen Weltbevölkerung.
"Alle haben genug zu essen, keiner geht unbekleidet, und jeder
hat ein Dach über dem Kopf." Die emotional aufgeladene Wucht
des Armutsbegriffs, wäre bei "Westeuropäer, Nordamerikaner
oder Japaner", laut Meinhard Miegel, "eine Form zynischer
Missachtung des wirklichen Elends Hunderter von Millionen Mitmenschen,
denen das Nötigste zum Leben" fehlt. Und Miegel weiter im
Text: "Es ist aber auch Zynismus gegenüber den eigenen Vorfahren,
von denen viele bis Anfang und nicht wenige bis Mitte des 20. Jahrhunderts
ihr Leben unter heute kaum noch vorstellbaren Entbehrungen meisterten."
(Siehe Springers "Welt-Online" am 24.07.2010) [2]
Der BDA-Präsident Dr. Hundt, der "BDA - Bundesvereinigung
der Deutschen Arbeitgeberverbände", in seiner Presseerklärung
"Flexible Beschäftigungsformen unterstützen Erholung
am Arbeitsmarkt" vom 22. Juli 2010:
"Flexible Beschäftigungsformen wie Teilzeit, Zeitarbeit und
befristete Beschäftigung haben erheblich dazu beigetragen, dass
der deutsche Arbeitsmarkt vergleichsweise gut durch die Wirtschaftskrise
gekommen ist. - Flexible Beschäftigung ist auch im derzeitigen
Aufschwung für eine schnelle Erholung des Arbeitsmarktes enorm
wichtig: Einstellungshürden werden abgesenkt, Neueinstellungen
bei noch unsicheren Zukunftserwartungen erleichtert. Vor allem Geringqualifizierten
und Langzeitarbeitslosen bekommen damit eine Chance auf Einstieg in
Arbeit. - Flexible Beschäftigungsformen wie die Zeitarbeit gewinnen
in einer sich wandelnden Arbeitswelt weiter an Bedeutung. Sie dürfen
nicht als 'atypisch' diffamiert oder durch Überregulierungen beschädigt
werden." [3] (Dr. Dieter Hundt, deutscher Unternehmer, Arbeitgeberfunktionär
und Aufsichtsratsvorsitzender des deutschen Fußball-Bundesligisten
VfB Stuttgart, Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband
der Bundesrepublik Deutschland.)
Quellen: [1] FR-online.de - am 23.07.2010. 25 Quadratmeter genug?
"Hartz IV" wird noch enger. Von Karl Doemers.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2878848_25-Quadratmeter-genug-Hartz-IV-wird-noch-enger.html
[2] Axel Springer AG - "Welt-Online" - am 24.07.2010.
"Armut neu denken" von Meinhard Miegel.
http://www.welt.de/die-welt/kultur/literatur/article8613620/Armut-neu-denken.html
[3] BDA-Presse-Information Nr. 036/2010. Arbeitgeberpräsident Dr.
Dieter Hundt: Flexible Beschäftigungsformen unterstützen Erholung
am Arbeitsmarkt.
http://www.bda-online.de/www/arbeitgeber.nsf/id/DE_Pl03610
Empfehlung:
A) Regelleistung und Menschenwürde.
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/hilfe/schramm_regel.pdf
B) Lohnverzicht reduziert Altersrente - und erhöht die Kapitalvermögen
der Bourgeoisie und Administration.
http://www.labournet.de/diskussion/wipo/rente/verzicht.pdf
Merke: Frauen und Männer der differenzierten Lohnarbeit, Arbeitslosigkeit
und Armut, nur "Gemeinsam sind wir stark!"
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Die
Renten- und Alterssicherung in Deutschland bleibt immer mehr zurück.
Von Reinhold Schramm
Seit dem Jahr 2001 haben die "Rentenreformen"
- die keine Reformen waren - das Alterssicherungssystem deutlich geschwächt.
Die Alterssicherung in Deutschland bleibt hinter anderen europäischen
Ländern zurück.
Lebensstandardsicherung war bis Ende der 1990er Jahre
ein Leistungsziel der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland.
Armutsfestigkeit des Rentensystems ist gegeben, wenn die Leistungen des Alterssicherungssystems
bei erwerbslebenslanger Beitragszahlung aus Vollzeitbeschäftigung eine
Nettoversorgung gewährleisten, die nicht nur Grundsicherungsbedürftigkeit
vermeidet, sondern deutlich oberhalb des staatlichen "Fürsorge"-Niveaus
liegt.
Die Wissenschaft kommt zur Feststellung, dass das deutsche
Alterssicherungssystem in Zukunft beide Ziele, sowohl die Lebensstandardsicherung
als auch die strukturelle Armutsfestigkeit, deutlich verfehlen wird:
- Veränderungen in der Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt, Instabilität
der Familienmuster, Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse
(Minijobs, Zeitarbeit, Leiharbeit, Aushöhlung und erwünschter Zusammenbruch
der Tarifsysteme, Absenkung der Lohnhöhe etc.), Massenarbeitslosigkeit
und wachsende soziale Ungleichheit, haben dazu geführt, dass viele Rentenversicherte
weder die Voraussetzungen für eine Rente deutlich oberhalb des (noch)
staatlichen Grundsicherungsniveaus erfüllen, noch eine Sicherung ihres
Lebensstandards erreichen können.
- Zum anderen haben die (Lobby-) beauftragten und regierenden Parlamentsparteien
mit den "Rentenreformen" des letzten Jahrzehnts die Ziele der Lebensstandardsicherung
und der Armutsfestigkeit aufgegeben und beschlossen, das Rentenniveau deutlich
abzusenken.
Seit der Rentenreform im Jahr 1957 basierte die gesetzliche
Rentenreform der Bundesrepublik Deutschland auf dem Umlagesystem, das den
Versicherten bei erwerbslebenslanger Beitragszahlung aus Vollbeschäftigung
den Lebensstandard sicherte und im Regelfall Altersarmut und gesetzliche Mindestrente
(heute 'Grundsicherung' - analog "Hartz IV-Regelleistung") vermeidet.
Seit dem Jahr 2000 kam es in der Gesellschafts- und
Rentenpolitik zu einem Paradigmenwechsel, zugunsten der (medial-) kapitalliberalen
Markt- und Privatisierungseuphorie. Die gesellschaftspolitische Entscheidung
für die Reduzierung der Altersrenten aus der abhängigen Lohnarbeit
wurde mit dem (BDA-) Argument begründet, zu hohe Lohnnebenkosten seien
eine entscheidende Ursache für Arbeitslosigkeit.
Mit der "Rentenreform" - zum Versorgungsabbau! - von 2001 ("Altersvermögensgesetz"
und "Altersvermögensergänzungsgesetz") wurde das Ziel
der Lebensstandardsicherung - vor allem für die Bevölkerungsmehrheit
- ausdrücklich von den Regierungsparteien und Parlamentsmehrheit im BDI-BDA-Kapitalinteresse
der Versicherungswirtschaft aufgegeben.
An die Stelle des bis dahin geltenden sozialstaatlichen Paradigmas trat das
"Drei-Säulen-Modell" der Privatisierungs- und Profitinteressen.
Die gesetzliche Rentenversicherung soll künftig keine volle Absicherung
mehr leisten, sondern nur noch einen Teilbetrag zur Alterssicherung leisten
(erste Säule). Der fehlende Teil zur Lebensstandardsicherung soll durch
betriebliche und/ oder private Vorsorge (- vor allem zur Profitmaximierung
der Versicherungsbetreiber und Gesellschaften etc.) aufgebracht werden (zweite
und dritte Säule).
Die "Rentenreformen" der bisherigen Regierungsparteien
und Parlamentsmehrheiten beruhten insgesamt auf einem von vornherein und erkennbar
unerfüllbaren Versprechen und vorsätzlichen Betrug an der Mehrheitsbevölkerung:
- Die kapitalgedeckte Vorsorge kann die Einkommensersatzfunktion der gesetzlichen
Rentenversicherung nicht übernehmen. Von einer Teilhabeäquivalenz
an der allgemeinen Lohnentwicklung kann nicht die Rede sein (Dominanz des
Profitsystems).
- Die gesetzliche Rentenversicherung einerseits und betriebliche und private
Altersversorgung andererseits sind nicht deckungsgleich. Die betriebliche
und private Altersvorsorge (der profitorientierten Gesellschaften) können
das gesetzliche Umlagesystem nicht kompensieren.
- Private und betriebliche Altersvorsorge sind selektiv (- der Sinn, Ziel
und Zweck des Systems).
- Die (Lobby- betriebene) Kombination bei der betrieblichen und privaten Vorsorge
und finanziellen Förderung durch den Staat führt zu systematischer
Fehlsubventionierung und Mitnahmeeffekten. Ein bereits allgemein bekanntes
und erwünschtes Ziel bei der Profitmaximierung der privaten Versicherungsgesellschaften
- durch den auch medial geleugneten realen Rentenraub bei der abhängigen
Lohnarbeit.
Quelle vgl.: WISO - direkt, Juli 2010.
Rückkehr zur lebensstandardsichernden und armutsfesten Rente.
Von Klaus-Heinrich Dedring, Jörg Deml, Diether Döring, Johannes
Steffen, Rudolf Zwiener.
http://library.fes.de/pdf-files/wiso/07350-20100716.pdf
Lese-Empfehlung:
A) Lohnverzicht reduziert Altersrente.
Verzicht auf Arbeitslohn und Lohnkampf reduziert die Altersrente und erhöht
die Kapitalvermögen der deutschen Bourgeoisie und Administration.
http://www.labournet.de/diskussion/wipo/rente/verzicht.pdf
B) DGB-Kuschelbärchen der Wirtschafts-Administration für Armutslöhne,
Zeitarbeit und Altersarmut.
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/psa/igz_schramm2010.pdf
Merke: Ohne Kampf gibt es keine auskömmliche Rente
und Alterssicherung.
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