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AStA Saarbrücken verurteilt Wiedereinführung
von Langzeit- und Zweitstudiengebühren
Anlässlich des heutigen Landtagsbeschlusses zur Wiedereinführung
von
Langzeit- und Zweitstudiengebühren bekräftigt der AStA der Universität
des Saarlandes seine Kritik an diesem Gesetz.
„In der Anhörung im Landtagsausschuss hatten alle Vertreter
von
Studierenden, Hochschulen und Verbänden dieses Gesetz kritisiert.
Wir
bedauern, dass die Landesregierung aufgrund dieser Kritik nicht auf den
Entwurf verzichtet hat“, so Konrad Hilsenbeck, AStA-Vorsitzender.
„Stattdessen wurden für die Studierenden weitere bürokratische
Hürden
eingebaut.“ Für die Befreiung wegen eines Studiengangswechsels
ist der
Nachweis über eine qualifizierte Studienberatung zu führen.
Der AStA fordert nun die Universität auf, keine Langzeit- und
Zweitstudiengebühren zu erheben.
„Langzeit- und Zweitstudiengebühren sind abzulehnen, weil
sie vor allem
diejenigen treffen, die es in ihrem Studium besonders schwer haben“,
ergänzt Daniel Werner, ebenfalls AStA-Vorsitzender. „Für
einige wie
Alleinerziehende und Studierende mit Behinderungen wurden
Befreiungsmöglichkeiten geschaffen. Dies kann aber nicht alle Fälle
sozialer Ungerechtigkeit verhindern.“
Studierende, die sich ihren Lebensunterhalt durch einen Nebenjob
parallel zum Studium verdienen müssen, werden nicht befreit. Dies
betrifft die allermeisten Langzeitstudierenden, wie eine Umfrage des
AStA ergeben hat.
Der AStA hatte alle Langzeitstudierenden nach den Gründen für
die
Verzögerungen in ihrem Studium gefragt. Nach einer ersten Sichtung
der
Antworten zeichne sich ab, dass die Finanzierung des Lebensunterhalts
bei vielen Betroffenen eine wichtige Rolle bei der Verzögerung des
Studiums gespielt hat. Außerdem habe sich gezeigt, dass bei vielen
Studierenden ein Grund vorliege, der einen Ausnahmetatbestand erfülle.
Daher dürfte sich nach Ansicht des AStA die Befürchtung der
Universität
bestätigen, durch Langzeitgebühren einen enormen bürokratischen
Aufwand
und dadurch höhere Ausgaben als Einnahmen zu erzielen.
--
AStA der Universität des Saarlandes
Die Vorsitzenden
Daniel Werner und Konrad Hilsenbeck
Referenten für Hochschulpolitik und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Gebäude A 5 2 Zimmer 0.15
66123 Saarbrücken
Tel: (0681) 302 4321
2900 (Geschäftsstelle Mo-Fr 10-14 Uhr)
Fax: (0681) 302 4323
vorsitz@asta.uni-saarland.de
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Die Krise sucht den Sündenbock
ie
Kay Sokolowskys neues Buch „Feindbild Moslem“
Von Stefan Gleser
Bei den Parlamentswahlen in den Niederlanden sahnte der rechte Populist
Geert Wilders mit Ressentiments gegen islamische Einwanderer kräftig
ab.
Theo Sarrazin, Idol und Gott aller Stammtische, pöbelte wider die
angebliche Dummheit arabischer Kinder. Ein aufgewecktes Mädchen aus
dem
Morgenland sollte sich des Sarrazins annehmen und beibringen, dass die
Bundesbank mit arabischen Zahlen rechnet. So wird, wahrscheinlich gegen
den Willen Sokolowskys, sein Buch noch lange aktuell bleiben.
Am Anfang war die Wiedervereinigung, als zusammenschlug, was
zusammengehört. Die Morde von Solingen und Mölln, die Pogrome
in Rostock
und Hoyerswerda führten zur Abschaffung des Menschenrechts auf Asyl.
Kluge Köpfe der Rechten merkten in jener Zeit, dass man Rassismus
in
eine schicke, gesellschaftlich anerkannte Form giessen muss, um
weiterhin erfolgreich zu sein. Jemanden als „Kameltreiber“
oder
„Knoblauchfresser“ zu beschimpfen, das erhöht nicht gerade
das
Sozialprestige. Ethnopluralismus, Leitkultur, homogene Kultur klingen
da
schon bürgerlich-honoriger. Mustafa in seiner Neuköllner Wohnung
kürzt
die Romane Thomas Manns und schüttet Wasser ins Klosterbier. Das
nenne
ich konspirativen Kampf der Kulturen.
Sokolowsky unterscheidet zwischen Angst, die aus individuellen Leid
herrührt, deshalb ihre Berechtigung hat und von dem das Opfer sich
befreien möchte und dem „Angsthaber“, Der fürchtet
eine Abstraktion, in
diesem Fall den Islam. Dieser ist fremd und muss fremd bleiben, weil der
Angsthaber seine Existenz aus dem Unterschied zwischen sich und dem
Fremden bezieht. Der Fremde nimmt ihm etwas. Es ist aber nichts
Konkretes wie Auto, Wohnung oder Arbeitsplatz, sondern der Fremde, so
der Angsthaber, nimmt ihm die Identität, die Kultur. Und der Angsthaber
denkt so beschränkt, dass er sich Identität und Kultur nur im
Zusammenhang mit dem Ephiteton „bedroht“ denken kann. Deswegen
kann er
sich gegenüber dem Gleichgültigen als überlegenen Warner
zu fühlen. Um
diese Position zu erhalten, werden möglichst viele schlechte
Eigenschaften dem Fremden zugeordnet und die Wirklichkeit unter dem
Gesichtspunkt der Angst sortiert.
Ein Beispiel für dieses Verhalten ist die Webseite „Politically
Incorrect“. Blogger, geschützt durch Anonymität, suhlen
sich in ihrem
Hass. „Es müsste Mohammedanern grundsätzlich verboten
sein, öffentliche
Verkehrsmittel zu nutzen.“Erst tobt sich der Mob virtuell aus, dann
wird
im Gerichtssaal die Ägypterin Marwa El-Sherbini niedergestochen.
Temperamentvoll und mit grosser Lust an der Polemik bekriegt sich
Sokolowsky mit seinem Kollegen Henryk M. Broder. Dem wird fairerweise
erst mal hoch und ausdrücklich angerechnet, dass er als erster auf
den
verkappten Antisemitismus der Riefenstahl Verehrerin Alice Schwarzer und
mancher Linker hinwies. Broders Lust an der Provokation, sein
unbestreitbarer Unterhaltungswert, seine berechtigte Kritik an
Brandrednern und Fundamentalisten, wird allerdings schnell fade und
routiniert, weil Broder den Rundumschlag bevorzugt Wenn Broder am
Himmelszelt den Halbmond entdeckt, weiss man sofort, dass demnächst
ein
Aufsatz über islamistischen Horden erscheinen wird. Sokolowsky ist,
was
den Sinn für Spott und geschliffene Bemerkungen angeht, mit Broder
durchaus geistesverwandt. Deshalb müsste Broder merken, dass Sokolowsky
sich um ihn bemüht und es bitterernst meint, wenn er Broders künftiges
Schicksal ahnt: Broder wird solange mit der strammrechten Online-Zeitung
„Blaue Narzisse“ und „Politically incorrect“ schäkern,
bis jemand aus
dieser Ecke eiskalt erklärt, woher er, Broder, eigentlich stammt.
„Feindbild Moslem“ ist kein Buch gegen oder für eine
Religion.
Sokolowsky dürfte es eher mit Peter Hacks halten, wonach Glocke und
Muezzin gleichermassen stören. Sokolowsky ist für Gleichberechtigung
und
ein gesittetes Miteinander, schlicht für zivile Umgangsformen.
„Feindbild Moslem“ ist dagegen, dass drei Millionen Mitbürger
wegen der
vermuteten oder tatsächlich Zugehörigkeit zu einem bestimmten
Kulturkreis unter Generalverdacht gestellt und in Kollektivhaftung
genommen werden. Solange dies geschieht, macht man es den Gotteskrieger
und Theokraten leicht: Die Verurteilung von Ehrenmord und Zwangsheirat
ist dann halt ausländerfeindlich. Glaubt man einer Philosophin, die
lieber anonym bleiben möchte und Migranten bei Ämter begleitet,
dann
werden Menschen aufgrund ihrer Herkunft einfach Bürgerrechte
vorenthalten: "Das Problem bei arabischen und türkischen Leuten
ist,
dass man schon im Namen sieht, ob sie in die Kategorie 'Muslim' fallen
oder nicht. Sobald da ein muslimischer Name steht, ist der Umgangston
eine Katastrophe.“
Sokolowskys Buch weist in die Zukunft. Ein charismatischer Politiker,
keine Nazis in der ersten Reihe und es könnte bald eine erfolgreiche
Partei geben, die unter dem Vorwand das Grundgesetz vor der Scharia zu
schützen, Fremdenhass und Sozialraub vereinen wird.
Kay Sokolowsky: Feindbild Moslem. , Rotbuch, Berlin, 2009,256 Seiten,
ISBN-13: 9783867890830, Preis: 16.90 €
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