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Juni 2010 Französische Fussballnationalmannschaft wird auf der Île du diable erwartet

Grande Nation verweigert der „Equipe Trikolore“ Rückkehr ins Mutterland


Französisches von Gisbert Spränzer


Gestern vor 195 Jahren dankte Napoleon Bonaparte als Kaiser der
Franzosen ab und ging ins Exil auf die Insel Sankt Helena. Wohin der
französische Fussballveband FFF seine Nationalmannschaft nach der Pleite
beim WM Turnier in Südafrika schickt, ist derzeit auch schon glasklar.
„les Bleus“ oder nach heutigen Stand „les Blamages“ haben im letzten
Gruppenspiel gegen eine phantastisch motivierte Elf aus Südafrika mit
1:2 verloren und dem Gastgeber lediglich noch die Teilnahme am
Achtelfinale vermiest. Mit der Niederlage der Franzosen im Free State
Stadion in Bloemfontein ist das Ausscheiden der „Equipe Trikolore“
besiegelt. Die Koffer sollen bereits vor dem Spiel gepackt gewesen sein,
die Heimreise ist jedoch fraglich. Niemand in Frankreich will die
Skandaltruppe noch sehen.


Staatspräsident Nikolas Sarkozy sprach von einem Waterloo des
französischen Fussballs und hat die Aufarbeitung der Chaostage in
Südafrika zur Chefsache gemacht. Eine «unabhängige Kommission» soll die
WM-Blamage der französischen Fußball-Nationalmannschaft untersuchen. Die
Piloten der Air France sollen sich weigern die Nieten nach Hause zu
fliegen. Im Pariser Bistrot La Guillotine wurden Stimmen laut, die den
verzogenen Ballmillionären eine Rückkehr nach Frankreich verweigern
wollen. Gerüchte verdichten sich, wonach die großen Flughäfen des Landes
für alle aus Südafrika kommenden Maschinen gesperrt werden sollen. Der
Bürgermeister von Bloemfontain, der Stadt der Tausend Rosen, will die
Spielverderber Südafrikas aber keineswegs länger als nötig beherbergen,
am liebsten sofort zur Hölle schicken, sagte ein Barkeeper in der Nähe
des Stadions. Lediglich Franck Ribéry soll in einer Nacht und
Nebelaktion ausgeflogen werden. Wie in München geflüstert wird, soll Uli
Hoeneß einen Buschpiloten aufgetrieben habe, der Ribéry angeblich direkt
auf dem Trainingsgelände des FC Bayern München an der Säbener Straße per
Fallschirm absetzten will. Muss die „Equipe Trikolore“ etwa den Heimweg
nach Europa zu Fuss antreten? Viele Franzosen würden es der
Skandaltruppe durchaus gönnen.


Unterdessen berichtet der Kapitän eines südafrikanischen Fischkutters,
dass mehrere Seemeilen vor dem Hafen von Bloemfontain eine schwarz
beflaggte Fregatte der französischen Marine ankert. Wie der Kapitän des
Fischkutters bei einem Plausch und einem scharfen Grog von seinem
Französischen Kollegen erfahren haben will, soll die Fregatte den
Auftrag haben, die komplette Equipe Frankreichs an Bord zu nehmen und
auf die Teufelsinsel (französisch Île du diable) zu verfrachten. Für den
äußerst umstrittenen Trainer Raymond Domenech und seine „Equipe Blamage“
dürfte auf dem Eiland des Teufels unangenehme Wochen unter der Fuchtel
von Sportministerin Roselyn Bachelot bevorstehen. Sport-Dompteuse
Roselyn Bachelot hat angeblich den Auftrag von Staatspräsident Nikolas
Sarkozy, den noch amtierenden Vizeweltmeistern wieder so etwas wie
Teamgeist einzubläuen.


Mangels Teufelsinsel (Helgoland kommt nicht in Frage), braucht die
deutsche Nationalelf, nach einer Pleite gegen Ghana und einem
Ausscheiden aus dem Turnier, keine Verbannung zu befürchten. Hoch
Wendelin bringt Sonnenschein und Partylaune nach Deutschland. Also
abwarten, Flaschenöffner rausholen und feiern.