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Schwiegermutters Traumjunge wird 10. Bundespräsident
Es hat nicht
gegauckt
Glosse von Gisbert Spränzer
Bei deutlich gestiegenen Ozonwerten unter der
Reichstagskuppel und
ebenfalls gestiegenen Blutdruckwerten der Kanzlerin ist der Kandidat von
CDU/CSU und FDP Christian Wulff erstmal durchgefallen. Er erreichte
nicht die absolute Mehrheit. Eine von beiden Schwiegermüttern des
schrecklich netten Christian von der Leine soll ihm nach Expertenmeinung
den Daumendruck verweigert haben. Das Ergebnis des 1. Wahlgangs: 600
Stimmen für Christian Wulff, 499 für Joachim Gauck, 126 für
Luc
Jochimsen (Linke). Der Stresstest für das Regierungslager ging in
die
Verlängerung und der obligatorische Blumenstrauß für den
erstmal
verhinderten Goldjungen wanderte in ein Kühlhaus des
Bundestagsrestaurants, neben Eisbein und Forelle blau, wie gefrotzelt
wurde.
Auch die Verlängerung endet mit einem Debakel
für die schwarz gelben
Koalitionäre. Schwiegermamas Dreamboy erhält wieder nicht die
erforderliche absolute Mehrheit von 623 Stimmen der
Bundesversammlungs-Mitglieder. Nur 615 Wahlfrauen und Männer votieren
für Wulff. Lange Gesichter im Regierungslager und der gewohnte
Lagerkoller, auch Krisenstimmung genannt, kommt hoch. SPD und Grüne
pokern im Hintergrund um die Stimmen der Linken und der Blumenstrauß
für
den zum zweiten mal verhinderten Goldjungen aus Niedersachsen wandert
erneut ins Kühlhaus des Bundestagsrestaurants, wo Eisbein und Forelle
blau ihn schon erwarten.
Vor dem alles entscheidenden Penalty werden die
widerspenstigen Schafe
und Böcke noch mal ordentlich durch die Mangel der Fraktionschefs
gedreht. Heftig sollen die Kabinenansprachen der Trainer gewesen sein.
Die Riesen-Klatsche für die Regierungs-Koalition droht in der
herrschenden Gewitterstimmung zum Desaster zu werden. Gerüchte wonach
sich Wulffs Schwiegermütter am netten Christian rächen wollten
sollen
die Runde machen. Die Linkspartei gibt ihren Delegierten die Abstimmung
frei, es wird spannend. Alles wartet auf das erlösende Gewitter.
Ohne Blitz und Donner gibt Bundestagspräsident
Norbert Lammert gegen
21.15 Uhr das Ergebnis des Conclaves bekannt. Die letzte Klappe ist
gefallen. Während in Wuppertal ein Sack Zement umfällt und im
Saarland
ein einsamer Schwenkbraten auf einem Holzkohlegrill verbruzzelt, ist
Christian Wulff mit einfacher Stimmenmehrheit zum 10. Bundespräsidenten
gewählt. Blumen gibt es auch für ihn. Gerüchte wonach ein
Küchenjunge
des Bundestagsrestaurants inzwischen die im Kühlhaus eingelagerten
Blumensträuße versehentlich zu einem gemischten Salat für
die SPD
verarbeitet haben soll, entbehren jeglichem Wahrheitsgehalt. Die Rache
von Wulffs Schwiegermütter ist ebenfalls ausgeblieben.
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