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„Totgeschlagen. Totgeschwiegen -
Den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus.“
Über den NS-Terror gegenüber Homosexuellen
Von Stefan Gleser
Kaiserslautern - Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Pfalz im
Nationalsozialismus“ sprach Burkhard Jellonnek, Leiter der saarländischen
Landeszentrale für politische Bildung, am Mittwoch in Kaiserslautern
im Institut für
pfälzische Geschichte über „Rosa Winkel – Die Verfolgung
der Homosexuellen".Zu
Beginn skizzierte Jellonnek die aktuelle Situation. Viele Homosexuelle
würden sich
in einer trügerischen Sicherheit wiegen. „Jetzt ist es geschafft“,
sei eine weit
verbreitete Ansicht. Sie stützt sich auf politische Ämter, die
Homosexuelle
einnehmen. Unter Jugendlichen sei allerdings ein gefährlicher Trend
zur
Diskriminierung im Gange. „Schwul“, sei wieder ein Schimpfwort
und werde auf
„Schwul, du Opfer“ erweitert.
Für Homosexuelle habe es keine Stunde Null gegeben. Sie seien nicht
als Opfer
anerkannt worden und hätten keine Entschädigung erhalten. Der
Paragraph 175, welcher
die Ausübung sexueller Praktiken zwischen Männern verbot und
welchen die
Nationalsozialisten 1935 verschärft hatten, wurde von der Bundesrepublik
übernommen.
Zwar drohte den Homosexuellen während der Adenauer-Restauration keine
Konzentrationslager, keine Zuchthäuser oder so genannte „freiwillige“
Kastration,
doch wurde zwischen 1953 bis 1965 gegen rund 100.000 Homosexuelle ermittelt
und etwa
die Hälfte davon rechtskräftig verurteilt. Erst die sozialliberale
Koalition
entschärfte den Paragraphen 175. 1994 wurde durch Streichung des
§ 175 aus dem
Strafgesetzbuch Homosexualität wirklich straffrei.
In der DDR seien die Strafgesetze wesentlich früher zu Gunsten der
Homosexuellen
geändert worden. Doch sei ihnen dort der öffentliche Raum verwehrt
worden.
Die NS-Politik übernahm 1933 die Vorurteile aus dem Kaiserreich und
der Weimarer
Republik. Der jüdische Arzt Magnus Hirschfeld, der sich für
die Abschaffung des
Paragraphen 175 eingesetzt hatte, musste 1933 sofort fliehen. Sein Institut
wurde
verwüstet.
Die Situation der Homosexuellen verschlechterte sich schlagartig nach
dem
„Röhm-Putsch“. Homosexualität diente plötzlich
als Feindbild für interne
Auseinandersetzungen zwischen den Nationalsozialisten. Homosexuelle schenkten
dem
Staat kein Kanonenfutter, verführten die Jugend, ließen sich
in ihren Treffpunkten
schlecht überwachen und gefährdeten die öffentliche Sittlichkeit.
Jellonnek lehnt
aber die Formulierung „Homocaust“ ab. Die Nazis wollten nicht
alle Homosexuelle
vernichten. Sie wollten das Phänomen Homosexualität vernichten.
Nicht der
Homosexuelle an sich ist gefährlich, sondern dessen sexuelle Präferenz.
Homosexualle
galten als „heilbar“ oder „umerziehbar“. Unter
Umständen könnte aus einem
homosexuellen doch noch ein nützlicher Volksgenosse werden.
Rüdiger Lautmann schätzt in seinem Buch „Gesellschaft
und Homosexualität“, dass die
Nationalsozialisten zwischen 5 000 bis 15 000 männliche Homosexuelle
in
Konzentrationslager verschleppten und über die Hälfte ermordeten.
In den Lagern
trugen die Homosexuellen den „Rosa Winkel“. Innerhalb der
Lagerhierarchie standen
sie an unterster Stelle. Im österreichischen KZ Mauthausen erinnert
seit 1984 das
erste Denkmal an die Leiden der Homosexuellen. Jellonnek verdeutlichte
die mit Angst
erfüllte Realität der Homosexuellen im Nationalsozialismus.
Selbst wenn es einem
Homosexuellen gelang, unbeschadet durch den Faschismus zu kommen, so war
doch jeder
Tag davon gezeichnet, seine Sexualität zu vertuschen, ja nicht aufzufallen,
von
Verwandten, Nachbarn, Arbeitskollegen beobachtet zu werden, von ihnen
abhängig zu
sein, da diese ihn jeder Zeit denunzieren konnten. Faschismus war die
beständige
Bedrohung des privaten Lebensglücks.
Die Gestapo war personell nicht in der Lage, die Homosexuellen allein
zu verfolgen.
Der Erfolg der Gestapo ruhte auf der freiwilligen Mitarbeit der Bevölkerung
und
erzwungenen Geständnissen.
Die Nationalsozialisten standen den Frauen keine eigne Sexualität
zu. So sei
lesbische Liebe nicht bestraft worden. Zärtlichkeiten unter Frauen
seien im Alltag
nicht so tabuisiert worden wie unter Männer. Roland Paul, Initiator
der
Veranstaltungsreihe, steuerte regionale Aspekte bei. Homosexuelle seien
in die
Klinik Klingenmünster eingeliefert und von dort aus weiter in die
Tötungsanstalten
deportiert worden. Die für diese Morde verantwortlichen Ärzte
hätten nach 1945
weiterhin praktiziert.
In der anschliessenden Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass Homosexualität
heute noch in vielen Länder strafbar ist. Die katholische Kirche
wurde kritisiert,
da der hohe Klerus während des Nationalsozialismus es an Solidarität
mit
geschundenen Priestern und Ordenleuten haben missen lassen.
Zum Abschluss betonte Jellonnek, das der Umgang mit Minderheiten, „ein
Gradmesser
für die Humanität innerhalb einer Gesellschaft“ sei.
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