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Mord,
Markt und Plagiat - Elke Schwabs neuer Krimi „Das Skelett vom Bliesgau“
Buchvorstellung von Stefan Gleser
So zwischen dem dritten oder vierten Glas rauscht dem jungen Kommissar
Bernhard Diez der alte Schlager in die schon arg angezwitscherte Birne,
dass man bessere Damen nur durch Kenntnis der Literatur gewinnt und er
zitiert Shakespeare. Völliges Unverständnis bei der anwesenden
Weiblichkeit. Da ist der Diez erst mal verwirrt, denn vor ihm stehen
eine Autorin und, Berufe haben die Leute heutzutage, zwei
Literaturagentinnen. Die vom Fach sagen dann nachher: Ach so, natürlich.
Ausgedacht hat sich die Kneipenszene die saarländische Schriftstellerin
Elke Schwab. Ihr neuestes Buch „Das Skelett vom Bliesgau“
ist ein Krimi
über des Mordes verdächtige Krimiautoren. Die Aufklärung
der Tat und die
Beschreibung der Literaturszene behandelt die Schwab unterschiedlich.
Brav erfüllt sie die Anforderungen an den schon klassischen
Regionalkrimi. Die ermittelnde Kommissarin Anke Deister bringt
Reitpferd, Kind und Beruf unter einen Hut. Hilfreich wirkt dabei der
väterliche ehemalige Vorgesetzte. Wenn Rationalisierung über
Entlassung
zum Amoklauf führt oder wenn Wohnsitzlose beguckt werden, so ist
solche
Kritik jedermanns Wohlwollen sicher.
Auslöser der Polizeiarbeit ist eine nur notdürftig verscharrte
Leiche im
lieblichen Mandelbachtal, auf die Anke Deister fiel. Wahrscheinlich ist
es der seit fünf Jahren vermisste Ingo Landry. Berühmt wurde dieser
Landry als er seinen Roman „Die Emanzipation des Mannes“ schrieb.
Noch
berühmter wurde er, als seine Kollege Sybille Kriebig ihm vorwarf, er
habe ihr Buch „Frauen an die Macht“ einfach auf den Kopf gestellt
und
abgeschrieben. Auf jeden Fall hat der Medienknatsch beiden gut getan.
Ihre Bücher landeten auf den Bestsellerlisten. Noch grösser wird
der
Trubel, als eine weitere Landry-kompatible Leiche auftaucht.
Wer den Landry näher kannte, wäre nie auf die Idee gekommen, dass
der
mal Sitzriese werden und eigne Bücher signieren würde. Landry war
zweifelsfrei intelligent und schreibgewandt, aber ihm fehlte jede
Notwendigkeit sich mal länger zu konzentrieren. Schon als Kind hatte
er
die Pläne für seine Modellautos zwar sofort begriffen aber ebenso
so
schnell das Basteln als langweilig empfunden. Gestützt aufs väterliche
Erbe kultivierte er seine Ansicht, Sekundärtugenden wie Fleiss und
Zielstrebigkeit seien was für Dumme. Selbstbewusstsein sog er aus dem
mächtigen, metallischen Zittern seiner Luxuskarossen. Aber o weh, das
Bankkonto schmolz sanft vor sich hin. Und so kam ihm der Vorschlag seine
Jugendfreundes Matthias Hobelt, Kriebigs Buch einfach auf den Kopf zu
stellen und die Männer die Opferrolle einnehmen zu lassen, gerade recht.
Und bei Matthias Hobelt schliesst sich wieder der Kreis zu den
Kulturbetriebsnudeln von der Theke. Wie jene interessiert ihn Lesen,
Stil, Ausdruck gar Formprobleme herzlich wenig. Aber alle wissen, wie
man ein Buch hochputscht, es marktfertig zubereitet, einen Autor zu
einer Art Label kreiert. So konventionell der Roman als Krimi ist, so
spöttisch gibt er sich, wenn er den Medienrummel beobachtet. Als die
Schwab an ihrem Skelett bosselte, ahnte sie nicht, dass sich vom ihrem
Thema Plagiat das Feuilleton würde wochenlang ernähren können.
Welch
eine Aufregung ergoss sich aus Zeitung und Bildschirm. Und jetzt stapeln
sich die Axolotls im Tierheim. Legen Sie den Heimatkrimi ruhig beiseite
und lesen Sie ein Lehrstück über den artgerechten Verkauf von Büchern.
Elke Schwab
Das Skelett vom Bliesgau
Conte Verlag, Saarbrücken
2010
288 Seiten, Paperback
ISBN 978-3-941657-14-4
Preis 12,90 €
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Vollmond hat knallharten Einfluss auf die Politik –
Schlafstörungen dagegen sind bloß ein Mythos
Hartz IV und die Rente mit 67 sind das Produkt
des Erdtrabanten
Satire von Gisbert Spränzer
Zahlreiche Untersuchungen belegten, dass es keinen Zusammenhang zwischen
Schlaflosigkeit und Vollmond gebe, teilte die Deutsche Angestellten-
Krankenkasse (DAK) Bayern mit. Unabhängige Wissenschaftler belegen
allerdings, dass der Mond nicht so unschuldig ist, wie er sich
darstellt. Bereits im Paradies traf Adam eine verhängnisvolle
Fehlentscheidung während einer Vollmondphase. Hätte der etwas
trottelige
Adam seine ihm von einer schlecht gelaunten höheren Gewalt beigepfuschte
Eva im Euphrat ersäuft, säße er noch heute glücklich
im Garten Eden.
Stattdessen fummelte der Depp bei Vollmond an seiner Gespielin rum,
tätschelte ihr den Hintern, futterte danach einen Apfel und flog
sodann
samt seinem lüsternen Weib aus dem Garten der Herrlichkeit.
Bibelforscher der Universität Sankt Luzifer in der Schweiz sind sich
sicher, hätte Adam während der gesamten Vollmondphase am Euphrat
geangelt oder mit seinem Schöpfer und ein paar Erzengeln Karten
gespielt, wäre der Menschheit viel Übel erspart geblieben. Ägypten
wäre
von den sieben Plagen verschont geblieben, die Hunnen wären nicht
bis
Europa vorgedrungen, Katastrophen wie der Klimawandel, die
Bildungsmisere, Angela Merkel und Guido Westerwelle wären unbekannt.
Vor
allem wäre der Menschheit die Existenz der Grünen und der Sozis
erspart
geblieben. So aber begann das Unglück der Menschheit seinen Lauf
zu
nehmen.
Troja ging während einer Vollmondphase unter, Atlantis soff im Schein
des Vollmondes komplett ab, ja sogar die D-Mark wurde ein Opfer unseres
vollen Erdtrabanten. Nach neuesten Vollmond-Forschungen haben die alten
Naturvölker es immer streng vermieden, während der Vollmondphase
einen
neuen Häuptling zu wählen oder andere politische Entscheidungen
zu
treffen. Nicht einmal Hochzeiten durften im Antlitz des Mondes gefeiert
und schon gar nicht vollzogen werden. Einer Legende nach wurde in der
Nähe von Damaskus sogar die Steinigung einer bösen Schwiegermutter
durch
die Anziehungskraft des Himmelsgestirns verhindert. Statt der
Schwiegermutter wurde ein Hoher Priester am Kopf getroffen, berichtet
die Legende. Esoteriker und Verschwörungstheoretiker sehen im Vollmond
gar den Alleinschuldigen an der ganzen Misère der Menschheit.
Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden soll über geheime Aufzeichnungen
verfügen, welche die besondere Empfindlichkeit deutscher Politiker
für
die Strahlkraft des Vollmondes belegen, wird offen hinter vorgehaltender
Hand gewispert. Der Deutsche Wetterdienst besitzt angeblich
Aufzeichnungen, wonach der Vollmond besonders aggressiv auf die
Gehirnströme politischer Hinterbänkler wirkt, sodass diese immer
wieder
zu Aussagen aus der Jauchegrube animiert werden. Auch wird dem
Erdtrabanten bescheinigt, er hätte der kompletten SPD-Führung
die eh
schon geschrumpften Gehirne noch zusätzlich erweicht, sodass die
Sozis
zu devoten Dienern der Banken und Großkonzerne verkommen sind. Hartz
IV
und die Rente mit 67 sind das Produkt des Vollmondes, ebenso die
Schnapsidee von Ursula von der Leyen mit der Bildungscard für arme
Kinder, die von Experten als ein Experiment mit Flopgarantie bezeichnet
wird.
Zahlreiche Mondwissenschaftler raten der Politik dringend, während
der
heißen Phase unseres Erdnachbarn das Maul zu halten und den Pferden
wegen deren größerer Köpfe das Denken zu überlassen.
Antipolitische
Kreise wollen sogar dafür eintreten, politische Löffelbieger
und
Wünschelrutengänger während der Vollmondphase einfach wegzusperren.
Sie
fordern deswegen dringend, Regierungen und Parlamente solange in
Sicherungsverwahrung zu nehmen, bis der Mond das gefährliche
Bermuda-Dreieck wieder durchschifft hat. Ob's was nützen wird, steht
jedenfalls im Kaffeesatz, in der Kristallkugel oder kann von jedem
selbst ausgependelt werden.
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