zurück takt@takt.de

Stadtzeitung Saarbrücken

Öko-Fischstäbchen kommen bald aus der Saar


Der bunte Wolgabarsch soll's möglich machen


Von Claude Michael Jung

Orthodox denkende Saarländer waren schon immer dafür. Jetzt sind auch Ökos, Sozis
und Linke dafür. Es geht um die Produktion von Delikatessen im Saarland. Auch um die
weitere Überfischung der Weltmeere zu stoppen, vor allem aber um in Zukunft
unabhängig von Fischimporten aus Drittstaaten zu werden, soll jetzt die Saar
zwischen der ostfranzösischen Stadt Saargemünd bis hinunter zur Saarschleife zum
Biosphärenreservat für Fischstäbchen und Fischfrikadellen (für Berliner
-Fischbouletten)erklärt werden.

In einem, in anglerlatein verfassten Memorandum haben führende Fluss-Ökologen aus
der Linken und den Grünen im Saarland gefordert, den bunten Wolgabarsch schleunigst
in der Saar anzusiedeln, um das Delikatessenangebot an den Fischtheken des Landes
weiter zu erhöhen. Bedenkenträger, die in dem Russenfisch, mit dem roten Stern auf
der Stirn, einen gefährlichen Feind und Nahrungskonkurrenten für die heimischen
Fischarten, wie den Revolverkarpfen und den schwarzen Bückling sehen, konnten
bereits im Vorfeld der Debatte, beruhigt werden. Bei dem bunten Wolgabarsch handelt
es sich um einen reinen Vegetarier.

Beobachtungen saarländischer Angler zufolge, die zu Studienzwecken an die Wolga
gereist waren, sei der bunte Wolgabarsch überaus nützlich und in der Lage, sich
bereits in kurzer Zeit der saarländischen Mentalität anzupassen. Zumeist in den
Nachstunden kommen die Wolgabarsche aus dem Flussbett um die Uferzonen abzuweiden
und zu säubern, berichten die Angler.

Dietmar Fickes, er ist Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft „LAG Öko-Fischerei und
Anglerwesen“ bei der Partei DIE LINKE Saar, ist von den heu und grasfressenden
Wolgabarschen ebenfalls hellauf begeistert. Eine kleine Population dieser
Süßwasservegetarier hat er bereits in seinem Gartenteich angesiedelt und verbringt
fast seine gesamte Freizeit mit den Freunden aus Russland. „Sie wedeln sogar mit dem
Schwanz, wenn sie mich kommen sehen“, sagt Dietmar Fickes.

Nach einer Mitteilung des saarländischen Fischereiministeriums ist der bunte
Wolgabarsch ein wohlschmeckender Tausendsassa, der als Fischstäbchen, mit ein wenig
Maggiwürze und mit Bratkartoffeln und Flaschenbier gereicht, jeden Gourmet um den
Verstand bringt.

Im Saar Fischereiministerium ist man ebenfalls der Überzeugung, dass eine Ansiedlung
des schwimmenden Vegetariers aus der Wolga im großen Strom der Saarländer, sich
positiv auf den Familientourismus auswirkt. Nach Planungen des
Fischereiministeriums sollen in einer ersten Phase über 120 Fütterungsstationen
entlang der Saar entstehen, an denen die Touristen die schuppigen Neusaarländer mit
Kopfsalat, Möhrchen, Radieschen und Würfelzucker, den Lieblingsspeisen der
Wolgabarsche, abfüttern können.

Scheitern könnte das geplante Biosphärenreservat für Fischstäbchen an der Saar
allerdings noch an der EU. Dort streiten Amtsschimmel und Paragraphenreiter jetzt
darum, ob Öko-Fischstäbchen aus der Saar eine eigene EU Norm benötigen, oder um die
bisherige Fischstäbchennorm auch für Fisch aus der Saar Gültigkeit hat. Passionierte
EU-Angler wollen zunächst 15 Tonnen des bunten Wolgabarschs in einem Aquarium vor
der Brüsseler Behörde in einer Langzeitstudie beobachten und spätestens am Sankt
Nimmerleinstag entscheiden, ob und unter welchen Vorraussetzungen Fischstäbchen aus
der Saar auf den EU Binnenmarkt gelangen können.

Ein bekannter EU-Paragraphenabstauber aus Bayern hat unterdessen erste generelle
Bedenken gegen eine Ansiedlung des bunten Wolgabarschs in EU Gewässern geäußert.
„Die Fische heben bereits zur Sowjetzeit in der Wolga gelebt und da ist es
unvermeidlich, dass noch etwas von ihrer alten Gesinnung in ihnen weiterlebt. In die
Isar, oder den Starnberger See kommen die Rotkopferten jedenfalls nicht“, so Europas
Paragraphenangler Nummer Eins.

Bild. Die Saar bald Biosphärenreservat für Fischstäbchen?
Foto: SaarKurier
Au, den 6. Februar 2008