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Stadtzeitung Saarbrücken

Neonazis bedrohen und provozieren linke Jugendliche im Saarland

Polizei erteilt Platzverweise an linke Jugendliche

Neunkirchen/Saar (sk) - Das traditionelle Treffen zum Rosenmontag einiger
Jugendlicher aus Neunkirchen-Saar nahm dieses Jahr einen unerwarteten Verlauf.
Während in den Jahren zuvor hier ungestört Fasching gefeiert werden konnte, wurden
im diesem Jahr Jugendliche von einer Gruppe Neonazis belästigt, bedroht und
provoziert.

Bereits vor Beginn des Umzuges kam es durch die offensichtliche Präsenz von
Anhängern der rechten Szene vor dem Geschäft „First Class Streetwear“ in der
Hebbelstraße, zu mehreren Provokationen gegenüber den eher linksgerichteten
Jugendlichen. Hierbei wurden sogar Morddrohungen seitens der Nazi Provokateure
ausgesprochen.

Nach einiger Zeit ließ es sich auch der Ladeninhaber Torsten Staudacher nicht
nehmen, die Jugendlichen zu provozieren. Anschließend fing der Inhaber des Ladens
an, die anwesenden Jugendlichen abzufotografieren und zu filmen. Nachdem er diese
fotografierte, wurde auch sehr schnell klar, wofür der aufrichtige Geschäftsinhaber
diese Aufnahmen benötigt. Gegen 17:00 Uhr kamen erneut einige Nazis, diesmal jedoch
ohne Staudacher, aus dem Laden und verteilten vor dem Geschäft eine kleine Broschüre
mit rechtsradikalem sowie geschichtsrevisionistischem Inhalt, in der auch eine sog.
„Antifa Blackliste“ enthalten war.

Auf dieser Liste standen mehrere Namen, teilweise auch Adressen und Fotos, von
politischen Gegnern, vorwiegend aus dem Raum Neunkirchen. Einige Jugendliche riefen
die Polizei um diesen Vorgang zur Anzeige zu bringen. Die Beamten beschlagnahmten
ein Exemplar der Broschüre und gingen in das Geschäft um die Situation zu klären.
Nach einer viertel Stunde kamen die Beamten zurück und hielten die Aussage, dass die
linksgerichteten Jugendlichen den Ladenbesitzer provoziert hätten für realistisch
und verwiesen diese vom Hammergraben.

Welche Intention der Betreiber des „First Class Streetwear“ mit dem verteilen
solcher Listen mit politischen Gegnern verfolgt, bleibt nur zu mutmaßen. Es ist
jedoch festzuhalten, dass die Jugendlichen in dieser Situation lediglich durch ihr
deeskalierendes Verhalten größere Auseinandersetzungen verhindern konnten.

„Als Betrachter der Geschenisse kommt es uns vor, als würden die Neonazis die
Auseinandersetzungen gerade so herbei provozieren um sich später in der Presse oder
mit Flugblättern gegenüber der Öffentlichkeit als Opfer darzustellen“, so der
Pressesprecher der Autonomen Antifa Neunkirchen, Torsten Fries.

Jene Listen, welche auch schon in der NS Zeit von politischen Gegnern erstellt
worden sind, dienen im besten Fall der Einschüchterung und sonst der Verfolgung
ihrer Gegner/innen. So sollten nach Einschätzungen der Autonomen Antifa Neunkirchen,
auch die Personen die sich am Rosenmontag im Bereich des Hammergrabens aufhielten,
mit Konsequenzen seitens der rechten Szene rechnen, da die anwesenden Nazis
ausreichend Bildmaterial und persönliche Informationen sammeln konnten.

Dazu Fries: „Fraglich bleibt für uns vor allem der Grund, für die mangelnde
Motivation seitens der Polizei, welche die Gefahr, die durch das verteilen solcher
Flyer ausgeht, wohl nicht richtig einschätzen konnte. Weiterhin werden wir die
Umtriebe in der Hebbelstraße sorgsam beobachten, um auch weiterhin von den
Ereignissen dort berichten zu können.“