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Stadtzeitung Saarbrücken


Saargemeinde plant Hurenwallfahrt zum Heiligen Jahr - Alternative Tourismusstrategie an der oberen Saar sorgt für hormonelle Hochspannung

Von Claude Michael Jung

Die beliebte Pilgerstadt Santiago de Compostela in Nordwest-Spanien wird das Jahr
2010 als “Heiliges Jahr“ feiern. Dies gab das Spanische Fremdenverkehrsamt in
Frankfurt/Main bekannt. Solch ein Festjahr gebe es immer dann, wenn der Namenstag
des Apostels Jakobus am 25. Juli auf einen Sonntag fällt. Dies sei zuletzt 2004
vorgekommen und werde erst im Jahr 2021 das nächste Mal wieder der Fall sein. In
“Heiligen Jahren“ wird in der Stadt in Galicien ein besonders hohes Aufkommen an
Sünderinnen und Sünder erwartet. So wird auch die Zahl der Pilgermessen drastisch
erhöht. Offen ist allerdings, ob der Apostels Jakobus persönlich an den
Feierlichkeiten teilnehmen kann. Der als Maurentöter bekannt gewordene Sankt Jakob
soll angeblich der katholischen Sekte der Piusbrüder beigetreten sein und in einer
schwarzen Messe zur Reconquista des Heiligen Landes aufgerufen haben. Mit Santiago
an der Spitze werde man Jerusalem samt Umgebung mittels Zwangsbekehrungen und
Ähnlichem endlich von Juden und Moslems befreien, sagte ein vermummter Jakobusjünger
dem spanischen Pilgermagazin Santa Voz (Heilige Stimme). Wie der fromme Eiferer
weiter ausführte, wolle Sankt Jakob direkt nach der Befreiung Jerusalems nach
Afghanistan weiterziehen und dort Osama Bin Laden den liederlichen Kragen umdrehen.

Vom Heiligen Jahr in Santiago de Compostela entzückt will auch die
Tempelrittergemeinde Großhumpendorf an der oberen Saar das Jahr 2010 als Heiliges
Jahr begehen. Die Kommune an Fuß der Humpenburg war bereits im Mittelalter ein
Zentrum der Jakobspilger. Am Eingang zu Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen trafen acht
Pilgerwege aus dem gesamten Sündigen Kaiserreich Deutscher Nation zusammen, wie die
Gemeindechronik von Studienrat Ernst Nonsens belegt. Fromme Marketenderinnen
erwarteten die kreuz und mopsfidelen Wallfahrer zur letzten Sünde vor dem großen
Aufbruch ans spanische Ende der Welt. Unter den gestrengen Augen der hier lebenden
Tempelritter durfte noch ein allerletztes mal aus Leibeskräften gesündigt werden.
Tempelritter Schlendrian der Mächtige führte damals die Missionarsstellung als
obligatorische Stellung beim letzten Hammelsprung vor der Grenze nach Frankreich
ein. Der dafür fällige Obulus samt Vergebung der wollüstigen Sünde wurde ebenfalls
par Ordre de Templer festgelegt. Ausdrücklich verbot der edle Ritter den Fick von
Hinten als schwulen und heidnischen Schweinkram. Wer trotzdem die verbotene Nummer
schob, musste seinen sündigen Zipfel bei der Vollstreckungsstelle des
Wallfahrstamtes abliefern und konnte fortan nicht mehr in die Gemeinschaft der
Heiligen aufgenommen werden.

Zum heiligen Jahr 2010 wird man in Großhumpendorf der zahlreichen christlichen
Jubiläen gedenken, verkündete Bürgermeister Edgar Lump an der langen Theke in
Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen. Laut Bürgermeister Lump werde seine enge Vertraute,
Beatrice Décolleté die neue Tourismusstrategie für das Heilige Jahr in
Großhumpendorf sorgfältig ausarbeiten und noch vor den Osterfeierlichkeiten der
Öffentlichkeit vorstellen.

Wie inzwischen aus dem Dynamikum, dem Großhumpendorfer Amt für aktiven Tourismus
bekannt wurde, soll im Mittelpunkt des heiligen Jahres 2010, die 700 Jahrfeier der
Hurenwallfahrt zum Grab des Apostels Jakobus nach Santiago de Compostela stehen. Im
Jahre 1310 rief Papst Atze IV. zum Weiberkreuzzug nach Jerusalem auf. Neben
zahlreichen vornehmen Damen und braven Hausfrauen, folgten auch Hunderte - das Wort
Prostituierte war noch gänzlich unbekannt – Nutten, Huren, Schlampen und ähnlich
verderbte Frauenzimmer, dem Aufruf des Heiligen Vaters, die heidnischen Moslems im
vorderen Orient aufs Kreuz zu legen. Am Sammelpunkt des Kreuzzuges, der Humpemburg
an der oberen Saar, herrschte Jahrmarktstimmung als die geballte Wollust des
Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation dem großen Strom der Saarländer seine
Aufwartung machte. Im Kirchenbuch der Pfarrei Sankt Donner und Doria ist
festgehalten, dass zum Auftakt des Weiberkreuzzuges am Oberlauf der Saar, die Sonne
nicht mehr unterging. Laut Kirchenbuch ist es zu dramatischen Szenen gekommen. Ein
Karmelitermönch starb gar den süßen Märtyrertod. Der zölibatär dahinvegetierende
Kuttenträger kam, von Fleischeslust übermannt, beim pausenlosen onanieren
urplötzlich ums Leben. Seine rechte Hand wurde als Reliquie konserviert und erzielte
auf einer Versteigerung ein stattliches Sümmchen. Die Flosse des Heiligen Wixers
wird heute in England aufbewahrt, wo sie bei Berührung durch die Pfoten impotenter
Lords, sogar das ein oder andere Wunder gewirkt haben soll.

Der Weiberkreuzzug nach Jerusalem kam allerdings nie Zustande. Tempelritter
Schlendrian der Prächtige in dessen Herrschaftszeit der geplante Weiberkreuzzug
fiel, ließ durch einen Herold das Gerücht verbreiten, Papst Atze IV. wolle das
Heilige Land doch lieber in der Hand der Moslems sehen, als dort ein Königreich der
Weiber zu ertragen. Die fromme Lüge des Templers, wonach allen Sünderinnen, die am
Grab des Apostels Jakobus beteten, das Jungfernhäutchen auf wundersame Art
nachwachse, führte zu einem Sinneswandel der Gotteskriegerinnen und zu einem
Massenaufbruch an den Arsch der damals bekannten Welt.

Eine weitere Reliquie wird im Großhumpendorfer Heiligen Jahr 2010 erstmals seit 250
Jahren wieder den Augen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wie Pastor
Friedensreich Selighauer dem hohen Gemeinderat kundtat, verwahre er hinter dem
Tabernakel der Wallfahrtskirche Sankt Donner und Doria, in einer cubanischen
Zigarrenkiste verborgen, eine Schwanzfeder und etliche Daunenfedern vom Bauch des
Heiligen Geistes. Der gefiederte Teil der Heiligen Dreifaltigkeit war im Mittelalter
während eines Kurierfluges von Orleans nach Mainz, zur Stärkung am Großhumpendorfer
Saarufer zwischengelandet. Während der Labsal mit frischem Saarwasser missachtete
das Himmelsvieh das erste Gebot aller Vögel auf sträfliche Weise. Den natürlichen
Respekt vor Katzen außer Acht lassend, badete der Heilige Täuberisch sogar in der
Saar und hielt danach ein ausgiebiges Mittagsschläfchen. So konnte sich Mimi eine
grau getiegerte Katze mit schlechtem Leumund, unbemerkt an die Schlafmütze
heranmachen. Das anschließende Gefecht war kurz und schmerzvoll für die
Kontrahenten. Der fliegende Himmelsbote verlor etliche Federn, und Mimi verbrannte
sich beide Vorderpfoten am Heiligenschein der himmlichen Luftstreitmacht. Das
Gefecht zwischen Mimi und dem Heiligen Geist ging in die Großhumpendorfer Chronik
ein. Wie allerdings Pastor Selighauer in den Besitz der heiligen Federn gelangte,
ist bis heute ein Mysterium.

Auch der berühmte Großhumpendorfer Hexenprozess feiert 2010 sein 600jähriges
Jubiläum. Tempelritter Johannes der Säufer kehrte anno 1410, von einem Ausflug in
die Pfalz, mit einem üblen Tripper, als Souvenir d' Amour, in seine Kemenate auf die
Humpenburg zurück. Die pfälzer Krankheit wäre ohne das Wirken der grünäugigen
Dorfhexe Frosina unheilbar gewesen. Eine tagelang andauernde, intensive Rosskur mit
Gebeten, Kräutern und allerlei Hokuspokus heilte jedoch den Stengel des Templers
plötzlich und unerwartet. Der anschließende Hexenprozess durch das
Inquisitionsgericht gegen Frosina, endete jedoch nicht mit der Verbrennung der Hexe,
sondern mit der Heiligsprechung der wundertätigen Frau. Frosina starb hochbetagt im
Alter von 103 Jahren. Ihre Schamhaare werden im Schauglas einer goldenen Monstranz
im Wartezimmer des Großhumpendorfer Arztes Dr. Hubert Engerling, als Zeichen dass
Wunder und Schulmedizin sich nicht gegenseitig ausschließen, verwahrt. Ein Gerücht,
wonach Dr. Engerling auch die Vagina der Heiligen Frosina in einer spiritusgefüllten
Kristallkaraffe im Giftschrank seiner Praxis verwahren soll, entpuppte sich jedoch
als eine böswillige Verleumdung, die ein unzufriedener AOK-Patient angeblich in die
Welt gesetzt hat.

Inzwischen rechnet das Großhumpendorfer Amt für aktiven Tourismus (Dynamikum), zum
Auftakt der Hurenwallfahrt 2010, mit mehreren tausend Bussen und Reisemobilen aus
dem gesamten Rotlichtmillieu Europas. Die Karawane der Freude wird mehrere Tage an
der oberen Saar Station machen. Arbeitsgruppen aus der gesamten Kommune sind an der
Planung der Hurenwallfahrt 2010 ebenso beteiligt wie Touristiker aus der näheren und
ferneren Umgebung der uralten Tempelritterkommune. Bürgermeister Edgar Lump und
Pastor Friedensreich Selighauer haben bereits gemeinsam über 180 Maßnahmen und
Projekte zur Tourismusentwicklung im Heiligen Jahr konzipiert. Darunter touristische
Attraktionen, wie die nächtliche Hurenprozession. den Nippesbasar für Wallfahrer,
ein Kennenlernprogramm für Scheinheilige und ein, nicht jugendfreies Computerspiel
für die virtuelle Reise ans Grab des Apostels Santiago. Speck und Gaudi im Überfluss
dürfte die Miss Jakob Wahl am Baggersee, sowie die Verleihung des Großhumpendorfer
Heiligenscheins für bußfertige Sünderinnen und Sünder auf dem internationalen
Straßenstrich ans Grab des heiligen Maurentöters, sein.

Nach aktuellen Studien gebe es einen Trend zu Reisen mit frommen Aktivitäten, so
Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonsens. Das sei für Großhumpendorf eine gute
Ausgangssituation. Nach den Zahlen der „Stiftung Bumsfidel“ werden in Zukunft rund
40 Prozent der Erlebnisreisen von Deutschen als Wallfahrten stattfinden. Der
touristische Aspekt sei bei weitem nicht das einzige Highlight dieser vielfältigen
und lebendigen Veranstaltung an der oberen Saar. Wie Dorfmarketingexperte Ernst
Nonsens abschließend sagte, werde der heilige Boden der Tempelrittergemeinde zu
einem international bedeutendem Drehkreuz für Wallfahrten aller Art
weiterentwickelt. Ab 2015 werden von hier aus Wallfahrten zum Familiengrab Adams und
Evas stattfinden. Ab 2018 sollen dann die ersten frommen Pilger mit einer Rakete
direkt zur Jungfrau Maria in den Himmel geschossen werden.