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Stadtzeitung Saarbrücken


Saargemeinde profitiert vom Konjunkturpaket II

Großhumpendorfer Neujahrsempfänge 2009 münden in rauschender Ballnacht –
Bürgermeister Edgar Lump stellt Weltrekord Fidel Castros ein

Von Claude Michael Jung

Der diesjährige Großhumpendorfer Neujahrsempfang war, wie bereits in der Zeit der
einst hier lebenden Tempelritter, eine einzigartige Orgie der wahr gewordenen
Träume, verbunden mit den rosigsten Zukunftsaussichten und wieder einmal einem
Gelage der Superlative. Edgar Lump, regierender Bürgermeister der autonomen
Templerkommune an der oberen Saar, empfing gemeinsam mit Pastor Friedensreich
Selighauer, Dorfchronist Studienrat Ernst Nonsens, sowie dem Kommandeur der
Großhumpendorfer Landwehr, Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss, die
Bürgerinnen und Bürger seiner Gemeinde. Gekommen war auch viel Prominenz der Landes-
und Bundespolitik, Vertreterinnen des Rotlichtmilieus, des niedern und mittleren
Klerus, sowie des saarländischen Adels. Sozis mussten, wie bereits seit 1914 üblich,
draußen bleiben.

Die Mutter aller Stimmen, die große Schlendriansglocke im linken Hauptturm der
mächtigen Wallfahrtskirche Sankt Donner und Doria, trommelte bereits gegen 9.30 Uhr
in der Frühe zum Neujahrshochamt. Traditionsgemäß war die Kanzel, von der herab
Pastor Friedensreich Selighauer während des restlichen Jahres seine gut gewürzten
Predigten hält, auch in diesem Jahr wieder verhüllt. Stattdessen stieg die Axt im
Walde Gottes auch zum Jahresbeginn 2009 wieder in das über dem Hochaltar hängende
Weinfass, welches nach einer Überlieferung aus dem frühen Mittelalter ein
unbekannter Pilger aus dem Elsaß aus Dankbarkeit für die Erlösung von seinem Pfälzer
Schwiegersohn hier angebracht hatte. Der Legende nach soll ein gnädiger Blitz den
frommen Elsäßer von seinem unfähigen Eidam erlöst haben, indem er ihn beim Scheißen
im Wald ohne Vorwarnung erschlug und zu Staub verwandelte.

Nach einem kurzen Dankesgebet für die vortreffliche Eisweinernte stieg Pastor
Selighauer zur Neujahrssansprache an die Gläubigen und Ungläubigen des
saarländischen Erdkreises in die schwankende Bütt über dem Hochaltar. Besonders
herzlich begrüßte Pastor Selighauer Monsignore Don Camillo Lambrusco, den Vertreter
des heiligen Stuhls, sowie seine Emminenz, Isidoro Promillo, langjähriger Abt des
Klosters Monte Vino und päpstlicher Beichtvater.

Dem im vergangenen Jahr verstorbenen Bauern Lemmes Güllerich wünschte Pastor
Selighauer ein feucht-fröhliches Leben im Paradies und bedankte sich für die
treffliche Erbschaft, die der im Humpenbach ertrunkene Landwirt der roten
Templerkommune seinen Freunden hinterlassen hatte. Über sein Erbstück, die Sau
Elsbeth, verlor der Gemeindehirte kein Wort. Die Prachtsau Elsbeth hatte, kurz nach
ihrem Umzug vom alten Schweinestall des teuren Verblichenen in den Rosengarten des
Pastors, das Kleinod innerhalb von wenigen Tagen in eine Schlammwüste verwandelt. Wo
einst die Rosen Gottes blühten, suhlt und grunzt nun Elsbeth, die einzige
eierlegende Wollmilchsau der nördlichen Hemisphäre, sehr zum Leidwesen ihres neuen
Herrn und Meisters. Zum Abschluss des feierlichen Hochamtes verfluchte Pastor
Friedensreich Selighauer das Sozenpack im ganzen Land und wünschte der SPD im
Superwahljahr 2009 den Teufel an den Hals, sowie eine gigantische Serie von
Wahlpleiten.

Der zweite Akt des Großhumpendorfer Neujahrsempfangs begann pünktlich um 14.00 Uhr
im großen Rittersaal der Humpenburg. Mit einer rhetorisch fein geschliffenen
Dauerrede von 7 Stunden 43,11 Minuten verwies Bürgermeister Edgar Lump den
cubanischen Revolutionsführer Fidel Alejandro Castro Ruz in der Kategorie
Marathonreden auf den zweiten Platz im Guinnes Buch der absolute Weltrekorde.
Bürgermeister Lump übertrumpfte Fidel Castro um eine genau 16 Minuten und 23
Sekunden längere Steh und Redezeit und hatte dabei lediglich im Doppelmix einen
Verbrauch von 17 halben Litern Bier und ebenso wenigen Rachenputzern mit einer
Oktanzahl von 40% Vol.

Kurz vor 21.00 Uhr hielt die Gemeinde samt ihren Ehrengästen den Atem an.
Bürgermeister Edgar Lump, schon ein wenig heiser, machte seine Kommune mit den
Folgen der Weltwirtschaftskrise bekannt. Wie Bürgermeister Edgar Lump bekannt gab,
fließen alleine aus Mitteln des Konjunkturpakets II rund 224 Millionen EURO in die
Gemeindekasse. Der Inhalt der Zastersäcke ist bestimmt für die weitere Suche nach
dem Großen Humpen, dem Heiligen Gral, der irgendwo in der Nähe der Humpenburg, tief
in einer Höhle, versteckt sein soll.

Um an die Finanzspritze zu kommen hatte Bürgermeister Lump Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) versichert, sollte der Heilige Gral noch in ihrer Regierungszeit
gefunden werden, so werde sie sich, einmal im Jenseits angelangt, mit König Artus
oder mit Ritter Lancelot vom See vereinigen, eventuell sogar mit beiden. Auch
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) rückte das Konjunkturbakschisch gerne
heraus. Steinbrück wurde von Edgar Lump prophezeit, er werde dankenswerterweise nach
seinem Einzug in die Hölle nicht in ordinärem Raps- oder Sonnenblumenöl gebruzzelt,
sondern käme von Ewigkeit zu Ewigkeit in den Genuss, in einer kuscheligen Fritteuse
mit bestem Olivenöl frittiert zu werden.

Wie Bürgermeister Edgar Lump weiter ankündigte, werde auch aus dem Euter der
europäischen Kuh (EK) in den nächsten Tagen ein stattliches Millionensümmchen in die
Gemeindekasse fließen, damit das lang geplante Projekt „Dorfmitte am Fluss“,
kostenneutral für die Templerkommune realisiert werden kann. Geplant ist, die alte
Bundesstraße entlang dem romantischen Saarufer in einem Tunnel verschwinden zu
lassen. Brandmeister Rohrbruch und Dr. Hubert Engerling hatten seit Jahren den
Tunnelbau gefordert, um beim Angeln ihre Ruhe zu haben. Erst ein Gutachten der
Saarländischen Sommerlochakademie, wonach der Straßenlärm geeignet ist, den
Saarfischen in erheblichem Umfang auf die Nerven zu gehen, machte die EU Bürokratie
sensibel für das dringende Anliegen der uralten Templergemeinde.

Zum Abschluss der offiziellen Marathonrede Bürgermeister Lumps verkündete der
regierende Bürgermeister unter dem Beifall der Anwesenden, er werde auch beim
Konjunkturpaket III. und IV wieder ordentlich Knete für die Gemeinde an Land ziehen.
In Berliner Regierungskreisen soll Bürgermeister Lump bereits das Gerücht gestreut
haben, das Grab einer bedeutenden Person der deutschen Geschichte werde am Westhang
der Großhumpendorfer Kuckuckshöhe vermutet. Im Koalitionsausschuss, sowie in den
Parteispitzen von CDU und Sozis spricht man bereits davon, das Rumpelstilzchen sei
in Großhumpendorf begraben und warte nur auf seine Erweckung durch die
Regierungschefin und ihren Finanzminister.

Mit einer rauschenden Ballnacht endete der diesjährige Großhumpendorfer
Neujahrsempfang. Dorfchronist Studienrat Ernst Nonsens vermerkt in seinem Tagebuch,
dass Bürgermeister Lump auf dem Nachhauseweg dreimal auf das Innnigste die heilige
Erde der oberen Saar geküsst hat und wieder einmal die gesamte Breite der Straße in
Anspruch nehmen musste, um in die Arme seiner geliebten Ehefrau Elfriede zu
gelangen. Der häusliche Empfang für den erfolgreichsten Bürgermeister Europas soll
heftig gewesen sein, berichten wieder einmal lange Ohren und böse Zungen.