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Die große Flut von 1784
Großhumpendorfer Sperrmüll
zerstört Saarbrücker Saarkran
Von Claude Michael Jung
Großhumpendorf im Sommer des Jahres 1784. Das war ein strahlend
blauer Himmel,
blühende Wiesen, eine Rekordernte was Grummbeere und Braugeste anbelangte.
Das waren aber auch prächtige Bäuche, und wieder einmal ein
geburtenstarker Jahrgang.
Bürgermeister Emanuel Lump, ein Urahn des heutigen Kommunechefs Edgar
Lump, - sie
nannten ihn Emma, - wurde in diesem denkwürdigen Jahr, der elfte
Panns (neudeutsch: Sohn) geboren.
Das Erntedankfest war schon damals einer der Höhepunkte des Jahres
an der oberen
Saar. Reichlich hatte man sich auf der Gemarkung der, mit Großhumpendorf
bereits seit Jahrhunderten verfeindeten Gemeinde Schlemmerbach, mit Brennholz
für den Winter versorgt. Sogar die, aus der Pfalz zum Frondienst
angereisten Knechte waren
glücklich darüber, solch großartigen Herren, wie den Großhumpendorfer
Bauern,
Handwerkern und Gelehrten, dienen zu dürfen.
Dem Bernhardiner Mönch Salvator, er war in der gottesfürchtigen
Gemeinde für die
Beichte und die Sonntagspredigt zuständig, fiel es als Erstem auf,
dass den Dorfhunden schon frühzeitig ein besonders dickes Fell heranwuchs.
Einem Dackel wuchsen sogar Dauerwellen, so dass niemand mehr recht erkennen
konnte, ob er gerade zum Sturm ansetzte, oder wieder mal Fluchtgedanken
hegte.
Das Alarmsignal, dass ein besonders harter Winter bevorstand, beherzigten
jedoch die
Großhumpendorfer, dank ihrer unermesslichen Weisheit. Unter dem
Kommando von Bürgermeister Emma Lump, sattelte die Großhumpendorfer
Landwehr ihre Pferde und Esel zur wiederholten Bekehrung der Schlemmerbacher
Erbfeine. Mit dem Kampfruf: „Geben ist seliger, denn nehmen“,
sammelte das kleine Heer in Feindesland sämtliche Sauerkrauttöpfe,
sowie Käse und Speckvorräte ein. Selbst Hochprozentiges, dass
die Schlemmerbacher immer brauchten um sich Mut anzutrinken, wanderte
mit dem Segen des Bernhardiner Mönch Salvator, in die Obhut der bewaffneten
Großhumpendorfer Missionare.
Schon zu beginn der Adventszeit herrschte Hochbetrieb auf der Großhumpendorfer
Rodelbahn, die von der Humpenburg hinunter an das Ufer der Saar führte.
Als der
Nikolaus im Dorf erschien war der große Fluss bereits zugefroren.
Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen blieb in dieser Zeit recht leer. Das
ganze Dorf tanzte und feierte auf
der zugefrorenen Saar. Mit Fackeln beleuchtete Imbissbuden, die auch Grog,
Glühwein und die, in Schlemmerbach eingesammelten Schnapsvorräte
unters Volk brachten, reihten sich am Saarufer bunt aneinander.
Der Wintersport erlebte an der oberen Saar seinen ersten Boom. Zur ersten
aktenkundig gewordenen Schneeballschlacht der Geschichte kam es zwischen
der
Großhumpendorfer Jugend und einer Auswahl Mönche, die auf dem
Weg nach Rom war. Die Kuttenträger vergaben den Großhumpendorfer
Töchter und Söhnen, das ihnen angetane Leid und segneten die
Sieger sogar noch mit zahlreichen lateinischen
Kraftausdrücken. „Auf das vorgesehene Festbanquette und die
ihnen angebotene
Revanche verzichteten die unsportlichen Mönche,“ ist in der
Großhumpendorfer Chronik von Studienrat Ernst Nonsens nachzulesen.
Bis Faasenacht (Karneval) dauerte die strenge Frostperiode und das Wintervergnügen
an. Die Großhumpendorfer Kaufmannschaft befürchtete bereits,
dass der Vorrat an den Beutegetränken zur Neige gehen könnte,
wenn Väterchen Frost noch bis zum Beginn der Großhumpendorfer
Passionspiele verweilen würde.
Dann aber überzog zu aller Überraschung, das kräftige
Azorenhoch Schlendrian weite
Gebiete Mitteleuropas. Krokusse streckten über Nacht ihre Köpfe
aus der Erde hervor
und sangen die ersten Frühlingslieder. Die meterdicken Eisschichten
auf der Saar
brachen mit lautem Getöse auseinander und warmer Regen übergoss
reichlich das obere
Saartal. Die Sonne ermunterte den großen Strom des Saarvolkes über
die Ufer zu
treten und die reinigende Kraft seines glasklaren Wassers zum großen
Frühjahrsputz zu nützen.Saarbrücken meldete: „Land
unter“. Die Stadt am Fluss war weitgehend überschwemmt.
Die Saar tummelte sich auf dem Sankt Johanner Markt, sowie in den gesamten
flacheren Gegenden der Stadt. Gelassen versenkte ein vorbei treibender
Eisberg, auf dessen Gipfel noch die Fahne der Großhumpendorfer Winterolympiade
wehte, ein Dutzend Lastkähne, die an der Berliner Promenade fest
gemacht hatten. Mit einer weiteren, in Bewegung geratenen Eisscholle,
trieb sogar eine Fressbude samt gut gelaunter
Kundschaft von Großhumpendorf nach Saabrigge.
Das große Glücksgefühl für die Saarbrücker
löste allerdings der dritte Eisberg aus,
der die Stadt am Fluss erreichte. In aller Eile hatten Putztruppen der
Gemeinde
Großhumpendorf tonnenweise den, während der Winterolympiade
angefallenen Sperrmüll
auf seinen Rücken gepackt und dem Eisberg dann, im Namen von Bürgermeister
Emma
Lump, bis nach Saarbrücken, immer eine handbreit Wasser unter dem
Kiel gewünscht.
Am 4.März 1784 erreichte der Großhumpendorfer Jahrhunderteisberg,
samt seiner wertvollen Fracht mit Schlingerkurs die Saarmetropole. Donnernd
krachte das Ungetüm im Saarbogen in den dort errichteten Saarkran,
der zum Umladen der Waren von den Saarschiffen auf Karren und Fuhrwerke
diente. Die Kranen-Sozietät, die das alleinige Nutzungsrecht am Kran
hatte ging durch den Totalschaden pleite.
Trotzdem herrschte nach der Ankunft des Jahrhunderteisberg große
Freude bei der
Saarbrücker Bevölkerung. Die „Stadtzeitung Saarbrücken“
titelte: „Endlich –
Weihnachten und Ostern sind am 4.März 1784 zusammengefallen“.
Bauklötzte staunten die Saarbrücker über die Gaben, die
ihnen der Großhumpendorfer Supereisberg so reichlich spendiert hatte.
Zum ersten mal sahen sie Holzkohlegrills und Schwenker, jene Werkzeuge
auf denen alle Saarländer noch heute ihr berühmtes Schaukelfleisch
zubereiten und ihre Würstchen bruzzeln.
Auch sprach man an jenem denkwürdigen 4.März 1784 in Saarbrücken
zum ersten mal von einem Saarspektakel. Ausgelöst wurde das Spektakel
von den zahlreichen, zum Teil
noch halbvollen Bier und Weinfässern, die der großzügige
Eisberg von der oberen Saar
anlandete. Nur einen Tag später titelte die „Stadtzeitung Saarbrücken“.
„Großhumpendorfer Spendenfreudigkeit löst Frühlingsrausch
der Massen aus“.
Dorfkater Baldrian wusste längst
Bescheid
Von Claude Michael Jung
Eigentlich wollte Erzbischof Anro, den Papst Benedikt XVI. als apostolischen
Visitator an die obere Saar in die Christengemeinde Sankt Donner und Doria,
gesandt hat, nur einige Tage in der uralten Tempelritterkommune verbringen.
Solange nur, bis das geheimnisvolle Vorleben des Großhumpendorfer
Pastors Friedensreich Selighauer brutals möglich aufgeklärt
war und vor dem Heiligen Vater in Rom ausgebreitet werden konnte. Jetzt
hat es jedoch den Anschein, als wollte der hohe Kirchenfürst seinen
Lebensabend an der oberen Saar verbringen, vermutet jedenfalls Bürgermeister
Edgar Lump. Gegenüber dem Dorfchronisten, Studienrat Ernst Nonses,
sagte Lump: „Ich glaube
den verdammten Himmelskutscher kriegen wir nie wieder los“.
In der Tat, es hat nur wenige Tage gedauert bis der Erzbischof voll in
die Gemeinde integriert war. Es waren vor allem die langen Abenden am
Stammtisch, oder an der langen Theke in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen,
welche die Integration, ja man kann getrost behaupten, die Assimilation
des Kirchenfürsten mit dem Menschenschlag an der oberen Saar, beschleunigt
hat. Beatrice Décolleté, der engen Vertrauten des Kommunechefs
Edgar Lump ist bereits aufgefallen, dass dem apostolischen Visitator,
gerade noch rechtzeitig zu Beginn der Fastenzeit ein kleiner, jedoch durchaus
beachtlicher Bierbauch herangewachsen ist. Beatrice Décolleté
nannte die Wampe des Erzbischofs ehrfurchtsvoll eine „Heilige Turbo-Erhebung“.
Dass der fromme Erzbischof ausgerechnet das Geheimnis der Großhumpendorfer
Wasserlache schon nach wenigen Wochen seines Aufenthaltes in der emplergemeinde
aufgeklärt hat, ist dem Großhumpendorfer Gemeinderat allerdings
nicht so besonders recht, ja eher schon ein wenig peinlich.
Jahrzehntelang war die große Wasserlache, direkt neben der Schlendrianslinde,
die seit Jahrhunderten schon auf dem Rätschplatz, dem großen
Versammlungsort und Festplatz der Gemeinde zu Ehren von Tempelritter Schlendrian
dem Mächtigen steht,
tagein und tagaus zu bewundern. Selbst in den langen und trockenen Sommermonaten
stand die geheimnisvolle Wasserlache am Fuß der Schlendrianslinde.
Der große Baum aber verriet das Geheimnis des kleinen Sees zu seinen
Füßen jedoch niemanden. Auch
Dorfkater Baldrian, der in den Sommermonaten meist in den Ästen der
Schlendrianslinde nächtigt, wahrte das große Geheimnis streng.
Bereits seit Jahren kursieren Legenden über die geheimnisvolle,
nie versiegen
wollende Wasserlache. Die streng zölibatär lebende Grundschullehrerin
Fräulein Zickig sprach bereits von einem Mirakel, einem Wunder und
hatte etwas voreilig bei Pastor Friedensreich Selighauer beantragt, das
Wasser der Dauerpfütze als Heil und Weihwasser zu verwenden. Auch
wurden seit längerem schon von Bürgermeister Edgar Lump, Studienrat
Ernst Nonsens und Pastor Selighauer, Wallfahrer beobachtet, die zur Wasserlache
an der Schlendrianslinde pilgerten und dort Kerzen anzündeten. Einem
dieser Pilger soll dabei eine weiße Frau, nur bekleidet mit einem
knappen Nachthemd, erschienen sein und ihn aufgefordert haben eine Münze
in der Wasserlache zu versenken. Angeblich sollte der Pilger danach drei
Wünsche frei haben, so die Legende. Seither befreit Gemeindeamtmann
Franz Klamm den Grund der großen Lache allmorgentlich von der schweren
Bürde ihrer Münzen aus aller Welt, mir bloßen Händen
wie das Großhumpendorfer Rathaus bestätigt.
Nun aber ist das Großhumpendorfer Mirakel, dank der schwachen Blase
des
apostolischen Visitators Anro, als weltliche Schwäche des Großhumpendorfer
Gemeinderats brutal enttarnt worden. Mit schwer beladener, jedoch schwächelnder
Blase verließ der Erzbischof lange nach Mitternacht, bereits ein
wenig desorientiert, Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen. Direkt an der
steinalten
Schlendrianslinde übermannte ihn die Kraft des Wassers und er musste
dem Druck seiner Blase Tribut zollen. Stöhnend, jedoch mit einem
Stoßgebet auf den Lippen, erleichterte sich der Erzbischof zu Füßen
der großen Linde. Noch war der letzte Tropfen nicht geflossen, als
sich schwankende Schritte dem Baum der Erleichterung näherten. Mit
leicht feuchten Beinkleidern flüchtete der Vertreter des Pontifex
maximus hinter „Karls Gourmetpoint“, die Großhumpendorfer
Imbissbude für den verwöhnten Gaumen.
Nach und nach wurde dann das Geheimnis des Grohumpendorfer Mirakels gelüftet.
Zuerst erschien Brandmeister Rohrbruch, öffnete seine Hose und ließ
mächtig Druck ab. Dann folgte nur wenige Minuten später Doktor
Hubert Engerling. Sein Druck war dermaßen stark, dass der Rückschlag
seines Wasserstrahls für seine nassen Füße verantwortlich
zu machen war. Gemeindeamtmann Franz Klamm latschte voll in die Pfütze
hinein und Studienrat Ernst Nonsens sorgte wenig später für
einen raschen Anstieg des Wasserpegels. Dann erschien Pastor Friedensreich
Selighauer vor dem kleinen See inmitten der Gemeinde. Pastor Selighauer
dankte Gott für das genossene Bier in Ännchens Kneipe. Mit einen
Amen auf den Lippen reicherte der streitbare Gemeindehirte die Wasserlache
vor der Schlendrianslinde, - mit den gefilterten, - fast glasklaren Resten,
- der zuvor hinter seine trockene Binde abgekippten, - schäumenden
Krawallbrause, - noch um einiges an.
Den Höhepunkt des nächtlichen Wasserfestes setzte jedoch wie
immer Bürgermeister Edgar Lump. Dorfkater Baldrian wäre um ein
Haar von seinen bequemen Ast gestürzt, als Bürgermeister Lumps
Bierfurtz wie ein Donnerhall über den nächtlichen Rätschplatz
hallte. Dann prasselte, ein schier nicht enden wollender, schäumender
und dampfender Wasserfall, in die gewaltig angestiegene Pfütze hernieder.
Der gewaltige Sturzbach des Bürgermeisters löste sogar bei den
schlafenden Vögeln hoch oben in der alten Linde Panik und blankes
Entsetzten aus.
Schwer wie ein Martyrium lastet die Bürde, um das Wissen vom Großhumpendorfer
Wasser-Mirakel, auf den Schultern des apostolischen Visitators Erzbischof
Anro. Mit mehreren Krügen Messwein aus den Vorräten von Pastor
Friedensreich Selighauer, hat sich der Erzbischof in die Krypta der Pfarrkirche
Sankt Donner und Doria zu Exerzitien zurückgezogen. Die geistigen
Übungen brachten dem Kirchenfürsten nach sieben langen Tagen
und noch viel längeren Nächten die Erkenntnis, dass Geheimnis
der Großhumpendorfer Wasserlache mit niemanden, nicht einmal mit
dem Heiligen Vater zu teilen.
Erzbischof Anro, vom Messwein schwer beseelt und durch die geistigen
Übungen in der Krypta der Pfarrkirche Sankt Donner und Doria, in
höhere Sphären katapultiert,
beschloss sofort nach seiner Rückkehr in die ewige Stadt, ein Wunder
zu
vollbringen. Gemeinsam mit seinen Amtsbrüdern in der vatikanischen
Kongregation zur Anerkennung
unerklärlicher Vorgänge und Erscheinungen, Isidoro Kardinal
Promillo, Erzbischof Ernesto Lambrusco und Monsignore Antonio Grappa,
soll auch der Vatikan zum Mirakel einer ewigen Wasserlache kommen. Ein
geeigneter Ort für die Wunderlache sieht Erzbischof Anro schon vor
seinem geistigen Auge. Im Nachmittagsschatten der alten Pinie von Papst
Pius X, in den vatikanischen Gärten, soll die erste Wasserlache nach
Großhumpendorfer Dimension entstehen. Erzbischof Anro ist sich sicher,
auch in Rom geeignete Krawallbrause für einen bombationösen
Blasendruck aufzutreiben. Zur Not will der Erzbischof sogar im Vatikan
eine Brauerei gründen und nach deutschem Reinheitsgebot ein Treibmittel
zur Überflutung der vatikanischen Gärten brauen.
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