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Obere Saar rüstet zur Kirmes
- Sozenwurf soll humanisiert werden
Von Claude Michael Jung
Hoch ging es wieder her, auf der Sitzung des Gemeinderates der autonomen
Kommune
Großhumpendorf an der oberen Saar. Die uralte Tempelrittergemeinde
rüstet zur
diesjährigen Kirmes. Auf Antrag von Zora Klamm, Vorsitzende der kämpferischen
Frauengewerkschaft an der oberen Saar, soll der traditionelle Sozenwurf
reformiert
werden. Der Sozenwurf ist bereits seit 1914 Bestandteil der einzigartigen
Dorfkirmes
und zieht alljährlich Sportler aus der gesamten Großregion
Saar/Lor/Lux und dem
Elsaß in seinen Bann.
Bei der Formel Eins der Steinewerfer, wie der Sozenwurf genannt wird,
werden 1250
Gramm schwere Pflastersteine über eine Distanz von 15 Metern auf
Pappkameraden der
SPD Führungsriege geworfen. Gewinner ist, wer mit möglichst
wenigen Steinen die
aufgestellten Sozis flachlegt. Um Unsportlichkeiten wie im vergangenen
Jahr
vorzubeugen, ist nach Ansicht der roten Zora, eine Reform des Sozenwurfs
unumgänglich.
Die letztjährige Kirmes endete mit einem Eklat und mit einem langwierigen
Prozess
vor dem saarländischen Satiregerichtshof. Brandmeister Rohrbruch
war mit dem
Wasserwerfer der freiwilligen Feuerwehr zum sportlichen Wettbewerb angetreten
und
hatte ratz fatz die Sozis in einer gewaltigen Wasserlache absaufen lassen.
Auch der
gemeinsame Auftritt von Pastor Friedensreich Selighauer und Oberstleutnant
a.D.
Wilfried von Bockschuss war nicht gerade als sportlich zu bezeichnen.
Beide traten
mit einer alten Panzerfaust aus dem zweiten Weltkrieg zum traditionellen
Sozenwurf
an. Daraufhin musste der Wettkampf frühzeitig, wenn auch unter Protest
von
Bürgermeister Edgar Lump, abgepfiffen werden. Sowohl Bockschuss,
als auch Pastor
Selighauer gaben als Entschuldigung vor dem saarländischen Satiregerichthof
zu
Protokoll, sie wären durch die unzähligen Verkostungen von Kirmesbier,
Schnaps und
Wein, ein wenig hoch gedopt gewesen und das Corpus Delicti, die alte Panzerfaust
sei
auch gar nicht scharf gewesen. Der zweite Senat des saarländischen
Satiregerichtshof
wertete die Unsportlichkeit als Geringfügig, mahnte jedoch die Sozenwerfer
von der
oberen Saar, den gesamten Wettbewerb zu überdenken und ein vollkommen
neues
Regelwerk zu erarbeiten.
Bürgermeister Edgar Lump gab dem Reformantrag der roten Zora statt
und ließ von
Studienrat Ernst Nonsens protokollieren, dass in diesem Jahr erstmals
auch Frauen
zum Sozenwurf antreten dürfen. Allerdings setzte Bürgermeister
Lump durch, dass zur
diesjährigen Kirmes erstmals nicht auf Pappkameraden der Sozis geworfen
wird,
sondern ein leibhaftiger Sozi das Spektakel humanisieren soll. Der ex
Bürgermeister,
der mit Großhumpendorf seit Jahrhunderten verfeindeten Nachbargemeinde
Schlemmerbach, Hermann Atzel (SPD), seit der letzten Gebietsreform nur
noch
Ortsvorsteher und Fußabtreter des regierenden Bürgermeisters
der roten
Tempelrittergemeinde an der oberes Saar, wird die Hauptattraktion der
diesjährigen
Gaudi, verkündete Bürgermeister Edgar Lump unter dem tosenden
Beifall des gesamten
Gemeinderates.
Auch auf Pflastersteine will Bürgermeister Edgar Lump in diesem
Jahr beim Sozenwurf
gnädig verzichten. Wie gemunkelt wird, soll Kommunechef Lump einen
starken Anfall
von Gefühlsduselei gehabt haben und will deswegen seinem alten Erzfeind
die
Steinigung ersparen. Geworfen wird deswegen in diesem Jahr mit nassen
Handtüchern.
Wie es heißt, stellt sich der ex Sozenbürgermeister der, mittlerweile
von
Großhumpendorf besetzten und okkupierten Gemeinde Schlemmerbach,
Hermann Atzel,
freiwillig dem Großhumpendorfer Sozenwurf. Atzel sitzt bereits seit
drei Wochen bei
Wasser und Brot im roten Turm der Humpenburg und wird von den Geistern
der hier
begrabenen Tempelritter ordentlich heimgesucht. Atzel soll mittlerweile
sogar bereut
haben der SPD beigetreten zu sein und betrachtet den Sozenwurf als Erlösung
von
seiner schweren Sünde und als Befreiung von der Heimsuchung der toten
Templer.
Unterdessen bestätigte der Kellermeister des Saarländischen
Satiregerichtshofs, das
hohe Gericht werde in diesem Jahr die Schiedsrichterrolle beim Sozenwurf
übernehmen
und streng gegen Regelverstöße vorgehen. So werden die Richter
jedes Handtuch nach
dem Wurf überprüfen und jedem die rote Karte zeigen, der darin
Pflastersteine oder
andere Gegenstände verpackt hat. Alle Teilnehmer müssen zudem
eine Ehrenerklärung
abgeben und schwören den ollen Sozi nicht unter der Gürtellinie
zu traktieren.
Sowohl der Großhumpendorfer Gemeinderat, als auch der Saar Satiregerichtshof
gehen
davon aus, dass die diesjährige Formel Eins der Steine und Handtuchwerfer
der
fairste Wettbewerb seiner Art seit 1914 wird.
Beim Internationalen Olympischen Komitee hat Bürgermeister Lump
inzwischen
beantragt, den Sozenwurf bereits zu den kommende Spielen in London zuzulassen.
Das
IOK soll bereits Zustimmung signalisiert haben und will mit einer Delegation
den
Großhumpendorfer Sozenwurf, den ultimativen Höhepunkt der einzigartigen
Dorfkirmes,
begutachten.
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