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Katastrophale Sauerstoffwerte in der Ems
WWF-Messungen belegen ökologische Krise vor der Überfahrt der
„Celebrity Solstice“
Leer (sk) - Der WWF hat während des Probestaus der Ems zwischen
dem Speerwerk
Gandersum und Papenburg extrem niedrige Sauerstoffwerte gemessen. Zudem
sei der
Boden des Flusses zeitweise mit einer bis zu zwei Meter dicken Schlickschicht
bedeckt. „Der Fluss ist auf einer Strecke von über 30 Kilometer
praktisch tot“,
erklärte WWF-Expertin Beatrice Claus. Die katastrophalen Messergebnisse
seien vor
allem auf die Baggerungen im Fluss zurückzuführen. Damit hatten
die Behörden in den
letzten Wochen die Ems vertieft, um am Wochenende die Überführung
des
XXL-Kreuzfahrtschiffes „Celebrity Solstice“ von der Papenburger
Meyer Werft an die
Nordsee zu ermöglichen. Die Überführung des Schiffes hatte
am Sonntagmittag
begonnen.
Wegen der andauernd schlechten Sauerstoffwerte gebe es vermutlich kaum
noch Fische
im Fluss. Darum sei aktuell auch kein Fischsterben zu beobachten. Am Gewässerboden
hat der WWF am Freitag und Samstag Werte von weniger als einem Milligramm
gemessen.
Auch an der Gewässeroberfläche lagen die Werte unter dem für
das Leben im Fluss
kritischen Wert von vier Milligramm. Ein gesunder Fluss enthält acht
Milligramm
Sauerstoff pro Liter.
Auch das eindringende Salzwasser macht dem Fluss während des Probestaus
zu schaffen.
Denn aus der Nordsee wird salzhaltiges Wasser in die Ems gepumpt - auch
in die
Süßwasserbereiche des Flusses. Der WWF hat in den Übergangsbereichen
zwischen Salz-
und Süßwasser bereits am Sonntagmorgen bei Leer dreifach erhöhte
Salzwerte gemessen.
Süßwasserarten können diesen plötzlichen Salzschock
nicht verkraften.
Der WWF misst während des Probestaus parallel zur zuständigen
Behörde, dem
Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küstenschutz
und Naturschutz
(NLWKN). Beim letzten Probestau im August hatte der WWF erstmals die schlechten
Sauerstoffwerte am Boden der Ems nachgewiesen, die die Behörde damals
nicht erfasst
hatte.
„Die permanenten Eingriffe zerstören den Fluss“, so
WWF-Expertin Beatrice Claus. Bis
zum Jahr 2000 sei nur der Abschnitt zwischen Papenburg und Leer von den
massiven
ökologischen Problemen betroffen gewesen. Seitdem habe das Flusssterben
auch den
weiteren Verlauf der Ems bis zum Speerwerk Gandersum erreicht. Der WWF
fordert
Politik, Behörden und die Meyer-Werft auf, endlich Konsequenzen aus
der
jahrzehntelangen Zurichtung der Ems für die immer größer
werdenden Schiffe der Werft
zu ziehen. „Die Ems muss umfassend ökologisch saniert werden.
Und die Meyer-Werft
muss ernsthaft über Alternativen nachdenken. Eine ganze Region leidet
unter den
Folgen der Ems-Zerstörung“, so Claus.
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