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28. August 2008
"Keine gute Rolle"
Kritik an Merkels Kaukasus-Kurs
Die Bemühungen der Bundesregierung zur Lösung des Kaukasus-Konflikts
sind bei SPD und FDP auf Kritik gestoßen. Der SPD- Politiker Erhard
Eppler äußerte gegenüber n-tv.de Unverständnis über
die Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel für Georgien.
Mit ihrer Schützenhilfe für Georgiens Präsident Michail
Saakaschwili habe sie "keine gute Rolle gespielt", sagte Eppler
n-tv.de. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle wandte sich gegen starke
Worte in dem Konflikt. "Die mögen im eigenen Land Beifall bringen.
Die internationalen Beziehungen werden dadurch nicht besser", sagte
Westerwelle in der ARD.
Der SPD-Politiker Eppler äußerte weiter Verständnis für
die russische Haltung in der Auseinandersetzung. "Dass die Russen
die Georgier wieder rausgeworfen haben, war völlig in Ordnung",
sagte er im Interview mit n-tv.de. Auch wenn der Zeitpunkt der Anerkennung
der Unabhängigkeit der georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien
falsch sei, hätte Russland auf Dauer nicht anders handeln können.
Verantwortung der USA
Für die Eskalation zwischen dem Westen und Russland machte Eppler
die USA verantwortlich. Diese hätten nicht begriffen, dass auch andere
Staaten Machtansprüche geltend machten und "die Zeit der unipolaren
Welt vorbei ist". Dazu gehöre auch die berechtigte russische
Kritik an dem geplanten US-Raketenabwehrsystem in Polen: " Man stelle
sich bitte vor, die Russen würden ein Raketenabwehrsystem in Mexiko
stationieren, gegen wen auch immer. Selbstverständlich würden
die Vereinigten Staaten das nicht dulden", sagte Eppler weiter.
Der Fraktionschef der Sozialdemokraten im EU-Parlament, Martin Schulz,
warnte zudem vor einer Bestrafung Russlands für das Vorgehen in Georgien.
"Damit würden wir den radikalen Kräften in Moskau in die
Hände spielen, die den Konflikt weiter eskalieren lassen wollen",
sagte der SPD-Spitzenkandidat bei den Europawahlen der "Financial
Times Deutschland". "Außerdem kann die EU Russland gar
nicht bestrafen. Kein Politiker bei Sinnen denkt daran, militärisch
zu intervenieren." Schulz plädierte für deutliche Kritik
der EU an Russland, aber auch am georgischen Staatschef Saakaschwili.
EU soll vermitteln
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, Ruprecht
Polenz, lehnte eine Vermittlerrolle Deutschlands in dem Konflikt ab. Dies
sei "weder sinnvoll noch richtig", sagte Polenz der "Leipziger
Volkszeitung". Entscheidend sei, dass die Europäische Union
Russland geschlossen gegenübertrete. "Wir sind Teil der EU und
nicht Vermittler zwischen der EU und Russland", machte der CDU-Politiker
klar. Russland sei dabei, Georgien weiter zu destabilisieren, "mit
dem Ziel, dort eine russlandfreundliche Regierung zu etablieren".
Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hielt dem Westen vor, in dem Konflikt
mit zweierlei Maß zu messen. Der "Frankfurter Rundschau"
sagte er, zwar verhalte sich Russland in Georgien "eindeutig völkerrechtswidrig".
Allerdings sei das Vorgehen der USA, Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens
zum Beispiel mit Blick auf das Kosovo ebenso völkerrechtswidrig gewesen.
"Damit hat der Westen Russland auf die Spur gesetzt, auch wieder
in alten Machtkonstellationen zu denken", sagte Gysi.
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