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Stadtzeitung Saarbrücken

Aufzucht von Chimären auch im Saarland sehr erfolgreich

Tarnanzüge der Bundeswehr standen Pate


Von Claude Michael Jung

In Großbritannien wird nach einem Beschluss des britischen Unterhauses die
Produktion von Tier-Mensch-Embryonen künftig möglich sein. Im Saarland ist man
bereits einen Schritt weiter. Hier gelang es der biotechnologischen Forschung unter
der Leitung des Experimentalmediziners, Medizinalrat Engelbert Schnurres und dem
Anthropologen Professor Hypokrat, Ritter vom Steißbein, nach jahrelangen
Experimenten mit biologischen Farbstoffen im Hundefutter, endlich die vom größten
Teil der Hundehalter dieser Welt, mit Sehnsucht erwartete, voll anpassungsfähige
Hunderasse zu kreieren.

Lizzy, so der Name der kleinen freundlichen Hundedame, ist ohne wenn und aber in der
Lage ihr Fell präzise der Farbe des Sessel, Bett, oder Sofabezugs anzupassen. Damit
jedoch noch nicht genug. Dank der intensiven Forschungen gelang es dem Duo Engelbert
Schnurres und Ritter vom Steißbein auch, dass Lizzy und ihre Artgenossinnen
innerhalb weniger Sekunden ihr Fell der jeweiligen Kostümierung von Frauchen und
Herrchen anpassen können. Gassi gehen ist jetzt im Partnerlook möglich. Sogar
Polizeihunde werden sich der jeweiligen Tracht ihres Begleitpersonals anpassen,
garantieren die nobelpreisverdächtigen Forscher aus dem Saarland.

„Begonnen haben wir vor etwa zehn Jahren mit der farblichen Neugestaltung von
Dalmatinern. Zuerst gelang es uns die schwarzen Tupfen der Hunde in Streifen
umzuwandeln. Dies führte jedoch zu Problemen im Straßenverkehr. Viele Autofahrer
waren von den überall auftauchenden beweglichen Zebrastreifen irritiert und es kam
zu Unfällen“, so Medizinalrat Engelbert Schnurres. Weiter führt der Biotechniker
aus: “Wir waren gezwungen unser Labor in ein stillgelegtes Kalkbergwerk zu verlegen,
um uns vor Wirtschaftsspionage zu schützen. Hier gelang es uns erstmals den
mehrfarbigen Dalmatiner, getupft, gestreift, kariert und sogar mit neonfarbenen
Pfoten, Ohren und Schwanz, zu entwickeln.

Auf den Gedanken, Hunde deren Fell sich der Inneneinrichtung menschlicher
Behausungen anpasst zu entwickeln, kamen beide Forscher, als sie einen
Stabsunteroffizier (Stuffz) der Bundeswehr, aus purem Zufall (Blasendruck), in einem
Straßengraben der A 6, mehr oder weniger durch Alkohol desorientiert auffanden. Der
bereits als fahnenflüchtig Gesuchte, hatte mehrere Tage lang seinen Vollrausch neben
der viel befahrenen Autobahn ausgeschlafen, ohne entdeckt zu werden. Sein Tarnanzug
hatte den Stuffz nahezu unsichtbar für das menschliche Auge gemacht. Beeindruckt hat
die saarländischen Forscher dabei insbesondere, dass der Tarnanzug keinerlei
Kontraste zwischen dem dort abgelagerten Müll, dem Mageninhalts seines Trägers,
sowie diversen anderen Ablagerungen zugelassen hat. „Wenn wir den Ärmsten nicht
durch Zufall entdeckt hätten, wäre er glatt von der Autobahnmeisterei entsorgt
worden“, ist Ritter vom Steißbein überzeugt.

Die saarländische Erfolgsstory begann zuerst mit einer Reihe von Pleiten. Versuche
mit Mäusen, deren Fell sich der Küchen und Kellereinrichtung anpasst schlugen samt
sonders fehl. Keiner der beiden genialen Forscher hatte daran gedacht, Shyla, die
Übelkatze aus dem Labor zu verbannen. So wurde Shyla Tag für Tag fetter und die
Ausgaben für die Beschaffung immer neuer Mäusegenerationen ließen die Versuchsreihe
zu einem teuren Flopp werden. Versuche mit Ratten scheiterten ebenfalls an den
Aktivitäten von Shyla.

Den Durchbruch brachte ein, aus Ostdeutschland importierter Kräuterlikör. Der
ostdeutschen Medizin mussten lediglich noch einige Tropfen, des im Saarland weit
verbreiteten Verdauungsmittels Krokus 264 zugesetzt werden und etwa 15 Minuten gegen
den Uhrzeiger gerührt werden. „Zunächst wurden die Hunde vollkommen unsichtbar für
das menschliche Auge. Erst als Professor Hypokrat Ritter vom Steißbein sich ermüdet
in seinem Sessel niederlassen wollte und Rokko, ein Dobermann, der sich dem
himmelblau des Sesselbezuges vollkommen angepasst hatte das Steißbein des
Anthropologen zu misshandeln begann, stand fest, dem saarländischen Genius war der
Durchbruch in der Hundezucht des 21. Jahrhunderts gelungen.

„Bergleute zu Hundezüchtern“ fordern derweil die führenden Parteien des kleinen,
aber genialen Bundeslandes. Saarfürst Peter Müller (CDU) will nach seinem Rauswurf
aus der Saarbrücker Staatskanzlei im kommenden Jahr selbst unsichtbare und
tarnfarbene Dackel in seiner Heimatgemeinde Eppelborn züchten. SPD Chef Heiko Maas
kläfft zwar immer noch selbst, sagte jedoch er wolle dafür sorgen, dass das Saarland
zur führenden Nation in der weltweiten Hundezucht aufsteigt. Die Linke will in der
Hundezucht im Saarland eine Leitinvestition für die nächsten zwei Jahrhunderte sehen
und besonders die Massenaufzucht der innovativen Hunde steuerlich fördern. Lediglich
der Deutsche Städte und Gemeindetag mosert rum. Hier sieht man die Gefahr, dass
unsichtbare und tarnfarbene Hunde nicht von der Hundesteuer erfasst werden können
und der Steuerhinterziehung mal wieder von amtswegen Tür und Tor geöffnet werde.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Hundeforschung und Entwicklung im Saarland einen
weiteren Quantensprung gemacht hat. Medizinalrat Engelbert Schnurres und dem
Anthropologen Professor Hypokrat Ritter vom Steißbein ist es gelungen ein Hundefell
erstmals resistent gegen Flöhe zu machen. „Planet, mein bewohnter Schäferhund hat
als erster Hund der Weltgeschichte vom biotechnologischen Fortschritt profitiert und
ist vollkommen Insektenfrei“, so Ritter vom Steißbein. Als nächstes wollen die
saarländischen Forscher den unsichtbaren Politiker kreieren, um im kommenden
Superwahljahr das Volk vor großformatigen Plakaten mit Schockfotos der Kandidaten
für die Parlamente zu schützen.